15.8.2017

Zittau – Schirgiswalde


Wenn ich jetzt die letzten Tage Revue passieren lasse, dann muss ich zugeben, dass das die erholsamsten Fahrradtage dieser Reise waren. Allerdings habe ich viel von den Städten an Oder und Neiße gesehen. Vor 30 Jahren, als die DDR noch existierte, hätte ich das nicht machen können. Es wurde hier viel getan und sehr viel Geld investiert und es hat sich sichtbar gelohnt. Nachdem der Wetterbericht ein klare Nacht vorhergesagt hat, habe ich beschlossen, im Zelt zu schlafen. Nachdem ich durch die Stadt geradelt bin, mir noch ein Radler genehmigt habe, kam ich dann gegen 19 Uhr am Campingplatz an, stellte schnell mein Zelt auf, und ging zum nächsten Lokal. Dort war die Hölle los, scheinbar ist der komplette Campingplatz hier um zu essen. 

Als ich gerade mein Radler bekam, winkten mir die beiden Ehepaar, die ich kurz nach Usedom traf, zu. Es ist jetzt das 3. Mal, dass wir uns treffen. Es entwickelte sich ein netter und überaus lustiger Abend, der dann gegen 1:30 Uhr jäh sein Ende fand.

Nach einem 3-stündigen Frühstück packte ich meine 7 Sachen und brach auf in Richtung Bautzen, durch die Oberlausitz. Da ist es ebenfalls richtig schön. Der Baustil ist bemerkenswert schön.

Ansonsten ist der Tag unspektakulär vorüber gegangen, die Radwege waren sehr schön. Heute ging auf dem Spreeradweg, der wesentlich abwechslungsreicher ist als seine bisherigen Vorgänger.

Zwischenzeitlich fand ich ein Fahrradgeschäft, in dem ich die beiden vorderen Ritzel käuflich erwerben konnte. Die hintere Kassette und die Kette hat mir mein Radgeschäft, Bikezeit in Neutraubling längst schon zugeschickt.


In dieser Umgebung kann man sich schon wohl fühlen!


Abschiedsfoto mit Bier und Rotkäppchen Sekt – das hat Stil!

14.8.2017

Motto der nächsten Tage

Wir müssen Hoffnung haben, um die Zukunft zu genießen. Wir wollen lieber eine schlimme Gegenwart mit schöner Aussicht als umgekehrt. Jean Paul, bayerischer Schriftsteller

Görlitz – Zittau


Wie schon gesagt, bin ich gestern durch die Görlitzer Altstadt marschiert. Die Stadt ist sehenswert, allerdings ist nichts los. Görlitz, mit seinen gerade einmal 55.000 Einwohner hat sogar eine eigene Straßenbahn, man möchte es nicht glauben. Nach der Wende sind sehr viele junge Leute in den Westen gegangen, um dort Geld zu verdienen. Langsam nimmt die Bürgerzahl in Görlitz wieder zu, weil es viele „Wessis“ gibt, die ihre Rente in Görlitz verbringen wollen, aufgrund der günstigen Preise. Die Stadt wird wohl alt werden.

Heute früh habe ich mir eine neue Felge gekauft, das Fahrrad ist wieder einsatzbereit. Noch eine Runde durch diese schöne Stadt, in der auch in der Peripherie die Gründerzeit und der Jugendstil vorherrschen, das ist sehr bemerkenswert.



Ohne Worte



Diese Gegensätze sind immer noch zu sehen! 

Man sollte sich auch nicht daran stören, dass es hier noch viele unsanierte Häuser gibt, wie lange gab es das in Regensburg? Diese Stadt hat ein riesiges Potential – auch für viele Unternehmen.

Von Görlitz geht es nun weiter an der Neiße nach Zittau, und die Landschaft wird immer bergiger. Wenn man nur im Flachen unterwegs ist schreit man förmlich nach Bergen. Es geht ins Kloster St. Marienthal, einem Zisterzienser Kloster, in dem es scheinbar noch 12 Klosterschwestern gibt. 



