5. Juni 2019

Saturnia – Castel del Piano

Eine kurze Etappe mit nur 33 Kilometern, aber genau 804 Höhenmeter gab mir gestern die Zeit etwas länger zu schlafen zu können. Ohnehin gab es erst ab 8 Uhr Frühstück, mir blieb also fast nichts anderes übrig als später zu starten. Lauter Wetterbericht sollte es jetzt immer heißer werden, und so war es auch.

Und dann ging es wieder mal richtig bergauf.

Alles Steigen muß endlich seinen Höhepunkt erreichen, von wo ein Sinken folgt.

Heinrich Martin

(1818 – 1872), deutscher Schriftsteller, Pseudonym für Heinrich Martin Jaenicke

Quelle: Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1871

Ein weiser Spruch, nicht wahr? Nachdem man bergauf radelt, gehts meist wieder bergab.

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Meine Tagesetappe führte mich auf einer nahezu verkehrsfreien Strasse immer weiter in   die toskanischen Berge, man könnte meinen, man befinde sich im bayerischen Wald. _DSC1751.jpg

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Triana Podere

Der Aufstieg war schweißtreibend, aber ich hatte genug Wasser dabei. Vorbei geht es am höchsten Berg der Toscana, dem Monte Amiata (1738 m), auf dem man oft bis ins Frühjahr Skifahren kann.

Nach einer Abfahrt von 5 Kilometer komme ich nun endlich nach Castel del Piano. Kaum komme ich in die Stadt, sehe ich schon meinen alten Kumpel, den Österer Willi. Vor 10 Jahren war ich schon mal hier, aber nicht mit dem Fahrrad. Ich meine, dass er mit seiner Frau Andrea vor gut 20 Jahren hierher kam und diese Ruine, die über 70 Jahre leer stand, innerhalb von 2 Jahren selbst sanierte. Das erforderte einen unglaublichen Willen und Biss. Trotz vieler Rückschläge habe die beiden ihr Vorhaben durchgezogen. Habt ihr denn gewußt, von was ihr dann leben wollt, wie ihr euer Leben finanzieren könnt, waren meine Fragen. Ein klares Nein war die Antwort,

Der Grossteil der Leute, die sich hier in der Toscana Häuser kaufen, leben weiterhin in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich, und nutzen ihre Anwesen als Feriendomizile, wandern aber nicht aus.

Aber einfach von der Heimat wegzugehen, ohne zu wissen, wie man hier seine Brötchen verdienen kann, ist für mich undenkbar. Die beiden haben sich hier Existenzen aufgebaut, Willi hat seine Olivenhaine und Andrea betreibt im Ort eine gut gehende Praxis als Heilpraktikerin.

2 Jahre hat es auch gedauert, bis die beiden hier angekommen sind, bis sie hier von den Italienern als vollwertige Mitglieder akzeptiert wurden.

Allen Respekt, Andrea und Willi!

Die beiden meinen doch glatt, ich sei absolut abgemagert, und haben sich zum Ziel gemacht, mich für die restlichen 3 Wochen zu mästen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich nicht nein sagen kann.

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Begrüßungsfoto!

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Morgen früh werde ich dann weiterfahren und mir in Siena ein Hotel suchen.

3 Gedanken zu “5. Juni 2019

  1. Therese Truan 5. Juni 2019 / 17:28

    Hallo Alois,
    der Weinkeller hat es dir angetan¨! dein Kumpel Willi hat recht siehst abgemagert aus.
    musst schaue das du zu Kleidern kommst.
    weiterhin alles gute
    äs Liebs grüssli vor Schwitz

    Therese

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  2. Konrad Mundt 5. Juni 2019 / 17:30

    Zwengs dem Effekt hat Till Eulenspiegel bergauf immer gelacht und bergab geflent. Ich bleibe in der Donausteppe.

    Konrad Mundt

    Rentnerstraße 6 93102 Pfatter Telefon 09481 400

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  3. Walter Häge 6. Juni 2019 / 16:30

    Ich habe Anfang des Jahres, zusammen mit Christine, meinen Freund Ekki besucht der in Seggiano wohnt und arbeitet. Wir sind von dort auch Richtung Monte Amiata gefahren und an der Podere Triana vorbeigekommen, waren auch kurz in Castel del Piano.
    Heute ist mir auch mal einen guten Spruch von Erich Kästner über den Weg gelaufen:
    „Die Dummheiten wechseln
    aber die Dummheit bleibt“
    Ist so mein Eindruck, vor allem wenn ich Zeitung lese oder fernsehe. Die Aussage besitzt einen hohen Wahrheitsgehalt und das Angenehme ist sie gilt ziemlich unabhängig von unseren politischen und weltanschaulichen Einstellungen.
    Und passt ein wenig zu deinem Tagesmotto, wobei dein Spruch berücksichtigt dass es Aufs und Abs gibt, wahrscheinlich gibt’s das auch bei der Intensität zeitgeistiger Dummheiten. Nach großen Katastrophen scheint es schon einen gewissen Lerneffekt zu geben, oder schlägt das Pendel einfach nur in die andere Richtung aus, bis eine „alternative Dummheit“ (wieder) Oberhand gewinnt? Ich empfehle dir deine heutige Abendmeditation mit einem schönen regionalen Rotwein zu unterstützen, nehme aber an die Empfehlung ist ziemlich überflüssig.
    Ciao

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