19.6.2017

Kirkenes (Norwegen) – Porotila Toini Sanila (Finnland)


An und für sich bräuchte ich nicht mehr schreiben, dass ich am Vorabend Spaß hatte, denn das ist fast jeden Tag der Fall. Und eben gestern auch. Als ich mir gegen 18 Uhr ein Bier genehmigen wollte, stand eine Dame vor mir an der Theke und bestellte „one Weißbier please“, in perfektem Englisch allerdings war diese leichte bayerische Akzent deutlich zu hören. 

2 Regensburger, welche Überraschung! 

Nach dem Essen trafen wir uns nochmals an der Theke, und ich würde sogar auf ein Bier eingeladen. Ja, es war ein netter Abend, denn wir haben natürlich viele gemeinsame Bekannte. Als die beiden dann ins Bett gingen, kaufte ich mir in der Panorama Bar nochmal ein Bier, und wartete bis sich die Menschen in ihre Kajüten zurückzogen. Dann Porotila konnte ich mich auf der Couch erst ausbreiten.

 

Mein Schlafplatz 

Das Frühstück an Bord war super, mit allem was das Herz begehrt. Ich habe so viel gegessen, dass ich tagsüber keinen Hunger bekam. Um 9:30 Uhr musste ich dann wieder in die Pedale treten. Der Wetterbericht sagte für heute Nachmittag Dauerregen voraus, das wollte ich definitiv nicht erleben. 

Um 13 Uhr begann es dann zu regnen, und im Laufe des Nachmittags wurde der Regen immer stärker und die Temperatur viel bis auf 5 oder 6 Grad. Das Hotel, in dem ich schlafen wollte, gibt es nicht mehr, also 20 Kolometer weiter fahren, und das bei diesem „Scheisswetter“. So schön es die letzten 2 Wochen war, so bescheiden ist es heute, und ebenfalls für die nächsten Tage prognostiziert.

Eine alte Freundin hat mal gesagt, stell dir vor, man könnte das Wetter kaufen, dann würden es die Reichen bestimmen. Und es gäbe mit Sicherheit Wetterkriege.

Da muss man durch, das hilft nichts. An meinem Körper war heute nichts mehr trocken als ich an meiner Über booking.com gebuchten Hütte ankam, und ich war richtig unterkühlt. Die Chefin zeigte mir  meine Hütte, und die vorgeheizte Sauna, die ich unverzüglich frequentierte. Jetzt geht es wieder besser. Zum Essen gibt es wohl Rentier, und scheinbar ein Süppchen.

Diese 5 Wochen Norwegen mit dem Rad haben mich von diesem Land und seiner Natur mehr als überzeugt. Die Menschen sind sehr hilfsbereit, und mit der Natur verbunden, ich habe es hier genossen. Und jetzt bin ich in Finnland. Da bin ich gespannt. 

Mitternachtssonne auf Deck 7

Grenzübergang nach Finnland in die EU

Schneeschmelze 

Blick auf meinen letzten Fjord mit einer Träne in den Augen

18.6.2017

Honningsvåg – auf der Polaris, Postschiff der Hurtigrute 

Bevor ich mich in die Abgründe meiner tiefgründigen Gedanken begeben werde, denn ich habe jetzt nahezu 24 Stunden Zeit zu reflektieren, möchte ich vorher die letzten beiden Tage nochmals Revue passieren lassen. Denn es jagt für mich ein Highlight das andere. 

Als ich vorgestern von diesem netten Busfahrer mitgenommen wurde, um diese blöden Tunnels zu umgehen, lernte ich Alex aus Passau kennen. Er arbeitet hier bis September oder Oktober als Guide. 2 Tage war ich bei ihm und seinem Mitbewohner, der ebenfalls Alex heißt und ebenfalls aus Passau kommt. 

Die Wohnung wurde nun von Alex, Alex und Alois bewohnt!

Ich wollte mich dann gleich erkenntlich zeigen, bin zum Einkaufen, habe ordentlich eingekauft und Bier besorgt. Dann habe ich gekocht. Die beiden erzählten mir, es würde hier, 10 Kilometer nördlich von Honningsvåg seit 1971 ein Passauer wohnen. Den möchte ich kennenlernen, ist doch klar, den Bayern, der am nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes lebt. Ist doch unglaublich. 

