31.8.2017

Litschau – Uherčice in Mähren

 

Gestern Abend war ich wieder mal alleine. Ich suchte mir in Litschau eine Pension, und ging auf das Stadtfest. Um 22 Uhr reichte es mir, und ich zog mich in mein Gemach zurück. Um halb acht Uhr gab es schon das Frühstück, und dann ging es wieder weiter auf dem Eurovelo 13. Nach 15 Kilometern überquerte ich zum X-ten Mal die Grenze des eisernen Vorhangs. Eine zu dieser Zeit unglaublich bewachte Grenze. Mit Waffengewalt wurden die Menschen vor der Flucht zurückgehalten. Und heute kann man nach Belieben hin und her fahren. Die Gegend hier ist wunderschön, noch ursprünglicher wie der Bayerische Wald vor 30 Jahren. Ich habe mich etwas verfahren, aber es stört mich nicht im Geringsten. Die Radwege sind aus meiner Sicht sensationell, es geht einfach nur durch die Pampa. Kein Auto, kein Moped und kein LKW. Ich genieße wieder einmal diese unglaubliche Ruhe, in der man die Stimmen der Natur ungefiltert aufsaugen kann.

Es ist die beste Umgebung zum Nachdenken!

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich an dieser Stelle für die vielen Beileidsbekundungen bedanken. Ich war zwar auf den Tod meiner Mutter vorbereitet, doch es tut mir weh, wenn ich daran denke.

Leider ist das gemeinsame Radeln mit Walter Röhrl ins Wasser gefallen. Ich hatte mich riesig gefreut, dass er mich begleiten wollte. Ich hoffe, dass wir diese Fahrt nur aufgeschoben haben. Davon bin ich übrigens überzeugt.

Ich habe vor ein paar Jahren einen Bericht im Bayerischen Fernsehen über die Grenzregion in Tschechien gesehen, über Böhmen und Mähren. Ich kanns nur weiterempfehlen, nette Menschen, tolle Landschaft und super Radwege, die auch noch gut ausgeschildert sind. 

Das Abendessen war ausgezeichnet, und die Unterhaltung mit einem Archtiktenehepaar aus Wien interessant. Man lernt unglaublich viele und interessante Menschen kennen, mit unterschiedlichsten Anschauungen und Weltbildern.

Zlabings

Heiliger in der Ruine

Leben auf der Straße 


Natur pur

30.8.2017

Wienau – Litschau


Erst um 11:30 Uhr kam ich endgültig in Fluss, auf dem Weg nach Gmünd durch das „mystische“ Waldviertel. Ich bin gespannt, wann diese Region touristisch entdeckt wird. In Gmünd traf ich dann wieder auf den Iron Curtain Trail. Dort war ich schon um 16 Uhr, sodass ich bis Litschau weiterfuhr, ab heute wieder mit vollem Gepäck. Die letzten Tage waren super, denn mit Jonas konnte ich mich gut austauschen, über das Leben philosophieren, über das Wandern und über meine Reise, die einfach einzigartig ist. 

Was braucht man, um ein zufriedenes Leben zu führen? 

Was macht die Konsumgesellschaft aus dem Menschen? 

Das waren sehr gute Gespräche, die mich wohl noch ein paar Tage beschäftigen werden.

Jonas war davon begeistert, dass ich tatsächlich beim Frühstück nicht weiß, wo ich am Abend meine müden Augen schließen werde. Diese Freiheit ist garantiert unbezahlbar. 

Seit fünfeinhalb Monaten fahre ich meinem Radl durch die Weltgeschichte spazieren, was ich bisher erleben durfte, ist einmalig. Jeden Tag werde ich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Hatte ich anfangs mit Gewichtsproblemen zu kämpfen, kam ab Frankreich der Gegenwind, und zwar bis zum Nordkap. Regen und Schnee machten mir das Radlerdasein schwer, dann kam es richtig dick. Scheiss Wetter und die Einsamkeit der unendlich erscheinenden Wälder Finnlands ließen mich schon das eine oder andere Mal zweifeln. Doch ich ließ mich nicht durcheinanderbringen. Meine Mutter starb als ich fast zuhause war, und vergönnte mir tatsächlich meine Reise. 

