5.8.2017

Kamień Pomorski (deutsch Cammin) – Usedom


Am Donnerstag wurde ich von einer Hiobsbotschaft überrascht, sodass ich erst einmal sprachlos war. 

Meiner Bruder meldete gemeinsam mit seinem „Partner“ Insolvenz an. Bei Kapitalgesellschaften ist der Geschäftsführer verpflichtet, im Falle der Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anzumelden. Das hat grundsätzlich nichts mit der Vermögenssituation eines Unternehmens zu tun. 

Ich werde über die Ursachen dieser fatalen Geschichte nichts sagen, da es mir in diesem Falle nicht zusteht, weder darüber zu schreiben, noch darüber öffentlich zu sprechen, denn dann müsste ich mit juristische Konsequenzen rechnen, aber natürlich nicht durch meinen Bruder. Ich habe lange genug in diesem Unternehmen gearbeitet, und mit viel Schweiß und Herzblut an einem Erfolg, der zweifellos da war, gearbeitet.

Es tut mir wirklich unendlich Leid, sowohl für meinen Bruder als auch für die Mitarbeiter und für die Kunden, die dem Geschäft großes Vertrauen entgegengebracht haben. 

Schenk man jemandem sein Vertrauen, gibt man ihm einen Blankokredit. Dieses Vertrauen wurde aufs schärfste missbraucht.

Das ist schlicht und ergreifend zynisch!

Ich werde diese unleidliche Geschichte weiter beobachten, und hoffe, dass einer neuer Weg, ein besserer Weg eine neue Chance bringt.

Ich hoffe, dass alle Kunden und Freunde meinen Bruder weiterhin unterstützen – ich werde es jedenfalls versuchen!

Vorgestern Nachmittag kam ich in Cammin an, suchte mein Hotel, als ich eben oben genannten Anruf bekam, der mir den Magen zuerst einmal umdrehen ließ. Das Hotel ist ein Teil eines Krankenhauses und Sanatoriums, was aus der Buchung in Booking.com nicht ersichtlich war. Eine Nacht im Sanatorium ist auch nicht schlecht. Nach der Dusche machte ich einen Spaziergang um nachzudenken. Ich kaufte mir ein Abendessen und ein Bier, dann war für mich der Abend beendet, und der Tag gelaufen. 

Gestern früh, nach einem ausgiebigen Frühstück startete ich in Richtung Deutschland, allerdings wieder gegen starkem böigem Wind aus dem geliebten Westen. Irgendwie hatte ich den ganzen Tag ein flaues Gefühl im Magen, kam aber trotzdem gut vorwärts, denn meistens führte mich der Weg durch die Ostseewälder, immer wieder vorbei an alten und auch scheinbar noch bestehenden Kasernenanlagen. An der polnisch-deutschen Grenze kam zu den ohnehin aufgewühlten Emotionen noch ein ganzes Stück Wehmut auf, denn vorerst hat mich die Heimat nach fast 5 Monaten auf dem Fahrrad zurück. Schon nach ein paar Metern erkennt man den Unterschied zwischen der polnischen und der deutschen Ostseeküste. Während hier auf Usedom alles blitzeblank sauber und gediegen ist die Großeltern mit den Enkelkinder spazieren gehen, ist auf der polnischen Seite eher große Lautstärke angesagt. Da geht es zu wie auf dem Rummel.

Ich möchte kurz zurückblicken, als ich im Mai in Oslo auf den Olavsweg, dem bedeutendsten Pilgerweg Skandinaviens startete. Denn dort traf ich 2 nette Mädels, Kerry aus den Staaten, die andere aus Usedom, Uta. Wir hatten über Facebook immer netten Kontakt, sodass ich sie gestern besuchte, und bis morgen bleiben werde. Uta hat soviel gekocht, dass man locker 10 hungrige Mäuler ein paar Tage lang gut ernähren könnte. Mir persönlich tut es gut, mit jemandem reden zu können.


Uta, Kerry und ich!

„Skyline“ von Usedom

Grenze!

Kriegsspiele in Polen bei Musik aus den 30 Jahren – unvorstellbar!


Radweg und Jakobsweg – er lässt mich nicht mehr aus!

3.8.2017

Kolobtzeg (deutsch Kolberg) – Kamień Pomorski (deutsch Cammin)


Wie schon gesagt, hat mich die Stadt Kolberg enttäuscht, heißt es doch, man hätte die Innenstadt wieder hergestellt. Dann hätte sie mir früher auch nicht gefallen. 

Ich war gestern im Radlgeschäft, und wollte mal nachfragen, was die Reparatur meines Fahrrades kosten würde. Es müssen die Ritzel vorne und hinten getauscht werden, sowie die Kette. Das würde hier 350 € kosten, ein wahrhaft stolzer Preis. Auf Lager hat die Firma die Teile auch nicht, ich müsste 3 Tage warten. Man muss schon sagen, das Fahrrad hatte bisher keinen einzigen Schaden, und das bei dieser Kilometerleistung von vielleicht 10 – 11 Tausend Kilometer. Eine Kette sollte nach 3000 Kilometer spätestens getauscht werden, was ich aber nicht gemacht habe. Im Übrigen fahre ich auch immer noch mit dem ersten Satz Reifen – Schwalbe unkapputtbar – und hatte noch keinen Plattfuß.

Mit einem Ehepaar aus Brandenburg habe ich mich gestern noch unterhalten, dann legte ich mich hin. Neben mir gab es ein Geschnarche, das fast nicht zu ertragen war. Das war kein Geschnarche eher ein Gegrunze! Dass ein Mensch solche Laute von sich geben kann, war mir bisher unbekannt. Nachdem ich aber doch schon einigermaßen abgehärtet bin, war ich dann irgendwann im Tiefschlaf, und wachte um kurz vor 7 Uhr auf.

