30.7.2017

Chlapowo (Pommern) – Leba (Pommern)


Mit Fritz, einem Sportmediziner aus Dortmund habe ich mich gestern Abend zusammen getan, um  zum Abendessen zu gehen. Daraus ergab es sich, dass wir heute gemeinsam Richtung Leba nach einem Frühstück im Campingplatzrestaurant aufbrachen. Die Nacht wurde durch Blitz und Donner und einem kleinem Wolkenbruch unterbrochen. Das Zelt ist super stabil, und hält einem derartigen Regen stand. Einfach gut beraten vom Michl, Verkäufer beim Ausrüster in Wörth/Donau. 

Ich glaube, dass ich nicht zu erwähnen brauche, dass der Wind aus der falschen Richtung kam. Damit hatte ebenfalls der Kommunismus zu kämpfen, denn aus dem Westen kam nichts Gutes! So gesehen bin ich mit den 79 gefahrenen Kilometern zufrieden.

Fritz ist immer schön ein ambitionierter Fahrradfahrer, und legt eine Geschwindigkeit vor, die mich schon gewaltig fordert. Sein Körper hat kein Gramm Fett, wiegt gut 20 Kilogramm weniger als ich. Ich würde ihn als Klappstuhl oder Hungerhaken klassifizieren, obwohl er mit „westfälischem Schinken“ aufgewachsen ist. Wahrscheinlich durfte er ihn nicht essen, sondern nur anschauen. Der Tag war lustig, anstrengend und, keiner wird es glauben, regenfrei. 


Links die strammen bayerischen Wadeln – rechts meine medizinischer Begleiter

Als wir nun in Leba ankamen, waren wir beide baff erstaunt, denn hier sieht es aus wie in Rimini oder Forte dei Marmi. Menschen über Menschen in Flip Flops und Badehose. Entsetzlich.

Leba ist übrigens bekannt für seine Wanderdünen, und liegt am Rande des Slowinzischen Nationalparks.

Unsere Dackelgaragen sind aufgestellt, das Bett ist bezogen. Ich sitze gerade in der Campinplatzbar, trinke ein Radler, und schreibe mein Tagebuch, während Fritz noch beim Duschen verweilt.

Gleich werden wir zu einem Rundgang starten, und uns zum Essen mit einem Aperitif präparieren.

Ein Eis zur Belohnung 

So sieht Zufriedenheit aus!


Schloss Krokov

29.7.2017

Gdansk (Danzig) – Chlapowo


Gestern war ich natürlich genervt. Das Wetter ist seit Tagen schlecht, die Straßen sind besonders hier rund um Danzig nichts besonderes für Radfahrer, und die Buchung des vermeintlichen Einzelzimmers war eher ein Fake. 

Ansonsten waren die Hotels weitestgehend ausgebucht, was mir auch logisch erschien, nachdem ich diese Menschenmassen sah. 6 Kilometer hatte ich also noch vor mir, um zu meinem Hotel zu kommen. Bis auf die spürbaren Federn in der Matratze war das Essen sehr gut und bezahlbar, das Frühstück spitze. Das garantiert mir, dass ich bis zum Abend nichts zu essen brauche. Also machte ich mich heute früh auf, um nochmal in die Stadt zu radeln. Danzig ist eine Attraktion, genauso wie Tallin und Riga, und ebenfalls eine alte Hansestadt, was man deutlich an der Architektur auch erkennt. Mir sind aber diese Massen von Menschen einfach suspekt, ich fühle mich eingeengt, fast bedrängt. In der Natur genieße ich die Freiheit, und ich freue mich schon wieder auf eine Nacht im Zelt – man mag das gar nicht glauben, wenn man mich kennt. 
Früher, als ich noch jung und dynamisch war, hätte ich mich in das Nachtleben dieser Städte gestürzt. Wenn ich hier mit Freunden unterwegs wäre, dann würde ich das natürlich immer noch machen, aber alleine macht das keinen großen Spaß. Und die Vernunft siegt. Ich gehe zum Essen, kauf mir 2 Bier, und dann ziehe ich mich um 9 Uhr zurück. 

