20.7.2017

Bauska – Hotel Bistrampolis


Gestern Abend war mal wieder ein ruhiger Abend, ich genoss die Ruhe und das Alleinsein. Die Hotels hier sind unwesentlich teurer als die Campingplätze in Skandinavien. Überhaupt bezahlt man hier für einen Cappuccino zwischen 1 und 2 Euro. Naja, das Frühstück ist nicht gerade empfehlenswert, was man bei diesen Preisen auch verstehen kann.

Um halb zehn quälte ich mich wieder auf mein Fahrrad und stellte mir, wie so oft die Frage, ob das alles überhaupt Sinn macht. Natürlich, rede ich mir ein, ich werde fit, sehe die Welt, lerne viele nette und interessante Menschen kennen und stürze mich quasi von einem Abenteuer ins nächste. Ich habe ein unglaubliches Glück, dass ich das machen kann. Allerdings habe ich auch ein unglaubliches Sitzfleisch, und zwar in jeder Hinsicht, dass ich diese „Strapazen“ durchhalte. 

Das ist nahezu die tägliche Konversation, die ich mit mir, oft mehrmals am Tag, führe. 

Ich suchte mir heute eine ruhigere Straße aus, die scheinbar kaum länger ist als diese komische Hauptverkehrsader zwischen Polen und Tallinn, die Via Baltika. Nach ein paar Kilometer auf einer mehr als ruhigen Teerstrasse kam der Schotter. Solch ich weiterfahren, soll ich umdrehen? Ich drehe doch nicht um, das mache ich doch nicht, ich werde den weiteren Weg schon finden, denn plötzlich sollte ich in eine Sackstrasse fahren, oder weiter in Richtung Westen, ins Niemandsland. Das habe ich dann gemacht, orientierte mich ausschließlich nach der Fahrtrichtung und dachte mir, „des werd dann schon passen“. So war es dann auch, und ich war stolz, dass ich cool geblieben bin. Plötzlich kam ich an die Lettisch-Littauische Grenze.


Wieder keine Grenzkontrollen, wieder kein Währungswechsel! Ist das nicht ein Sieg der Freiheit, ein humanistischer Sieg? Die Menschen hier wurde Jahrhunderte hin und her geschoben, deportiert und hingerichtet. Tag, täglich denke ich darüber nach, denn mein Vater war im Krieg in Russland, und erlebte viel Leid. 

Ich denke, dass wir in Deutschland eine Zeit erleben durften, die wahrscheinlich als die beste Zeit, die Deutschland jemals erlebt hat, in die Geschichte eingehen wird. 

Immer wieder sieht man Mahnmale des 2. Weltkriegs, aber auch des Jochs der Unterdrückung.

Man hat ja viel Zeit, wenn man so unterwegs ist wie ich jetzt, und man versucht sich eine eigene Philosophie zurecht zu legen. 

Der Rückenwind hat mir heute richtig gut getan, wenn er auch nicht sonderlich stark war. Campingplätze Scheit es hier kaum zu geben, und wenn dann halt nur in den Ballungsräumen. 

Das Land ist so flach wie eine Flunder, und außer intensiver Landwirtschaft gibt es hier nichts. Die Felder sind unvorstellbar groß und man merkt, dass hier Profis am Werk sind. Soweit ich es beurteilen kann sind die Bestände gut. Es wird Raps, Wintergerste, Weizen aber inzwischen auch Mais und sogar Soja angebaut, was mich sehr überrascht.

Links Weizen – rechts Mais, der aber recht mickrig aussieht.

In Panevėžys wollte ich mir eigentlich ein Zimmer suchen, doch entschied ich mich weiterzufahren. Vorbei an einer alten Mühle ging es nochmals 15 Kilometer weiter in super Hotel, in dem ich inklusive Frühstück 32 Euro bezahle.

Hotelpark


Hotel und Fechtkurs im Garten

Heute bin ich 109 Kilomter gefahren, das war easy going. Morgen werde ich dann nach Kaunas fahren. Am Sonntag werde ich wohl die erste Nacht in Polen verbringen. 

19.7.2017

Riga – Bauska

Es war vollkommen richtig, noch einen Tag in Riga zu bleiben, denn diese Stadt ist es wert. Riga scheint eine junge Stadt zu sein, nicht so gediegen wie Tallin, die halt Gepräge ist von der kleinen und überschaubaren Altstadt. Riga ist großzügig angelegt, die Parks sind weitläufig, und der Jugendstil ist allgegenwärtig. Eine tolle Stadt, mit lustigen jungen Menschen und für uns bezahlbar.