Um 8 Uhr startete ich dann, obwohl es regnete, und ich genoss es heute. In den Regen hinein radeln, welch ein Vergnügen und welche Freiheit.

Nach einer Stunde gab es in einem Lokal dann ein reichliches Frühstück mit allem was mein Herz begehrte, dann ging es weiter im Regen auf dem Ostseeradweg. Ich hatte nur 15 oder 20 Kilometer über Holperpisten und Sandwege, den Rest des Weges musste ich mir meinen Weg bahnen, durch die Menschenmassen und Radfahrer. Es ist unglaublich. Ein ewig langer Jahrmarkt.

Mindestens 10 Kilometer Kopfsteinpflaster 

Hafen von Cammin

Rathaus von Cammin

Leuchtturm mit Massenandrang – daneben Volksfeststimmung

2.8.2017

Bobolin – Kolobtzeg (deutsch Kolberg)


Die Zimmersuche gestaltete sich gestern gar nicht so einfach, denn scheinbar ist hier alles ziemlich ausgebucht. Ich bezog mein Zimmer, und machte mich dann sofort auf die Suche nach einem Lokal, denn der Kohldampf und der Durst waren groß. Zum Glück bestellte ich mir nur Radler, denn als ich in die Pension zurückkam, wurde gerade gegrillt. Schnell saß ich in dieser illustren Gesellschaft von lauter in Deutschland arbeitenden Polen. Einer von ihnen war der Sohn des Inhabers der Pension. Schon vor der Wende kamen sie nach Deutschland, denn sie hatten deutsche Vorfahren. Zum Bier gab es dann noch Wodka. Nachdem ich dieses Teufelszeug überhaupt nicht vertrage, wurde mir dann relativ schnell schwindelig. Ich bin überrascht von mir, denn nie war ich derartig diszipliniert, dass ich als erster ins Bett ging. Zum Glück, denn heute früh fehlte mir gar nichts. 


Das war ein netter Abend mit netten Menschen. 

Um 9 Uhr ging es wieder auf die Piste, meistens an der Küste entlang. Die Strände hier sind wunderbar, und scheinbar ist das Wasser nicht zu kalt – habe ich mir erzählen lassen.


Auf diesen Wegen kommt man überhaupt nicht vorwärts, denn es sind wahnsinnig viele Radler und auch Fußgänger unterwegs. Ich fahre auf Waldwegen, Straßen aus Betonplatten, aber auch manchmal auf Sandpisten. Das Wetter ist super, sodass ich mir keinen Kopf mache, wie weit ich kommen werde. Nach Kolberg wollte ich allerdings kommen. Immer wieder sieht man Relikte des Krieges.

Militärmuseum in Kolberg

Ausgestelltes Torpedo in einer Kaserne am Meer

Diese Stadt wurde im 2. Weltkrieg scheinbar total zerstört. 

Ansonsten gibt es heute nicht viel zu sagen beziehungsweise zu schreiben!

1.8.2017

Slupsk – Bobolin


So, der Tag ist schon wieder fast beendet, ich habe ein Zimmer bekommen, denn heute Nacht soll es wieder gewittrig werden. Ich habe keine gesteigerte Lust die Nacht in meinem Zelt zu verbringen, wenn es stürmisch wird. So wie es eben die gestrige Nacht war. Je näher ich nach Deutschland komme, um so mehr deutsche Autos sind zu sehen. In meinem Hotel waren gestern nur Deutsche, und zwar aus Usedom, auf der Suche nach der familiären Vergangenheit. Der „Alte“ ist 65 Jahre alt, ist auf Usedom geboren, und wohnt also schon immer hier – an der Grenze zu Polen. Und jetzt will er mal schauen, wo die Mutter aufwuchs. Seltsam! Dazu hatte er doch wirklich viel Zeit. Na gut, als wir uns dann über das Verhältnis zwischen Ost und West unterhielten, gab er mir deutlich zu verstehen, dass unser „System“ starke Fehler hätte, dass der Sozialismus ehrlicher sei, wenn die Menschen halt nicht wären. Da ging es noch um das Versagen unserer Politik bezüglich der Flüchtlinge, der „Kanaken“! 

Da fehlen mir einfach die Worte! 

Hier werden einfach Phrasen nachgeplappert, ohne im Ansatz das Hirn einzuschalten. Der fehlende Horizont scheint das Problem zu sein! 

Heute früh um 8 Uhr regnete es wieder aus allen Zur Verfügung stehenden Kübeln, sodass ich erst um 10 Uhr aufbrechen konnte. 

Das erste  Ziel heißt Ustka, auf deutsch Stolpmünde, zu dem ich fahren wollte, obwohl es doch ein schöner Umweg ist. Stolpmünde ist ein großer Badeort an der Ostsee, und da geht es zu, wie auf Malle.

Leuchtturm in Stolpmünde


Hängende Schwekbrücke in Stolpmünde 

Das Wetter war dann wieder super schön, fast zu heiß. Naja, man kann nich alles haben. Unterwegs habe ich dann eine nette Polin getroffen, die mit Ihrem MTB Polen umrundet. Hier in Bobolin haben wir uns wieder getrennt. 

Links der See, rechts das Meer und in der Mitte die hübsche polnische Radlerin


Gruppenbild mit Dame….und ……Bauch

Es ist wahrlich ein Wagnis, mich in der Öffentlichkeit mit meinem „kasweissen“ Bauch zu zeigen. Nachdem dieser aber deutlich geschrumpft ist, ist mir das heute egal, zumal mich „Bibi“ deutlich rausreißt.

So, damit ist für heute Schluss!