10.05.2017

Lewiston – Nairn

Meine Wirtin, oder wie man das sagen kann, hatte schon 80 Jahre auf dem Buckel, und war wirklich fit wie ein Turnschuh. Heute früh beim Zahlen sagte sie, sie hätte mich zum Abendessen eingeladen. Sehr nett! Ihr verstorbener Mann war 4 Jahre in Kriegsgefangenschaft in Deutschland, er sei aber immer gut behandelt worden.

Gegen halb zehn ging es dann los nach Inverness in die Touristeninformation. Die Dame in der Information war sehr hilfsbereit, hatte aber null Durchblick, sodass der Weg dahin komplett für die Katz war. Und als ich final eine Landkarte über den Whisky Trail haben wollte, war die Dame endgültig überfordert. Auf welchen Whisky Trail ich fahren wollte? Also gibt es wohl mehrere hier. Außerdem ist das, was sie mir vorgeschlagen hat kein Trail, sondern eine normale Straße. 

Ich setzte mich also hin, und recherchierte im Internet, nichts anderes tat sie. 

Inverness ist die Hauptstadt der Highlands und eine sehr alte Stadt. In der Burg hat scheinbar Macbeth sein Unwesen getrieben. 


Der Eurovelo 1 geht von Inverness aus zunächst nach Norden, um dann parallel zur Küste nach Westen abzubiegen. Verkehrsberuhigte Wege führten mich wieder mal bergauf und bergab durch das landwirtschaftlich geprägte Land. Es werden hier Kartoffeln angebaut, aber auch Getreide, speziell Sommergerste, die die Destillerien zum Whisky Brennen benötigen. 

Jetzt bin ich in Nairn angekommen, und kann eigentlich nur noch lachen. Lachen über die Preise, die man hier für die Übernachtung zu zahlen hat. Diese Preise wären bei uns ein absolutes NoGo.

Jetzt sitze ich beim Italiener, trinke mein Bier, und werde mir jetzt eine Pizza bestellen.

Immer der 1 hinterher – gut ausgeschildert

Viadukt


Sommergerste mit GPS gesät

09.05.2017

Fort William – Lewiston


Gestern war ich ziemlich k.o. nachdem ich die ganze Strecke, ungefähr 17 Kilometer zurückfahren musste, um meinen Geldbeutel zu suchen. 13 Kilometer lang, bis ich mein Geld wieder fand, schimpfte ich mich selbst mit den Worten, Mann bin ich blöd. 

Dann musste ich ja diese blöde, vielbefahrene Straße nehmen. 

Kurz vor Fort William fand ich ein Hotel, was noch einigermaßen bezahlbar war. Ich nahm eine Dusche, sortierte meine Klamotten und wusch noch zwei Hemden. Als ich dann alles erledigt hatte, ging ich an die Bar, und bestellte bei der Chefin einen Cider, diesen sehr bekömmlichen, trocken und durstlöschenden spritzigen Apfelwein. Dann fragte ich die Chefin, was ich denn zu Essen bekommen könnte. Nein, sagte sie, du hast ja nur B&B gebucht. Allerdings saßen im Restaurant 4 Gäste beim Essen. Es dauert lang bis ich richtig sauer werde, diese Frau hat es geschafft!

Es dauerte wirklich nicht lange, bis ich dann zu Essen bekam.

Heute früh brach ich um 9:45 Uhr nach dem Frühstück auf, ungefähr 7 km Straße und dann 50 km Waldwege. Kein Verkehr und kein Lärm, ich konnte den Wald riechen, es ging bergauf und bergab, mit leichtem Rückenwind, zunächst an einem Kanal zwischen Fort William und Loch Lochy, weiter am Berg über dem See, bis nach Fort Augustus, im Süden von Loch Ness. So wie ich das sehe, heißen die Seen hier „Loch“. 

Demnach würde bei uns der Guggenberger Weiher Loch Guggenberger, der Chiemsee Loch Chiemsee, und der Bodensee Loch Boden heißen.

Irgendwo traf ich zwei Schweden, eine  Stunde vor Fort Augustus, wir unterhielten uns gut, und gingen gemeinsam auf einen Kaffee. 

Es war einfach ein super Tag!

