10.8.2017

Frankfurt/Oder – Guben


Der gestrige Abend war natürlich super. Jürgen hat mich besucht, er hatte nämlich in Dresden einen Termin. 5 Monate bin ich jetzt schon unterwegs, und freue mich natürlich, wenn ich meine Freunde treffe. Beim Italiener gab es eine Pizza, danach gingen wir runter zur Oder in die Havanna Bar, um noch das eine oder andere Bier und denen einen oder anderen Drink zu uns zu nehmen. 


Der Chillende

Heute Nacht kam dann noch ein sehr starkes Gewitter. Meine Radlschuhe standen auf dem Balkon, und waren natürlich patschnass. Ich kann es keinem Menschen sagen, wie mich das aufregt, wenn ich in diese nassen Schuhe steigen muss. Von der Geruchsentwicklung möchte ich gar nicht reden, obwohl es mir schon Spaß machen würde, diesen furchtbaren Gestank, den ich selber nicht mehr ertragen kann, detailliert zu beschreiben. Wie es mir beispielsweise den Magen umdreht, wenn ich zu nahe an die Schuhe rankomme. 

Nach dem Frühstück ging es wieder auf die Piste, allerdings war die Motivation nicht am Höchstpunkt. Dennoch habe ich heute knapp 80 Kilometer zurückgelegt, ich bin also mit mir grundsätzlich zufrieden. 

In Neißemünde – Ratzdorf mündet nun die Neiße in die Oder, und weitergeht es an der Neiße bis zu ihrer Quelle. Das war die Grenze zwischen der DDR und Polen. 

Eisenhüttenstadt, südlich von Frankfurt/Oder ist eine Stadt, erst in den er Jahren gebaut wurde, um am Reißbrett entstand.  Genau so sieht es hier aus. Der Sozialismus ist sichtbar. Als ich dann in eine Metzgerei ging, um mir eine Wurstsemmel zu kaufen, sagte mir die Verkäuferin, dass mittags hier keine Wurstbrötchen geschmiert werden, wegen des Mittagsstress. Aha, sagte ich, und verschwand durch die Eingangstür. Das sind natürlich Einzelfälle, aber es gibt sie noch!

Als ich mir bei der Stiftskirche von Neuzelle einen Kaffee und einen Kuchen genehmigte, erklärten mir zwei ältere Herrschaften aus Frankfurt/Oder, dass die Merkel nur Mist machen würde. Man sollte die Flüchtlinge mit Waffengewalt hinauskomplimentieren. Da fällt mir nichts mehr ein. Diese Leute haben nicht verstanden, was in der Welt los ist. Sie leben in ihren kleinen Welt, und mosern über unser System, über das beschissene Leben hier und die schlechte Rente. Natürlich ist nich alles gut, unbenommen, doch wenn es jemandem überhaupt nicht passt, dann kann er doch auswandern.

Körperwelten

Stiftskirche mit Brauerei


Blick aus die Neiße 


Neiße in Guben

9.8.2017

Groß Neuendorf – Frankfurt/Oder


Ich habe gestern noch vergessen zu erzählen, dass mir auf dem Oder Damm ein komplett nackter Radfahrer entgegen kam. Schade, den hätte ich gerne fotografiert, denn so etwas ist mir noch nie über den Weg gelaufen. Als ich dann am späten Nachmittag in ein kleines am Damm liegendes Hotel kam, fragte ich, ob es noch ein Zimmer gäbe. Ja, war die Antwort, das kostet 65 €. Das ist mir eigentlich viel zu viel, doch ich war müde und schob einen riesigen Kohldampf. Und man muss eines bedenken, die Versorgungslage hier in MekPom – Mecklenburg Vorpommern – beziehungsweise in Brandenburg ist es kaum dichter besiedelt als in Finnland. 

Jedenfalls fragte ich, ob es WLAN gäbe. 

Nein, wir brauchen kein WLAN. Naja, sie vielleicht nicht, aber ihre Kunden, meinen sie nicht? Das müsse ich ihr überlassen, wie sie ihr Hotel führt, sie habe die Kosten kalkuliert, und es würde sich jedenfalls nicht rechnen. Muss ich mir das anhören? 5 Monate bin ich jetzt unterwegs, und es gab bisher überall, selbst auf den Campingplätzen WLAN. 

Das ist ein Armutszeugnis!