Um 19 Uhr kam er dann, Jürgen, der Bayer vom Nordkap, Baujahr 1949, also genau 10 Jahre älter als ich. Seit 1971 wohnt er hier in dieser unwirtlichen Gegend, in der es 3 Monate kalt ist und neun Monate Winter herrscht, in der kein Baum mehr wächst, und die auch zur Arktis gehört. Kein bayerisches Bier, kein bayerisches Wort, kein bayerisches Fernsehen, was mir wirklich fehlen würde, aber auch kein bayerischer Schweinsbraten und keine bayerische Wirtshaustradition, das ist doch unglaublich. Ich würde das nicht aushalten. Da hat der Seehofer schon recht, Bayern ist die Vorstufe zum Paradies.

Bis um 2 Uhr nachts hat er uns seine Lebensgeschichte erzählt, wir klebten an seinen Lippen. Heute ist ja die Entfernung kein Problem mehr, doch vor 20 und mehr Jahren war die Fahrt nach Deutschland mit dem Auto eine 3-tägige Weltreise. Norwegen war ein sehr armes Land, meinte er, bis man das Öl fördern konnte. Heute scheint Norwegen das reichste Land der Welt zu sein.

Jürgen ist seit 20 Jahren mit Eva aus Nürnberg verheiratet. Sie ist Künstlerin und hat 2 Galerien, eine davon in Honningsvåg, die andere in Komøyvær.


Die nördlichsten Bayern auf dem europäischen Festland 

2 Stunden lang hat er mir Anekdoten aus seinem bewegten Leben erzählt, der Bayer, der dem Nordpol am nächsten ist. 

Dann ging es wieder zurück zu den beiden Jungs, 3 Dosen Bier und etwas zum Essen, dann kam das Bett. Denn ich war müde, von der Fahrradfahrerei, waren es doch 60 km und knapp 1200 Höhenmeter. 

Es ist jetzt ganz genau 13 Uhr, ich sitze schon auf dem Schiff, während die meisten Passagiere mit dem Bus zum Nordkap gekarrt werden, wahrscheinlich von Alex oder Alex, oder auch Jürgen, denn auch er ist als Guide hier beschäftigt.

Zeit für mich alles was mir einfällt – fast alles – niederzuschreiben.

Am Samstag, 18. März war der erste Tag mit dem Fahrrad von Sevilla auf diese irrsinnige Fahrradreise. Das sind jetzt genau 13 Wochen und 2 Tage seitdem ich mit meinem MTB immer in Richtung Norden fahre. Von diesen genau 93 Tagen habe ich 13 oder 14 Tage pausiert, was dem lädierten Hinterteil wirklich mehr als gut tut. Die Strecke, die ich zurückgelegt habe ist 7.490,60 Kilometer lang, mit 40.100 Höhenmetern. 

Ein Kampf gegen Wind und Wetter, am meisten allerdings gegen mich.

Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewusste gestaltet es. Immanuel Kant

In zahllosen Seminaren wird jedem Teilnehmer eingetrichtert, dass man sich Ziele setzen muss, um weiter zu kommen. Oftmals kann ich damit nicht viel anfangen, denn das Leben ist derartig vielfältig, dass es mit dem Menschen Katz und Maus spielt. Man kann schlicht und ergreifend das Leben nicht komplett verplanen. 

Man sollte sich aber Gedanken machen, in welche Richting man gehen möchte, und welche Art der Reise man antreten möchte. Die Summe der Teilziele bringen den Menschen dann irgendwann zum Ziel. Das ist in meiner Reise so, beim Sport so, das begleitet uns im ganzen Leben. 

Immer wieder wird und wurde mir die Frage gestellt, wie ich auf diese Schnapsidee  kam, diese Fahrradtour zu machen, und insbesondere in Sevilla zu starten. Dafür gibt es natürlich viele Gründe:

1. Ich wollte den Eurovelo 1, die sogenannte Atlantikküstenroute komplett durchfahren.

2. Dieser Eurovelo 1 ist fast deckungsgleich mit den schönsten Jakobspilgerwegen durch Spanien, der „Via de la Plata“ und dem „Camino frances“. Man bewegt sich hier meist auf Wald- und Feldwegen sowie auf schmalen Pfaden, gänzlich ohne Straßenverkehr in der Ruhe der Natur. Es geht immer wieder durch wunderschöne mittelalterlich Städte, die dem Pilger eine Menge über die Geschichte erzählen werden. Die Architektur ist meist top restauriert.