Als es gestern Nachmittag dann zu regnen begann, setzte ich mich in ein Pub und bestellte mir ein Bier. Ich würde sagen, dass man hier sicherlich 20 verschiedene Fassbiere bekommt, darüberhinaus gibt es noch diverse Flaschenbiere. Riga ist eine Bierstadt mit einer lebendigen Craft Bier Szene. Die beiden Deutschen, die hier in diesem Hostel wohnen, erzählten mir, dass man gewaltig aufpassen muss in Riga. Einem deutschen hat man in einer Disco K.O. Tropfen ins Bier gemischt, danach war er pleite! 

Das Pub ist einmalig, die Theke ist aus einem alten VW Bulli zusammengeschustert. Wer es nicht sieht, das ist mein Nordkap-Kappl.

Der Markt scheint eine Brutstätte von Taschendieben zu sein, es wird hinreichend gewarnt – genauso wie in Prag, Budapest, Rom und Barcelona. Taschendiebe sind nur dort wo es sich lohnt. Nachdem ich 3 Kilometer außerhalb wohnte, nahm ich mir um 23 Uhr ein Taxi. 

Heute früh, fuhr ich als erstes in die Stadt um zu frühstücken, dann ging ich in die Touristen Information, um nach einem akzeptablen Radweg in Richtung Kaunas zu fragen. Ich soll doch eine der beiden Hauptstraßen – ähnlich wie Bundesstraßen – nehmen, die seien sehr gut. Ich fragte auch noch nach einer Karte, mit den Campingplätzen. Da gibt es wirklich nichts gescheites, man muss sich einfach überraschen lassen. Das heißt, cool bleiben.

Wenn man sich die Geschichte des Baltikums durchliest, dann sieht man ganz deutlich, dass es diesen 3 Ländern meistens schlecht ging. Mal wurden sie von den Schweden erobert, dann von den Deutschen, die Russen kamen, dann die Polen und wieder die Deutschen, dann wieder die Russen. 1940 wurden sie wieder von den Russen besetzt. Die Künstler und die Intellektuellen wurden kurzerhand nach Ostsibirien in Arbeitslager deportiert, das waren die Menschen, die dem Staat gefährlich werden konnten. Die Zeit dieser Menschenvernichtung hier in Europa ist zwar vorbei, aber lange nicht vergessen.


Gedenkstätte in Riga


John Deere Händler in Lettland – Top Betrieb


Mohn in Raps – die ideale Kombination?


Lettischer Bauernhof 


Russisch orthodoxe Kirche

Das waren heute gerade einmal 78 Kilometer, als ich in diesem Hotel eincheckte, just als ein neuerlicher Regenschauer kam. Glück gehabt!

Nach Kaunas sind es noch ziemlich genau 200 Kilometer, nach Danzig habe ich noch ungefähr 650 Kilometer vor mir. Immer weiter geht es in den Süden, raus aus dem Winter in den verdienten Sommer.

18.7.2017

Riga

Am 18. Juni, also gerade einmal vor 4 Wochen stand ich in Siegerpose vor der Weltkugel auf dem Nordkap. Von dort aus ging es auf den Hurtigruten bis Kirkenes, dann weiter mit dem Mountainbike nach Finnland, von der Tundra in die finnischen Wälder. 1200 Kilometer rechts Wald und links Wald, mal Links ein See, mal rechts ein See. 

Und jetzt sehe ich endlich wieder Architektur, Geschichte und Kultur – das 3. Internationale Chor Festival von Riga. Es war ein Erlebinis, ein emotionales Erlebnis mit Leonard Cohens Halleluja, gesungen von 100 Sängern aus England und Südafrika. Gestern traf ich mich wieder mit meinem „abtrünnigen“ Reisebegleiter Horst aus Zwickau. Ich denke, dass wir uns in Danzig wieder treffen werden.

Ich habe heute die Location wechseln müssen, weil in meinem Hostel nichts mehr frei war. Das Hostel jetzt ist super. Heute bin ich auf Erkundungstour durch Riga, allerdings auf eigene Faust. Für Führungen oder Museumsbesuchen habe ich keine Zeit. Was mich besonders interessiert, sind in diesen Städten die todbringenden und vernichtenden Machenschaften der Nazis und die Mahnmale. Es ist bedrückend wenn man dieses Leid sieht, wenn man sich vorstellt, was diese Menschen mitgemacht haben, wenn man sich vorstellt, welche Verbrechen hier passiert sind. Sowohl von den Nazis, als auch von Stalin.