Für 20 € bekam ich dann ein Apartement in einer Pension – mit WLAN!

Heute früh regnete es bis ungefähr 7 Uhr. Um 8:30 Uhr ging es nach einem guten und reichlichen Frühstück auf die Piste. Ziel Frankfurt an der Oder, denn da treffe ich mich heute mit einem Freund. Wie wird dieser Abend enden?

Die beiden sächsischen Ehepaare, die vor 2 Tagen schon meinen Weg kreuzten, traf ich heute wieder, und wir hatten viel Spaß miteinander.

Die erste Russenmaß seit mindestens einem Jahr – guad war’s!

Ich wurde übrigens gestern eines besseren belehrt, der Oderbruch heißt „das Oderbruch“, genauso wie die Butter bei uns „der Butter“ heißt. 

Der Name Bruch kommt aus mittelhochdeutschen, und bedeutet Sumpf oder Moor auf einer Fläche von 920 km/2. das ist ein riesiges Biotop und eine Rückzugmöglichkeit für viele Pflanzen und Tiere, ab auch Mücken, Insekten, die die Welt nicht braucht, und mich permanent attackieren.

Oderhafen mit altem Schiff

Künstlercafé am Oderdamm

Wenig Altstadt und immer noch sichtbarer architektonischer Sozialismus 

Frankfurt an der Oder 

8.8.2017

Schwedt/Oder – Groß Neuendorf


Über den gestrigen Abend gibt es nicht viel zu sagen. Essen, Trinken und Schlafen stand auf dem Programm, sodass ich heute früh um 7:30 Uhr schon zum Frühstücken gehen konnte. Danach fuhr ich direkt ins Fahrradgeschäft, wo ich meinem Fahrrad nicht nur einen neuen Gepäckträger sondern auch noch einen neuen Hinterreifen gönnte. Ich kann mir vorstellen, dass sich mein Rad mal wieder richtig freut, mit einem neuen Schuh ausgestattet zu werden. 

Der Weg ging heute ausschließlich auf dem Oderdamm entlang, durch den berühmten Oderbruch. Ja was ist denn nun der Oderbruch? Das ist ein sogenanntes Binnendelta der Oder im märkischen Oderland. Hier wurde die Oder durch den Preußen König Friedrich II begradigt, und dieses Areal trockengelegt. Immer wieder kommt es zu wahnsinnigen Überschwemmungen, zuletzt eben in den Jahren 1997 und 2010.

Die Natur ist unbelassen, schlicht und ergreifend ein Paradies.

Ja, ich radle so durch die Natur, habe wirklich mit massivem Gegenwind zu kämpfen, und nutze die Zeit, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ich weiß, das klingt total bescheuert, wenn ein 58 Jähriger sich über seine Zukunft Gedanken macht, denn die ist deutlich kürzer als die Vergangenheit. Doch möchte ich natürlich nicht aufhören zu arbeiten, ich möchte mich schon noch in irgendeiner Form nützlich machen. 

Ich werde also weiterhin nachdenken!

Was war mir in meinen diversen Tätigkeiten immer wichtig? Und wann war ich erfolgreich?

Immer dann, wenn mir die Arbeit Spaß gemacht hat, wenn ich lachen konnte. Der Mensch lacht übrigens durchschnittlich 14 Mal am Tag. Da bin ich deutlich über dem Schnitt! Die Arbeit muss Spaß machen, das ist die Grundvoraussetzung für mich. Und ich lasse mich von niemandem verbiegen und quälen!

Basta!

Kanal

Brücke nach Polen

Nette Begegnung mit Brandenburgern – und ein Bier gab es auch noch

Schloss Criewen 1820


Nette Begegnung mit Berlinern

7.8.2017

Löcknitz – Schwedt/Oder


Nachdem ich gestern Abend erst spät ein Quartier bekam, hatte ich kaum Zeit, mich mit meinem Tagebuch zu beschäftigen. So ist es auch heute, nachdem ich jetzt mit einem schwedischen Ehepaar beim Essen war. Jetzt sitzen wir draußen, es ist eine der wenigen lauen Sommernächte, an denen man mit kurzer Hose und kurzem Hemd noch im Freien sitzen kann.
Gestern Abend ging ich kurz zum Essen, trank in der Pension noch ein Bier, machte ein paar Telefonate und dann fielen meine kleinen Äuglein zu, sodass ich heute früh topfit war. Allerdings war ich auch sehr faul, und ging erst um kurz nach zehn Uhr zum Radeln über. Es ist eigentlich nicht besonders interessant hier, man fährt parallel zur Oder, man fährt direkt am Ufer oder durch die Wälder. Die Landschaft ist sehenswert. In diesem Odertal sieht man irre große Flächen in denen sich das Wasser im Falle von Hochwasser ausbreiten kann. Ein Biotop der besonderen Art.