3. England kenne ich quasi nicht

4. Irland auch nicht

5. Schottland gar nicht

6. Norwegen erst recht nicht

Mehr Gründe brauche ich wohl nicht zu erwähnen! Gibt es eine bessere Reisemöglichkeit als mit dem Fahrrad? Die Geschichte, die Architektur, die Natur, die Kultur und die Menschen eines Landes kennenzulernen, sogar zu „er-fahren“.
Als Fernradreisender genießt man einen unglaublichen Respekt, vielleicht sogar Bewunderung, man wird offen empfangen, man kommt mit den Menschen ins Gespräch.

Das ist kein Spitzensport, was ich hier betreibe, eher ein Ausdauersport, abhängig von der eigenen Motivationsfähigkeit. Das Problem ist nicht die Kraft, die Ausdauer oder das Hinterteil, nein das ist der Kopf!

Jeden Tag in früh die Satteltaschen packen, vielleicht das Zeltabbauen, dann aufs Fahrrad, Unterkunft oder Campingplatz suchen, Zelt aufbauen, auspacken, einkaufen und essen machen, 2 Bier trinken und schlafen. Jeden Tag die gleiche Zeremonie.

Genau so verläuft unser ganzes Leben in einer gleichmäßigen Routine, die die Zeit unglaublich schnell vorbeiziehen lässt. Dann stellen wir uns die Frage, wie schnell wir alt geworden sind.

Auf dem Rad und in der Natur spürt man tatsächlich das Leben. Es ändert sich sukzessive die Wahrnehmung, es baut sich eine unglaubliche innere Ruhe auf, die ich in dieser Form nicht kenne.

MS Polaris im Anmarsch


Blick von Bord beim Auslaufen


Honningsvåg 
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17.6.2017

Honningsvåg – Nordkapp – Honningsvåg 


Um 8:15 Uhr habe ich mein MTB gepackt, ohne Gepäck, und dann ging es los. Rauf zum Nordkap! Google Maps sagte mir, ich hätte 33 Kilometer vor mir – einfach! Außerdem wurde mir erzählt, dass ich einige Höhenmeter zu bewältigen hätte, und die Anstiege ziemlich steil seien. Ich war vorbereitet. Einer der beiden Alex, borgte mir einen kleinen Rucksack, in dem ich Äpfel, Wasser und Müsliriegel verstaute, sowie eine warme Jacke.

Kaum war ich eine halbe Stunde unterwegs traf ich meinen tschechischen Freund Pavel mit seinem Tretroller auf dem Weg zurück vom Nordkap. Wie gibt’s denn das? Pavel ist gestern mit seinem Gerät insgesamt 158 Kilometer „getretrollert“, bis er um 1 Uhr Nachts am Norkap ankam. Schnell ein aar Fotos und wieder zurück, 20 Kilometer zum Campingplatz. Dann noch eine Mütze Schlaf und dann kam er mir entgegen. Wir tranken am Campingplatz 2 Tassen Kaffee, trennten uns, und vereinbarten, dass wir uns in Finnland wieder treffen wollen.

Weiter geht die Fahrt, 270 Höhenmeter bei einer Steigung von 9%. Es begann zu regnen, und als ich endlich richtig nass war, hörte es wieder auf, und die Sonne spitze durchs die tief hängenden Wolken, die ich fast als Schneewolken identifiziert hätte. Ich traf eine 60-jährige Britin aus Edinburgh, ich würde sagen figürlich zaundürr. Sie ist in Griechenland gestartet, und jetzt hier angekommen. Ein Österreicher ist hierher geflogen, und möchte nun nach Südafrika radeln. Ein Schweizer aus Lausanne mit einem bemerkenswerten Bierbauch ist mit Rad und Anhänger unterwegs auf einer ähnlichen Strecke wie ich. Haben die alle eine Meise?

Naja, ich bin da mittendrin, und voll dabei!

Der letzte Anstieg zum Nordkap zieht sich hin, und als ich das Gebäude dann sah, war ich in einem emotional aufgewühlten Zustand, den ich nicht beschreiben kann. 

Das ist eines der besten Momente in meinem Leben, ein emotionales Superlativ! Nicht weil ich es sportlich geschafft habe – es waren heute übrigens 60 Kilometer und 1150 Höhenmeter – nein, weil ich mir dieses Ziel in 3 Monaten und rund 90 Tagen erarbeitet habe, ein Teilziel nach dem Anderen.