Wenn man mit dem Auto Sightseeing-Touren macht, nimmt man immer nur ganz kurze Augenblicke oder Bilder war, mit dem Fahrrad sind es vielleicht Bilder in realer Geschwindigkeit war, während zu Fuß man die Bilder in Zeitlupentempo abspeichern kann. Eine andere Beschreibung fällt mir momentan nicht ein, aber ich denke es ist verständlich.

Beim Gehen oder auch beim Radfahren kommt man sich selbst immer näher, bis man sich selbst spürt. Und das nenne ich leben. Gerade in der Natur kann man seine Sinne auf das Wesentliche konzentrieren. Im Straßenverkehr bin ich immer gefordert, dem Verkehr zu folgen und Unfälle zu vermeiden. 

Dieser Tag ist für mich tatsächlich ein absolutes Highlight.

Eigentlich wollte ich heute wieder campen, doch der Campingplatz ist noch geschlossen. Also suchte ich mir ein B&B, was ich auch gefunden habe.

Jetzt geht es mir gut, es gab Fisch’n Chips. 

Jetzt gibt es noch ein paar „Loch“-Bilder:

Urquart Castle am „Loch Ness“

Ben Navis – höchster Berg vom UK mit 1345 m



Loch Ness

08.05.2017

Glencoe Mountain – Fort William


Ich habe natürlich nicht damit gerechnet, dass ich hier in Schottland durch ein Skigebiet fahren werde, und daneben auch in einer Art Hütte oder Jugendherberge schlafen würde. Ganz oben liegen auch immer noch Schneereste. Einer der Wirte meinte, es werde die nächsten Tage auch wieder Schnee kommen. Jedenfalls hatte es heute Nacht um die 0 Grad. Diese Herberge war bis auf das Letzte Bett belegt, und das bekam ich. Einer der Briten, war lagen zu viert im Zimmer schnarchte. Zum Glück habe ich Ohropax dabei. Als ich um halb acht aufgestanden bin, war von den anderen schon keiner mehr da.

Dann nahm ich noch ein gutes Frühstück zu mir, 2 Tassen Kaffee und um halb zehn ging es wieder los. Ich hätte ja schon früher fahren können, doch ich habe nach Ausreden gesucht, warum ich noch verschieben könnte.

Diese Landschaft ist wirklich der Hammer, es zieht sich der Weg 20 km durch die Higlands hinab in Richtung Fort William, eingerahmt von einer fast unwirklichen Landschaft. Ich bin mir heute vorgekommen wie der Highlander höchstpersönlich. Dazwischen traf ich noch ein Ehepaar aus der Abtenau, ebenfalls mit dem Rad unterwegs. Allerdings halt nur Tagestouren.

Dann ging es weiter bis nach Corran, mit der Fähre übers Wasser und dann weiter Richtung Norden, Richtung Fort William. Bis zur Fähre sind es noch 11 Meilen nach Fort William, also ungefähr 17 km. Über den starken Gegenwind will ich mich gar nicht auslassen, denn ansonsten ist das Wetter einmalig, und das sagen die Schotten. Als ich dann an der Fähre ankam, merkte ich, dass mein Geldbeutel mit 400 Pfund, also ungefähr 500€ weg war. Ich war mir fast Hundertprozentig sicher, dass ich ihn kurz nach der Fähre verloren haben muss, denn da habe ich die langärmelige Jacke ausgezogen. Als ich dann dort ankam, lag er tatsächlich am Boden. Mann bin ich bescheuert, und es ist niemand da, den man blöd anreden könnte, oder sogar verantwortlich machen könnte. 

Nachdem aber die nördliche Rückfähre schon abgefahren war, musste ich nun auf die vielbefahrene Hauptstraße ausweichen, was wirklich keinen Spaß macht. Allerdings ist das Wetter gigantisch, die Landschaft phantastisch und mein Geld habe ich auch wieder.

Gegen 18 Uhr fand ich dann ein B&B, und da sitze ich jetzt.

Noch ein paar Eindrücke von den Highlands.

