26.09.2017

Larisa – Agiokampos auf der Insel Euböa

Wieder ein wunderbarer Artikel von „Helmut Emmeram Wanner“ in der Mittelbayerischen Zeitung!

Wie schon berichtet, war der gestrige Tag, aufgrund meines neuerlichen Plattfußes eher suboptimal, allerdings muss man schlicht und ergreifend immer damit rechnen, dass irgendetwas zu Bruch gehen wird. Ja, so bin ich halt in Larisa geblieben, hab mir abends noch 3 Bier gekauft. Schon um 10 Uhr bin ich ins Bett, denn heute wollte ich dann frühzeitig starten, was mir auch gelungen ist. 

Um 8 Uhr saß ich dann wieder auf meinem Bock, weiterhin in Richtung Athen, in den Süden. Es war relativ frisch, aber warm genug, kurzärmlig und mit einer Softshell Weste zu radeln. Um 13 Uhr waren dann 60 Kilometer hinter mir, ich war also voll im Plan. Oft ging es direkt an der Autobahn entlang, bergauf und bergab, bis ich plötzlich feststellen musste, dass jetzt die Teerstrasse zu Ende ist. Als ich dann noch 6 oder 7 große Köter in 50 Meter Entfernung auf der Straße stehen sah, wurde mir ganz anders. Ich kam mir jetzt vor, wie in dem Klassiker „High Noon“. Langsam drehte ich mich mit meinem Fahrrad um, und fing an die Flucht zu ergreifen, was diese Hunde auf die Idee brachte nun bellend zu attackieren. Das Adrenalin begann jetzt zu wirken, ich fuhr wie ein Wahnsinniger den kurzen Berg hoch und war da dann endlich in Sicherheit. Was geht denn hier ab? Ao etwas habe ich noch nicht erlebt. 

Schließlich habe ich nach genau 115 Kilometer mein Ziel, den Fischerort Glifa, erreicht. Von dort wollte ich dann, eben morgen auf die Insel fahren. Nachdem die Fähre abfahrtbereit da stand, habe ich mich entschlossen, jetzt schon rüber zu fahren, sodass ich mich morgen früh nach keinem Zeitplan richten muss. Jetzt sitze ich in einem schönen kleinen verschlafenen Fischerort, hier sind keine Touristen, und die Kommunikation ist jetzt etwas schwieriger. Die Saison ist jetzt einfach zu Ende. 

Ich traute heute meinen Augen nicht, als ich vermeindliche Baumwollpflücker fahren sah, und dann auch diese Baumwollfelder entdeckte. Für den einen oder anderen mag das ja nichts besonderes sein, ich hab das noch nie gesehen, und dadurch nicht gewusst, dass in Griechenland Baumwolle angepflanzt wird. 

In einer kleinen Pension fand ich ein preiswertes Zimmer. 

Am Freitag Mittag möchte ich in Athen ankommen, das ist mein Ziel.

Fähre auf die 2. größte Insel Griechenlands, auf Euböä

Idylle

Durch die Berge

Stoppelbehandlung durch Feuerbrunst – wie bei uns in den 70er Jahren


Baumwolle


Könnte wilder Hopfen sein? 

25.09.2017

Platamonas – Larisa

Nach einem ausgiebigen Frühstück startete ich wieder mit meinem MTB mit dem Ziel mittags in Larisa anzukommen. Das sollten ungefähr gute 50 Kilometer werden. Alles lief gut, das Wetter passte auch, und dann ging mir vorne wieder mal die Luft aus. Ich hatte ja vorgehabt, in Larisa eines der Fahrradgeschäft aufzusuchen, um mir 2 neue Fahrradschläuche zu kaufen, und ein Reparturset. Der Plan ging natürlich nicht auf, denn 13 Kilometer vor Larisa musste ich an einer Raststelle stoppen.

Plattfuß!

Den Junior fragte ich ob sie ein Reparaturset hätten. Nein, natürlich nicht. Ja, was soll ich jetzt tun? Ich fand dann in meinem Reifen einen Dorn, und zog ihn heraus, was mir für den Moment nichts brachte. Der junge Grieche meinte, ich solle zuerst mal einen Kaffee trinken, und er würde nachdenken. Nach einer Stunde brachte mich sein Vater in die nächste Reifenwerkstatt, wo mir dann der nächste Grieche half. Er sagte gleich, ich müsse das selber machen, den er habe mit Fahrrädern keine Erfahrung. Ja, nach getaner Arbeit war ich wieder startklar. In Larisa fuhr ich dann ins Fahrradgeschäft und kaufte mir nochmals 2 Schläuche und ein Reparaturset. 