Von Sevilla zum Nordkapp – 7450 km gegen Wind und Wetter. 

Gegen innere Widerstände!

Einfach cool!

Bedrohliche Wetterlage

Die Neuseeländerin und der Bayer


2 Mal Alex aus Passau und ein mal Alois aus Regensburg

16.6.2017

Olderfjord – Honningsvåg


Der gestrige Abend verlief auch wieder ruhig, ich nahm mir die Zeit, Bilder zu bearbeiten, zu sortieren und den Blog zu schreiben. Dazu genehmigte ich mir sage und schreibe 2 Bier, die ich mir bei 101 gefahrenen Kilometern und knapp 1000 Höhenmetern verdient habe. 

Dann habe ich mich ins Bett zurückgezogen, gelesen und früh geschlafen, denn ich verspüre schon ein bisschen Schlafentzug. 

Heute früh ging ich ins Restaurant zum Frühstücken, denn ich hatte ja genug Zeit. Mein Plan war, dass ich diese beiden langen Tunnels mit dem Bus fahren werde, weil es mit dem Fahrrad alles andere als ein Vergnügen ist. Die Tunnels, dunkel, kalt und ohne wesentlichen Seitenstreifen, sind es wirklich nicht wert mit dem Fahrrad durchfahren zu werden. Mir hat bisher jeder abgeraten, das zu tun. 

Ich fragte also einen Busfahrer, wann der Bus ginge, und er meinte, in 3 Stunden würde er leer zurückkommen und mich dann mitnehmen – kostenlos. Und so war es auch. Er kam zurück, und im Bus saßen 2 Guides, die hier die Touristenströme zu begleiten haben. Alex, einer von den beiden ist aus Passau. Wir haben uns nur kurz unterhalten, als er mir sagte, es wäre in seiner Wohnung, die er mit einem anderen Passauer teilen würde ein Bett frei. Solche netten Angebote muss man annehmen. Als Gegenleistung habe ich Bier gekauft, und werde das Abendessen bereiten.

Honningsvåg liegt ungefähr 35 Kilometer südlich des Nordkaps und ist ein Hafen der Hurtigrute, und vieler Kreuzfahrtschiffe. Ansonsten ist hier nichts. Seit 1998 hat Honningsvåg das sogenannte Stadtrecht.

Morgen früh werde ich dann zum Nordkap radeln, dieses Mal ohne Gepäck. Ich bin gespannt!

Fotos von der Busfahrt!


15.6.2017

Camping Solvang ASCI – Olderfjord


Der gestrige Abend verlief ruhig und unspektakulär, ich saß im „Wohnzimmer“ des Campingplatzes, direkt neben der Küche. Der Platz ist sehr gut, sogar mit Sauna. Da in diesem großen Wohnzimmer konnte ich alle meine Gerätschaften wieder an die Steckdose hängen, und ich habe viel davon. Gegen neun Uhr kam noch ein Radfahrer aus Köln, baute sein Zelt auf, und erzählte mir dann, dass er täglich durchschnittlich 150 Kilometer radeln würde. Aha, 150 Kilometer. Der Typ sitzt von früh bis spät abends auf dem Rad, und hat nichts anderes im Kopf als Vollgas zu geben. Das ist nun nicht meine Welt.

Nachdem ich mein Zelt unter den Bäumen aufgestellt habe, war ich heute Nacht komplett vom Wind befreit, es war richtig angenehm in meinem Schlafsack. Ich schaute mir noch die „Rosenheim Cops“ im Fernsehen an, und dann war endgültig Schluss. 

Um halb 7 weckte mich mein IPAD auf, ich packte meine 7 Sachen, Kaffee trinken usw. und um 8 Uhr kam der Startschuss. Es ging sofort bergauf, das war ein sehr anstrengender Ritt. Das Wetter war nicht gut, gegen 10 Uhr begann es leicht  zu regnen. Erst Mittag war der Zauber dann vorbei, just zu dem Zeitpunkt als ich komplett durchnässt war.

Bis zu 2 Meter Schnee liegen noch hier

Wie sieht es hier im Winter aus?


