11.7.2017

Lahti – Helsinki – Tallin 
Gestern Abend musste ich noch eine Kopfschmerztablette nehmen und früh ins Bett gehen. Heute geht es mir wieder gut. 

Um 9 Uhr nahm ich den Zug nach Helsinki, und nachdem der Wetterbericht nichts gutes vorhersagt, habe ich mich entschlossen, mit der Fähre gleich weiter zu fahren nach Tallin. Damit habe ich mich nun von Skandinavien verabschiedet. 

Am 14. Mai kam ich in Oslo an, und wurde von den Röhrls mehr als herzlichst begrüßt und aufgenommen. Von da an hatte ich mit 2 Wochen Kälte, Regen und Schnee zu kämpfen. Doch Norwegen zeigte sich dazwischen immer wieder von seiner freundlichen und schönen Seite, bis das Wetter umschlug. 2 Wochen lang scheinte die Sonne, und zwar bei Tage und bei Nacht. Es ging bergauf und bergab, von Fjord zu Fjord, die Seen waren noch mit Eis bedeckt, und Schnee lag bis zum Meer. Es ist für mich bisher das landschaftlich schönste Land. Einzig die Preise, und zwar für alles sind für unsereins irrsinnig. 12 Euro für 0,4 l Bier sind halt ein Wahnsinn. 

Die Menschen sind hilfsbereit und unglaublich symphatisch – das Land ist rundum schwer beeindruckend.

Weiter ging es dann mit dem Postschiff vom Nordkap nach Kirkenes, und dann nach Finnland. Jürgen Meier, ein niederbayerischer Landwirt hat mir einmal erklärt, dass wenn man durch einen Wald fährt, und sich rechts und links Wald befinden würde, dann wäre das ein „Doppelt-Holz“.
Das würde also bedeuten, dass ich ungefähr 1500 Kilometer durch das finnische „Doppelt-Holz“ gefahren bin. Man teilt sich hier die Einsamkeit mit Rentieren, Elchen, Bären und Wölfen und wiederwärtigen und sinnlosen Moskitos.
Die ersten 3 Tage war es ebenfalls eiskalt, es regnete bei 2 bis 3 Grad gerade noch über dem Gefrierpunkt, dann wurde es langsam besser, was die Moskitos aus ihrem armseligen Dasein riss.
Vom Regen in die Mückenplage.
Ich lernte, wie überall auf meiner Reise toll und interessante Menschen kennen, obwohl hier auf dem „Iron-Curtain -Trail“ sehr wenig Radfahrer unterwegs sind. Die Finnen sind ein sehr wortkarges Volk, habe ich mir sagen lassen, einzig in der Sauna wird geredet, und zwar ausgiebig. 
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich wieder hierher kommen werde, auch nach Finnland, allerdings dann im Winter. 
Ich bin jetzt schon ganz schön herumgekommen in Europa. Ich bereiste Spanien, Frankreich, England, Wales, Irland und Schottland, Norwegen und jetzt Finnland. Jeder Tag war spannend und brachte Neues. 
Jetzt sitze ich auf der Fähre von Helsinki nach Tallin, und freue mich schon auf die nächsten Begegnungen. Das Baltikum muss super schön sein, es wird sicher wieder spannend werden.
Von der Mutmaßung ging es direkt ohne Umwege in die Realität, Tallin ist wirklich eine sehr schöne Stadt. Es tanzt hier der Bär, und die Preise sind einigermaßen verträglich.

Nachdem ich nun eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden habe – in einem Hostel im 4-Bett Zimmer – habe ich mich aufgemacht die Stadt soweit zu erkunden, dass ich morgen weiß, was es zu besichtigen gibt. Denn morgen bleibe ich noch hier. 

Mein sächsischer Begleiter Horst hat mir gerade mitgeteilt, dass er heute Abend noch mit dem Zug in Tallin ankommen wird. Jetzt muss ich mich noch um ein Bett kümmern. Ich habe damit gerechnet, dass er morgen kommt, aber nicht heute.

Der Beckenbauer sagt, „schaun mer mal, dann segn mas scho“.