Allerdings wollte ich noch weiterfahren, doch auf den nächsten 67 Kilometern gibt es wieder mal keine Übernachtungsmöglickeit. Das bedeutete, dass ich hier bleiben musste, denn das hätte ich heute nicht mehr geschafft.

Es ist jetzt 17 Uhr, ich schreibe mein Tagebuch, und stelle mir gleichzeitig die Frage, welche Auswirkungen die gestrige Wahl auf unsere Zukunft haben wird – innenpolitisch und außenpolitisch! Und ich erschrecke bei dem Gedanken, dass Leute wie dieser Gauland ab jetzt im Bundestag sitzen wird. Die Politik in Deutschland und der EU benötigt dringend eine drastische Erneuerung. Als ich mir heute an einer Tankstelle ein Cola kaufte, kam ich mit einem französischen Ehepaar ins Gespräch. Sie schoben alle Probleme der Franzosen und er EU auf Angela Merkel, die aus ihrer Sicht, nur für Deutschland arbeiten würde. Deshalb meinten sie, dass die EU bald zerbrechen wird. Ganz egal, von welcher Seite man das alles betrachtet, das Problem ist die mangelnde Transparenz der europäischen Politik, und die unglaubliche Bürokratie. Es ist höchste Eisenbahn für die Erneuerung!

In der Politik fehlt es heute an Charakteren, wie Wehner und Strauss, um nur 2 zu nennen. Die Politik besteht heut aus professionellen Nichtssagern und und studierten Stimmensuchern. 

Cappuccino und Bier in einem Café in Larisa!

Der thessalische Talkessel


Bergziegen beim Steine sammeln…oder so!

24.09.2017

Paralia – Platamonas


Ich sitze jetzt an der Bar in Paralia, eine Zigarre, ROMEO Y JULIETA in der Hand, ein Rum steht vor mir. Und das an einem Ort, der eigentlich nicht das ist was ich suche. Ludwig Thoma hat in den Filmen, die ich immer noch gerne anschaue,  gesagt, man muss nachdenken! 

Das war der gestrige Abend! Ich genoss es alleine zu sein, und dachte in mich hinein, und wieder heraus, im Kreis und im Carré. Ein paar hübsche Mädels saßen mir gegenüber und versüßten meine Träume.

Dann ging ich ins Bett, ich war ja auch todmüde, nach ungefähr 90 Kilometern und knappen 30 Grad im Schatten.

Heute früh hatte ich wieder einen Plattfuß, jetzt reicht es aber. Ich ging also zum Frühstücken, im Anschluss suchte ich einen Laden, bei dem ich das Hinterrad aufpumpen kann. Dann ging ich ins Hotel zurück, nahm das Hinterrad aufs Zimmer mit und untersuchte den Mantel aufs genaueste. Bis ich dann mit den Fingern einen Dorn spürte. Das ist halt das Besondere am Radeln in Südeuropa. 

Erst gegen 10 Uhr kam ich dann los, und entschied mich heute nicht soweit zu fahren, sondern heute am Meer zu bleiben, und mich in die Fluten der Ägäis zu stürzen. Das Wasser ist angenehm warm, denn bekanntermaßen bin ich ein Warmduscher. Das waren dann nur 46 Kilometer, morgen geht es dann wieder in die Vollen. 

Während ich stur in die Pedale trat, versuchte ich mich an die „Griechischen Sagen“ zu erinnern, und an die Reisen des Odysseus zu erinnern. Ich habe die Bücher gelesen, mich hat die griechische Mythologie interessiert, doch ist das meiste einfach weg. Ich meine das kann ist normal oder? Ich bin ja doch schon über 30! Knapp!

Die Griechen sind ein stolzes Volk, mit einer sehr langen Geschichte und einer großen Kultur. Sie sind die Erfinder der Demokratie, der Herrschaft des Volkes, und zwar schon 600 vor Christus. Die Demokratie ist schon so alt, und funktioniert immer noch nicht richtig.