Die letzte Woche verbrachte ich zuhause in Regensburg. Es fiel mir zwar nicht schwer, erneut das Fahrrad zu packen, trotzdem muss ich mich nun wieder neu motivieren. Ich möchte einfach dieses Projekt zu Ende bringen. Dieses Tagebuch, mein Blog, auf Neudeutsch, ist ein ganz wichtiger Motivationspunkt für meine Reise, denn hier habe ich mich persönlich verpflichtet, täglich über das Erlebte nachzudenken. Das sollte man ebenfalls im Berufsleben so machen. Dann ist der Erfolg ganz nahe!

Morgen geht es dann weiter an der Grenze in Richtung Bratislava! 

Jetzt sitze ich in Litschau auf dem Stadtplatz, wo heute ein Straßenfest gefeiert wird.

Waldviertler Schmalspurbahn

Schloss Gmünd


Lamas 

29.8.2017

Aigen – Freistadt


Nach einem schönen Abend in Aigen mit dem Biersommelier Weltmeister Karl, gelang mir der Start nicht flüssig wie sonst. Das  Wetter war klasse, und die Fahrradwege einmalig, denn wir führen wieder über die Grenze nach Tschechien an den Moldaustausee. Das ist eine wunderschöne Landschaft in zum Teil ursprünglicher Natur. 

In der Nähe von Freistadt trafen wir uns dann mit einem Freund, der hier sein zweites Domizil hat. Der Abend nahm seinen Lauf mit Käse und Geräuchertem Schinken. Was braucht man mehr? 


Eindrücke vom Moldaustausee

28.8.2017

Bischofsreut – Aigen in Oberösterreich 


Kaum waren wir heute mit dem Frühstücken fertig, kamen die beiden Damen aus Oberbayern. Jonas und ich stoppten unsere Aufbruchstimmung, und gesellten uns dazu, ich nahm dann schon die 4. Tasse Kaffee. Die kurze Unterhaltung war so interessant, dass ich am liebsten noch einen Tag länger geblieben wäre. 

Letztendlich konnten wir uns dann doch noch überwinden, und es ging wieder los, auf dem Eurovelo 13, zumindest war das unser Plan. Kurzfristig beschlossen wir dann, über den Dreisesselberg zu fahren. Wir nahmen also zusätzliche Höhenmeter in Kauf. Der Ausblick war super, allerdings waren alle Waldwege wegen umgefallener Bäume gesperrt. Wir nahmen dann auf Anraten des hiesigen Försters den Höhenwanderweg, der direkt zum 3-Ländereck führte. Von da ging es einen schmalen und glitschigen Pfad 500 Höhenmeter ins Tal. Insgesamt schoben und trugen wir unsere Räden zweieinhalb Stunden durch die Natur, während der Himmel ringsherum blitzt und donnerte. Jonas störte das überhaupt nicht, denn er frass sich durch die Blaubeeren in eine wahrlich Blaubeer Trance.

In Aigen fanden wir dann einen schönes Hotel, das Biergasthaus Schiffner. Der Inhaber ist der 1. Biersommelier Weltmeister. Der Abend entwickelte sich, mehr gibt es nicht zu sagen! 

Karl Schiffner in Biersommelier Action

Auf dem Höhenweg

Der Höhenweg und die Toten Bäume – Skulpturen des Waldsterbens


Die letzten Meter zum Gipfel

27.8.2017

Bayerisch Eisenstein – Bischofsreut


Jonas und ich sahen am Ortseingang von Bayerisch Eisenstein ein Hotel mit eigener Metzgerei. Hier checkten wir sofort ein, allerdings mussten wir feststellen, dass hier in diesem Haus die deutsche Sprache nicht gesprochen wird – wären wir doch besser nach Böhmisch Eisenstein gefahren! Dort hätte man uns sicherlich verstanden. 

Im Nachbarhotel gab es ein ordentliches Abendmahl, ein paar Bierchen und ein gute Unterhaltung! Das Frühstück war nicht unbedingt der Reisser, aber es war einigermaßen in Ordnung. 

Dann ging es über die Grenze ins tschechische Böhmen, und wir waren mehr als überrascht von der wunderbaren und noch unberührten Natur. Wunderschöne Waldwege, herrliche Lokale zu günstigen Preisen, es scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die Ruhe, die Waldwege und Fahrradwege sind ein wahres Paradies zum Radeln. Gegen 19 Uhr ging es wieder über die Grenze nach Bischofsreut, wo wir dann ein Hotel fanden. Das Essen war klasse, die Gastgeber super freundlich, die Atmosphäre freundlich. 

