10.7.2017

Kouvola – Lahti


Das war heute nicht mein Tag. Ich konnte heute Nacht schon gar nicht einschlafen, wurde immer wieder wach, und in der früh kam ich kaum aus den Federn, bzw. dem Schlafsack im Zelt. Ich hatte leichte Kopfschmerzen, die ich auf zu wenig Flüssigkeit zurückführe. Nein, nicht Bier, also das auch natürlich, aber ich habe einfach zu wenig getrunken. 

Ich habe mir dann ein Cola gekauft, und auch gefrühstückt, eine Tablette, und zwar die erste sein 4 Monaten eingeschmissen, und mir richtig Zeit gelassen. Erst kurz vor Mittag bin ich dann losgefahren, und ich habe mich heute richtig schwer getan auf dieser stark befahrenen Bundesstraße, auf der die 9-achsigen LKW definitiv auf die Radfahrer keine Rücksicht nehmen. 

Die ganze Fahrt heute hat mich gestresst. Eigentlich wollte ich heute gegen Mittag in Lahti angekommen sein, das war aber nun ganz anders. Erst um 17:30 Uhr kam ich hier an. Ich wollte mir dann die Stadt anschauen und das Skisprung Stadion besuchen, das werde ich mir definitiv sparen. Ein halbe Stunde habe ich jetzt geschlafen, jetzt geht es mir schon besser. Ich muss mich ab jetzt umstellen, und tagsüber einfach mehr trinken.

Das waren heute genau 75,93 Kilometer und 560 Höhenmeter, und wirklich eine Qual. Morgen früh werde ich mit dem Zug nach Helsinki fahren, dann habe ich den ganzen Tag Zeit, mir die Stadt anzusehen. Am Mittwoch früh möchte ich dann mit der Fähre nach Tallinn übersetzen, und den Tag für die Besichtigung nutzen. Das heißt, ich werde morgen den letzten Tag in Skandinavien verweilen, dann sind 2 Monate wie im Flug vergangen. 


Kurze Kaffee Pause an der Tanke. Spielautomaten stehen überall, an den Tankstellen und in den Supermärkten! 

9.7.2017

Lappeenranta – Kouvola


Irgendwie ist mir der Abschied von den Ida, Niko und den 3 Kindern schwer gefallen, das waren jetzt 2 äußerst unterhaltsame und interessante Abende. Die beiden haben mir viel von Finnland erzählt, von der Natur und den Menschen. Ich glaube, dass ich das Land nun besser verstehe. Hier kann man sicherlich ein ausgefülltes Leben führen, die Freizeitmöglichkeiten sind super, Sommer wie Winter, Jobs sind vorhanden und für die Kinder bietet der Staat das beste Schulsystem in Europa. 

Jedenfalls konnte ich heute mit gewaschener Wäsche und frisch gewaschen aufbrechen, nach einem ausgiebigen Frühstück  mit Ham and Eggs und frischem Früchtequark.

Als ich dann wieder alleine unterwegs war, stellte ich fest, dass mir in meinem Leben niemals soviel Sympathie und Wohlwollen entgegengebracht wurde wie hier auf dieser Reise. Das ist schon sehr überraschend, wie sich diese Radtour entwickelt hat. Die Leute beneiden mich, dass ich mich auf eine derartige Tour aufgemacht habe, dass ich keine Angst habe, vor nichts und dass ich mir diese lange Zeit nehme.

Jetzt bin ich wieder einmal am Campingplatz angekommen und habe meine bescheidene „Einraumwohnung“ aufgebaut. Bei einem sündhaft teuren Bier schreibe ich gerade meinen Blog. Eine nachdenkliche Stimmung baut sich heute auf. 

Aquapark mit Campingplatz 


Winterraps, der im Juli blüht, rechts Weizen!