Außen Barock – innen Holz



Weiter ging es nach Zittau!

Ein Paradies für Sanierer!



Marktplatz von Zittau

13.8.2017

Rothenburg – Görlitz


Helmut Wanner, bekannt als „Habe die Ehre“ in der Mittelbayerischen Zeitung, hat mir unlängst gesagt, dass Görlitz fast so schön sei wie Regensburg. Und da kann ich ihm nur beipflichten. Diese Stadt ist unbedingt sehenswert. Gestern Abend hatte ich ja beschlossen, heute Görlitz anzuschauen. Heute früh, beim Frühstück dachte ich mir, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, doch direkt nach Zittau zu fahren. Dann stellte ich fest, dass meine Felge einen massiven Schaden hat. Eine, inzwischen 2 Speichen sind aus der Felge gebrochen. Als ich mir einen neuen Mantel montieren ließ, hat der Monteur noch eine kleine Unwucht bearbeitet, und meines Erachtens zuviel Zug auf die Speiche gegeben. So kann ich jedenfalls nicht weiterfahren, ich muss ein neues Hinterrad kaufen. Das geht leider erst morgen. Wie ich dann weitermachen werde, kann ich noch nicht sagen, das hängt davon ab, ob ich gleich ein neues Hinterrad bekomme, wie sich das Wetter entwickelt, und wann meine Freunde rum um Dresden für mich Zeit haben. Denn ich hoffe auf Asyl, Essen und vielleicht auch Trinken. 

Görlitz ist im Krieg nicht zerstört worden, diese Stadt hat das 3. Reich vergessen zu zerstören, und die Russen haben sie scheinbar auch übersehen. 

Auszug aus Wikipedia!

Görlitz blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont. Die historische Altstadt hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Eine Besonderheit der Stadt ist, dass alle wesentlichen Phasen der mitteleuropäischen Siedlungsentwicklung ohne größere bauliche Veränderungen erhalten und ablesbar blieben. Mit über 4000 großteils restaurierten Kultur- und Baudenkmalen wird Görlitz oft als das flächengrößte zusammenhängende Denkmalgebiet Deutschlands bezeichnet. Das innerstädtische Bild ist durch Spätgotik-, Renaissance- und Barockbürgerhäuser in der Altstadt sowie ausgedehnte Gründerzeitviertel im Umkreis der Altstadt geprägt. Aufgrund dieses besonderen Stadtbildes ist Görlitz auch ein begehrter Filmdrehstandort, was der Stadt den Spitznamen „Görliwood“ eintrug.

Nach der Wende litt Görlitz, wie die meisten Städte im Osten an massivem Bevölkerungsschwund durch Geburtenrückgang und durch die Abwanderung der Menschen in den Westen. Hatte die Stadt nach dem Krieg schon mal 100.000 Einwohner, sind es heute nur noch um die 55.000 Menschen die hier leben. 

Es gab einen privaten und nicht genannten Gönner von Görlitz, der scheinbar der Stadt Görlitz mehr als 10 Mio Euro gespendet hat. Das Ergebnis lässt sich auf alle Fälle sehen.

Görlitz ist eine durch die Neiße geteilte Stadt. Die deutsche Seite ist sehr gut saniert, zum Essen geht man nach Polen. Nachdem ich heute auf mein Fahrrad schadenbedingt verzichten musste, musste ich die Stadt zu Fuß erkunden. Den polnischen Teil habe ich mir gespart. 

Vor ein paar Tagen hat mir einer meiner Follower ein Email geschrieben, ich solle meine Bremsen checken, um den Aufprall zuhause abfedern zu können, weil er meinte, ich würde schon nach Hause fahren. Wenn man so lange unterwegs ist, wird es mir sicherlich nicht leicht fallen, in ein geordnetes Leben zurück zu finden, aber was mache ich mir jetzt Gedanken über diesen Fall, der noch gut 2 Monate weit weg ist. 