Daraufhin habe ich mich in die benachbarten Markthallen begeben, die meines Erachtens voll in russischer Hand sind. 40 % der Bevölkerung in Riga sind russischer Abstammung. Lettland, nicht ganz so groß wie Bayern, hat übrigens knapp 2 Mio Einwohner, wovon die Hälfte im Großraum Riga lebt. 

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Chor aus Chur in der Schweiz

Holocaust Opfer

Fische und Stockfische

Schwarzhäuserhaus, im 14. Jahrhundert war hier der Verein von unverheirateten Kaufmannsgesellen – da wäre ich sicherlich Mitglied gewesen!

Orthodoxe Kathedrale voller Prunk


Südafrikanischer Chor aus Prätoria


Freiheitsstatue – Stalin wollte sie angeblich in die Luft sprengen

17.7.2017

Camping Lauču akmens – Riga


Zum Glück bin ich gestern so weit gefahren, denn heute behinderten mich schon wieder mal Regen und natürlich auch der Gegenwind. 

Doch zunächst möchte ich den gestrigen Abend noch festhalten, sonst vergesse ich alles. Als ich auf diesem kleinen Cmpingplatz ankam, begrüßte mich ein junger total netter Mann in der Rezeption, vermietete mir diese kleine Hütte, und zeigte mir die sanitären Anlagen, die Küche, das Restaurant und gab mir auch den WLAN Schlüssel. Ich fühlte mich sofort wohl, packte  meine Klamotten aus und ging auf die Terrasse um ein Bier zu trinken. Dort lernte ich dann ein Ehepaar aus Mainburg kennen. Wir hatten eine sehr nette und auch interessante Unterhaltung, sodass der Abend wieder einmal gerettet war. Ja, nicht zu vergessen das Ehepaar aus Augsburg, die ebenfalls noch auf unseren Tisch kamen. 4 halbe Bier reichen aus um mich in den Tiefschlaf zu versetzen. Natürlich sind 4 Halbe gleichzeitig 2 Mass Bier, ich habe mir das au h redlich verdient.

Heute bin ich erst kurz vor 12 Uhr gestartet, denn es hat toujours geregnet. Als es aufhörte packte ich meinen Drahtesel – auf nach Riga. Noch dem einen oder anderen kurzen Regenschauer hellte sich, wie angekündigt der Himmel auf, und die baltische Sonne blinzelte durch die Wolken. 

Genau 18 Kilometer vor dem Stadtzentrum stand die Ortstafel von Riga – 18 Kilometer durch Hafenanlagen, durch Industriegelände an russischen Plattenbauten vorbei ist wahrlich nicht erbaulich. Die Straßen sind zwar breit, haben einen fast 2 Meter breiten Standstreifen, der aber vornehmlich von LKW Fahrern genutzt wird. Das macht definitiv keinen Spaß 

Fast hätte ich Baron von Münchhausen vergessen, der hierher nach Littauen geheiratet hat, und hier sein Unwesen trieb.

 

Jetzt bin ich in meinem Hostel angekommen, und werde mich nun in die Stadt begeben, denn hier läuft gerade ein Sänger und Chorfestival, auf das ich mich schon freue.

16.7.2017

Pärnu – Camping Lauču akmens 


Es gibt gute Tage und es gibt weniger gute Tage. Schlechte Tage sind äußerst selten, zumindest ist es bei mir so. Schon gestern ging es mir beim Radeln sehr gut, 108 Kilometer sind schon eine Ansage, allerdings kann man die Höhenmeter nahezu vernachlässigen. Heute Nacht habe ich super gut geschlafen, in einer kleinen Hütte, für die ich gerade mal 25 € bezahlen musste. Der Campingplatz war allerdings etwas seltsam. Es liefen ein paar betrunkene Russen herum, einer wollte mich zum Fußball spielen animieren, der andere grölte nur rum. Das brauche ich nun mal gar nicht, insbesondere kann man diese Leute gar nicht einschätzen. Ganz egal, ich saß auf meiner Terrasse, das Bier auf der linken Seite, und eine Cohiba in der rechten Hand, dazu Bayern 1 live.

Kann man sich was schöneres wünschen?

