29.6.2017

Lomua Hossa – Suomussalmi


Gestern Abend gingen wir brav in die Kiste, um heute früh fit zu sein. Und so war es dann auch. Punkt 8 Uhr ging es dann auf die Piste. 27 Kilometer mussten wir fahren, dass wir an einer Tanke, zwischen den Ersatzteilen einen Kaffee bekamen. Zwischen den alten Teilen draußen vor der Werkstatt trafen wir zwei Deutsche mit einem alten VW Bus California. Die beiden Jungs erzählten uns, dass die Zylinderkopfdichtung kaputt ist, und das Auto nun vom ADAC nach Deutschlnd transportiert wird.


Just, als wir dieses Foto machten, führen die beiden Südafrikaner, von denen wir schon gehört hatten an uns vorbei. Horst lies es sich nicht nehmen, die beiden einzuholen, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. 

Jetzt sitzen wir beieinander beim Essen in unserer Hütte und sie erzählen uns von ihrer Arbeit in Südafrika. Das sind Karl und Nielen, beide arbeiten in einer Organisation die sich um 5,2 Millionen Kinder zu kümmern haben, die keine Eltern mehr haben. 

Die Organisation heißt Mosaic, und wird unterstützt durch Spenden aus Deutschland, Schweden und den Staaten.

http://www.mosaicsa.org

Die Kinder sind Waisen, weil die Eltern an AIDS gestorben sind. 

Soll man da sich nicht engagieren?


28.6.2017

Kuusamo – Loma Hossa


Bevor ich laut über den heutigen Tag nachdenke, möchte ich euch mitteilen, dass ich jetzt herausgefunden habe, wie man einen Kommentar in meinem Blog schreiben kann. Das lag an einem Parameter, den ich in die richtige Richtung gebracht habe. Ich freue mich über jeden Kommentar in meinem Blog, aber auch über „likes“.

Ferner wurde ich ein paar Tagen gefragt, was meine Ausrüstung beinhaltet:

  • 1 Paar Fahrrad Schuhe 
  • 1 Paar Treckingschuhe
  • Badeschlappen
  • Badehose
  • Outdoorhandtuch groß und klein
  • 3 Unterhosen
  • 4 Paar Socken
  • 4 kurzärmelige Outdoorhemden
  • 1 langärmeliges Odlo Hemd
  • 1 lange Outdoor Hose
  • 2 kurze Hosen – 1 ist überflüssig 
  • 2 kurze Fahrradhosen
  • 1 Fahrradveste Vaude
  • 1 Softshell Veste
  • 1 Sodtshell Jacke
  • 1 dünne Goretex Jacke 
  • 1 Jeans
  • 1 Zelt
  • 1 ISO Matte
  • 1 Kissen 
  • Kochgeschirr 
  • Kocher
  • Pfanne
  • Gewürze…etc.
  • Medikamente, Salben..etc.
  • Werkzeug
  • Ersatzteile , 2 Schläuche, 2 Satz Bremsbeläge, Kettenglieder, Ersatzspeichen, Felgenbänder, Kettenöl
  • Sony Kamera 6000 mit zusätzlichem Teleobjektiv, Stativ
  • iPad
  • iPhone 
  • WLAN Router 
  • Rasierapparat 
  • Licht hinten
  • Stirnlampe 
  • Diverse Ladegeräte 

Das alles verteile ich täglich auf meine 2 Satteltaschen und meinen Rucksack. iPad, IPhone, Router und Kamera mit Teleobjektiv befinden sich in der Lenkertasche.

Jetzt zurück zum gestrigen Abend. Horst und ich kauften uns eine ordentliche Pizza, und kehrten danach ins Hotel zurück. Wir tranken dann noch ein Bier im Frühstücksraum, um 23 Uhr legte ich mich dann ins Bett.

Bis 9 Uhr früh regnete es in Strömen, sodass wir zunächst auf das Ende warteten und das Abendessen kauften. Dan ging es los, die Etappe sollte nach 83 Kilometer zu Ende sein, denn dann muss man scheinbar 50 Kilometer weiterfahren um eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Wildcampen wäre zwar möglich, allerdings muss man erst einen trockenen Platz finden. Ich bin darauf vorbereitet.

Ich fühlte mich heute überhaupt nicht wohl! Mich quälten Bauchschmerzen und leichte Kopfschmerzen. Nachdem ich nun 4 Mal auf die Toilette verschwand geht es mir jetzt wesentlich besser. 