Der Beckenbauer pflegt da immer zu sagen:

„Schaun mer moi, dann segn mas scho.“


Mittag kam ich in die evangelische Paulskirche, und durfte die letzten Stücke eines Orgelkonzerts noch besuchen. Der Klang war derartig gut, dass die Haare an meinen Armen zu Zinnsoldaten erstarrten. Auf meinem Kopf kann das ja nicht mehr passieren.


In der Altstadt

Altstadtsilhouette der polnischen Seite


Altstadtsilhouette der deutschen Seite

12.8.2017

Forst – Rothenburg/Neiße 


Ich hatte gestern das Gefühl, dass ich leichtes Fieber habe. Auch Krämpfe im Bauch quälten mich beim Radeln. Nachdem das Wetter auch schlecht war, beschloss ich also, mir ein Zimmer zu suchen. Das war dann diese Pension, das Einzelzimmer zum Preis von 35 € inclusive einem reichlichen Frühstücksbüffet, da kann man nicht meckern. Der Inhaber, ein 74-jähriger Sachse, zeigte mir mein Zimmer, mit einem riesigen Badezimmer, mit Dusche und Badewanne. Allerdings hat er den Stöpsel aus der Badewanne entfernt, damit sich die Radfahrer nicht baden können, denn der Wasserverbrauch ist einfach zu teuer. Das habe ich nun auch noch nicht erlebt. Ich möchte schon sagen, dass der Typ unheimlich freundlich war, aber das Kaninchen beim besten Willen nicht verstehen. 

Um 20 Uhr war ich im Bett, dick eingepackt, sodass ich heute früh zwar mit leichten Bauchschmerzen aber ansonsten einigermaßen fit weiterfahren konnte. Ich ließ mir zuerst mal richtig Zeit. Immer am Neiße Radweg entlang zieht sich der Weg nach Görlitz ganz schön in die Länge. Die Lokale auf der Strecke waren meistens geschlossen, was ich nicht verstehen kann. Es sind doch viele Radfahrer unterwegs. Der Himmel war bedeckt, und ab und zu regnete es. 
Das Radfahren an den Flüssen wird jetzt langsam langweilig und monoton, ich freue mich jetzt schon auf bergiges Gelände. Zunächst ins Riesengebirge, durch Böhmen, ein paar Berge im bayerischen Wald dann nach Oberösterreich, so ist der Plan.

Heute würde ich gefragt, wie ich das aushalte, jeden Tag aufs Fahrrad, jeden Tag ein neues Bett, jeden Tag auspacken und wieder einpacken und jeden Tag aufs neue sich selbst motivieren. Das war gerade beim Abendessen. Ich erzählte den Leuten wie das funktioniert, wie ich funktioniere, und wie Motivation, Spaß und Freude mit Nachhaltigkeit zusammenhängen. Eben genau so wie im richtigen Leben. Macht der Job Spaß, wird man darin Erfolg haben und nicht scheitern. Andere Menschen zu motivieren ist auch meine Stärke – das weiß ich! Allerdings auch nur wenn es mir selbst Spaß macht. 

Nachhaltigkeit ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. 

Und jetzt kommt der wichtigste Punkt! 

Man braucht ein Ziel, es muss erreichbar sein, es muss aber hoch gesteckt sein. Ohne Ziel wird man sich in der heutigen Zeit verirren und planlos ins Nirvana abdriften. 

Wir brauchen den Erfolg, nicht weil unser System so ist, nein, weil uns das die Evolution so vorgegeben hat. Der Schwache und Ziellose wird vom Starken und vom Strategen gefressen!