Heute früh kam ich wieder mal nicht aus den Federn, und startete erst gegen 9 Uhr, mit dem Ziel, über die Grenze nach Lettland zu fahren. Ich möchte morgen nach Riga kommen, und vielleicht einen Tag bleiben. Der Wind kam aus westlichen Richtungen und war heute hilfsbereit, sodass ich tatsächlich am Abend 136 Kilometer zurückgelegt habe, mit 400 Höhenmetern , die allerdings kaum ins Gewicht fallen. 

Rückenwind….unglaublich!

Wunderbare Kirche

Weiter ging es über die Grenze nach Lettland


Lettische Allee bei Kaiserwetter


Baron von Münchhausen


Campingplatz 

15.7.2017

Haapsalu – Pärnu


Gestern Abend haben Horst und ich besprochen, wieder getrennte Wege zu gehen. Er ist ein Frühaufsteher und möchte Kilometer schruppen, ich bin ein Langschläfer, und interessiere mich für die Kultur und Geschichte. Mir machen auch 100 Kilometer und mehr keinen Spaß. Es ist schade, denn ansonsten haben wir den selben Humor, und beide sind wir Kämpfer.

Dort in Haapsalu war gestern der Bär los. Aus allen Richtungen kamen alte amerikanische Schlitten zu einem Treffen genau hier in diesem Ort. Die Innenstadt war gesperrt, und alle Menschen flanierten durch die Straßen. Wir beide saßen in einem Lokal am Straßenrand, und beobachteten das Treiben. 

Der Campingplatz war eher suboptimal, die sanitären Anlagen möchte ich nicht beschreiben.

Jedenfalls startete ich heute früh um 08:30 Uhr, kaufte mir an der Tanke noch eine Tasse Kaffee, und dann ging es los. Ich wollte heute nach Pärnu. 

Ziemlich in der Mitten zwischen Start und Ziel, liegt der Ort Lihula. Hier gibt es eine alte Bischofsburgruine zu besichtigen, die im Jahre 1220 vom schwedischen König Johann Sverkersson erobert. Als ich von der Ferne diesen Turm sah, dachte ich mir sofort, da muss ich hin. Das muss ein Hungerturm sein. Allerdings war ich in dem Irrglauben, dass man in einem Hungerturm etwas zu Essen bekommen müsste, nein, da kommt man aus Diätgründen hin.


7% Steigung auf eine Länge von 300 Meter zum „Hungerturm“

Kirche von Lihula

Kleines Theater – großer Hungerturm

Nach weiteren 55 Kilometern kam ich jetzt am Campingplatz, kurz vor Pärnu an. Die Stadt werde ich morgen früh besichtigen, dann es weiter Richtung Riga.

Paintball neben dem Campingplatz – der Pazifismus im Vormarsch

Freakshow 

14.7.2017

Türisalu Puhkebaa – Haapsalu


Als ich heute früh meine Augen öffnete, scheinte die Sonne, der Regen hatte sich aus dem Staub gemacht. Um 8:15 Uhr starteten dann in Richtung Haapsalu, und entschieden uns für die kürzere Variante. Diese hatte letztendlich 100 Kilometer allerdings mal wieder gegen den Wind. Ich habe mir dieses Land genauso vorgestellt, denn ich habe schon viele Dokumentationen über das Baltikum im Fernsehen gesehen. 

Im Laufe des Tages wurde das Wetter immer besser, und wir trafen viele Radfahrer mit Gepäck. 


20 Finnen auf Fahrradtour


Ehemaliges Zisterzienser Kloster in Padise



Ehemaliges Herrschaftshaus – jetzt ist ein Restaurant

Morgen werde ich dann nach Pärnu fahren, das werden wohl gut 110 Kilometer sein, von dort aus habe ich noch 2 Tage nach Riga.

13.7.2017

Tallinn – Türisalu Puhkebaa


Wir legten uns gestern schon gegen 11 Uhr in die Kiste, weil wir heute früh aufbrechen wollten. Der Wetterbericht sagte ab Mittag ganz schlechtes Wetter voraus, mit 20 Liter Regen. Wir wollten bis Mittag zumindest 50 – 60 Kilometer radeln, was uns allerdings nicht gelang. Es begann kurz vor 11 Uhr zu regnen, sodass wir die nächste Übernachtungsmöglichkeit ansteuerten. Das ist eine Jugendherberge, in der wir momentan die einzigen Gäste sind. Ab morgen wird uns die Sonne den Weg versüßen. 