Ich hoffe, ich liege beim Raps richtig…

8.7.2017

Lappeenranta

Nach geschätzten 1500 Kilometern durch die kalten Wälder Finnlands, verfolgt von vollkommen sinnlosen Stechmücken, habe ich heute Lappeenranta kennenlernen durfte. Ida und Niko, der finnische Regensburger haben mir heute diese südfinnische Stadt gezeigt. Hier gibt es tolle Strände, an jedem Strand stehen Saunen, und das Wasser des Saimaa-Sees wird bis zu 24 Grad warm. Man kann es fast nicht glauben.

Mit Niko und seinem Sohn Sebastian bin ich heute zum Start eines Motorboot Rennens gefahren. Bis zu 1000 PS haben diese Wasserboliden. 

Niko meint, dass Lappeenranta eine typische Sommerstadt ist, in der im Sommer das Leben pulsiert. Im Winter seien die Menschen eher zuhause. Das ist bei Temperaturen bis zu 30 Grad minus auch kein Wunder. Allerdings beeindruckt mich schon, dass Niko täglich mit dem MTB 8 Kilometer in die Arbeit fährt. Das Fahrrad hat dann Spikes. Seit 2004 lebt er hier in Finnland, und arbeitet als Schreiner. Seit 2005 sind die beiden liiert, und die Familie hat sich seitdem sukzessive vergrößert. Die 3 Kinder, Sebastian, Saana und Sofia 4 sind die 3 Kinder im Alter von 11, 8 und 4 Jahren. 


Familienbild mit mir

In Skandinavien habe ich bisher eine unglaubliche Gastfreundschaft erlebt. Ich fühle mich tatsächlich etwas beschämt, denn selbstverständlich ist das nicht. Und wie ist es in Deutschland?

Ich glaube, dass man hier gut leben kann, allerdings ist die finnische Sprache der begrenzende Faktor. Nachdem Nikos Mutter aus Finnland kommt, er 2 sprachig aufgewachsen ist, war es wohl nicht so schwierig hier Fuß zu fassen. Nach dem Mittagessen zeigten mir die beiden das Stadtzentrum, die Festungsanlage und den Hafen. 


Festungsanlage zur Zeit des Zaren

Sofia auf meinem Arm, im Hintergrund die seltenen Saimaa Robben

In der Hafenanlage ist eine riesige Sandburg aufgebaut. 

Schade, dass ich morgen wieder weiterfahren muss, denn ich fühle mich herzlichst aufgenommen in dieser jungen bayerisch-finnischen Familie. 

Gestern Abend bekam ich noch einen Anruf von Anton Eschenwecker, dass er 25 Kilometer vor dem Nordkap einen Reifenschaden hätte. Nachdem ich ihm die Nummer von Jürgen, dem nördlichsten Bayern gab, bekam er prompte Hilfe. Jürgen holte den Reifen ab, brachte ihn in eine Werkstatt, und nach eineinhalb Stunden war das Wohnmobil wieder fahrbereit. Dann ging es weiter zum Nordkap. 

Am Dienstag möchte ich in Helsinki sein, um dann am Mittwoch mit der Fähre nach Tallin überzusetzen. 

7.7.2017

Simpele – Laappenranta


Der gestrige Abend verlief absolut ruhig. Nach dem Essen gab es noch eine Dose Bier, dann bin ich auf der Couch eingeschlafen, sodass ich heute früh erholt und ausgeschlafen mein Fahrrad in Betrieb nehmen konnte.

Mein Ziel war Laappenranta, eine Stadt mit rund 80000 Einwohner im Südosten von Finnland. Dort wohnt Niko Botsch mit seiner Familie, wieder ein Regensburger, der sich im Ausland sesshaft gemacht hat. Schon vor 2 oder 3 Wochen haben wir telefoniert und diesen Termin ausgemacht. 

Ich wurde herzlichst willkommen geheißen, das ist schon ein Wahnsinn. Ich traute meinen Augen nicht, als es zum Abendessen Brezen gab. Vor ein paar Tagen bekam ich bei den „Eschenweckers“ einen Wurstsalat und jetzt Brezen mit einer bayerischen Brotzeit. 