Ich war bei der Unterhaltung voll in Fährt, und die 3 Ehepaare hörten mir gespannt zu. Die Chefin des Hotels in dem ich etwas zu essen bekam, war mir bei der Zimmersuche behilflich. Ich bin jetzt in der Cuba Pension in Rothenburg. Die Pension heißt so, weil die Chefin Cubanerin ist. 

Morgen werde ich nach Görlitz fahren, und mir die Stadt anschauen. 


Fachwerkkirche in Pechern – wunderschön und einfach, aber leider geschlossen


Meine gestrige Pension, daneben Spuren des Sozialismus

11.8.2017

Guben – Forst


Die gestrige Pension war gut, das Essen ebenfalls. Um 8 Uhr zog ich mich zur Tagesschau zurück, die ich schon sehr lange nicht mehr sehen konnte. Heute früh war ich schon um halb 7 Uhr wach, und konnte in Ruhe die Mittelbayerische Zeitung lesen. Das ist ein Genuss, wie jeden Tag, das ist die Verbindung nach Hause. 

Um neun Uhr saß ich auf dem Radl, aber mir geht es heute gar nicht gut. Ich habe das Gefühl Fieber zu haben, also habe ich mir in Forst ein Zimmer genommen. Darüberhinaus würde ich schon 2 Mal vom Regen gequält, und der Wetterbericht meldet für Nachmittag Sturm und Gewitter.

Wieder gibt es kein WLAN, das ist eine Schande für den weltweitweit führenden Wirtschaftsstandort. Im bayerischen Wald ist das kein Lot besser. Im Übrigen habe ich mir in Finnland eine Datensimkarte gekauft, ohne Datenbegrenzung, 4 Wochen gültig, zum Preis von 23 €. Und ich hatte immer guten Empfang.

Internet Diaspora Deutschland!

Vorbei ging es an dem Braunkohle Tagebau in Jänschwalde. 60 Quadratkilometer umfasst das Gelände, von der Aussichtsplattform erscheint es gigantisch zu sein. 2 Berliner Radler erzählten mir die Hintergründe, und wieviele Ortschaften dem Tagebau zu Opfer fielen. 


Tagebau und Kraftwerk

Und wieviele Menschen, das weiß keiner.

Nach einem Mittagsschlaf ging ich in den Rosengarten, und wie erwartet, bin ich für derartige Highlights noch nicht zu haben. Die Pension, in der ich heute schlafe, hat übrigens auch kein WLAN, genauso wenig wie der Grieche, bei dem ich gerade sitze. 

Die Pension ist eine alte, und im Krieg zerstörte Jugendstilvilla, die ein „Hiesiger“ dann von einem Münschner kaufte. Er erzählte mir, dass hier am Ende des Krieges alles zerstört war – und zwar alles. Von den Russen und den Deutschen!

Jugendstilzimmer mit Stuck und stilvoller Bordüre, im Eck ein 120 Jahre alter Kachelofen!


Alte verrostete Eisenbahnbrücke über die Neiße nach Polen.

10.8.2017

Frankfurt/Oder – Guben


Der gestrige Abend war natürlich super. Jürgen hat mich besucht, er hatte nämlich in Dresden einen Termin. 5 Monate bin ich jetzt schon unterwegs, und freue mich natürlich, wenn ich meine Freunde treffe. Beim Italiener gab es eine Pizza, danach gingen wir runter zur Oder in die Havanna Bar, um noch das eine oder andere Bier und denen einen oder anderen Drink zu uns zu nehmen. 


Der Chillende

Heute Nacht kam dann noch ein sehr starkes Gewitter. Meine Radlschuhe standen auf dem Balkon, und waren natürlich patschnass. Ich kann es keinem Menschen sagen, wie mich das aufregt, wenn ich in diese nassen Schuhe steigen muss. Von der Geruchsentwicklung möchte ich gar nicht reden, obwohl es mir schon Spaß machen würde, diesen furchtbaren Gestank, den ich selber nicht mehr ertragen kann, detailliert zu beschreiben. Wie es mir beispielsweise den Magen umdreht, wenn ich zu nahe an die Schuhe rankomme. 