Normalerweise verlasse ich die Großstädte immer mit dem Zug, denn da spart man sich den Stress mit dem Verkehr und die ewige Sucherei nach dem richtigen Weg. Das haben wir heute nicht gemacht. Wir sind durch die Vororte gefahren und haben halb eingefallene Industriegebäude gesehen. Doch sahen wir auch neue Untenehmungen. Ich habe den Eindruck, dass es hier über den Tourismus hinaus genug Jobs gibt. 

Der Eurovelo ist gut ausgeschildert, sodass wir keinerlei Kartenmaterial benötigen. Lediglich schauen wir ab und zu in Google Maps, einzig um zu wissen, wo wir uns im Moment befinden. 

Wir sitzen jetzt in der Jugendherberge, und draußen regnet es aus allen Kübeln. Wir sitzen da, hören Bayern 1 über eine Bluetooth Verbindung zu einer guten Anlage. 2 Mal haben wir schon Tischtennis gespielt, die Ehre Bayerns ist jedenfalls gerettet. Ich hätte mich in den Arsch gebissen, wenn ich gegen Horst verloren hätte. Er wird wohl niemals eine Chance haben! Es reicht, wenn er mit dem Fahrrad besser ist.


Jugendherberge – oder so ähnlich


Bayerisch-Sächische Sportlerdynamik

Irgendwie hat mich die letzte Woche richtig faul gemacht, als ich in Juensuu mit Christl und Anton einen Tag faulenzte, dann das gleiche bei Ida und Niko, dann 2 Tage Helsini und Tallinn. Das Fahrradfahren blieb ja richtig auf der Strecke, ich habe schon das Gefühl, dass sich wieder Speck ansammelt. Ab morgen werde ich wieder Gas geben.


Schönheiten?

Kochen und Nudelparty


Eingang in die Altstadt von Tallinn

12.7.2017

Tallinn

Ich konnte gestern keine Fotos posten, weil ich abends in der Stadt unterwegs war, und das dafür nötige Kabel im Hotel lag. Das werde ich heute nachholen. 



Am Fährhafen von Helsinki! Aufpassen, deine Hände sind nass!

Nach ungefähr 2 Stunden, ich kanns nicht genau sagen, erreichte ich plötzlich und unerwartet die Hauptstadt von Estland, Tallinn. Das ist eine tolle Stadt, die ich gerne mit Regensburg vergleichen würde. Ich habe mir sofort eine Unterkunft gesucht, und bin dann unverzüglich in die Stadt marschiert, um einen Überblick zu bekommen. Zwischenzeitlich schrieb mir Horst eine SMS, dass er mit dem Zug unterwegs sei, und um 21:30 Uhr ankommen würde. 4 Halbe Bier gab es zu unserem Wiedersehen, denn wir hatten uns viel zu erzählen. Während ich ihm von der Begegnung mit den Eschenweckers aus Regensburg und dem Treffen mit Ida und Niko Botsch berichtete, also weniger vom Fahrradfahren, erzählte er mir ausführlich seine Abenteuer in Russland, über die miserablen Straßen, über die äußerst zurückhaltenden Russen, die kein Wort Englisch sprechen, aber auch über ein Wotka Gelage mit dem russischen Inhaber des Campingplatzes. Er meinte, dass ich das nicht ertragen hätte, in diesem Substandard. Die Bilder von Petersburg haben allerdings fast Postkartenniveau.

Mitternacht kamen wir ins Hostel zurück, lagen schon im Bett, als ein junger Russe das dritte Bett belegte. Er kam, sagte Hallo, Zug seine Jeans aus, legte sich hin, machte die Augen zu, und begann zu schnarchen. Heute früh wachte er auf, zog seine Hose an, und verschwand wie er kam.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch Tallinn, begaben wir uns in die Touristen Information und schlossen uns einer Führung an, bei der es in erster Linie um die russischen Machenschaften in der Zeit von 1939 bis heute ging. Der junge Stadtführer erzählte insbesondere über seine Familie, seine jüdische Großmutter und dem Bulgarischen Großvater, die fest an die guten Seiten des Kommunismus glaubten. 5000 Bomben in einer Nacht zerstörten diese schöne Stadt.

Blick über die Dächer 

Evangelisch-lutheranische Kirche

Tallin is immer schon eîne Künstelerstadt gewesen, und scheinbar wurden sie im Krieg bei der Besetzung durch Russland nach Sibierien deportiert. Tallinn hat aber dieser Flair niemals verloren. 