Nach dem Abendessen gesellten sich nette Menschen zu uns, sodass der Abend sich als kurzweilig entwickelte. 

Bayerisch-Tschechischer Grenzübergang 

Die Geschichte von Unter-Zassau! 


Radweg an der Moldau


Grenzbahnhof in Bayerisch Eisenstein 

26.8.2017

Arnbruck – Bayerisch Eisenstein


Gestern Nachmittag war es wieder soweit. Nach fast einer Woche zuhause in Regensburg setzte ich mich wieder aufs Rad. 

Nach 5 Monaten Fahrrad fahren, in denen man die Zeit vergisst, kam ich nach Hause, weil meine Mutter gestorben ist. Kurz bevor ich aufgebrochen bin, besuchte ich sie im Pflegeheim, und naja, das klingt wohl komisch, da verabschiedete ich mich von ihr. Unser Verhältnis war immer angespannt, und doch schmerzt mich der Verlust. 

Ich musste nicht lange überlegen, ob ich jetzt hier bleiben sollte oder ob ich wieder aufbreche. 

Jonas, ein alter Freund, hat ist nun dabei, er wird mich ein paar Tage begleiten. Vom Röhrl Andreas aus Eilsbrunn wurden wir beide in den bayerischen Wald gefahren. Dann ging es gestern von Arnbruck über den Arber nach Bayerisch Eisenstein, 33 Kilometer und 1100 Höhenmeter. Jetzt bin ich wieder auf dem „Iron Curton Trail“, einem europäischen Fernrradweg. Man nennt ihn den Weg der Geschichte der Teilung Europas, oder der Geschichte des eisernen Vorhangs und des kalten Krieges. Ich werde wohl einige Tage brauchen, um wieder in Fluss zu kommen. 

Ich kann mich noch genau erinnern, als ich mich dem Zug zum Großen Arber fuhr. Da kostete die Zugfahrt mit der Tageskarte ungefähr 21 Mark. Der Zug hatte hier seinen Endpunkt, denn die Verbindung nach Tschechien war unterbrochen. 

Heute gibt es keine Grenzkontrollen mehr, was für ein Gewinn.

Blick vom Arber in Richtung Osten

Schareben 

Abfahrt vom Arber zum Sonnenfelsen


2 MTB Kämpfer

19.8.2017

Roudnice – Karlštejn

Nach einer kühlenden Dusche, ging ich gestern ins Zentrum von Roudnice, machte dort noch einen Rundgang, und ging in das Cuba Restaurant. Ich bestellte mir ein Radler, und bekam eine halbe Bier, und einen halben Liter Limonade, allerdings in einer Plastikflasche. Was soll das denn? 

Was werde ich zurückgehen lassen? Keine Frage, die Limonade natürlich.

Ich sitze jetzt da, am Campingplatz in Karlstein in Tschechien, als mich gerade eine neuerliche Hiobsbotschaft erreicht, die mich dazu bewegt, heute meine Reise abzubrechen, zumindest zu unterbrechen.

Meine Mutter ist gestorben!

Vor Antritt meiner Reise habe ich sie in der „Fürstlichen Residenz“ in Regensburg besucht, und mich mit Tränen von ihr verabschiedet! Ich musste mit diesem Fall rechnen, das war mir schon klar, und die letzten Tage, ging mir alles durch den Kopf. 

Dementsprechend werde ich die nächsten Tage nichts mehr schreiben. Ob ich mein Vorhaben beenden werde, kann ich noch nicht sagen. Ich werde mich zu gegebener Zeit dann äußern!

18.8.2017

Tetschen – Rounice nad Labem


oGestern Abend saß ich auf dem Stadtplatz von Tetschen und genoss das warme Wetter in vollen Zügen. Die Stadt lebt im Moment von den Radlfahrern, zumindest habe ich den Eindruck, denn in der Garage unseres Hotels waren bestimmt 50 Fahrräder geparkt. 

Heute Früh gab es wieder ein gutes und äußerst reichliches Frühstück, danach ging es wieder weiter. Das Elbetal ist wunderschön hier, es war also die richtige Entscheidung diesen Weg zu fahren. Als ich dann nach 20 Kilometer nach Aussig kam, machte ich das, was mir deutsche Radfahrer geraten haben. Einfach weiterfahren, den diese Stadt kann man sich nicht einmal schön trinken. Einzig das Aussiger Schlossist sehenswert.

Steinbruch, Verladekräne und im Hintergrund die Plattenbauten – allerdings hochwassersicher!