Ansonsten fährt man durch Dörfer, in denen man kaum Menschen zu Gesicht hat bekommt. Liegen die alle auf der Couch?

Kein Supermarkt, kein Kramerladen ( für die nicht Bayerisch sprechenden Menschen: Tante Emma Laden), kein Wirtshaus und kein Leben. Da möchte ich nicht einmal begraben werden, so reizvoll das Land ist.

Ich bin heute in Schwedt an der Oder. Die Moskitos sind hier nicht minder aktiv, wie in Finnland oder den Masuren. Ich werde gerade abgefieselt wie ein Gockerlhaxn. 

Schwedt/Oder ist eine Stadt im Landkreis Uckermark. Es ist eines der Mittelzentren in Brandenburg.

Im Jahr 2008 wurde Schwedt als erster Stadt der Titel Nationalparkstadt verliehen, der seit 2013 auch als offizieller Beiname der Stadt geführt wird. Der Name verweist auf den Nationalpark Unteres Odertal.

Als ich einen älteren Herrn fragte, wo die Innenstadt sei, meinte er lapidar, machen sie sich keine große Hoffnung, die Innenstadt ist dort! Im Krieg wurde hier wohl alles zerstört, und was da noch übrig blieb fiel dem Sozialismus zum Opfer.

Morgen geht es dann Richtung Franfurt an der Oder!

Alter Adelsgutsbetrieb

Blick in den Mais mit ein paar hundert Hektar Fläche

Von Polen nach Deutschland, rechts der Beobachtungsturm

Riesige unberührte Polderlandschaften

6.8.2017

Bansin Usedom – Löcknitz


Gestern war ein super schöner Tag hier in Usedom an der Ostsee. Es war warm, einfach ein Tag der jedem Menschen gefällt. Uta gab mir wieder Nudeln zu essen, denn das ist gut für die Kondition. Nach dem ersten Teller meinte sie, ich müsse noch ein zweiten essen. Also nahm ich noch einen zweiten Teller zu mir, und es hat auch noch gut geschmeckt. Nachdem wir dann mit dem Hund noch spazieren waren, fuhren wir mit dem Auto irgendwo hin, an den Strand, in ein wunderschön gelegenes Lokal. Ja, es ist schön hier, an der Ostsee. 

Uta und ich!


Wunderbarer Sonnenuntergang!

Deutschland ist auch ein interessantes Land, das es wert ist zu bereisen.

Von Uta bekam ich heute früh noch ein riesiges Lunchpaket – wo gibt’s denn sowas? Ich fühle mich beschämt! Sie ist einfach eine tolle Frau! 

Um 8:15 Uhr startete ich dann weiter in Richtung Süden. Das Land, Mecklenburg-Vorpommern ist bemerkenswert, die Radwege sind super, Feldwege, Waldwege und wenige Teerstrassen. 


Hubbrücke von Karnin

Eigentlich wollte ich nicht mehr als 70 Kilometer radeln, knappe 120 Kilometer sind es dann geworden. Ich habe heute meinem Frust freien Lauf gelassen. 

Hier habe ich eine nette Pension gefunden, obwohl ich eigentlich campen wollte. Naja, das mache ich dann morgen.

Wunderschöne gemütliche Waldwege

Hafen von Ueckermünde


Natur pur – ein Paradies!

Als ich heute in einem Lokal jemanden sagen hörte, ich würde gerne bezahlen, dachte ich mir, die Deutschen sind ja überall!

Ich bin jetzt in Deutschland – wie fremd mir das ist!

5.8.2017

Kamień Pomorski (deutsch Cammin) – Usedom


Am Donnerstag wurde ich von einer Hiobsbotschaft überrascht, sodass ich erst einmal sprachlos war. 

Meiner Bruder meldete gemeinsam mit seinem „Partner“ Insolvenz an. Bei Kapitalgesellschaften ist der Geschäftsführer verpflichtet, im Falle der Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anzumelden. Das hat grundsätzlich nichts mit der Vermögenssituation eines Unternehmens zu tun. 