Gut, ich habe also beschlossen, den Rat des Lehrerehepaars anzunehmen, das heißt mit dem Schiff auf die Halbinsel Hel zu fahren. Von dort geht es rund 30-40 km auf der „Putziger Nehrung“ entlang. 

Jetzt sitze ich gerade im Restaurant eines Campingplatzes trinke gemeinsam mit einem Dortmunder Arzt ein Bier, und warte auf das Essen. Bis dahin schreibe ich fleißig mein Tagebuch.

Blick aus dem Zelt

Große Regatta

Fahrt durch Werftanlagen

Rotes Schiff

Kitsch Maler bei der Arbeit


Stadion von Danzig


Rathhausturm von Danzig

28.7.2017

Satkovice – Gdansk (Danzig)


Der Tag ging heute wirklich gut los. Ich habe super gut geschlafen, und bekam ein hervorragendes Frühstück kredenzt. 


Der Seniorchef der Pension ist passionierter Golfspieler!

Irgendwann gegen 9 Uhr setzte ich mich auf mein Rad! Elblag (deutsch: Elbing) ist nich so weit weg, laut Google Maps nur 36 Kilometer. Als ich mich dann auf den Weg machte, verfolgte mich der Pensionshund, ein Golden Red River, scheinbar fühlt er sich in meiner Nähe wohl. Nach 3 Kilometern hielt ich dann an, denn der arme Hund blieb einfach bei mir, und war komplett außer Atem. Ich rief den Pensionsinhaber an, und er kam 10 Minuten später um seinen Hund zu holen. Dann erst ging es weiter. Ich verließ mich auf die Aussage der netten Dame in der Touristen Information, und fuhr in Richtung des Radweges, der allerdings in einem fast unberfahrbaren Zustand war. Es regnet hier schon seit Tagen, sodass der sandige Boden total aufgeweicht ist. 


Für die 7 Kilometer Feldweg habe ich fast eine Stunde gebraucht. Als ich dann in Elblag ankam, fuhr ich sofort in eine Waschanlage und spritze mein Fahrrad mit einem Hochdruckreiniger komplett ab. 

Dann kam ein cooler Regenschauer, der mich innerhalb von einer Minute komplett aufweichte. Ab ins nächste Kaffeehaus. Dort schaute ich mir wieder mal den Wetterbericht an, und es sollte nicht viel besser werden. Ludwig Thoma sagte in seinen Lausbubenfilmen immer: „Man muss nachdenken!“ 

 Genau!

Es war nun doch schon 14 Uhr, diese 65 Kilometer schaffe ich heute sowieso nicht mehr, mit diesem Gegenwind und dem Regen.

Also ab in den Zug nach Danzig, denn diese dunklen Wolken verheißen nichts Gutes. Als ich den Zug bestieg, kam schon wieder der nächste Schauer. Was ist das denn für ne Scheisse?

Vom Zug aus sah ich noch in voller Größe die Marienburg, eine Im 13. Jahrhundert erbaute Ordensburg des Deutschen Ordens, und gleichzeitig der größte Backsteinbau Europas. 


Dieses Bild habe ich aus dem Internet. Denn als ich mit dem Zug vorbeifuhr, ging ein Wolkenbruch nieder.

Vom Zug aus, buchte ich mir ein Einzelzimmer in einem Hostel, was ich dann letztendlich doch nicht bekam, weil dieses Hostel gar keine Einzelzimmer hat. Fehler in Booking.com. Also stornierte ich, und es begann wieder zu schütten. Wieder war ich patschnass, zumal ich nicht einmal meine Regenjacke aus dem Rucksack kramen wollte. Jetzt habe ich Schnauze gestrichen voll, der Regen, dieser schlecht befahrbare Weg, und Menschenmassen hier in dieser schönen Stadt, wie auf dem Regensburger Altstadtfest. 

Also buchte ich mir ein Hotel etwas außerhalb, sodass ich morgen zügig weiterfahren kann.