Nach dem Frühstück ging es wieder auf die Piste, allerdings war die Motivation nicht am Höchstpunkt. Dennoch habe ich heute knapp 80 Kilometer zurückgelegt, ich bin also mit mir grundsätzlich zufrieden. 

In Neißemünde – Ratzdorf mündet nun die Neiße in die Oder, und weitergeht es an der Neiße bis zu ihrer Quelle. Das war die Grenze zwischen der DDR und Polen. 

Eisenhüttenstadt, südlich von Frankfurt/Oder ist eine Stadt, erst in den er Jahren gebaut wurde, um am Reißbrett entstand.  Genau so sieht es hier aus. Der Sozialismus ist sichtbar. Als ich dann in eine Metzgerei ging, um mir eine Wurstsemmel zu kaufen, sagte mir die Verkäuferin, dass mittags hier keine Wurstbrötchen geschmiert werden, wegen des Mittagsstress. Aha, sagte ich, und verschwand durch die Eingangstür. Das sind natürlich Einzelfälle, aber es gibt sie noch!

Als ich mir bei der Stiftskirche von Neuzelle einen Kaffee und einen Kuchen genehmigte, erklärten mir zwei ältere Herrschaften aus Frankfurt/Oder, dass die Merkel nur Mist machen würde. Man sollte die Flüchtlinge mit Waffengewalt hinauskomplimentieren. Da fällt mir nichts mehr ein. Diese Leute haben nicht verstanden, was in der Welt los ist. Sie leben in ihren kleinen Welt, und mosern über unser System, über das beschissene Leben hier und die schlechte Rente. Natürlich ist nich alles gut, unbenommen, doch wenn es jemandem überhaupt nicht passt, dann kann er doch auswandern.

Körperwelten

Stiftskirche mit Brauerei


Blick aus die Neiße 


Neiße in Guben

9.8.2017

Groß Neuendorf – Frankfurt/Oder


Ich habe gestern noch vergessen zu erzählen, dass mir auf dem Oder Damm ein komplett nackter Radfahrer entgegen kam. Schade, den hätte ich gerne fotografiert, denn so etwas ist mir noch nie über den Weg gelaufen. Als ich dann am späten Nachmittag in ein kleines am Damm liegendes Hotel kam, fragte ich, ob es noch ein Zimmer gäbe. Ja, war die Antwort, das kostet 65 €. Das ist mir eigentlich viel zu viel, doch ich war müde und schob einen riesigen Kohldampf. Und man muss eines bedenken, die Versorgungslage hier in MekPom – Mecklenburg Vorpommern – beziehungsweise in Brandenburg ist es kaum dichter besiedelt als in Finnland. 

Jedenfalls fragte ich, ob es WLAN gäbe. 

Nein, wir brauchen kein WLAN. Naja, sie vielleicht nicht, aber ihre Kunden, meinen sie nicht? Das müsse ich ihr überlassen, wie sie ihr Hotel führt, sie habe die Kosten kalkuliert, und es würde sich jedenfalls nicht rechnen. Muss ich mir das anhören? 5 Monate bin ich jetzt unterwegs, und es gab bisher überall, selbst auf den Campingplätzen WLAN. 

Das ist ein Armutszeugnis!

Für 20 € bekam ich dann ein Apartement in einer Pension – mit WLAN!

Heute früh regnete es bis ungefähr 7 Uhr. Um 8:30 Uhr ging es nach einem guten und reichlichen Frühstück auf die Piste. Ziel Frankfurt an der Oder, denn da treffe ich mich heute mit einem Freund. Wie wird dieser Abend enden?

Die beiden sächsischen Ehepaare, die vor 2 Tagen schon meinen Weg kreuzten, traf ich heute wieder, und wir hatten viel Spaß miteinander.

