20. Mai 2019

Wenn man ein Land, zumindest halbwegs kennen lernen möchte, dann muss man das mit dem Fahrrad tun. Man ist langsam genug um viele Eindrücke zu bekommen, man ist aber auch schnell genug unterwegs, um die verschieden Regionen bereisen zu können.

Ich bin durch die meisten Länder Europas geradelt, doch als ich heute nach Tirana gefahren bin war ich doch eher erschüttert. Müll liegt kreuz und quer, die Strassen sind in einem schlechten Zustand und die Menschen in den Vororten fristen eher ihr Leben. Ich möchte das nicht als die alles entscheidende Wahrheit sehen, das ist lediglich mein persönlicher Eindruck.

Als ich in einem Ort, ungefähr 30 Kilometer nördlich von Tirana an einer Kreuzung stehen blieb, wurde ich in Null-Komma nichts von 10 Kinder umzingelt. Sofort wollte einer der Jungs mein Taschenmesser stehlen, was sich in meiner Lenkertasche befand. Laut schreiend riss ich ihm das Messer aus der Hand und fuhr unverzüglich weiter. Das ist sicherlich kein Einzelfall, sondern spiegelt die Haltung vieler hier lebenden Menschen wider.

Man sollte nicht die Schuld bei irgendjemanden suchen, nein, entscheiden ist ein physikalischer Gesetz. Ursache und Wirkung. Der Ober im gestrigen Hotel sagte mir, 100 Euro seien für die meisten Menschen hier ein Vermögen.

Anfang der 90er Jahre hatte das Land ein Problem mit der nicht mehr funktionieren Abfallwirtschaft, sodass die Leute ihren Müll irgendwo entsorgten. Darüberhinaus wird aber nach wie vor Müll importiert. Scheinbar ist das ein sehr lohnendes Geschäft. Albanien kennt laut Wikipedia dieses Problem, und versucht nun mit harten Strafen dagegen zu wirken. Allerdings möchte ich eines anmerken. Wir trennen den Müll, unser Land scheint sauber zu sein, die Menschen in Deutschland denken umweltbewußt, doch verscheuern wir unseren Müll nach China, vielleicht auch hierher.

Wo ist da der Unterschied?

Tirana ist für mich die bisher schrecklichste Stadt, man sieht hier einen brutalen Unterschied zwischen arm und reich.

Alles in Allem fühle ich mich hier in diesem Lande nicht wohl, gerade weil es mir derartig gut geht, und ich mit der Armut nicht zurecht komme. Und weil man hier vielleicht billig essen kann ist für mich kein Anspruch.

Gestern habe ich einem 4 Sterne Hotel genächtigt, zu einem Preis von 34 €, das Abendessen mit 3 kleinen Bieren hat 7 € gekostet. Heute früh nach dem Frühstück bin ich dann wieder aufgebrochen ins 70 Kilometer entfernte Tirana, weitgehend auf der Hauptverkehrsstrasse und Autobahn, bis mich plötzlich Uwe auf dem Weg nach Pakistan überholte. Sofort ging es in die nächste Bar auf einen Kaffee. Über seine WhatsApp-Gruppe habe ich dann später gelesen, dass er von einem Hund gebissen wurde. Ich hoffe, dass er Tetanus geimpft ist.

3 mal wurde ich heute von aufkommenden Gewitterschauern durchnässt.

Von der Autobahn bin ich einmal ausgewichen auf eine Nebenstraße. Das war zunächst ein Feldweg, mit einer Wunderaren Seenlandschaft, die ich zu durchqueren hatte.

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Sturzbach unter der Brücke!

Nach weiteren 20 Kilometern bog ich wieder auf die Autobahn ab, um einfach einigermaßen vorwärts zu kommen. Dabei verpasste ich leider 2 Österreicher, mit denen  ich mich über Facebook verabredet hatte. Dummerweise merkte ich nicht, dass mein Handy Provider mir die mobilen Daten abgeschaltet hatte, um mich vor der Kostenfalle des Roaming zu schützen. Wir haben uns verpasst.

Wie gesagt, haben mich die Vororte von Tirana unglaublich genervt, sodaß ich morgen mit dem Taxi die Stadt in Richtung Meer verlassen werde.

Mein Hotel heißt übrigens „Hotel Arber“, mitten im Zentrum von Tirana, sodass ich die Stadt zu Fuß erkunden konnte.

Noch ein paar Eindrücke:

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Dies Moschee

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Eingang zur orthodoxen Kirche

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Foto vor dem historischen Museum

 

2 Gedanken zu “20. Mai 2019

  1. Paul Silberbaur 20. Mai 2019 / 21:04

    Lieber Alois, ich wünsche Dir eine gute Weiterfahrt mit vielen schönen Eindrücken!!!

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  2. Walter Häge 22. Mai 2019 / 16:13

    Hallo Alois, du hast doch alle Karl May Bücher gelesen? Dann solltest du doch wissen wie wild es im Land der Skipetaren zugeht :-). Hoffe du kommst weiter gut durch, auch ohne Henry-Stützen. Was die Hunde angeht ist Tetanus (Wundstarrkrampf) wahrscheinlich das geringere Problem, ich hoffe du bist auch gegen Tollwut (Rabies) geimpft (weil du bist auch ohne Infektion schon toll). Wenn dich ein Hund beissen sollte, vor allem wenn er krank wirkt, dann solltest du aber trotz Impfung zum Arzt gehen.

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