Architektur der Industrialisierung 



Danzig ist eine tolle Stadt, unbenommen. Sie hat sich mir in einem regenerierten Licht präsentiert, mit Menschenmassen, die ich nicht ertragen kann. 

Was ich jetzt morgen früh machen werde, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht fahre ich noch einmal ins Zentrum. Wenn man sich vorstellt, dass Elblag und Danzig, ja alle Städte hier im Krieg total zerstört wurden, dann ist das ein furchtbarer Gedanke. Dieses Schicksal ereilte aber auch die meisten Deutschen Städte, wie Dresden, Berlin und München usw. Im Zug saß ich mit einem polnischen Lehrerehepaar, beide mit dem Fahhrrad auf Reisen. Beide sagten, dass wir uns glücklich schätzen müssen, in einer Zeit ohne Krieg, zumindest in Mitteleuropa.

27.7.2017

Heilsberg – Satkovice

Heute früh würde ich von strahlendem Sonnenschein geweckt. Keine einzige Wolke war am Himmel. Das ist doch mal wieder eine Ansage. Als ich mir aber den Wetterbericht hineinzog, und zwar von Heilsberg und dann von Elbing, dann würde mir schon ganz anders. Es sollte dort den ganzen Tag stark regnen, genauso wie in Danzig. Egal, ich gehe jetzt ins Pfarrhaus zum frühstücken, dann fahre ich weiter. Die Leute hier sind unheimlich nett, und die Pfarrerköchin hat scheinbar große Freude daran, andere zu mästen. Es gab neben Rühreiern, diversen Wurstsorten, gekochtem und rohem Schinken, Tomaten mit Zwiefeln, Frischkäse, Hartkäse, dreierlei Marmeladen, und Vollkornsemmeln Kaffee und Tee. Ja, wo gibt’s denn sowas? Ich fragte noch, ob wir noch ein Foto machen könnten, mit den beiden Köchinen, dem Dekan und mir.


Gibt es diese Gastfreundschaft in Deutschland?

Ich werde immer wieder überrascht von dieser Offenheit und Vertrauensseligkeit, die ich so sicherlich nicht kenne. 

Auf Wiedersehen sagte der Dekan wörtlich, und begleitete mich hinaus. Dann ging es wieder weiter, und ich bin um ein Erlebnis reicher. Nach rund 10 Kilometern erklärte mir ein polnischer Jogger, dass ich diese alte Eisebahntrasse nehmen sollte, das sei der offizielle Radweg. Das war einerseits gut, denn der Weg ging vornehmlich durch den Wald, das heißt, dieser stürmische Wind war bei weitem nicht so stark. Andererseits würde ich von selbstmörderischen Mücken invasionsartig überfallen, dazu kamen noch dicke fette Pferdebremsen, die mich aus sicherer Entfernung umkreisten. Ich denke, dass ich gut und gerne 50 Stiche abbekam. 

Derartig auf Abwehr konzentriert, habe ich dann noch dazu meinen Weg verloren. Mobilfunkempfang war auch keiner mehr da, sodass ich mich an der gerade noch scheinenden Sonne orientierte. Der Waldweg war breit aber sehr sandig, und dieser war nass. 

Einfach cool bleiben, redete ich mir immer wieder ein.

Irgendwann traf ich dann Ranger, die mir den rechten Weg dann zeigten. Ich wollte natürlich sagen, den richtigen Weg. 34 Kilometer weiter standen schon dunkle bis schwarze Wolken am Horizont, und warteten darauf, mich nass zu machen. Einmal war ich nämlich schon nass, nämlich in diesem dämlichen Forst. Ich musste durch eine Pfütze fahren, sagen wir, es war ein kleiner See, quer über den Waldweg und ungefähr 15 Meter lang.  Ich wählte die ganz rechte Seite in der Hoffnung, dass ich nicht nass werde. Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr? Mit beiden Beiden musste ich voll in diese Brühe. Diese Schuhe muss ich wohl zum Sondermüll bringen.