Brotzeit ist die schönste Zeit – 2 Semmeln und Bavaria Blue

Mir kamen heute genau 4 Radler entgegen, und mit jedem tauschte ich mich aus. Die Radfahrer, die man hier trifft, sind vom gleichen Wahnsinn gepackt wie ich. Wir sind eine kleine Community.

Der letzte Radfahrer, mit dem ich sprach, kommt aus Mehring, zwischen Augsburg und München, ist genauso alt wie ich, und fährt jetzt Heim. Cooler Typ!


Jetzt bin ich in einem Hostel gelandet, trinke beim Schreiben mein obligatorisches Bier. Morgen geht es weiter nach Norden – ich habe noch genau 129 Kilometer bis zum Ziel. 

14.6.2017

Talvik – Camping Solvang ASCI


Herbert von Karajan hat mal gesagt, wer alle Ziele erreicht hat, hat sie sich als zu niedrig angesetzt!

Diesen Spruch habe ich gestern gelesen, und darüber nachgedacht, was er wohl für mich zu bedeuten hat. Denn ich habe jetzt nur noch circa 230 km zum Nordkap, das heißt maximal noch 3-4 Tage. Dann habe ich mein erstes großes Ziel erreicht. Ginge es nach Karajan, der bekanntermaßen wahrscheinlich der bekannteste und beste Dirigent aller Zeiten war, hätte ich mir mein Ziel höher setzen sollen.

Zum Nordpol oder was?

Das ist ja wohl gewaltig übertrieben, nicht wahr?

Ich werde jetzt definitiv nicht resümieren, denn das kommt es am Nordkap, oder ein paar Tage später, doch muss ich schon sagen, dass ich überrascht bin, dass ich das alles bisher relativ locker geschafft habe. Gegen Wind und Wetter, gegen den inneren Schweinehund und Schmerzen….und so weiter und so fort!

Gestern Abend konnte ich eine Fischerhütte mieten, direkt am Fjord, mit einem super Ausblick.


Nach einem ausgiebigen und selbst gemachten Frühstück mit Spiegeleiern und Speck, warf ich mich wohlgemut aufs Bike in Richtung Alta, die letzte größere Stadt in Nordnorwegens. Alta war für einige Jahre weltweit die nördlichste Stadt, mit mehr als 10.000 Einwohnern, bis Hammerfest ebenfalls auf über 10.000 Einwohner gewachsen ist.

Interessant ist das Klima. Während Bergen im Süden Norwegens durchschnittlich sage und schreibe 2.250 Liter Regen abkriegt, werden in Alta lediglich 427 Liter durchschnittlich gemessen. 

Ich musste heute durch ungefähr 8 Tunnels fahren, wovon 2 für Fahrradfahrer gesperrt waren. Ich habe das ignoriert und bin trotzdem durch. Sogar die Polizei überholte mich langsam, aber scheinbar war ihnen das egal.

Langsam muss ich Abschied nehmen von den Fjorden, denn jetzt geht es dann durch das Landesinnere zum Nordkap. Das sind noch ungefähr 230 km, als noch 3 Tage, beziehungsweise 3 mal schlafen.

Nachdem ich morgen 75 Kilometer Wildnis vor mir habe, habe ich beschlossen, heute hier zu bleiben, einzukaufen um dann morgen frühzeitig starten zu können. 75 Kilometer keine Tankstelle, keine Ortschaft, kein Supermarkt, kein Garnichts. 

Der Campingplatz ist sehr gut und liegt direkt am Fjord!

13.6.2017

Storslet – Talvik


Gestern habe ich einen Fehler gemacht, denn wäre ich 5 Kilometer weiter gefahren, hätte ich nicht in diesem schäbigen Campingplatz übernachten müssen. Pavel kam übrigens auch zu diesem Platz, bezahlte wie ich, schaute mich nach 10 Minuten an, und sagte, ich fahre jetzt weiter. Ich hätte mein Zelt wieder abbauen müssen, und dazu hatte ich keinen Bock. Also musste ich hier bleiben, die Dusche ließ ich aber ausfallen. Um 22 Uhr hat es mich dann derartig gefroren, dass ich mich in meinen Schlafsack zurückzog, mit voller Bekleidung. Nutzt ja nix, „derfroren sind schon viele, derstunga no koana“.