Blick von der Brücke

Bade Paradies im Süden


Saimaa-Kanal, verbindet Saimaa-See mit der Ostsee

6.7.2017

Lieksa Vaalimaa – Simpele


Ja, die Zimmersuche war schon lustig gestern. Was ich halt überhaupt nicht ertragen kann, ist, wenn mich jemand über den Tisch ziehen möchte. Und das war offensichtlich so.

Die Hütte, die ich dann zu mieten bekam, war ohnehin super stark. Ich heizte die Sauna ein, und genoss die 3 Aufgüsse, allerdings ging es mir heute beim Radeln nicht so gut. Wahrscheinlich war ich immer noch etwas dehydriert.

Dennoch bin ich 85 Kilometer geradelt, alles auf der Hauptstraße. Der Verkehr wird immer stärker, je mehr man in den Süden gelangt, und das Radfahren wird wieder stressiger. Nach 10 Kilometer begann es so stark zu regnen, dass ich meine Regenjacke auspacken musste. Als ich dann nass war, hörte es wieder auf. Nach weiteren 10 Kilometern begannen wieder zu regnen, ich holte nun meinen Poncho aus dem Rucksack, fuhr vielleicht einen Kilometer weiter, und konnte in einer Tanke dann pausieren. Dann, nach 30 Minuten hörte es endgültig zu regnen auf, es wurde nun aber zunehmend kälter.

Erst am Nachmittag entdeckte ich eine wunderschöne evangelische Kirche, die aus Holz gebaute Kirche von Uukuniemi. Vorher gab es nichts außer Wald und Wasser, allerdings habe ich mich nicht genau an den Eurovelo 13 gehalten.


Jetzt bin ich in einer Unterkunft der ganz besonderen Art gelandet, in einem Hochhaus in Simpele. Dort bewohne ich für heute eine 100 qm Wohnung. Weit und breit hätte es nichts anderes gegeben. Ich habe mir jetzt Nudeln gekocht. 

Ich werde heute nicht alt werden, bald liege ich im Bett! Diese Stadt befindet sich an der russischen Grenze. Von der Straße aus konnte ich den Wachturm erkennen, so war es auch früher an der innerdeutschen Grenze.

4.7. und 5.7.

Joensuu – Lieksa Vaalimaa


Vorgestern Abend saß ich nur einen halbe Stunde im Campingplatz Restaurant, als Christl und Anton Eschenwecker mit Ihrem Wohnmobil auftauchten. Wir hatten uns viel, sehr viel zu erzählen, sodass wir nicht merkten, wie die Zeit verging. Es war wohl 3 Uhr, als wir ins Bett gingen. 

Um 9:00 Uhr wachte ich dann auf, und beschloss einen Tag hier zu ruhen. Körper, Geist und Seele benötigten eine Pause. Ich muss sagen, das „Geräucherte“ und die Wurst machten mir die Entscheidung auch leicht. Nachmittags gingen wir dann auf die benachbarte Pferderennbahn, denn dort gab es eine Vielzahl von Rennen in allen Klassen und auch Altersgruppen. Ein interessanter Nachmittag mit einer freundschaftlichen Unterhaltung – was will ich mehr?

Profirennen mit Startwagen


Pony mit Sulky – so sehen Sieger aus!


Traberrennen

Am Abend wurde ich noch zu einer Pizza eingeladen, dann gegen 22 Uhr ging es dann zurück auf den Campingplatz. Jetzt würde ich noch eingeladen im Wohnmobil zu schlafen, was natürlich super war.


Alles in Allem waren diese 2 Tage super nett. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass wir uns hier in Finnland getroffen haben. 

Herzlichen Dank!


Abschiedsfoto

Heute früh habe ich mir noch Zeit gelassen, ich bin erst um 11:30 Uhr gestartet, habe aber dennoch 80 Kilometer geschafft, obwohl ich zusätzlich mit dem Gegenwind zu kämpfen hatte. Dass ich kurz einmal in einen starken Regenschauer geriet, ist eigentlich nicht der Rede wert. 