07.05.2017


Gestern habe ich mich zum 2. Mal entschlossen zu campen, obwohl es in der Nacht wieder zapfig kalt werden soll. Das Zelt war schnell aufgestellt, und meine schottischen Nachbarn waren auch sofort gesprächsbereit. Als ich endlich fertig ausgepackt hatte und die Luftmatratze aufgeblasen hatte, hörte ich zwei Mädels miteinander deutsch reden. Die Eine, Ingrid kam aus dem Pub und erzählte, dass man nichts zu Essen bekäme ohne reserviert zu haben. Das ist ja unglaublich, ich habe nur gefrühstückt und schiebe jetzt einen riesigen Kohldampf. Schnurstracks bin ich die Kneipe, und verlangte den Chef, denn der Barmann wollte mir auch erklären, dass in Schottland schon viele Menschen verhungert seien. Der Chef kam, und ich erklärte ihm mit deutlichen Worten, dass ich jetzt Hunger habe, und etwas zum Essen bestellen möchte. Und er gab uns die Speisenkarte, mit der Bitte sofort zu bestellen. Der Barmann kassierte dann bei Annahme meiner Bestellung – Vorkasse!

Das machte er allen! Unglaublich!

Dann kamen die beiden Mädels, begannen Billard zu spielen, und die beiden Schotten zogen sich zurück. Ich stand dann auf in ging zur Theke, um den Mädels zuzuschauen.

Wir kamen ins Gespräch, während die Kneipe immer voller wurde, 2 Gitarristen kamen, einer mit der Mandoline, und zwei mit dem Schifferklavier. Und der Abend nahm seinen Lauf. Glücklicherweise schließen die Bars spätestens um Mitternacht, denn ab einem gewissen Quantum gehe ich einfach nicht so schnell ins Bett – das zum Thema Disziplin. Ein wunderbarer und netter Abend, den ich nicht so schnell vergessen werde. Diese 10 oder 12 Jungs hatten irgendetwas zu feiern, was habe ich nicht verstanden, aber so getan als hätte ich es verstanden. Einer aus der Gruppe hatte einige Jahre in einer Whisky Destillerie gearbeitet, sodass wir, die beiden Mädels, Ingrid und Julia, sowie ich noch zum Whisky trinken begannen.

Heute früh ging es mir dann nicht so gut. Aber der 2. Campingtag war gut.

Meine Mädels und ich nahmen ein nettes Frühstück und trennten uns dann schweren Herzens gegen 10:30 Uhr, und ich quälte mich dann auf die die schottischen Berge in die Highlands.

Diese Landschaft gleicht bei diesem geilen Wetter einem Spektakel. Der starke Gegenwind aus dem hohen Norden könnte mir heute gar nicht so viel anhaben, den diese Landschaft hier ist überwältigend schön und gleicht vieles aus.

Als ich dann das schottische Skigebiet „Clach Leathad“ sah, es war auch schon 17:30 Uhr fragte ich in der Hütte, ob ich einen Platz bekommen würde. Das hat geklappt, andernfalls hätte ich halt mein Zelt aufgebaut. 

Die Mädels waren einfach so nett, dass ich sie jetzt direkt vermisse.

Diese Hütte hier liegt einfach in einer super tollen Umgebung, sodass ich einfach da bleiben musste. Heute Nacht soll es übrigens frostig werden.

Morgen geht es dann weiter Richtung Fort William!

Skigebiet..


Meine beiden Mädels


It’s Partytime

06.05.2017

Glasgow – Ardlui




Ganz kurz möchte ich noch auf den gestrigen Abend eingehen. Glasgow ist eine Stadt, die man durchaus besuchen kann. Glasgow war im Jahr 1990 europäische Kulturhauptstadt, und 2003 europäische Sporthauptstadt. 

Spuren der industriellen Revolution und moderne Architektur

Düstere Straßen 

In einem Pub neben meinem Hotel bestellte ich mir noch ein Bier, ein IPA, allerdings musste ich diese Bierhalle bald verlassen, den da herrschte ein derartiger  Geräuschpegel, kurz vor der Körperverletzung. 

Heute früh startete ich nach einem guten Frühstück in Richtung Glasgow Airport.  Dort traf ich einen ehemaligen Regensburger, Professor Dr. Alexander Lenz, Professor für Teilchenphysik. Er kommt gebürtig aus Waldkirchen, studierte in München, und kam dann zur Promotion und Habilitation nach Regensburg. Mit seiner Frau, einer Ärztin, baute er an der Uni ein Akrobatikprogramm auf, und leitet auch in Newcastle ein Gruppe mit circa 50 Leuten.

Um Professor zu werden erfordert es Fleiß, Durchhaltevermögen, Disziplin, Intelligenz und natürlich den entsprechenden Ehrgeiz. Um Hochleistungssportel werden zu wollen erfordert es die gleichen Tugenden. Und er vereint in seiner Person beides, den Intellektuellen Professor in Physik, und den Hochleistungssportler, Gewichtheber und Akrobatiker.