„Als Singende Revolution wird die Periode der nationalen Bewegungen im Baltikum 1987 bis 1991 und des gewaltlosen Kampfes um die Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit bezeichnet.“


Heilig-Geist Kirche


Moderne Architektur 


Bühne in der Altstadt 

Hinterhofstimmung 

11.7.2017

Lahti – Helsinki – Tallin 
Gestern Abend musste ich noch eine Kopfschmerztablette nehmen und früh ins Bett gehen. Heute geht es mir wieder gut. 

Um 9 Uhr nahm ich den Zug nach Helsinki, und nachdem der Wetterbericht nichts gutes vorhersagt, habe ich mich entschlossen, mit der Fähre gleich weiter zu fahren nach Tallin. Damit habe ich mich nun von Skandinavien verabschiedet. 

Am 14. Mai kam ich in Oslo an, und wurde von den Röhrls mehr als herzlichst begrüßt und aufgenommen. Von da an hatte ich mit 2 Wochen Kälte, Regen und Schnee zu kämpfen. Doch Norwegen zeigte sich dazwischen immer wieder von seiner freundlichen und schönen Seite, bis das Wetter umschlug. 2 Wochen lang scheinte die Sonne, und zwar bei Tage und bei Nacht. Es ging bergauf und bergab, von Fjord zu Fjord, die Seen waren noch mit Eis bedeckt, und Schnee lag bis zum Meer. Es ist für mich bisher das landschaftlich schönste Land. Einzig die Preise, und zwar für alles sind für unsereins irrsinnig. 12 Euro für 0,4 l Bier sind halt ein Wahnsinn. 

Die Menschen sind hilfsbereit und unglaublich symphatisch – das Land ist rundum schwer beeindruckend.

Weiter ging es dann mit dem Postschiff vom Nordkap nach Kirkenes, und dann nach Finnland. Jürgen Meier, ein niederbayerischer Landwirt hat mir einmal erklärt, dass wenn man durch einen Wald fährt, und sich rechts und links Wald befinden würde, dann wäre das ein „Doppelt-Holz“.
Das würde also bedeuten, dass ich ungefähr 1500 Kilometer durch das finnische „Doppelt-Holz“ gefahren bin. Man teilt sich hier die Einsamkeit mit Rentieren, Elchen, Bären und Wölfen und wiederwärtigen und sinnlosen Moskitos.
Die ersten 3 Tage war es ebenfalls eiskalt, es regnete bei 2 bis 3 Grad gerade noch über dem Gefrierpunkt, dann wurde es langsam besser, was die Moskitos aus ihrem armseligen Dasein riss.
Vom Regen in die Mückenplage.
Ich lernte, wie überall auf meiner Reise toll und interessante Menschen kennen, obwohl hier auf dem „Iron-Curtain -Trail“ sehr wenig Radfahrer unterwegs sind. Die Finnen sind ein sehr wortkarges Volk, habe ich mir sagen lassen, einzig in der Sauna wird geredet, und zwar ausgiebig. 
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich wieder hierher kommen werde, auch nach Finnland, allerdings dann im Winter. 
Ich bin jetzt schon ganz schön herumgekommen in Europa. Ich bereiste Spanien, Frankreich, England, Wales, Irland und Schottland, Norwegen und jetzt Finnland. Jeder Tag war spannend und brachte Neues. 
Jetzt sitze ich auf der Fähre von Helsinki nach Tallin, und freue mich schon auf die nächsten Begegnungen. Das Baltikum muss super schön sein, es wird sicher wieder spannend werden.
Von der Mutmaßung ging es direkt ohne Umwege in die Realität, Tallin ist wirklich eine sehr schöne Stadt. Es tanzt hier der Bär, und die Preise sind einigermaßen verträglich.

Nachdem ich nun eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden habe – in einem Hostel im 4-Bett Zimmer – habe ich mich aufgemacht die Stadt soweit zu erkunden, dass ich morgen weiß, was es zu besichtigen gibt. Denn morgen bleibe ich noch hier. 

Mein sächsischer Begleiter Horst hat mir gerade mitgeteilt, dass er heute Abend noch mit dem Zug in Tallin ankommen wird. Jetzt muss ich mich noch um ein Bett kümmern. Ich habe damit gerechnet, dass er morgen kommt, aber nicht heute.

Der Beckenbauer sagt, „schaun mer mal, dann segn mas scho“.