Ich werde über die Ursachen dieser fatalen Geschichte nichts sagen, da es mir in diesem Falle nicht zusteht, weder darüber zu schreiben, noch darüber öffentlich zu sprechen, denn dann müsste ich mit juristische Konsequenzen rechnen, aber natürlich nicht durch meinen Bruder. Ich habe lange genug in diesem Unternehmen gearbeitet, und mit viel Schweiß und Herzblut an einem Erfolg, der zweifellos da war, gearbeitet.

Es tut mir wirklich unendlich Leid, sowohl für meinen Bruder als auch für die Mitarbeiter und für die Kunden, die dem Geschäft großes Vertrauen entgegengebracht haben. 

Schenk man jemandem sein Vertrauen, gibt man ihm einen Blankokredit. Dieses Vertrauen wurde aufs schärfste missbraucht.

Das ist schlicht und ergreifend zynisch!

Ich werde diese unleidliche Geschichte weiter beobachten, und hoffe, dass einer neuer Weg, ein besserer Weg eine neue Chance bringt.

Ich hoffe, dass alle Kunden und Freunde meinen Bruder weiterhin unterstützen – ich werde es jedenfalls versuchen!

Vorgestern Nachmittag kam ich in Cammin an, suchte mein Hotel, als ich eben oben genannten Anruf bekam, der mir den Magen zuerst einmal umdrehen ließ. Das Hotel ist ein Teil eines Krankenhauses und Sanatoriums, was aus der Buchung in Booking.com nicht ersichtlich war. Eine Nacht im Sanatorium ist auch nicht schlecht. Nach der Dusche machte ich einen Spaziergang um nachzudenken. Ich kaufte mir ein Abendessen und ein Bier, dann war für mich der Abend beendet, und der Tag gelaufen. 

Gestern früh, nach einem ausgiebigen Frühstück startete ich in Richtung Deutschland, allerdings wieder gegen starkem böigem Wind aus dem geliebten Westen. Irgendwie hatte ich den ganzen Tag ein flaues Gefühl im Magen, kam aber trotzdem gut vorwärts, denn meistens führte mich der Weg durch die Ostseewälder, immer wieder vorbei an alten und auch scheinbar noch bestehenden Kasernenanlagen. An der polnisch-deutschen Grenze kam zu den ohnehin aufgewühlten Emotionen noch ein ganzes Stück Wehmut auf, denn vorerst hat mich die Heimat nach fast 5 Monaten auf dem Fahrrad zurück. Schon nach ein paar Metern erkennt man den Unterschied zwischen der polnischen und der deutschen Ostseeküste. Während hier auf Usedom alles blitzeblank sauber und gediegen ist die Großeltern mit den Enkelkinder spazieren gehen, ist auf der polnischen Seite eher große Lautstärke angesagt. Da geht es zu wie auf dem Rummel.

Ich möchte kurz zurückblicken, als ich im Mai in Oslo auf den Olavsweg, dem bedeutendsten Pilgerweg Skandinaviens startete. Denn dort traf ich 2 nette Mädels, Kerry aus den Staaten, die andere aus Usedom, Uta. Wir hatten über Facebook immer netten Kontakt, sodass ich sie gestern besuchte, und bis morgen bleiben werde. Uta hat soviel gekocht, dass man locker 10 hungrige Mäuler ein paar Tage lang gut ernähren könnte. Mir persönlich tut es gut, mit jemandem reden zu können.


Uta, Kerry und ich!

„Skyline“ von Usedom

Grenze!

Kriegsspiele in Polen bei Musik aus den 30 Jahren – unvorstellbar!


Radweg und Jakobsweg – er lässt mich nicht mehr aus!

3.8.2017

Kolobtzeg (deutsch Kolberg) – Kamień Pomorski (deutsch Cammin)


Wie schon gesagt, hat mich die Stadt Kolberg enttäuscht, heißt es doch, man hätte die Innenstadt wieder hergestellt. Dann hätte sie mir früher auch nicht gefallen. 