Gut, komme ich wieder zu diesen bedrohlichen Wolken. Ich kaufte mir als erstes einen Kaffee, und analysierte das Regenradar, und die Wettervorhersage für die nächste Orte. Ich werde wohl nass werden, denn 28 Kilometer fahre ich noch in eine Pension, das ist Fakt. Ich wurde dann wirklich total abgespült. 

Jetzt sitze ich hier in der Pension, frisch geduscht, mit einem Bier und warte auf das Essen. Guter Tag, kurzer Trip und Zufiedenheit, braucht man noch mehr? 

26.7.2017

Heilsberg / Lidzbark

Gestern Abend hat sich das schlechte Wetter schon abgezeichnet. Täglich schaue ich mir mindestens 3 Mal den Wetterbericht und das Regenradar an, um so einigermaßen trocken über die Runden zu kommen. Der Wetterbericht sagte für heute Regen an, aber nur bis 10 Uhr. Als es mittags immer noch stark regnete, fragte ich die Dame, ob ich noch bleiben könnte. So war es dann, ich blieb. Jetzt ist es 18 Uhr, und es regnet immer noch in Strömen. Also besuchte ich heute die Sehenswürdigkeiten des Ortes, und das ist nicht viel. 

Das ist eine wunderbare Orangerie, mitten in einem Park gelegen, die man über eine Treppe durch den Garten erreicht. Genutzt wird die Orangerie für kulturelle Veranstaltungen.


Von dort aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Bei diesem starken Regen konnte ich dann kein Foto schießen, auch war das Licht denkbar schlecht. Weiter ging es dann zur Burg Heilsberg. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vom Deutschen Orden erbaut, eine Kombination aus Kirche und Burg.

Heilsberg, wie alle Städte und Orte hier im Pommernland wurde im Krieg nahezu gänzlich zerstört, außer dieser Burganlage und wenigen anderen Gebäuden. Nachdem mir nun nichts besseres eingefallen ist, habe ich mich voller Interesse in das innen befindliche Museum gestürzt. Ich dachte mir, da ist es warm, und auch trocken.

Die Räumlichkeiten hier sind sehenswert.

Das ist ein Teil der Burganlage, in der jetzt ein, aus meiner Sicht relativ modernes und geschmackloses 4-Sterne Hotel fabriziert wurde. Um es anzusehen, habe ich mir einen ausgezeichneten Cappuccino genehmigt.

Stierblutdecke im ersten Stock der Burganlage!

Kellergewölbe 


Attraktiver Innenhof in der Burganlage!

Danach zog es mich ins Ortszentrum, wo ich mir in einer Konditorei nochmals einen Kaffee und ein Stück Kuchen genehmigte. Danach bin ich bei strömendem Regen zurück in meine Wohnung, in der guten Hoffnung, dass der morgige Tag mehr bringen wird. 

25.7.2017

Wolfsschanze – Lidzbark (deutsch: Heilsberg)


Ich möchte mich eigentlich gar nicht mehr mit diesem wahnsinnigen 2. Weltkrieg beschäftigen, denn es gibt genug aktuelle Probleme und kriegerische Auseinandersetzungen auf dieser Welt. 

Der gestrige Abend war sicher etwas besonderes auf meiner Reise. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal hier vorbei fahren würde, schon gar nicht hier schlafen würde. Diese Wolfsschanze hat wahrscheinlich die dunkelste Geschichte Deutschlands geschrieben. Hier war die gesamte Führungselite um Hitler versammelt.

Gemeinsam mit Flávio ging ich dann zum Essen! Flávio kommt aus Brasilien, hat einen US amerikanischen Pass, und war Hubschrauberpilot. Er ist ein Jahr jünger als ich, und macht einen absolut topfiten Eindruck. Außerdem hat er ein Allgemeinwissen, das sich „sie“ schreibt. Ein interessanter Abend mit einem interessanten Menschen!

Heute früh nahmen wir noch einen Kaffee zu uns, um dann getrennte Wege zu gehen, denn Flávio fährt nun in den hohen Norden und ich bekanntermaßen in den Süden.


Weiter durch die Masuren hieß heute die Devise, allerdings heute eher mit Rückenwind, was dann schon ml wieder Spaß macht, durch die Stadt Rastenburg, unweit von der Wolfsschanze entfernt.