Für die Menschen, die der bayerischen Sprache nicht mächtig sind, möchte ich diese Weisheit kurz übersetzen, bevor ich weiter berichte. „Es gibt wohl viele Menschen die erfroren sind, an ihrem eigenen Gestank wahrscheinlich keiner“.

Mitternacht wachte ich schweißgebadet auf, denn die Mitternachtssonne hat jetzt mein Zelt erreicht, und schon gewärmt. Welche Wohltat.

Um 07:45 Uhr war ich mit dem Packen fertig, und es ging recht schön weiter, auf eine Anhöhe zwischen 2 Fjorden. Das waren zum Start lockere 270 Höhenmeter ohne Frühstück und ohne Lust, denn beim Fahren war es kalt. Allerdings kam ich recht schön in Tritt, sodass ich gut vorankam. 

Rechts neben Straße Rentiere, welch eine Überraschung. Das waren sicher 200 Stück, sie beäugten mich, und legten dann den Verkehr lahm. Nach einem Kilometer kam dann dieses Warnschild!


Achtung es queren zunächst Elche, danach Rentiere


Unterwegs traf ich wie schon gestern einen Bus voller Österreicher, vornehmlich aus Graz. Ich wurde auf ein Bier und auf einen Kaffee eingeladen, „grod schee wars“.

Kurz bevor ich diesen Ort hier erreichte, kamen mir noch mit dem Fahrrad 2 coole Letten aus Riga entgegen, und erklärten mir, dass sie über Finnland gefahren sind, mit dem Ziel nach Berlin zu fahren. Von den beiden Landsleuten aus Seeon am Chiemsee nicht zu sprechen, denn die sind mit dem Rad nach Kiel, dann auf die Hurtigrute, und jetzt geht es nach Hause.

Lauter verrückte, in ich mittendrin!

Seit ein paar Tagen grüßen mich nun auch die Motorradfahrer, als wäre ich einer von ihnen. Jetzt habe ich mir eine Fischerhütte gemietet, direkt am Fjord, schreibe Tagebuch und höre Radio Charivari ungefähr 300 Kilometer vom Nordkap entfernt.

12.6.2017

Arctic Lyngen Siøcamp -Storslet

Gestern Abend verbrachte ich an diesem wunderbaren Strandcampingplatz als einziger Camper. Eine Hütte war vermietet an 4 Landsleute aus München, die auch wunderbarerweise unsere Landessprache beherrschten. Ein Landwirt und Archäologe mit seinen beiden Söhnen und der Schwager. Nachdem ich in der Landwirtschaft zumindest mitreden kann, wurde der Abend unterhaltsam, zumal der älteste Sohn gelernter Brauer ist, und jetzt in Weihenstephan studiert. Wenn es dann ums Bier geht, kann ich auch mitreden, glaube ich.

Heute früh um 8:30 Uhr war ich dann startklar, und die Reise wurde bei strahlendem Sonnenschein weitergesetzt. Der heutige Tag begann so wie der gestrige Tag zu Ende ging. Phänomenal! Mehr kann ich nicht sagen! 

Als ich dann um 13:30 Uhr einen Bus mit Regensburger Kennzeichen sah, wurde mir ganz anders. 

Wir machten ein Gruppenphoto, der Radler mit den Bustouristen – ein Bild für die Galerie.

Ist das nicht einmalig wie alle mitmachen?

Dann kam plötzlich der tschechische Tretrollerfahrer Pavel, den ich in Andenes kennen gelernt habe. Wir bekamen Kaffee und fuhren dann gemeinsam weiter.

 

Ein Höhenzug war zu überwinden mit 400 Meter über dem Meer, eine anstrengende Angelegenheit. Zum Schluss waren es übrigens 960 Höhenmeter und 91,23 Kilometer, die zu bewältigen waren. Das ist mit 25 Kilogramm Gepäck und einem Fahrrad das selber 15 Kilogramm wiegt eine Menge Holz. 

Lachsfarm von oben

Wunderbarer Blick über den Fjord

Geschlossene Schneedecke und eiskalter Wind


Kurze Hose ist angesagt

11.6.2017

Tromsø – Arctic Lyngen Siøcamp


Gestern Abend haben wir Nudeln mit Bolognese gekocht, das heißt vornehmlich Christian. Mir hats gut geschmeckt, obwohl ich die Bolognese anders mache. Sehr gut, außerdem sind die Kohlenhydrate für mich äußerst wichtig. Abends gab es noch ein dunkles Mack Bier in der ältesten Kinokneipe im Norden von Norwegen. 