Ich war gestern im Radlgeschäft, und wollte mal nachfragen, was die Reparatur meines Fahrrades kosten würde. Es müssen die Ritzel vorne und hinten getauscht werden, sowie die Kette. Das würde hier 350 € kosten, ein wahrhaft stolzer Preis. Auf Lager hat die Firma die Teile auch nicht, ich müsste 3 Tage warten. Man muss schon sagen, das Fahrrad hatte bisher keinen einzigen Schaden, und das bei dieser Kilometerleistung von vielleicht 10 – 11 Tausend Kilometer. Eine Kette sollte nach 3000 Kilometer spätestens getauscht werden, was ich aber nicht gemacht habe. Im Übrigen fahre ich auch immer noch mit dem ersten Satz Reifen – Schwalbe unkapputtbar – und hatte noch keinen Plattfuß.

Mit einem Ehepaar aus Brandenburg habe ich mich gestern noch unterhalten, dann legte ich mich hin. Neben mir gab es ein Geschnarche, das fast nicht zu ertragen war. Das war kein Geschnarche eher ein Gegrunze! Dass ein Mensch solche Laute von sich geben kann, war mir bisher unbekannt. Nachdem ich aber doch schon einigermaßen abgehärtet bin, war ich dann irgendwann im Tiefschlaf, und wachte um kurz vor 7 Uhr auf.

Um 8 Uhr startete ich dann, obwohl es regnete, und ich genoss es heute. In den Regen hinein radeln, welch ein Vergnügen und welche Freiheit.

Nach einer Stunde gab es in einem Lokal dann ein reichliches Frühstück mit allem was mein Herz begehrte, dann ging es weiter im Regen auf dem Ostseeradweg. Ich hatte nur 15 oder 20 Kilometer über Holperpisten und Sandwege, den Rest des Weges musste ich mir meinen Weg bahnen, durch die Menschenmassen und Radfahrer. Es ist unglaublich. Ein ewig langer Jahrmarkt.

Mindestens 10 Kilometer Kopfsteinpflaster 

Hafen von Cammin

Rathaus von Cammin

Leuchtturm mit Massenandrang – daneben Volksfeststimmung

2.8.2017

Bobolin – Kolobtzeg (deutsch Kolberg)


Die Zimmersuche gestaltete sich gestern gar nicht so einfach, denn scheinbar ist hier alles ziemlich ausgebucht. Ich bezog mein Zimmer, und machte mich dann sofort auf die Suche nach einem Lokal, denn der Kohldampf und der Durst waren groß. Zum Glück bestellte ich mir nur Radler, denn als ich in die Pension zurückkam, wurde gerade gegrillt. Schnell saß ich in dieser illustren Gesellschaft von lauter in Deutschland arbeitenden Polen. Einer von ihnen war der Sohn des Inhabers der Pension. Schon vor der Wende kamen sie nach Deutschland, denn sie hatten deutsche Vorfahren. Zum Bier gab es dann noch Wodka. Nachdem ich dieses Teufelszeug überhaupt nicht vertrage, wurde mir dann relativ schnell schwindelig. Ich bin überrascht von mir, denn nie war ich derartig diszipliniert, dass ich als erster ins Bett ging. Zum Glück, denn heute früh fehlte mir gar nichts. 


Das war ein netter Abend mit netten Menschen. 

Um 9 Uhr ging es wieder auf die Piste, meistens an der Küste entlang. Die Strände hier sind wunderbar, und scheinbar ist das Wasser nicht zu kalt – habe ich mir erzählen lassen.


Auf diesen Wegen kommt man überhaupt nicht vorwärts, denn es sind wahnsinnig viele Radler und auch Fußgänger unterwegs. Ich fahre auf Waldwegen, Straßen aus Betonplatten, aber auch manchmal auf Sandpisten. Das Wetter ist super, sodass ich mir keinen Kopf mache, wie weit ich kommen werde. Nach Kolberg wollte ich allerdings kommen. Immer wieder sieht man Relikte des Krieges.

Militärmuseum in Kolberg

Ausgestelltes Torpedo in einer Kaserne am Meer

Diese Stadt wurde im 2. Weltkrieg scheinbar total zerstört. 

Ansonsten gibt es heute nicht viel zu sagen beziehungsweise zu schreiben!