Kurz vor meinem Ziel kam ich an der Burg Platamon vorbei, da ging es richtig steil bergauf, sodass ich mal wieder komplett außer Atem kam.

Ich bin schon ganz gespannt, wie heute die Wahl ausgehen wird. Aus meiner Sicht, sollte die große Koalition ein Ende haben, und sich die CDU/CSU mit der FDP und den GRÜNEN verbünden. Die SPD wird wohl erst dann wieder erstarken, wenn sie sich eine Periode in der Opposition beweist.



Der fränkische König von Thessaloniki, Bonifatius I. von Montferrat baute die Festung in ihrer heutigen Form 1205 auf den Mauern einer byzantinischen Festung aus dem 6.-10. Jahrhundert.


Wunderbarer Sonnenaufgang

Nette Herberge…

Restaurant an der stillgelegten Bahnlinie

23.09.2017

Thessaloniki – Paralia


Um 23 Uhr kam ich gestern abend in Thessaloniki an. Dann müsste ich noch meine Hostel suchen, mitten an der verkehrsreichsten Straße in Thessaloniki, in der morgens um 4 Uhr immer noch die Leute beim Trinken saßen. 3 Halbe Bier  und ich war bratfertig, allerdings konnte ich wirklich nicht gut schlafen, weil es trotz geschlossener Fenster furchtbar laut war. Heute früh packte ich um 9 Uhr meine sieben Sachen und machte mich auf in Richtung Athen, wieder ohne Landkarte natürlich. Allerdings sagt mir Google Maps halbwegs wie ich zu fahren habe. Das war heute wieder mal eine coole Geschichte, denn kurz war ich mal auf der Autobahn, und dann ging es irgendwann über Stock und Stein. Der Höhepunkt kam, als ich über diese Brücke schieben musste.




Alte verrostete Eisenbahnbrücke. Ich musste da ganz vorsichtig sein, denn es fehlten ab und zu Schwellen, das war fast wie ein Klettersteig mit Fahrrad!

Als ich dann ein Restaurant sah, in dem ich mir ein Radler und einen griechischen Kaffee kaufte, las ich eine Mitteilung, eine traurige Mitteilung, dass ein Freund gestorben ist. Mit ihm bin ich letztes Jahr von Faro an der Algarve aus losgefahren, um den portugiesischen Jakobsweg zu machen. Er ist am Mittwoch Abend verstorben, und befindet sich jetzt auf seiner letzten Pilgerreise. Unsere Lebenseinstellung, und unsere konservativ-liberale Linie hat uns verbunden. Ich habe einen Freund verloren!

Buen Camino!

Ich fuhr also, nachdem ich meine feuchten Augen wieder trocken bekam, weiter, immer mit Blick auf den Olymp, aus den Berg der Götter. Gleich hier am Olymp ist der furchtbare Abgrund in den Hades, in die „Unterwelt“ der griechischen Mythologie. 

Ich sitze jetzt am Strand der Ägäis, blicke rüber auf Chalkidiki, trinke beim beruhigenden Rauschen des Meeres ein Bier und schreibe meinen Blog. Währenddessen geht langsam die Sonne unter. 

Was für ein Tag – in jeder Hinsicht!

Blick vom Balkon



Der Olymp – der Berg der Götter!

22.09.2017

Sofia – Thessaloniki 


Es ist heute richtig kalt, aktuell hat es 11 Grad, sodass ich erstmals seit langem mit einer Jacke rumlaufen muss, allerdings mit kurzer Hose. In Thessaloniki hat es jetzt angeblich 25 Grad, eine angenehme Temperatur zum Fahrrad fahren. Gestern Abend entdeckte ich noch im Internet eine Möglichkeit mit dem Bus nach Thessaloniki fahren zu können, und auch schon um 12:30 Uhr. 

Es gibt 2 Busbahnhöfe, und eine Menge von Busunternehmen, alle mit ähnlichen Reisezielen. Da kommt man sich vor wie auf dem türkischen Bazar, Menschen über Menschen und ein riesiges Durcheinander. Für mich 10 mal schwierig, weil ich nichts verstehe und auch kaum lesen kann. Lange Rede, kurzer Sinn, der Bus um 12:30 Uhr nimmt mich wegen meines Rades nicht mit. Also bleibt mir keine andere Wahl, als um 15 Ihr mit dem Zug zu fahren. Ankunft um 22:30 Uhr in Thessaloniki, das erste Mal Umsteigen in den Bus, dann wieder Zug. 