St. Georgskirche in Rastenburg!

Weiter dann nach Bartoszyce, auf deutsch Bartenstein. Mein Ziel ist das gut 20 Kilometer entfernte Heilsberg, denn es soll ab 16 Uhr zu regnen beginnen mit Sturm und Gewitter. Das brauche ich gar nicht.

Storchenmutter bei der Landung!


Familienfoto mit Nachwuchs!

24.7.2017

Olecko – Wolfsschanze 


Piękne dobry wieczór, heißt auf deutsch, „schönen guten Abend“!

Ja, jetzt bin ich hier in der Wolfsschanze, im sogenannten „Führerhauptquartier“! Aber kurz noch möchte ich auf die letzten 24 Stunden eingehen.

Gestern Abend bekam ich einer Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Gurkensalat , ein Schweineschnitzel wohlgemerkt. Mit 2 deutschen Radfahrern habe ich mich noch bis 11 Uhr unterhalten, dann war ich rechtschaffen müden, waren es doch wieder knappe 100 km, die ich zurücklegte. Von der Schönheit der Masuren habe ich bisher nicht viel gesehen, da sieht es ja genauso aus wie in Finnland – dachte ich mir.

Die Arbeit begann also um 9 Uhr früh, nachdem ich mich aus der Stadt gekämpft hatte. Es fing an leicht zu nieseln, in einer Stärke, in der es nicht lange dauert, komplett nass zu werden. Dreimal musste ich anhalten um immer wieder die Klamotten zu wechseln. Regenjacke anziehen, Regenjacke ausziehen, einpacken, auspacken und umpacken. Das kann schon mal richtig nerven. Und dann noch dieser lästige und bescheuerte Gegenwind, was soll ich da noch sagen. Immer wieder komme ich an sogenannten „Marterln“ vorbei – ich kenne keiner anderen Ausdruck – die farbenfroh und blumengeschmückt in jeder Ortschaft stehen, zu Ehren der Mutter Gottes, aber auch als Mahnmale der Schlächtereien in den Weltkriegen und der russischen Besatzungszeit.


Langsam wird das Wetter besser, und die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Es wird immer wärmer, und die berühmten Masuren zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Es ist ein wunderbares Land, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, obwohl man die Armut deutlich zu sehen bekommt. 



Nichtsdestotrotz sieht man hier nicht nur arme Menschen!

Von Lötzsn aus fährt man in den Westen zunächst auf Teerstrassen, dann auf sandigen Feldwegen, was relativ anstrengend ist. Plötzlich erreicht man das berühmt-berüchtigte „Führerhauptquartier Wolfsschanze“. 

Ein bewegender Ort!

Wenn man sich vorstellt, dass sich die gesamte „Politprominenz“ des 3. Reiches hier getroffen hat, um die Strategien der menschlichen Vernichtung auszuhecken, dann ist der Gedanke geradezu unvorstellbar. Ein eiskalter Schauer durchströmt meinen nun immer schmäler werdenden Körper.

Spaß beiseite, es ist einfach unglaublich. Das hat zwar alles nichts mit dem eisernen Vorhang zu tun, ist aber deutsche, polnische und europäische Geschichte, und interessiert mich mindestens genauso viel wie die Geschichte des eisernen Vorhangs. Unverständlich ist für mich nach wie vor, wie ein Mensch zu einer derartig grausamen Kreatur degenerieren kann. Und wie möglich ist, dass Millionen Menschen Hurra schreiend folgen können!

Quartier von Hitlers Leibwache, und von mir!

Bunkeranlage in der Wolfsschanze

Polnischer Jakobsweg

Am Eingang zur Wolfsschanze habe ich schließlich meinen Eintritt bezahlt, und ging langsam und nachdenklich in Richtung der Gastronomie, denn zuerst wollte ich mir etwas zu trinken kaufen. Als ich dann sah, dass man hier mitten in der Wolfsschanze übernachten könnte, aber ich mir sofort ein Zimmer genommen. Ich schlafe scheinbar in dem Gebäude, in dem Hitlers Leibwache wohnte. 