1.8.2017

Slupsk – Bobolin


So, der Tag ist schon wieder fast beendet, ich habe ein Zimmer bekommen, denn heute Nacht soll es wieder gewittrig werden. Ich habe keine gesteigerte Lust die Nacht in meinem Zelt zu verbringen, wenn es stürmisch wird. So wie es eben die gestrige Nacht war. Je näher ich nach Deutschland komme, um so mehr deutsche Autos sind zu sehen. In meinem Hotel waren gestern nur Deutsche, und zwar aus Usedom, auf der Suche nach der familiären Vergangenheit. Der „Alte“ ist 65 Jahre alt, ist auf Usedom geboren, und wohnt also schon immer hier – an der Grenze zu Polen. Und jetzt will er mal schauen, wo die Mutter aufwuchs. Seltsam! Dazu hatte er doch wirklich viel Zeit. Na gut, als wir uns dann über das Verhältnis zwischen Ost und West unterhielten, gab er mir deutlich zu verstehen, dass unser „System“ starke Fehler hätte, dass der Sozialismus ehrlicher sei, wenn die Menschen halt nicht wären. Da ging es noch um das Versagen unserer Politik bezüglich der Flüchtlinge, der „Kanaken“! 

Da fehlen mir einfach die Worte! 

Hier werden einfach Phrasen nachgeplappert, ohne im Ansatz das Hirn einzuschalten. Der fehlende Horizont scheint das Problem zu sein! 

Heute früh um 8 Uhr regnete es wieder aus allen Zur Verfügung stehenden Kübeln, sodass ich erst um 10 Uhr aufbrechen konnte. 

Das erste  Ziel heißt Ustka, auf deutsch Stolpmünde, zu dem ich fahren wollte, obwohl es doch ein schöner Umweg ist. Stolpmünde ist ein großer Badeort an der Ostsee, und da geht es zu, wie auf Malle.

Leuchtturm in Stolpmünde


Hängende Schwekbrücke in Stolpmünde 

Das Wetter war dann wieder super schön, fast zu heiß. Naja, man kann nich alles haben. Unterwegs habe ich dann eine nette Polin getroffen, die mit Ihrem MTB Polen umrundet. Hier in Bobolin haben wir uns wieder getrennt. 

Links der See, rechts das Meer und in der Mitte die hübsche polnische Radlerin


Gruppenbild mit Dame….und ……Bauch

Es ist wahrlich ein Wagnis, mich in der Öffentlichkeit mit meinem „kasweissen“ Bauch zu zeigen. Nachdem dieser aber deutlich geschrumpft ist, ist mir das heute egal, zumal mich „Bibi“ deutlich rausreißt.

So, damit ist für heute Schluss!

31.7.2017

Leba – Slupsk


Das waren heute nicht mehr als 72 Kilometer, denn mehr war einfach nicht drin. Gestern Abend gingen Fritz und ich zum Sandstrand, um dort in einem Lokal zu Abend zu essen. Dann gingen wir langsam zurück zum Campingplatz, und ein fürchterliches Gewitter zog über uns drüber. In einer kurzen Regenpause ging ich zu meinem Zelt, und musste leider feststellen, dass sich genau vor meinem Eingang eine riesige Pfütze befand. Irgendwie habe ich mich halbwegs trocken ins Zelt gekämpft. Um 6 Uhr früh kam nochmals ein schöner Schauer, sodass ich bis 8 Uhr liegen blieb. 

Danach gingen wir in die nächste Kneipe, um ein Frühstück zu uns zu nehmen. Dazwischen regnete es immer wieder mal, sodass ich keine Eile empfand. Erst um 11:30 Uhr startete ich, denn der Wetterbericht sagte ab jetzt schönes Wetter voraus. So ein Schwachsinn! Kaum saß ich 20 Minuten auf meinem Drahtesel, kam die nächste Überraschung von oben, und zwar richtig. Innerhalb von wenigen Minuten war ich total nass. Wieder mal. Dann ging es wieder weiter. Nach einer weiteren Stunde und ein paar Kilometer Umweg kam der nächste Schauer, den ich mir aus einer Bushaltestelle anschauen konnte.

So kämpfte ich mich heute Nachmittag doch noch so weit, obwohl das nicht die große Lust am Radfahren weckt. Dennoch bin ich zufrieden, der Tag war gut, und die Unterhaltung mit dem Dortmunder Doc hat richtig Laune gemacht. Ein cooler Typ.

Jetzt sitze ich im Hotel nach einem guten Abendessen, und kann meine Gerätschaften endlich wieder aufladen. Nach 2 Tagen sind die Akkus leer.

Reetgedecktes Hoteldach

Alter Gutsbetrieb im Pommernland!


Abschiedsfoto am Campingplatz