Das ist für mich äußerst bemerkenswert, wenn ich an meine eigene Zeit zurückdenke!

Mittag bin ich weiter gefahren in Richtung Loch Lomond. Die schottischen Highlands kommen immer näher, der Wind kommt aus östlichen Richtungen, das heißt, ich habe eher Rückenwind als Gegenwind. Ich bin heute über 90 km geradelt, flott vorwärts gekommen, das macht dann wieder mal richtig Spaß. Und diese Landschaft…..

Das ist auch ein kleines Paradies. Natürlich nach Bayern, Kärnten, Irland, dann kommt Schottland, genau kann ich mich aber nicht festlegen. Aber in Spanien ist es ebenfalls schön, Frankreich gefällt mir aber auch. 

Wichtig ist, dass man sich in die Gesellschaft und deren Sitten und Gebräuche einfügt und am Leben teilnimmt, dann ist es nahezu überall schön. 

Zwischenzeitlich hab ich mich mit einem Radfahrer unterhalten, der ein paar Jahre seines Lebens in Münster verbrachte, als Soldat bei der Army. Irgendwie ist man doch nie ganz alleine, allerdings muss man schon auf die Menschen aktiv zugehen. 

Heute bin ich das 2. Mal am Campingplatz. Nach nicht einmal 20 Minuten stand das Zelt, und die „Bettstatt“ war präpariert. Daneben sind 2 Schotten und zwei deutsche Mädels. In der Campingplatzkneipe gibt’s Livemusik…Whisky in jar… 

Das ist der perfekte Abschluss eines wunderschönen Tages. Raus der Millionenmetropole und rein  in die schottischen Highlands, was kann das Herz mehr begehren….

Ich werde morgen dann in Richtung Fort William fahren, dann geht es weiter nach Inverness. Von dort auf den Berühmten Whisky Trail, dann nach Aberdeen. Ich werde keinen Flug buchen, sondern versuchen mit einem Frachter mitzufahren!

Nach ein paar Eindrücke der Highlands bei strahlendem Sonnenschein.

Die Bilder kommen später, das Internet ist einfach zu langsam!



Abendstimmung am Loch Lomond

05.05.2017

Cairnryan – Glasgow

Gestern Abend musste ich nicht lange suchen, um ein B&B zu finden, Nähe der Anlegestelle der Fähre. Das Haus liegt direkt an dieser großen Bucht, die ihr Ende dann in Stranraer findet. Die Terrasse liegt im Windschatten dieses kalten Nordostwindes, sodass ich fast bis Sonnenuntergang draußen sitzen konnte. Dazu bekam ich 2 kleine Bier und ein Glas Wein. Der Schwiegersohn des Hauses erklärte mir, dass gerade hier im Nahen Umkreis 15 wunderbar gelegene Golfplätze seien, und nachdem diese Plätze auf eher unfruchtbaren Böden am Meer gebaut wurden, nennt man sie „Links course“.

Eine halbe Stunde von hier ist einer der besten Plätze Schottlands, und der Inhaber heißt „Donald Trump“. Ich möchte mich über diese Spezies von Menschen nicht auslassen, doch alleine mit seiner Physiognomie war er mir von Anfang an unsympathisch. 

Heute früh gab es wieder ein ausgiebiges Frühstück, dann hatte ich 12 km zu radeln, um am nächsten Bahnhof mit dem Zug ins rund 160 km entfernte Glasgow zu kommen. Morgen früh treffe ich ich mich mit einem ehemaligen Regensburger am Flughafen von Glasgow, denn er fliegt von dort in die Staaten, glaube ich. Das ist also der einzige Termin, den wir frei hatten – und das auf einer Radtour!

Die 3 Damen im Zug, sie waren ebenfalls mit den Rädern unterwegs hatten die höchste Freude mit mir und meinem „bayerischen“ Charme. Die 3 machen nicht nur gemeinsame Radtouren, sie spielen auch Golf miteinenander. Schottland ist die Wiege des Golfspiels, erklärte ich ihnen, und früher stand angeblich ein Schild an der Einfahrt zum Golfplatz „No dogs, no women allowed“. Diesen Spruch konnte ich mir erlauben, weil ich vorher mein gesamtes Potential an Galanterie ausgepackt hatte. Die Damen lachten und waren glücklich.