Und jetzt ist es 13:30 Uhr, und ich warte gelangweilt am Bahnhof auf die Abreise. Ich habe mir ein Buch gekauft, online natürlich auf mein IPad, sodass ich wenigstens lesen kann im Zug.

Als ich gerade auf die Toilette in diesem nagelneuen Bahnhof ging, bot mir die Toilettendame Klopapier zum Kauf an. Das heißt, in den Toiletten ist definitiv kein Papier. Wenn ich mir in einer Metzgerei eine Wurstsemmel kaufe, bekomme ich mehr als 2 Scheiben, auf Bayerisch 2 Radln. Die Portionierung des Klopapiers würde ich in die Kategorie 2 Radln einstufen.

Ich sitze jetzt im Zug nach Kulata an der griechischen Grenze. Es geht wieder durch die Berge, durch naturbelassene Landschaften. Ansonsten sieht man Ortschaften, in denen unsereins nicht leben wollte, und unfassbar viel Müll. Es ist schlicht und ergreifend eine Schande!

Die Menschen hier in diesem Land sind sehr sehr arm, hausen in für unsere Verhältnisse unwürdigen Buden, und haben wohl keine große Chance, dieses Dilemma zu verlassen. Es gibt wenige „Reiche“, es gibt wahrscheinlich keinen Mittelstand. Natürlich habe ich ganz wenig gesehen, und da halt nur die Gegenden der Ärmsten. 

Das ist mein Fazit zum Land Bulgarien!

Heute habe ich mit einem alten Schulfreund telefonier, und ihm meine Eindrücke über dieses Land erzählt. Er meinte nur, das hast du doch gewusst, warum fährst du dann hin?

Weil ich es sehen und erleben wollte, ganz einfach, und das ist auch gut so!

21.08.2017

Lom – Sofia

Der Tag ging ja heute wieder gut an. Als ich um 8 Uhr starten wollte, musste ich dummerweise feststellen, dass die Luft im Vorderreifen wieder weg war. 
Es hat mir also kein Mensch die Luft aus dem Reifen abgelassen. Da habe ich Unsinn verbreitet. Es war aber naheliegend. 

Ich suchte mir ein Fahrradgeschäft, was aber erst um 10 öffnete. Was soll ich nun tun? Meine Luftpumpe ist verschwunden, ich benötige also Hilfe. Und da sehe ich doch einen Bulgaren, wie er hier einen Verkaufsstand mit Fahrradutensilien aufbaut. Ohne groß zu fragen half er mir, wir tauschten den Schlauch. Und der war nun auch kaputt. Das heißt, im Mantel steckt die Ursache, und so war es auch. Ein kleiner Dorn ließ mir die Luft aus. 

Als ich dann mit dem Wechseln des Schlauches fertig war, war es schon kurz nach neun Uhr, und ich beschloss nun, mit dem Zug nach Sofia zu fahren. Und da sitze ich jetzt. Im Zug nach Sofia, einmal umsteigen, 5 Stunden für knappe 200 Kilometer, aber genau kann ich das nicht sagen, weil ich hier nichts verstehe. Aber irgendwie geht das schon. 

Im Zug hatte ich genug Zeit, mich in Wikipedia über Land und Leute und die Geschichte des Landes zu informieren. Bulgarien ist jedenfalls der ärmste Staat der EU. Das ist auch mein bescheidener Eindruck. 

Das Hotel nahm gestern 30 € für die Übernachtung, im Vergleich zu dem Hotel in Widin vollkommen überteuert, zumal es nicht einmal ein Frühstück gab. Und das Essen war auch mehr als mäßig. 

Na, auf alle Fälle muss man immer aus der Not die Tugend machen, und einfach mit dem Zug weiterfahren. Ich spare mir ohnehin nur einen Tag. Morgen geht es dann tatsächlich mit dem Zug weiter nach Thessaloniki, ab da werde ich wieder weiterradeln, bis nach Athen. Dort werde ich ungefähr am 1.10. eintreffen. Dann geht’s weiter nach Patras, wie weiß ich noch nicht, von dort aus mit dem Schiff nach Venedig beziehungsweise Triest. Das sind nochmals 3 Tage. Dann dauert es wohl noch eine Woche bis ich wieder vor Anker gehen werde.