In Finnland ist es wichtig, dass man sich frühzeitig um eine Unterkunft kümmert, eine Hütte, einen Campingplatz oder ein Hotel. Diese Unterkunft sollte auch irgendwie an der Strecke liegen, die ich fahren werde, und nicht 10 oder mehr Kilometer abseits. Und das ist heute wieder so eine Sache. Die nächsten 40 Kilometer ist nichts aber auch gar nichts in Google Maps verzeichnet, außer Hotels, mit Preisen über 100 €.

Gezielt bin ich zu einem Hotel gefahren. 65 € waren in booking.com als Preis aufgerufen, 80 € wollte die Rezeptionistin von mir. Ich sagte ihr, dass in Booking.com der Preis bei 65 € liegen würde. Lapidar sagte sie, dass sie diesen Preis dann machen würde, allerdings habe ich nun nicht mehr mitgemacht, denn das grenzt an Betrügt oder Verdummung. Ich fuhr dann also weiter und fand eine Hütte für einen top Preis, mit einer tollen Ausstattung. 


Während ich jetzt meinen Blog schreibe, höre ich Bayern 1, und fühle mich dabei fast wie in Bayern.

3.7.2017

Lieksa Camping – Joensuu

Als ich heute früh um 7 Uhr mich langsam dazu bewegte, meine Sachen zu packen, das Zelt zu verstauen und die „sanitären Geschichten“ zu erledigen, war ich nach langem wieder alleine. Meine beiden Südafrikaner sind um 6 Uhr los, um mit dem Zug in Richtung St. Petersburg zu fahren. Schade, denn wir haben uns super verstanden. Allerdings hat sich später mit sächsischer Begleiter per WhatsApp gemeldet, und mitgeteilt, dass er gestern von 8:45 Uhr bis heute früh um 5:45 Uhr durchgehend geradelt ist, als 21 Stunden und dabei 352 km zurück gelegt hat.

Unglaublich!

Ich jedenfalls werde so etwas natürlich nicht machen, schaffe ich auch nicht.

Mittag bekam ich per Facebook Messenger die Nachricht, dass ich heute aus Regensburg Besuch bekommen würde, und zwar von Christl und Anton Eschenwecker, die beide mit dem Wohnmobil zum Nordkap unterwegs sind. Darüber haben wir vor 2 oder 3 Wochen schon gesprochen, dass die beiden es dann in die Realität umgesetzt haben, ist schon einmalig. Um 17 Uhr war ich am Campingplatz, wollte mein Tagebuch schreiben, aber kaum hatte ich begonnen, waren sie schon da. Nach einem Begrüßungsbier, nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, gab es dann ein Abendessen, dass sich für mich Sie schreibt. 


Einen Wurstsalat!

Da läuft mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammen.

Idylle am See

Gemeinsames Grillen am Campingplatz 

2.7.2017

Tulijärven Tuvat – Lieksa Camping


Das waren heute 103 Kilometer, gegen Windstärke 2, obwohl dieser Tag heute mehr als beschissen anfing. Wie schon gesagt, hatten wir mit unserer Hütte gestern Abend wirklich großes Massel. Das war nicht das, was ich immer hatte, sondern ein Haus mit separatem Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Fernseher, Sauna, große Dusche und eine super Essküche. 

Ich kochte wieder, und meine beiden südafrikanischen Begleiter waren mehr als zufrieden – wie ich!

Als wir uns dann in die Betten verzogen, fielen sämtliche Stechmücken über mich her. Ich meine, dass ich mindestens 30-40 mal gestochen wurde. Schlaf kann man das jedenfalls nicht nennen. Heute früh war ich gerädert, war das jetzt schon die zweite Nacht, in der ich meuchlings überfallen wurde.