Um 14 Uhr bezog ich mitten in der Stadt mein Zimmer, und seitdem bin ich zu Fuß unterwegs. Obwohl ich diese Metropolen und Menschenansammlungen eher meide, muss ich sagen, dass es kein Fehler war, hier zu übernachten. Die Damen erzählten mir, dass es äußerst selten ist, in Schottland ein derartig gutes Wetter anzutreffen. Es soll übrigens die nächsten Tage weiter so schön sein.

Als ich hier am Bahnhof ankam war ich schon beeindruckt!


Disziplin und Sauberkeit am Bahnhof

In der Touristeninformation habe ich heute erstmals erfahren, dass es definitiv keine Fähre gibt, die von Aberdeen oder Shetland nach Bergen geht. Es gibt viele europäische Radwanderwege, die Gesellschaft, die das Ganze verwaltet Sitz in Brüssel. Ich habe dort per Email angefragt, wie ich von Aberdeen nach Bergen kommen könnte. 

Glücksfrage: welche Antwort bekam ich?

Mit der Fähre natürlich!

Aber so wie es aussieht, werde ich mir wohl ein Tretboot kaufen, und nach Bergen fahren! Das wäre auch konsequent!

Ich war in einem Fahrradladen, um mir eine Karte zu kaufen, und man gab mir eine Straßenkarte! Die Alternative wäre eine  topographische Karte, auf dem die Wanderwege eingezeichnet sind. Haha!

Ok, ich habe jetzt die Straßenkarte, und werde mir täglich meinen Weg mit dem Internet abgleichen!

Die Kathedrale, die St. Mungo’s Cathedral gehört dem britischen Königshaus, sie wird auch High Kirk of Glasgow genannt. 

Glasgow Necropolis ist ein viktorianischer Friedhof im schottischen Glasgow


Ich werde wohl 10 Tage brauchen bis ich in Aberdeen angekommen bin, dabei werde ich auf den Whisky Trail stoßen. Bin schon ganz gespannt.

04.05.2017

Newry – Belfast – Cairnryan (Schottland)


So schnell kanns gehen, kaum ist man in Irland und hat sich mit dem Land angefreundet, und  schon ist man wieder weg. Ich befinde mich jetzt auf dem Fährschiff von Belfast nach Cairnryan – wie man das wieder ausspricht, keine Ahnung – bei starkem Gegenwind und Sonnenschein. 

Heute ging es früh weg in Richtung Belfast, die letzten 30 Kilometer nahm ich wieder den Zug. Ich hatte entweder einen Flug, oder die Fähre zu buchen, und dazu benötigt man hier die Touristeninformation, das Busbüro und das Büro von Easyjet am Flughafen. Ich bin mindestens 30 km mit dem Rad durch Belfast gefahren. In diesen großen Städten fühle ich mich immer unwohl mit dem Rad, diese Menschenmassen in den Fußgängerzonen versuche ich wenn möglich zu meiden. 

Nachdem der Flug viel zu teuer und aufwändig ist, habe ich mich entschlossen mit der Fähre zu fahren, genauer gesagt mit dem Bus. Am Busbahnhof teilte man mir mit, dass es schwierig sei, einen Platz im Bus zu bekommen, es gäbe nämlich nur zwei. Ich meinte, wenn er nachsehen würde, dann wüssten wir, ob es schon Reservierungen gäbe, und ich könnte unter der Voraussetzung, dass noch ein Platz frei wäre, ja diesen freien Platz belegen. Das würde eben nicht gehen, war nun die desinteressierte Antwort des nordirischen Briten.

Wo ist die Anlegestelle der Fähre? Das erklärte er mir nun ganz genau, und da bin ich jetzt. Morgen geht es dann weiter nach Glasgow, wo ich mir wieder Kartenmaterial für die Weiterreise besorgen muss. Vielleicht werde ich heute das Zelt aufschlagen, wir werden sehen.

Als ich durch Belfast radelte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass erst im Jahr 1998 ein Friedensvertrag mit dem Namen „Karfreitagsabkommen“ geschlossen wurde, in einem Krieg zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Königstreuen Briten, und freiheitlichen Iren. Irland wurde immer durch die Briten unterdrückt. Stimmen behaupten, dass die Briten während der großen Hungersnöte zwischen 1845 und 1849 ganz bewusst die Maßnahmen zur Bekämpfung des Hungers verschleppten. Nach dem ersten Weltkrieg, zwischen 1919 und 1921 tobte hier ein blutiger Bürgerkrieg, der dann zur Unabhängigkeit führte.