Die GPS Funktion meiner Uhr hat heute gestreikt – warum, kann ich nicht sagen!

Jetzt sitze ich gerade im Hotel in Sofia, habe einen kurzen Spaziergang gemacht, und bin von dieser Stadt sehr enttäuscht. Was heißt hier enttäuscht, das hätte ich einfach nicht anders erwartet. 

Allerdings war die Fahrt mit dem Zug hierher nach Sofia atemberaubend. So stellt man sich den Balkan vor. Schroffe Felslandschaften, schöne Bergflüsse und Bergdörfer, unberührte Natur einfach. Da ist es direkt schade, dass ich mit dem Zug gefahren bin. Ich habe aber meinen Zeitplan, und den möchte ich einhalten. Der Zug war fast voll, und mein Fahrrad stand da, als würde es gar nicht dazu gehören. Die Leute beäugten und musterten mich, denn soviele Fahrradreisende wird es hier nicht geben. Hier gibt es überhaupt ganz wenige Radfahrer. 

Morgen Nachmittag um 15 Uhr fährt dann der Zug nach Thessaloniki, um 22 Uhr bin ich dann erst dort. Dann heißt es Zimmer suchen, Essen und schlafen.

Auf meiner Reise habe ich jetzt die 2 europäischen Extrema gesehen, das reiche Norwegen, und die Armut pur. Auch Bulgarien wird es schaffen,  dieser trostlosen Armut zu entfliehen, doch das wird meines Erachtens eine wenn nicht zwei Generation dauern. 

Zum Schluss noch ein paar Eindrücke von Sofia!

Umsteigebahnhof


Interessanter Backenbart

Abendstimmung vor dem Gewitter


Dachwohnung mit Freisitz

20.09.2017

Widin – Lom


Gestern Abend bekam ich etwas ordentliches zu Essen und darüberhinaus, ich denke, ich brauche das nicht zu erwähnen ein paar bulgarische Bierchen. Nach dem Sport gibt es nichts besseres als ein Bier! Das ist natürlich falsch, Weißbier wäre noch besser, und davon dann zwei.

Als ich heute früh, kurz nach acht Uhr meinen Drahtesel packen wollte, musste ich leider feststellen, dass mein Fahrrad über  Nacht einen Plattfuß bekommen hat. Im Fahrradraum, in diesem sogenannten 3 Sterne Kommunistenbunker, ich meine natürlich Hotel. Hat mir doch irgendein Vollpfosten die Luft aus dem Vorderreifen ausgelassen. Was soll man dazu sagen? 

Auf der anderen Straßenseite ist eine Reifenwerkstatt, in der ich meinen Reifen wieder aufpumpen konnte. Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob ich nicht tatsächlich einen schleichenden Luftverlust habe, und den Schlauch wechseln sollte, doch hatte ich nach 55 Kilometer immer noch einen prallen Reifen. 

Ich entschied mich noch etwas an der Donau entlang zu radeln, denn der Wetterbericht sah heute früh nicht so gut aus. Ab 15 Uhr sollen starke Gewitter folgen. Dann habe ich morgen nach Montana 52 Kilometer zu fahren, und kann mich dann, wenn ich dort angekommen bin entscheiden wie weit ich noch fahren werde. 

Diese 55 Kilometer an der Donau sind für mich schockierend, denn die Armut ist allgegenwärtig. Ich schaue den Menschen in die Augen, und sehe ihren Neid. Hier leben fast ausschließlich Roma, die Häuser sind unter aller Kanone, es gibt scheinbar keine Kanalisation, und in den Waschzubern wird die Wäsche gewaschen. Es kommen mir nicht nur Pferdekarren entgegen, sondern auch noch Eselkarren. Es ist furchtbar anzuschauen. Das sollten mal unsere Politiker unternehmen, mit dem Fahrrad durch diese armen Länder, um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren. 

Oder anders gesagt, um den Bezug zur Realität zu gewinnen.