23.7.2017

Marijampole (Litauen) – Olecko (Polen)


Über den weiteren Verlauf des gestrigen Abends gibt es nichts zu berichten, denn diese Stadt Marijampole ist definitiv potthässlich. Es gibt nichts zu besichtigen, nichts interessantes, nichts bemerkenswertes. Jeder Tag Ruhe tut mir nur gut! Nach dem Essen setzte ich mich auf die Terrasse, nahm 2 Bier zu mir, und legte mich früh ins Bett.

Das Frühstück war perfekt, so konnte ich kraftvoll und energiegeladen über die polnische Grenze fahren. 10 Kilometer nach der Grenze kaufte ich mir eine Tasse Kaffee, die ich mit der Kreditkarte bezahlen musste, denn Euro sind hier nicht erwünscht. Wir leben in Europa, und nicht in Lateinamerika! 

Es wird wohl noch lange Jahre dauern, bis der europäische Gedanke in den Köpfen manifestiert ist – ein hehres Ziel!

Kaum wollte ich wieder weiterfahren, traf ich die hübsche finnische Radlerin. Sie wollte doch weiterfahren? Genau, allerdings stürzte sie im Sand an der Grenze, hat sich etwas an der Schulter verletzt, und ist wohl leicht irritiert. Die nächsten 20 Kilometer führen wir wieder zusammen, aber in Suwalken trennten sich nun unsere endgültig – oder?

Jetzt ging es direkt in die Masuren nach Olecko, deutsch „Treuburg“. Irgendwie kann ich mir gar nicht vorstellen, dass vor mehr als 100 Jahren mehr als 50 % Deutsche lebten. Jetzt gibt es hier nur noch eine verschwindend kleine Minderheit. 

Immer wieder kommt man an Mahnmalen der beiden Weltkriege vorbei. Das ist noch gar nicht so lange her, mein Großvater war dabei, allerdings in Frankreich. 



Architektonische Zeitzeugungen des beton- und plattenbauspezialisierten Kommunismus!



Grenzübergang Litauen-Polen 



Masurisches Strandbad

Morgen geht es weiter auf die Wolfsschanze

22.7.2017

Kaunas – Marijampole


Als ich gestern durch die Vorstadt ins Zentrum von Kaunas fuhr, dachte ich mir, was für eine furchtbare Stadt. Plattenbauten, kaputte Straßen und leerstehende verfallene Unternehmen begleiteten mich auf diesem kilometerlangen Weg in die Stadt. Als ich dann dort ankam, revidierte ich meine Meinung. Die Innenstadt ist wirklich sehenswert. Sie ist allerdings überschaubar klein. Ich machte also einen schönen Stadtrundgang, schoss ein paar Bilder und suchte mir ein Plätzchen zum Essen und auch zum Tagebuchschreiben. Danach kam ich noch zu einem Raggae Konzert, trank ein Bier und  genoss einfach die Musik und den Abend.

Heute früh dann entschloss ich mich nur nach Marijampole zu fahren, denn bis nach suwalken in Polen sind es mindestens  123 Kilometer laut Google Maps, als wahrscheinlich mehr als 130 Kilometer. Dazwischen gibt es scheinbar weder ein Hotel noch eine Pension und auch keinen Campingplatz, außer eben in Marijampole. Also habe ich heute lange geschlafen, ausgiebig gefrühstückt und den „arbeitslosen“ Vormittag genossen. Kurz vor Mittag startete ich dann endgültig, wenn auch nicht allzu gerne.

Über die Memel geht es dann leicht bergauf, und von der Ferne sehe ich schon eine alte Standseilbahn aus den 30-er Jahren.


Wie schon die letzten Tage sollte der Weg heute wieder diese verdammte Hauptstraße sein, die E 67 bzw. A 5. hier zu fahren ist wirklich furchtbar. Doch wie es halt immer ist traf ich plötzlich auf einem Schotterweg, der die einzige Umgehungsmöglichkeit der Autobahn war, eine junge Finnin auf dem Weg in den Iran. Wohin sonst?