Um 8 Uhr früh, nach einem ordentlichen Frühstück starteten wir dann in Richtung Lieksa. Nach vielleicht 10 Kilometer warteten die beiden Jungs auf mich, denn ich war heute richtig langsam unterwegs, und teilten mir mit, dass sie die Schnauze voll hätten von Wald links und Wald rechts. Für die beiden ist die Spitze erreicht, denn die Mücken machen auch vor den beiden keinen Halt. So wollen morgen mit dem Zug nach St. Petersburg weiterfahren, um zumindest einen kleinen Eindruck von Europa zu bekommen. Das kann ich sehr sehr gut nachvollziehen. 

Das ist ja Kabarett, was die beiden hier mitmachen. Der erste Urlaub in Europa, und das in Finnland – unglaublich! Als einEngländer dann von Russland erzählte, dass die Mückenplage dort noch größer sei, die Russen bei Radfahrern keine Rücksicht nehmen und die Straßen dort auch richtig schlecht sind, wurden sie nun erst recht verunsichert. Im Übrigen kommen Südafrikaner visa-frei nach Russland. Ich habe ihnen geraten, tatsächlich nach St. Petersburg zu fahren, dann über Tallin und Riga mit Fähre nach Helsinki. 

Das waren schließlich 70 Kilometer bis wir dann endlich im nächsten Ort ankamen, wo es dann eine Kleinigkeit zu essen gab. 

Lupinen in allen Variationen am Straßenrand! Langsam erreichen wir den Sommer!

Den ganzen Tag fahren wir durch diese unendlichen Wälder, und permanent bergauf und bergab.


Carl (rechts) mit Mückenschutz

Jetzt sind wir auf einem Campingplatz, in der Hoffnung, dass man im Zelt besser schlafen könnte. Ich bin zuversichtlich – aber noch nicht lange. Das war heute für mich wirklich die größte Krise auf dieser Reise, ich habe mich aber wieder herausgekämpft.

3 Männer – 3 Zelte

Nielen hat auf dem T-Shirt eine Lebensweisheit von Nelson Mandela:

It’s always seems impossible until it’s done!

Carl bei Konzentrationsübungen

1.7.2017

Lentiiraun – Tulijärven Tuvat

Gestern musste ich mich leider von Horst verabschieden. Wir hatten viel Spaß, wir haben den gleichen Humor, einzig was nicht gepasst hat, war unsere Fahrgeschwindigkeit. Jetzt bin ich mit den beiden Südafrikanern, Karl und Nielen unterwegs. Sie wollten gemeinsam mit einem Freund durch Finnland radeln, was ich überhaupt nicht verstehen kann, denn da gibt es interessantere Radwege in Europa. Den Donauradweg, den Radweg an der Loire, es gibt den Moselradweg um nur ein paar zu nennen. Es ist einfach zu monoton, zu viel Wald und zu wenig Kultur und Architektur. Ich jedenfalls kann das verstehen.

Die Hütte gestern war gut, top eingerichtet und sauber, der Service allerdings ganz schlecht. Das ist hier in Finnland aber eher die Ausnahme.

Für den heutigen Tag haben wir lediglich eine Etappe von 58 Kilometer geplant, denn die nächste Unterkunft wird erst nach weiteren 70 Kilometern geben. Das sollte heute ein ruhiger Tag für eine Radtour sein. Und so war es auch, der Wind kam aus östlichen Richtungen, also eher von hinten als von vorne.

Wir 3 haben beschlossen zusammen zu bleiben, das senkt deutlich die Kosten und macht zudem auch wesentlich mehr Spaß. Kaum sind wir 4 Kilometer unterwegs gewesen, ging ich in die erste Bäckerei, die ich in Finnland gesehen habe. Um neun Uhr war die Bude brechen voll, und es wurde musiziert.

 
Nielen und Karl sagten belustigt, dies sei der erste Ansatz von Kultur in Finnland, was sie sie sehen bekamen. Das Land ist äußerst dünn besiedelt, was kann man hier erwarten?

Dann ging es endlich wieder weiter!


Wenn die Sonne scheint, sieht alles viel besser aus!