Es beschämt mich, wenn ich durch die Dörfer hier fahre. Die Leute sitzen draußen auf den Bänken, und beobachten den Verkehr, und palavern. In irgendeinem Ort habe ich mir einen Espresso und ein Cola gekauft, für 80 Cent. Das kann doch gar nicht gehen? Espresso ist ok, aber das Cola kostet im Einkauf schon ordentlich Geld. Hier in der Pampa ist man 50 Jahre  zurück, wie will man das aufholen? Das dauert sicherlich mindestens eine Generation oder zwei. Nachdem ich schon sehr früh im Hotel ankam, machte ich einen Spaziergang durch die Stadt. Trostlos würde ich zusammenfassend sagen, einfach nur trostlos.Vielleicht liege ich falsch, wahrscheinlich ist es auch so, aber mein Eindruck von hier ist ernüchternd. Von den knapp 30.000 Einwohnern in der Gemeinde Lom sind 18.000 Roma. 18.000 Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, denn sie haben seit Jahrhunderten keine Akzeptanz. Diese haben sie auch wohl nicht gesucht. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ein Großteil davon weder lesen noch schreiben können.

Gut, was rede ich, es geht ja um meine Reise, die mich halt nach Bulgarien geführt hat. Wie es nun weitergeht, lasse ich offen. Jedenfalls werde ich morgen nach Montana radeln, das sind gute 50 Kilometer, und dann nachdenken. Es kann sein, dass ich mich dann in den Zug setze, und nach Sofia fahre, dann gleich weiter nach Griechenland. 

Menschen beim Palavern!

Die Donau – ein ruhiges Paradies!

19.09.2017

Simian in Rumänien – Widin in Bulgarien


Es ist kaum zu glauben, dass ich heute über die Grenze von Rumänien nach Bulgarien gefahren bin, in ein Land, von dem ich nichts weiß, aber auch gar nichts. Bulgarien kenne ich nur durch irgendwelche Berichte über die Bade- und Partyorte am Schwarzen Meer. Und das interessiert mich nun mal gar nicht. Nachdem sich die Reise langsam dem Ende neigt, mache ich mir immer häufiger Gedanken über das bisher Erlebte, über die vielen Menschen die mich begleitet haben, die ich kennen lernen durfte, und über die vielen Länder die ich mit meinem Radl bereist habe. 

Es begann in Spanien, dann kam Frankreich, England, Wales, Irland, Nordirland, Schottland, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Deutschland, Tschechien, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und jetzt noch Bulgarien! Das ist einfach ein Wahnsinn, den es zuerst einmal zu verarbeiten gibt – wenn ich wieder zuhause bin.

Und was dann?

Ich werde wohl am Freitag in Sofia ankommen. Von Sofia aus möchte ich mit dem Zug nach Thessaloniki reisen, denn ansonsten wird es wohl zeitlich eng werden, denn Mitte Oktober möchte ich wieder zuhause sein.

Ja, heute früh um 08:30 Uhr ging’s dann wieder los, auf einer sehr stark befahrenen Straße eben Richtung Widin in Bulgarien. Das sind genau 108 Kilometer, die es erst einmal zurückzulegen gilt, immer gegen den Wind, und der war stark heute, und mit diesem Gepäck. Alle 500 Meter liegt irgendein platt gefahrener Hundskörper am Straßenrand und fault und verwest vor sich hin. Einmal musste ich über ein solches Viech fahren, denn ansonsten hätte mich ein LKW platt gemacht. Und der Gedanke, ebenfalls so zu verwesen, gefällt mir nun mal gar nicht. 

Als ich gerade mal über einen Bergkamm fuhr, verfolgten mich zwei, offensichtlich nicht spielfreudige Köter, wild bellend und mit fletschenden Zähnen. Ich war schneller, es ging ja gerade bergab. Doch das nervt brutal, und macht mich auch nervös. So nervös, dass ich mein Taschenmesser ausklappte, und griffbereit in die Lenkertasche steckte. Was soll ich sonst tun?

Nachdem ich die Schleife der Donau abkürze, komme ich durch viele Dörfer, die ihre Armut nicht gerade verstecken. Wie wollen diese Menschen aus diesem Sumpf herauskommen? Hier geht es teilweise zu, wie, ja wie vor meiner Geburt. Einem Zigeuner habe ich 4 Äpfel abgekauft, für nicht einmal 50 Cent. Als ich ihm einen Euro gab, schüttelte er dankbar meine Hand. Und das war ehrlich gemeint.