Es geht wohl immer nur um Geld und Macht!

Ich bin gespannt, auf was ich mich in Schottland einstellen muss. 


Mein Schiff in Belfast – liegt vor dem Titanic Viertel

In Belfast wurden um die Jahrhundertwende die größten Schiffe der Welt gebaut, weshalb sich das UK ungern von Irland trennte. Die Titanic jedenfalls wurde hier produziert. Sicher ist man stolz darauf.


Pulsierendes Leben in Belfast


Der Käptain bei der Arbeit


Schottland 

Morgen gehts nach Glasgow! 

03.05.2017

Balbriggen (Irland) – Newry (UK)


Gestern Abend habe ich mir nach meinem ausgiebigen Spaziergang am Strand noch 2 Bierchen gekauft, Tagebuch geschrieben und dann war Schluss. 

Heute früh um 8 Uhr saß ich dann pünktlich beim Frühstück, checkte meine Route, das Wetter, meine Emails, WhatsApp und Facebook. Eine Stunde nehme ich mir Zeit fürs Frühstück, sodass ich die Zeit habe, intensiv das Epaper der  Mittelbayerische Zeitung zu lesen. Das kann ich jetzt seit einer Woche, und es ist gigantisch. Seit dem 17.März, seit meinem Flug nach Sevilla habe ich keine deutsche Zeitung zum Kauf bekommen, nicht einmal die „Blödzeitung“!

Und jetzt lese ich beim Frühstück die MZ. 

Es war genau 09:30 Uhr, als ich gesattelt und gezäumt den Sattel unter meinem „Arsch“, eher mit Verachtung wieder spürte. Ab 11 Uhr konnte ich kurzärmelig fahren, die kurze Hose war eh schon dran. Keine Wolke am Himmel und 14 Stunden Sonne pur, das sollte heute mein Tag sein. Lediglich der Starkwind hat sich wieder zu meinem Feind entwickelt.

Seit ich irischen Boden betreten habe, war das der erste Raps, in voller Blüte, den ich zu sehen bekam. Ein prachtvoller Anblick! Das Frühjahr ist nicht mehr aufzuhalten.

 
Ich bin zwar kein Landwirt, aber ich wurde von einer Vielzahl von Profis ausgebildet, zumindest kann ich ein bisschen mitreden. Ich bin an vielen Kartoffelfeldern vorbeigefahren. Ich habe aber nur einen Kartoffelacker gesehen, auf dem mit GPS gelegt wurde. Da ist noch großes Potential.


Ich sah viele Felder auf denen Sommergerste angebaut wurde. Diese wird für das Bierbrauen benötigt, aber auch zum Whisky Brennen, denke ich.

Der Weizen ist bereits kniehoch.

Es sind immer wieder nette Schlösser zu sehen, mit schönen Parkanlagen, wie hier das „Bellingham Castle“, ein nettes Anwesen eben in Bellingham.


Es geht auf der R132, einer größeren Straße immer in nördlicher Richtung mit dem Ziel Belfast morgen zu erreichen. Das ist leicht kupiertes Gelände, mit moderaten Anstiegen, und Abfahrten, der höchste Punkt liegt bei 143 m über Meer.


Schließlich erreichte ich um 18 Uhr Newry, und stellte fest, dass ich schon über die die Grenze gefahren bin. Soll heißen, dass ich mit Euro nicht mehr weiterkommen werde. 

Nach Belfast sind es noch 64 km. Morgen Nachmittag werde ich dort sein, und mir die Stadt anschauen.

02.05.2017

Kenmare – Balbriggen


Das ist die Strecke, die ich heute hinter mich gebracht habe

Meine Fahrt hatte ich eigentlich ganz anders geplant.

Mit grob geschätzten 9000 km von Sevilla zum Nordkap auf dem Eurovelo 1, kalkulierte ich pro Woche gute 500 km. Das ist normalerweise leicht machbar. 70 km am Tag klingt wirklich nicht übertrieben, doch sollte man bedenken, dass mindestens 20 kg Gepäck und das Fahrrad vorwärts bewegt werden muss, und zwar mit Muskelkraft und Selbstmotivation. Das Wetter kann die Planung schon gewaltig stören, ebenfalls schlechte Straßen und ungenügende Beschilderung. Bringt man dann einmal nur 30 km auf den Tacho, müssen die 40 fehlenden Kilometer wieder aufgeholt werden, um den Durchschnitt von 70 km zu erreichen. Und dann wird’s natürlich schon schwieriger. 