Uns wurde gestern in der Tourismus Information mitgeteilt, dass wir unbedingt über Hossa fahren sollten, denn diese Straße würde eine der schönsten Gegenden Finnlands durchqueren. Ja, eher tja, wie soll ich das jetzt ausdrücken?

Seit ich über die Grenze gefahren bin, wechseln sich Kiefernwälder mit Birkenwälder ab, mischen sich auch ab und zu, und werden von irrsinnigen Seenlandschaften unterbrochen. Das ist wirklich schön, aber irgendwann muss auch mal Schluss sein, nicht wahr? Das Land ist leicht coupiert, wir bewegen uns immer zwischen 190 und 300 Meter über dem Meer, es ist also quasi relativ flach. 

Wir fahren seit gestern auf der „Via Karelia“. 

Die Via Karelia ist eine Ferienstraße in Finnland. Sie besteht aus zwei separaten Routen, Runon ja Rajan tie und Karjalan kirkkotie.

Runon ja Rajan tie

Die Route Runon ja Rajan tie (etwa: „Straße der Lieder und der Grenze“) führt durch Ostfinnland der russischen Grenze folgend vom Finnischen Meerbusen nach Lappland. Sie beginnt im südwestfinnischen Vaalimaa und quert Südkarelien, Nordkarelien, Kainuu und Kuusamo ehe sie im lappischen Salla endet.

Karjalan kirkkotie

Die Route Karjalan kirkkotie („karelische Kirchenstraße“) ist ein orthodoxer Kulturreise- und Pilgerweg in Nordkarelien. Er führt von Heinävesi nach Hattuvaara in der Gemeinde Ilomantsi. An der karelischen Kirchenstraße liegen das Kloster Uusi Valamo sowie zahlreiche orthodoxe Kirchen, Kapellen und Friedhöfe.


Wie gesagt, sind wir einig, ich meine Horst und ich, wenn man von Norwegen nach Finnland fährt ist das die falsche Reihenfolge. Norwegen ist unschlagbar!

Unsere heutige Hütte!

Einer der vielen Seen!


Rentier am Straßenrand!

27.6.2017

Karhujärven Kilo – Kuusamo


Unsere gestrige Hütte lag idyllisch an einem See, und hatte eine super Ausstattung. Einzig fehlte eine WLAN Verbindung, allerdings bekommt man hier nahezu überall „Mobil“ eine 4 G Verbindung. Zum Essen machte ich gestern Bratkartoffeln mit Fleischpflanzeln, wahrhaft ein Gaumen Schmaus. 


Hütte mit offenem Kamin – ACDC – ein Weißbier! Was will man mehr?

Heute früh dann starteten wir nach einem ausgiebigen Frühstück um 7:45 Uhr in Richtung Kuusamo. Wir mussten uns wieder mal auf 60 Kilometer einstellen, auf denen es nichts zu essen und nichts zu trinken gibt. Es war windstill, sodass wir kurz vor halb 11 in  Ruka ankamen, rechtzeitig zum Mittagessen. Ruka ist der Skiort in Finnland, der mindestens an 200 Tagen im Jahr schneebedeckt ist. Da muss man sich nicht wundern, dass es immer noch ziemlich kalt ist. 


Die letzten 26 Kilometer verschlangen wir innerhalb von 70 Minuten, allerdings unterstützte uns leichter Rückenwind.

Horst und ich mussten ins Fahrradgeschäft, um die Ketten zu checken und ich brauche Bargeld.

Als wir dort ankamen, begann es leicht zu regnen, sodass wir beschlossen, hier zu bleiben, wir hatten heute ohnehin 96 Kilometer geschafft. 

Ab heute sind es noch knapp 1000 Kilometer nach Laaperanta, und von dort noch 264 Kilometer nach Helsinki. Das wird schon noch ein paar Tage dauern. 16 oder 17 Tage vielleicht?

26.6.2017

Kemijärvi Camping – Karhujärven Kelopitit


Heute früh sah es so aus, als würde es den ganzen Tag nur regnen, zumal es bis 7:30 Uhr in der Früh nur geschüttet hat. Auch der Wetterbericht verhieß nichts Gutes, abwechselnd Regen mit Starkregen und netter Gegenwind. Wir ließen uns also heute Zeit, und brachen erst um 10 Uhr auf, um in der Tourist Information nachzufragen, wie unsere Route aussehen werde, ob es Möglichkeiten zum Übernachten gäbe, Supermärkte auf der Strecke wären, also Fragen, die wir heute stellen, weil wir wissen wie dünn besiedelt dieses Land ist.