Dieses Gebäude sieht aus wie ein Schloss, wurde aber als Ausflugsgaststätte im Jahre 1847 erbaut, und bekam den Namen Ferdinandshöhe.

Nach ein paar Kilometer wurde das Elbetal richtig schön, vergleichbar mit der Donau zwischen Passau und Linz. Die Plattenbauten oben auf den Elbehängen sind entsetzlich. 40 Jahre Kommunismus, wirtschaftlicher Stillstand und Raubbau an der Natur, damit haben die Menschen in den ehemaligen Ostländern zu kämpfen. 

Meine Pension liegt auf der anderen Uferseite rund 1500 Meter von der Innenstadt entfernt. Dieser Spaziergang tut mir richtig gut. 

Als ich heute früh die Mittelbayerische Zeitung lass, würde ich mal wieder von einem super geschriebenen Artikel von Helmut Wanner überrascht. Ich freue mich irrsinnig, dass mich Walter Röhrl nächste Woche begleiten wird, er war immer ein großes Vorbild für mich, aber auch für meine Brüder. Selbst mein Vater schenkte dem Walter Röhrl seine Freundschaft. 


Dieser Walter Röhrl ist eine Ikone, man könnte jovial sagen, er ist eine Granate!

Ich habe schon lange nicht mehr meine Kilometer gezählt, aber 12 – 13.000 werden es wohl sein. Man möchte glauben, dass ich fit bin, das stimmt auch, aber mit dem Walter werde ich sicherlich nicht mithalten können. Er ist einfach ein super Sportler.

Ich bin freudig gespannt!

17.8.2017

Meißen – Děčín (deutsch: Tetschen)


Gestern holte mich Gerhard in Dresden ab. Dann fuhren wir in seinen Betrieb in Döbeln. Nach 5 Monaten treffe ich wieder meine Freunde, zuerst den Jürgen, und gestern den Gerhard und die Anna. Ich möchte da gar nicht zu viel sagen, denn es war einfach bloß schön. Vorher war ich bei einem alten Freund, der in Dresden eine Steuerkanzlei betreibt.

Mein Plan war es, 3 Nächte hier in Dresden zu bleiben, aber das funktioniert gar nicht, weil ich die nächste Woche einen festen Zeitplan habe. Deshalb musste ich heute, so leid es mir tut, weiterfahren an der Elbe entlang in Richtung Prag durch das Elbsandsteingebirge.

Anna und Gerhard holten mich heute früh um 8:30 Uhr in meiner Pension ab, und brachten mich nach Meißen. Da ging es dann wieder weiter auf meinem Drahtesel. Je näher ich an die Heimat komme, umso wehmütiger wird’s mir ums Herz. Ich möchte aber meinen Plan durchziehen, also werde ich noch weiterfahren, und mein Vorhaben zu Ende bringen.

Von Meißen ging es heute nach Dresden, Pirna, Königstein, Bad Schandau und dann über die offene Grenze nach Děčín. Irgendwie ist das schon ein Irrsinn, wie weit ich schon gekommen bin. Spanien, Frankreich, Südengland, Wales, Irland, Nordirland, Schottland, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Deutschland habe ich befahren, und jetzt bin ich schon in Tschechien. Mir fehlen die Worte.

Dieser Elberadweg ist mindestens genauso schön, wie der Donauradweg. 

Grenzübergang 

Königstein

Elbsandsteingebirge

Ferienidylle an der Elbe

Pirna


Dresden


16.8.2017

Schirgiswalde – Dresden


Das sind heute 65 Kilometer, die ich gefahren bin, nach Dresden, und dann durch die Stadt. Wenn man sich überlegt, wie Dresden ausgesehen hat nach dem Krieg, beziehungsweise nach dem Mauerfall, dann muss man den Hut ziehen. 

Nachdem ich keinen Hut habe, dann ziehe ich mein „neues Kappl“ aus dem Hardrock Café in Danzig!


Den ganzen Tag hat es heute geregnet, das hat mich allerdings nicht sonderlich gestört. 

Nachdem es in Dresden auch geregnet hat, bin ich direkt zu einem alten Freund gefahren, um ihn erstens zu besuchen, und die Ersatzteile für mein MTB abzuholen.  

Jetzt sitze ich in einem Biergarten, die Sonne hat sich durch die Wolken gekämpft und genieße ein schönes Bier, während ich diese Zeilen schreibe.