Die erste Russenmaß seit mindestens einem Jahr – guad war’s!

Ich wurde übrigens gestern eines besseren belehrt, der Oderbruch heißt „das Oderbruch“, genauso wie die Butter bei uns „der Butter“ heißt. 

Der Name Bruch kommt aus mittelhochdeutschen, und bedeutet Sumpf oder Moor auf einer Fläche von 920 km/2. das ist ein riesiges Biotop und eine Rückzugmöglichkeit für viele Pflanzen und Tiere, ab auch Mücken, Insekten, die die Welt nicht braucht, und mich permanent attackieren.

Oderhafen mit altem Schiff

Künstlercafé am Oderdamm

Wenig Altstadt und immer noch sichtbarer architektonischer Sozialismus 

Frankfurt an der Oder 

8.8.2017

Schwedt/Oder – Groß Neuendorf


Über den gestrigen Abend gibt es nicht viel zu sagen. Essen, Trinken und Schlafen stand auf dem Programm, sodass ich heute früh um 7:30 Uhr schon zum Frühstücken gehen konnte. Danach fuhr ich direkt ins Fahrradgeschäft, wo ich meinem Fahrrad nicht nur einen neuen Gepäckträger sondern auch noch einen neuen Hinterreifen gönnte. Ich kann mir vorstellen, dass sich mein Rad mal wieder richtig freut, mit einem neuen Schuh ausgestattet zu werden. 

Der Weg ging heute ausschließlich auf dem Oderdamm entlang, durch den berühmten Oderbruch. Ja was ist denn nun der Oderbruch? Das ist ein sogenanntes Binnendelta der Oder im märkischen Oderland. Hier wurde die Oder durch den Preußen König Friedrich II begradigt, und dieses Areal trockengelegt. Immer wieder kommt es zu wahnsinnigen Überschwemmungen, zuletzt eben in den Jahren 1997 und 2010.

Die Natur ist unbelassen, schlicht und ergreifend ein Paradies.

Ja, ich radle so durch die Natur, habe wirklich mit massivem Gegenwind zu kämpfen, und nutze die Zeit, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ich weiß, das klingt total bescheuert, wenn ein 58 Jähriger sich über seine Zukunft Gedanken macht, denn die ist deutlich kürzer als die Vergangenheit. Doch möchte ich natürlich nicht aufhören zu arbeiten, ich möchte mich schon noch in irgendeiner Form nützlich machen. 

Ich werde also weiterhin nachdenken!

Was war mir in meinen diversen Tätigkeiten immer wichtig? Und wann war ich erfolgreich?

Immer dann, wenn mir die Arbeit Spaß gemacht hat, wenn ich lachen konnte. Der Mensch lacht übrigens durchschnittlich 14 Mal am Tag. Da bin ich deutlich über dem Schnitt! Die Arbeit muss Spaß machen, das ist die Grundvoraussetzung für mich. Und ich lasse mich von niemandem verbiegen und quälen!

Basta!

Kanal

Brücke nach Polen

Nette Begegnung mit Brandenburgern – und ein Bier gab es auch noch

Schloss Criewen 1820


Nette Begegnung mit Berlinern

7.8.2017

Löcknitz – Schwedt/Oder


Nachdem ich gestern Abend erst spät ein Quartier bekam, hatte ich kaum Zeit, mich mit meinem Tagebuch zu beschäftigen. So ist es auch heute, nachdem ich jetzt mit einem schwedischen Ehepaar beim Essen war. Jetzt sitzen wir draußen, es ist eine der wenigen lauen Sommernächte, an denen man mit kurzer Hose und kurzem Hemd noch im Freien sitzen kann.
Gestern Abend ging ich kurz zum Essen, trank in der Pension noch ein Bier, machte ein paar Telefonate und dann fielen meine kleinen Äuglein zu, sodass ich heute früh topfit war. Allerdings war ich auch sehr faul, und ging erst um kurz nach zehn Uhr zum Radeln über. Es ist eigentlich nicht besonders interessant hier, man fährt parallel zur Oder, man fährt direkt am Ufer oder durch die Wälder. Die Landschaft ist sehenswert. In diesem Odertal sieht man irre große Flächen in denen sich das Wasser im Falle von Hochwasser ausbreiten kann. Ein Biotop der besonderen Art.