Wir trafen gestern Abend meinen alten „Freund“ Pavel, den Tretrollerfahrer aus Tschechien. Heute früh besuchten wir ihn am Campingplatz, dann erst fuhren wir zur Information, und in den Supermarkt. Dort heißt es Einkaufen für heute Abend und Morgen Früh, sowie für den Tag, denn so wie es aussieht, müssen wir wieder 70 oder 80 Kilometer strampeln um die Zivilisation zu erreichen.

Nach 31 Kilometer kam unverhofft eine Tankstelle, die wir auf der ausgesuchten Route nicht vermutet hatten. Erst jetzt stellten wir fest, dass wir einen leichten Umweg gefahren sind, allerdings, wären wir den vermeintlich richtigen Weg gefahren, hätten wir keine Freude gehabt. Das wäre nämlich ein sandiger, auch in der Ebene unfahrbarer Weg gewesen.

An der Tanke trafen wir einen Motorradfahrer mit Passauer Kennzeichen, und einem selbst gebauten Wohnanhänger. 

http://www.tommy-bergmann.de/

Nach weiteren 15 Kilometern überschritten wir würdevoll und mit  feuchten Augen den nördlichen Polarkreis, den „Arctic Circle“. Er befindet sich auf 66° 33′ 55″ nördlicher Breite!


Ich freue mich schon auf dunkle Nächte, denn erst dann werde ich Sternenhimmel wieder sehen können. Nach Helsinki werde ich wohl nur noch 1000 bis 1100 Kilometer zu fahren haben, und das immer in Richtung Süden, Sommer und Sonne. Das sind also noch maximal 14 Tage. 

Morgen fahren wir nach Kuusamo, bekannt als internationaler Wintersportort für Langlauf, Nordische Kombination und Skispringen. 

25.6.2017

Orakoski Camping – Kemijärvi Camping.


Ein schöner Abend mit einem guten Abendessen nahm gestern früh ein Ende, wir waren beide müde und legten uns kurz vor Mitternacht ins Bett. Heute früh, nach dem Frühstück starteten wir in Richtung Kemijärvi, 91 Kilometer laut Google Maps. So war es auch, 91 Kilometer fuhren wir durch die finnischen Wälder.

Wälder links und Wälder rechts, dazwischen Seen auf der linken Seite und Seen auf der rechten Seite, sonst nichts aber auch gar nichts. Das ist unglaublich. 91 Kilometer kein Dorf, kein Restaurant, kein Supermarkt und nicht einmal eine Tanke, wo wir uns etwas hätten kaufen können.

Nachdem die Monotonie hier das vorherrschende Bild ist, freuten wir uns wie die Schneekönige als wir die beiden Hamburger Freaks trafen.


Diese beiden Jungs, Metin und Norris sind auf einer Charity Rallye für Ankerland e.V. Hier geht es wohl um Hilfe für traumatisierte Kinder. Die Homepage der Veranstalter heißt: 

https://www.startnext.com/charity-drivers-team-evelknevel

Von da an ging es 40 km auf einer breiten ungeteerten Straße weiter, wieder sahen wir nur Wald, Wald links, Wald rechts, dazwischen die Straße, bis urplötzlich der erste Bauerhof auftauchte, neben dem der Landwirt mit einem Grupper den Boden bearbeitete. 


Der Gegenwind war beachtlich und machte uns schwer zu schaffen. In Kemijärvi haben wir wieder eine Hütte gemietet, heute machte ich Schinkennudeln mit Dosenbier. 

Horst in Action!

Jetzt komm ich!


Brotzeit im Wald, mit Ameisen und Mücken!