108 Kilometer galt es also zurückzulegen, um dann in Bulgarien zu übernachten. Und da bin ich jetzt, in einem ehemaligen 3-Sterne Hotel, und da im 3. Stockwerk. Das ist einfach ein alter Kommunisten Schuppen. 1994 lebten hier 64.000 Einwohner, heute sind es gerade mal 48.000! Die jungen Menschen verlassen die Stadt, wahrscheinlich das Land, auf der Suche nach einem besseren Leben – ich kann das nachvollziehen. 

Wohnblock in Widin – Bulgarien!

Badeidylle auf der Sandbank in der Donau!

Bauernhof! 


Angelchaos! 


Nochmal ein Bauernhof……

18.09.2017

Mosna an der Donau – Simian in Rumänien


Ich komme mir gerade vor, als sei ich wieder in Finnland. Warum? Das kann ich schon erklären, denn schon gestern fand ich auf einer Strecke von 60 Kilometern keine einzige Übernachtungsmöglichkeit, heute sind es gar 100 Kilometer, auf denen es scheinbar nichts gibt, kein Hotel, keine Pension und auch keinen Campingplatz. Und zum wild Campen habe ich definitiv keine Lust. Da müsste ich mir vorher noch etwas zum Essen kaufen, unter Umständen auch noch kochen, nein, das ist nichts für mich. 

Als ich Drobeta Turnu Severin schon verlassen hatte, nachdem es hier auch keine Touristen Information gibt, fragte ich zwei Polizisten wo denn die nächste Übernachtunsmöglichkeit sei, auf dem Weg Richtung Bulgarien. In knappen 100 Kilometern erst, war die Antwort auf Deutsch. Genau, wie ich es schon erwartet hatte, denn im Internet ist hier nichts zu finden. Also blieb mir nichts anderes übrig als hier zu bleiben, um dann morgen frühzeitig zu starten. Denn die Tage werden immer kürzer. 

Gestern hatte ich ja richtig Glück mit der Pension, denn es gab pro Person 2 Zander zu essen, und die waren richtig gut. Der Inhaber ist so alt wie ich, und betreibt die Pension mit seinem Sohn, der hier von der Fischerei lebt. Neben mir waren noch 2 Radlfahrer, also gingen wir gemeinsam zum Essen. Die beiden kommen aus Australien beziehungsweise Neuseeland, und  sind schon 2 Jahre in Europa zum studieren und arbeiten. Zum Abschluss wird jetzt noch diese Radtour gemacht. Heut früh gab es noch ein gemeinsames Frühstück und dann ging es wieder los, an der Donau entlang durch das „Eiserne Tor“. Die Landschaft wird immer schöner, einfach nur klasse. 

Man darf sich nicht treiben lassen von sinnlosem Ehrgeiz, das Ziel immer im Auge behalten und mit Geduld und Durchhaltevermögen sich stetig vorwärts bewegen. 

Die Entscheidung, über die Donau auf die rumänische Seite zu fahren war definitiv falsch, denn hätte ich frühzeitig nach Hotels im Internet gesucht, wäre ich sicher in Serbien geblieben, denn da gibt es ausreichend Pensionen. So gesehen muss ich jetzt halt mit diesem Blödsinn leben. Allerdings werde ich mein Ziel sicher erreichen. 

Als ich heute an der Donau dahinradelte, sah ich plötzlich diese Weltkugel. Sie scheint am Zerbröckeln zu sein. Dabei denke ich gleich an den internationalen Terrorrismus, an Putin, Erdogan und Trump, oder an den Wahnsinnigen aus Nordkorea, dessen Namen ich mir nicht merken kann und auch nicht mag. Oder an die Populisten, die die Menschen mit ihrem Schwachsinn bewegen können. 


Noch ein paar Eindrücke von der Donau!

Das orthodoxe Kloster Mraconia in Rumänien, im Jahre 2000 neu gebaut, da das alte Kloster durch den Staudamm geflutet wurde. 

17.09.2017

Golubac – Mosna an der Donau


Sonntag ist der Tag des Herrn, heißt es in der Bibel, und ich „arbeite“ fast durchgehend. Zuerst Radeln und dann Tagebuch schreiben und dann posten. Als ich heute wach wurde, war der Himmel bedeckt und es regnete ganz leicht, jedenfalls so, dass ich über eine Regenjacke nicht nachdenken musste. Dieses große Hotel aus den 60er oder 70er Jahren hat sich in keiner Weise verändert, einzig die Klopapierrollen wurden wohl getauscht. Das Frühstück war übrigens genauso bescheiden wie der Rest. Aber, der „Hunger treibts owe“. 