Es war einfach super zum Radeln, die Pace heute machte kein Geringerer als der Schreiber. Die beiden Jungs waren total überrascht, was mit heute los ist. Mir ging es einfach gut, der Schnitt lag sicher bei 23 km/h.

Noch vor 12 Uhr kamen wir in Kuhmo an, wo wir für heute und morgen unsere  Besorgungen machen konnten. Das sind jetzt nur noch 12 Kilometer, dann sind wir da wo wir hin wollten.

Die Inhaber dieser Hütten sind reizend, da fühlt man sich gleich zuhause, nicht so wie gestern. Die Hütte liegt am See, und wird massiv von Mücken penetriert. 


Das ist der erste Bauernhof, der wieder richtig Ackerbau betreibt. Ich denke, dass das Sommergerste ist, die verfüttert wird.

Ich hatte eine riesige Freude, endlich wieder Ackerland zu sehen!

Morgen werden wir wahrscheinlich um die 110 Kilometer zu fahren haben. Kein Supermarkt, keine Tanke, einfach wieder nichts – das wird uns morgen erwarten!

30.6.2017

Suomussalmi – Lentiiran


Gestern habe ich wieder einmal Spaghetti Bolognese gekocht. 4 ausgewachsene Menschen vertilgten 1,5 Kilogramm Nudeln zusätzlich die Sauce, die es mehr als reichlich gab. Als Durstlöscher gab es Bier, danach Rotwein.

Heute früh um 8 Uhr ging es dann wieder weiter Richtung Süden in den Sommer. Horst und ich teilten uns jetzt eineinhalb Wochen lang die Hütten und auch die Kosten. Wir hatten kein einziges Mal das Gefühl ausbrechen zu müssen, wir verstanden uns wirklich gut. Er fährt heute an die Grenze, um dann morgen nach Russland zu fahren. Und ich fahre eben weiter in den Süden. Es ist wirklich schade, aber wir werden uns auf alle Fälle Wiedersehen. Wir hatten auch kein sprachliches Problem, sächsisch und bayerisch.


Bullriding auf sächsisch! Der Ochs sitzt hier oben auf!

Unsere Route führte uns heute an einigen Gedenkstätten des 2. Weltkrieges vorbei. 

Hier wurden die russisch-ukrainischen Truppen bis auf den letzten Mann im Winterkrieg 1939 vernichtet.

Finnland war bis zum Jahr 1917, bis zur Oktober Revolution unter russischer Führung und wurden damals von Lenin freiwillig in die Unabhängigkeit entlassen. Stalin passte das scheinbar gar nicht, und überfiel dann die Finnen, die sich redlich und erfolgreich wehrten.


Auf einer Fläche von 3 ha entspricht die Anzahl der hier liegenden Felsen/Steine der Anzahl im Winter gefallenen Soldaten.

Für jeden Tag dieses 115 Tage dauernden  Krieges hängt an diesem Mahnmal eine Kupferglocke. Bei Wind spielen diese Glocken die leise Botschaft vom Irrsinn des Krieges!

„Der Mensch stirbt, aber die Erinnerung lebt fort“, steht hier in Stein gemeißelt.

Ist das nicht ein schwacher Trost?

Wir müssen dankbar sein, dass wir, unsere Generation dieses Unheil nicht erlebt hat, dass wir tatsächlich in der Vorstufe zum Paradies leben. Damit gebe ich dem Seehofer uneingeschränkt Recht!


Wieder einmal haben wir Kaiser Wetter, und Finnland wird schöner. Die Monotonie der Straßen durch diese Wälder wird Finnland allerdings nicht verlieren.

Gestern Abend habe ich übrigens den Finnischen Wettergott, „werds-schee-oder-ned“ im Gespräch mit dem finnischen Moskito Gott, „i-schick-de-Staunsn“ belauscht. 

Das sind tatsächlich 2 Vollpfosten, denn der „Staunsn“ Gott hat gesagt, wenn schönes Wetter kommt, dann heizt er uns richtig ein. 

Diese Viecher fieseln uns richtig ab. Bin gespannt, wie lange wir das aushalten.