Ansonsten fährt man durch Dörfer, in denen man kaum Menschen zu Gesicht hat bekommt. Liegen die alle auf der Couch?

Kein Supermarkt, kein Kramerladen ( für die nicht Bayerisch sprechenden Menschen: Tante Emma Laden), kein Wirtshaus und kein Leben. Da möchte ich nicht einmal begraben werden, so reizvoll das Land ist.

Ich bin heute in Schwedt an der Oder. Die Moskitos sind hier nicht minder aktiv, wie in Finnland oder den Masuren. Ich werde gerade abgefieselt wie ein Gockerlhaxn. 

Schwedt/Oder ist eine Stadt im Landkreis Uckermark. Es ist eines der Mittelzentren in Brandenburg.

Im Jahr 2008 wurde Schwedt als erster Stadt der Titel Nationalparkstadt verliehen, der seit 2013 auch als offizieller Beiname der Stadt geführt wird. Der Name verweist auf den Nationalpark Unteres Odertal.

Als ich einen älteren Herrn fragte, wo die Innenstadt sei, meinte er lapidar, machen sie sich keine große Hoffnung, die Innenstadt ist dort! Im Krieg wurde hier wohl alles zerstört, und was da noch übrig blieb fiel dem Sozialismus zum Opfer.

Morgen geht es dann Richtung Franfurt an der Oder!

Alter Adelsgutsbetrieb

Blick in den Mais mit ein paar hundert Hektar Fläche

Von Polen nach Deutschland, rechts der Beobachtungsturm

Riesige unberührte Polderlandschaften

6.8.2017

Bansin Usedom – Löcknitz


Gestern war ein super schöner Tag hier in Usedom an der Ostsee. Es war warm, einfach ein Tag der jedem Menschen gefällt. Uta gab mir wieder Nudeln zu essen, denn das ist gut für die Kondition. Nach dem ersten Teller meinte sie, ich müsse noch ein zweiten essen. Also nahm ich noch einen zweiten Teller zu mir, und es hat auch noch gut geschmeckt. Nachdem wir dann mit dem Hund noch spazieren waren, fuhren wir mit dem Auto irgendwo hin, an den Strand, in ein wunderschön gelegenes Lokal. Ja, es ist schön hier, an der Ostsee. 

Uta und ich!


Wunderbarer Sonnenuntergang!

Deutschland ist auch ein interessantes Land, das es wert ist zu bereisen.

Von Uta bekam ich heute früh noch ein riesiges Lunchpaket – wo gibt’s denn sowas? Ich fühle mich beschämt! Sie ist einfach eine tolle Frau! 

Um 8:15 Uhr startete ich dann weiter in Richtung Süden. Das Land, Mecklenburg-Vorpommern ist bemerkenswert, die Radwege sind super, Feldwege, Waldwege und wenige Teerstrassen. 


Hubbrücke von Karnin

Eigentlich wollte ich nicht mehr als 70 Kilometer radeln, knappe 120 Kilometer sind es dann geworden. Ich habe heute meinem Frust freien Lauf gelassen. 

Hier habe ich eine nette Pension gefunden, obwohl ich eigentlich campen wollte. Naja, das mache ich dann morgen.

Wunderschöne gemütliche Waldwege

Hafen von Ueckermünde


Natur pur – ein Paradies!

Als ich heute in einem Lokal jemanden sagen hörte, ich würde gerne bezahlen, dachte ich mir, die Deutschen sind ja überall!

Ich bin jetzt in Deutschland – wie fremd mir das ist!