So hatte ich eine nette Begleitung bis zu meinem Zielort, Marijampole. Hier gibt es wirklich nichts anzuschauen, unglaublich!

Morgen geht es dann über die Grenze nach Polen.

21.7.2017

Hotel Bistrampolis – Kaunas


Das war gestern mit Abstand das beste Hotel auf meiner Reise. Es war nicht nur das Zimmer gut und geräumig, das Essen war erste Sahne, der Park wunderschön angelegt und das Personal war außerordentlich freundlich. Ein Gedicht war das Frühstück, es war so gut, dass man direkt zum Überlegen kommt, ob man nicht einen Tag länger bleiben sollte. Natürlich nicht, ist doch klar, aber es hat mir gut getan, nach knappen 110 Kilometern. 

Leider war heute die Straße wieder alles, bloß nichts für Radfahrer. Der Standstreifen ist maximal 1 Meter breit, manchmal auch über viele Kilometer nur 30 Zentimeter. Man muss wirklich sakrisch aufpassen, dass man von diesen vielen LKW nicht von der Straße geschoben wird. Außerdem entsteht beim überholen ein derartiger Sog, auf den man vorbereitet sein sollte, wenn die TRUCKS mit Karacho und ohne Skrupel vorbeiziehen. Ich hoffe, dass das in Polen anders wird, denn hier machts wirklich keinen Spaß. 

Nichtsdestotrotz fahre ich weiter um heute den Abend in Kaunas zu verbringen. Unterwegs auf dieser Hauptstraße überhole ich einen Pferdekarren. Das gibt’s also nicht nur in Rumänien, Ungarn oder Bulgarien, selbst hier kann man diese Vehikel noch entdecken. Das 21. Jahrhundert ist halt nicht überall.


Ab und zu genehmige ich mir einen Kaffee oder eine Cola, mit einem Stück Kuchen, um nicht Gefahr zu laufen, ganz abzumagern. An jeder Tanke gibt es freies WLAN, für mich hervorragend, um mich immer wieder neu orientieren zu können. Gesagt getan, 25 Kilometer vor Kaunas bin ich auf der A8 / E 67 geblieben, bis ich plötzlich voll auf der Autobahn stand. Nach auf der Auffahrt drehte ich um, damit ich über die Autobahnbrücke fahren kann, vielleicht gibt’s da eine Straße für mich. Denkste, aber ich stand auf einen Schlag vor der Zentrale des Importeurs von John Deere für das gesamte Baltikum, Weißrussland und Kaliningrad. 

Na, dachte ich mir, da gibt’s vielleicht einen kostenlosen Kaffee. Und so war es auch, ich habe mich mit den Jungs gut unterhalten.

Dann, nach einer Betriebsbesichtigung dem Betriebs angesprochenen Kaffee bin ich dann ganz frech auf die Autobahn nach Kaunas. 20 Kilometer auf dem Standstreifen mit einem Affenspeed und flugs landete ich nicht im Gefängnis, sondern in der Innenstadt von Kaunas. Ob ich als Wahnsinniger im Radio gekommen bin kann ich nicht sagen, denn ich höre beim Radeln kein Radio. 

Wenn mich die Polizei aufgehalten hätte, dann hätte ich mich in bewährter Manier einfach blöd gestellt. Meistens ist diese Taktik hilfreich.

Wieder an einer Tanke suchte ich mir über Booking.com eine Location zum nächtigen. Als ich dort ankam, war ich baff erstaunt, denn ich landete im ehemaligen Priserseminar von Kaunas. Denn Kaunas ist der Sitz des litauischen Erzbistums. Anders als in Estland und Lettland ist Litauen erzkatholisch, fast wie Polen. 

Alois im Priesterseminar! 

St. Georgs Kirche 

Burg von Kaunas

Nach meinem Stadtrundgang, sitze ich jetzt bei einem obligatorischen Feierabendbier und genieße das Treiben in der baltischen Stadt Kaunas. 


Morgen geht es dann an die polnische Grenze, bin gespannt, wie es dort aussieht und auch weitergeht!