Heute früh um neun Uhr kam der Startschuss in Richtung Nordkap. Es verbleiben immer noch ungefähr 550 Kilometer, vielleicht auch 600.

Das Wetter ist wieder einmalig und das Panorama zeigt sich von seiner schönsten Seite. Auf der Fähre von Breivikeidet nach Svensby wollte ich brav mein Ticket bezahlen, als mir gesagt wurde, Radfahrer seien hier frei. Kaum zu glauben, denn auch die Fähren kosteten hier bislang richtig Geld. 

Nach Verlassen dieser Fähre ging es wieder mal richtig ins Eingemachte. 4 bis 5 Beaufort (Windstärken), in Böen vielleicht sogar 6 bliesen mir frontal ins Gesicht, als wollten sie mir sagen, dreh um oder „go home“. Das kommt überhaupt nicht in Frage, wenn es auch wirklich brutal anstrengend ist, mit 11 km/h in der Ebene zu radeln. 21 Kilometer gegen diesen starken Wind, dann sollte es wieder auf die Fähre gehen, und zwar nach Olderdalen.

Beide Fähren hatten gerade angelegt, als ich ankam. Was für ein Dusel! Und für beide musste ich nichts bezahlen!

Je weiter ich in den Norden komme, umso weniger Frühjahr ist zu sehen, obgleich die Natur zu explodieren droht. Es ist warm mit ungefähr 15 – 16 Grad, Wasser ist genug da, und die Sonne gibt der Natur keine Minute der Ruhe, sie scheint Tag und Nacht!

Ich habe die letzten Tage viele Skitouren Geher gesehen, und mir scheint, dass die Verhältnisse dafür gut sind. Zumindest hat das ein einheimischer Tourengeher behauptet. 

Zum Glück kostet das Fotografieren nichts mehr, denn hier würde man arm werden. Schöner kann man sich das nicht vorstellen, wie es momentan hier ist.  Die Kombination von Wasser, den tiefverschneiten Bergen und diesem klaren und frischen Sonnenlicht, das ist für mich einmalig – aber auch die Ruhe, die innere Ruhe!

Ich bilde mir ein, dass man direkt zusehen kann, wie die Schneedecke schnell nach oben wandert. Von den Bergen kommen Sturzbäche nach unten, es scheint, der Winter würde fluchtartig ins Nirvana gejagt. Ich kann es zumindest mit meinen Worten nicht beschreiben.

Jetzt bin ich am Campingplatz angekommen, mit einem wunderbaren Blick nach Süden auf den Fjord und die umliegenden Berge und Gletscher. 

Das ist eine kleine Auswahl von Bildern!

Tromsø am Morgen 


Eismeerkathedrale von Tromsø

Ausblick vom Campingplatz 

Campingplatzlokal mit Gast

Gletscher 


Ankommende Fähre

10.6.2017

Tromsø 

Scheinbar ist Tromsøschon vor 9000 Jahren besiedelt worden, Fakt ist jedenfalls, dass die erste Kirche im Jahre 1252 erbaut wurde. Hier leben 74.000 Menschen, davon 7000 Studenten aus allen Herren Ländern. Tromsø ist eine sehr junge Stadt, hier rockt das Leben. Heute in der Frühe zogen schon junge Gruppen musizierend durch die Stadt. 


Das Leben spielt sich hier jetzt auf der Straße ab, die Menschen sitzen auch Nachts auf den Freisitzen. Die Atmosphäre ist locker und leicht, mitreißend. 

Um 1 Uhr nachts brauchen die Kneipen kein Licht, denn es ist ja taghell – eine für mich fast absurde Situation. Man stelle sich vor den Kneitinger oder das Hofbräuhaus nachts um 1 Uhr leicht alkoholisiert zu verlassen, und draußen scheint die Sonne.

Diese Tage der Pause tuen immer wieder gut, und sind eine Zeit der Erholung für Körper (damit meine ich den Hintern), Geist und Seele, besonders bei einem derartigen Wetter. Darüberhinaus ist Zeit zum Wäsche waschen, Zeit die Stadt zu erkunden und Zeit sich für die nächsten Tage zu orientieren.

Im Polar Museum

Tanzende Kinder zu nordischen Klängen

Musikalischer Umzug durch Tromsø wie im Fasching!