Für diejenigen, die der bayerischen Sprache nicht mächtig sind, würde ich dieses kurze bayerisch Statement folgendermaßen übersetzen:

Gut war es wohl nicht, aber bevor ich den Hungertod sterbe, esse ich es gänzlich auf!

Um kurz vor 9 Uhr, eigentlich zu spät, setzte ich mich dann wieder auf meinen Bock um weiter zum eisernen Tor zu kommen. 

Das Eiserne Tor ist ein Durchbruchstal an der Donau. Es liegt in den südlichen Karpaten, genauer zwischen den Serbischen Karpaten und dem Banater Gebirge, an der Grenze von Serbien und Rumänien. Bis zu seiner Entschärfung 1972 im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Eisernes Tor 1 galt es als der für die Schifffahrt gefährlichste Flussabschnitt der Donau, der nicht ohne ortskundige Lotsen passiert werden konnte. Jahrzehntelang wurden die Schiffe flussaufwärts mit Lokomotiven getreidelt (gezogen). 

Das Eiserne Tor gilt als einer der imposantesten Taldurchbrüche Europas. Am Cazan bzw. Kazan (dt. Kessel) zwischen den Städten Orșova und Donji Milanovac wird die Donau auf 200 Meter Breite verengt; sie war in diesem Abschnitt schon vor dem Dammbau bereits 50 m tief, sodass der Gewässergrund 15 m unter dem Meeresspiegel liegt. Wegen der steilen Wände der Schlucht ist der heutige Stausee trotz der Anhebung des Wasserspiegels (am Staudamm um 20 m auf 62 m über dem Meer) teilweise nicht viel breiter als das natürliche Flussbett. Auf beiden Seiten der Donau wurden Schutzgebiete eingerichtet – in Serbien der Nationalpark Đerdap, auf der rumänischen Seite der Naturpark Eisernes Tor (Parcul Natural Porțile de Fier). Wikipedia

Dieser Durchbruch ist schon wirklich äußerst imposant, ist die Donau eingebettet in diese unberührten Naturschutzgebiete. Allerdings muss man ab und zu die Augen schließen, um diesen wilden Unrat nicht ansehen zu müssen. Auf der Straße lagen heute 3 Tod gefahrene streunende Hunde, dem Geruch nach begann der Verwesungsprozess schon vor ein paar Tagen. Ich bin ja wirklich nicht geruchsempfindlich, aber da wurde mir ganz anders.

Weder im Reiseführer, noch in booking.com ist auf den nächsten 58 Kilometer eine Übernachtungsmöglichkeit, und es war jetzt doch schon 15 Uhr. Um 19 Uhr wird es dunkel, also beschloss ich die nächste Übernachtungsmöglichkeit zu nutzen. Und da bin ich jetzt. Gerade als ich mich hinsetzen konnte begann es zu regnen, das heißt, es zog ein nettes kurzes Gewitter über uns weg – Glück gehabt. Die Pension ist der absolute Hammer hier, und nachdem hier fast nur Fischer übernachten, gibt es auch nur Fisch. Nachdem ich mich schon seit Tagen von Fisch ernähre, bin ich schon gespannt. Die Franzosen sind vorbeigefahren ohne mich zu hören. So schien es, dass ich mal wieder einen Abend allein sein werde. Dem ist aber nicht so, denn ein Neuseeländisches Pärchen ist ebenfalls hier, auf einem ähnlich Weg wie ich. Sie werden über Mazedonien nach Dubrovnik radeln, wie es dann weiter gehen soll habe ich nicht erfragt. 

Für mich geht es morgen weiter Richtung Drobeta Turnu Severin in der „kleinen Walachei“. Das sind noch ungefähr 60 Kilometer, hab ich das zurückgelegt, werden ich nachdenken!


Die Donau, wie man sie nicht kennt! Absolut sehenswert!

Der Donauradweg (Eurovelo 6) und der Weg der Geschichte der Teilung Europas (Iron Curtain Trail) verlaufen hier gemeinsam!

Ab hier geht’s bergauf ungefähr 150 Höhenmeter – kein Problem!


Da wohn ich und da bleib ich…..cool oder?