Man kann aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, mit Zug und Bus.

Dazwischen ist aber auch ab und zu eine Pause nötig, denn der Körper wird im Laufe der Zeit immer müder, und verliert die Lust.

Fast sieben Wochen bin ich jetzt unterwegs, zuletzt in Kenmare im Südwesten Irlands. Gerald Hofmaier hat sich die Zeit genommen und mir viel gezeigt, und auch viel erzählt, von Land und Leuten und von der Fischzucht. 3 Tage konnte ich mein Fahrrad ignorieren. Man kann sich nicht vorstellen, wie gut mir diese 3 Tage getan haben. 

Eigentlich wollte ich weiter die Westküste hochfahren, um dann nach Osten in Richtung Belfast zu fahren. Das ist die Radroute, die ich mir halbwegs eingebildet hatte. Nachdem ich aber schon am Freitag in Glasgow sein möchte, habe ich mich entschlossen mit dem Bus von Limerick nach Dublin zu fahren. Von dort aus geht es dann weiter an der Ostküste nach Belfast zur Fähre nach Glasgow.

Gerald hat mich heute mit dem Auto nach Limerick gebracht, sodass ich heute den größten Teil meiner irischen Etappe auf einen Schlag zurück legen kann.

Jedenfalls hat mich Irland beeindruckt, vielleicht sogar gewonnen. Heute hat es fast 20 Grad, und die Natur scheint zu explodieren. Der Frühling hat mich jetzt eingeholt, es hat ja lang genug gedauert.

Jetzt, 60 km westlich von Dublin ist das Land flach, die Felder sind wieder größer und es wird wieder Getreide angebaut. 

Obwohl wir, Gerald, Fionna und ich eigentlich gar nicht kennen, fiel mir heute der Abschied schwer. Ich fahre wieder weiter ins Ungewisse und weiß nicht, wo ich heute Abend wieder landen werde. Da entdecke ich immer wieder eine kleine Unsicherheit, die man vielleicht mit kluger Vorsicht umschreiben könnte. Gerald meinte, man müsse in den großen Städten schön vorsichtig sein, aufs Radl aufpassen, und sich auch nicht ausrauben lassen. Das tu ich sowieso!

Langsam geht die Reise weiter in den Norden. Um den 15. Mai werde ich wohl in Aberdeen sein, dann geht es weiter nach Bergen in Norwegen. Es verbleiben geschätzte 4000 km. Wie ich nach Bergen komm werde, ist mir tatsächlich noch nicht klar, aber es wird klappen, da bin ich mir sicher.

Manchmal fühle ich mich total befremdet, wenn ich neben mir stehende Menschen englisch sprechen höre. 

Gerald ist noch einen schönen Umweg gefahren um mir den Killarney Nationalpark zu zeigen. 


Sensationeller Ausblick vom Molls Gap

Als ich mit dem Bus durch Dublin gefahren bin, war ich heilfroh, dass ich hier nichts reserviert habe. Am Flughafen packte ich mein Rad, es war kurz vor 18 Uhr und radelte nochmals 23 km nach Norden. Hier in diesem eher unschönen Kaff gibt es, und zwar weit und breit weder ein B&B noch einen Campingplatz. Um kurz vor 8 Uhr nahm ich dann das Hotel. 

Dann machte ich noch einen schönen Spaziergang an den Strand, an dem das halbe Dorf beim Sport war. Toll!

01.05.2017

Kenmare

Gerald Hofmeier mir gestern die Gegend gezeigt. Dieser Landstrich hier ist schöner als man ihn malen könnte. Das Wettr wurde zunehmend besser, immer häufiger blitzte die Sonne durch die Wolken. Eine wunderbare Stimmung, die ich versucht habe mit Kamera festzuhalten. 

Irland ist definitiv eine Reise wert!

Ohne Worte



Durch diese Schläuche werden die bereits toten Lachse in den LKW gepumpt.


Abends im Pub war ich mit dem deutschen Ehepaar aus der Nähe von Stuttgart wieder verabredet. Livemusik beim Essen!

In lustiger und schöner Abend mit Verabschiedung. Die Beiden fliegen heute nach Hause!