24.06.2017

Peurasuvanto Holiday Village – Orakoski Camping


Heute hat sich mein GPS System verabschiedet, sodass die genaue Position unserer neuen Unterkunft auf dieser Karte nicht zu sehen ist. Erst dann wieder morgen Abend, denn dann ist die neue Posiotion meine Startadresse. Es fehlen aber lediglich 12 oder 13 Kilometer. Nach dem wir uns gestern wieder getroffen hatten, die Hütte dann teilen konnten, gingen wir auch dann gemeinsam zum Essen. Noch 2 Dosen Bier, und dann ins Bett. Heute früh nahmen wir ein ausgiebiges Frühstück und starteten gegen 9 Uhr in Richtung Süden, nach Sodankylä. Dort wollten wir einkaufen, und dann entscheiden wie weit wir noch fahren werden. Unterwegs trafen wir zuerst Julia, eine junge Frau aus Gütersloh, die in Bern lebt und in Berlin gestartet ist. Sie hat ihren Job gekündigt, um dann zum Nordkap zu radeln. Sie meinte, wenn sie uns so ansieht, dann ist sie gar nicht so verrückt, wie alle sagen. Denn wir sind noch verrückter. Und die gibt es zuhauf hier auf dem Weg zum Nordkap.

Kaum waren wir wieder unterwegs, trafen wir Werner aus Weiden, ebenfalls mit dem Ziel zum Nordkp zu fahren. So vergeht kein Tag, an dem man nicht neue Verrückte kennenlernt.


In diesem oben genannten Ort kauften wir dann ordentlich ein, für heute Abend aber auch zum Frühstück, und dann ging es weiter zum Campingplatz, wo wir eine coole Hütte mieteten. Dort gibt’s jetzt dann was ordentliches zu essen!

Das Wetter wurde heute immer besser, Nachmittag hatten wir dann tatsächlich schon über 10 Grad, das wird doch keine Hitzewelle sein?

Am Montag wird es wahrscheinlich wieder regnen, schauen wir, wie es dann tatsächlich kommen wird.

Ansonsten ging es heute zur Abwechslung mal wieder durch die finnischen Wälder, Kiefernwälder, Birkenwälder und Mischwälder, dazwischen moorige Gebiete und dann die Seen. 

Ich bin schon ganz gespannt, welche neue Landschaften und Panoramen uns morgen überraschen werden!

23.6.2017

Ivalo River Camping – Peurasuvanto Holiday Village


Es ist 17:51 Uhr, und seit einer halben Stunde bin ich hier auf diesem Campingplatz angekommen. Das ist übrigens scheinbar die letzte Möglichkeit zu übernachten, bevor der nächste größere Ort kommt. Der Ort heißt Sodankylä und ist noch 51 Kilometer entfernt. Nachdem ich heute insgesamt 106 Kilometer geradelt bin, reicht es mir komplett für den heutigen Tag.

Die Hütte, die Hörst und ich gestern gemietet hatten, war unter aller Kanone, und die schlechteste Hütte seit ich unterwegs bin. Alle Campingplätze haben hier Gemeinschaftsküchen, sodass sich an und für sich das Leben hier abspielt. Da lernt man die Menschen kennen. Gestern saßen wir bis um 1 Uhr in der Küche, unterhielten uns über das Radfahren, die Route, und dazwischen kamen immer wieder irgendwelche Leute, mit denen wir dann ins Gespräch kamen. 

Horst ist, wie ich getan schon geschrieben habe, ein leidenschaftlicher und auch ambitionierter Radfahrer. Ich kann mich mit ihm nicht im Ansatz messen und versuche das auch nicht, denn ich kenne meine Grenzen.

Als wir heute früh beim Frühstück saßen, war klar, dass wir nicht miteinander fahren werden, denn dazu sind wir zu weit entfernt voneinander – in sportlicher Hinsicht. Horst fährt immer mindestens 100 Kilometer, ich definitiv weniger, 80-85 Kilometer im Durchschnitt – ich kann es nicht genau sagen.

Nach ein paar Kilometer verabschiedeten wir uns, und er gab Gas. 

Es war heute wieder kalt mit einer durchgehenden grauen Wolkendecke. Ich hatte gestern vergessen, die Schuhe an die Heizung zu stellen, sodass ich heute in feuchtes Schuhwerk steigen musste. Nach zwei Stunden musste ich in einem Kaffee ein lange Pause machen, den die Füße waren eiskalt. Das wiederholte ich heute mehrmals, unter anderem in der Goldvillage, die durch einen Goldrausch bekannt geworden ist.

Goldgräberstadt nach amerikanischem Stil

Ansonsten kann ich gar nicht soviel berichten, denn es geht einfach nur von einem Wald in den anderen, flankiert von Seen und Mooren. Ich möchte sagen, stinklangweilig die Fahrerei hier.

Irgendwo habe ich mir dann mein Ziel ausgesucht, und zwar dieses Holiday Village, wo ich Horst wieder traf. Wir teilen uns also die Hütte, die wirklich super ist, waren jetzt gemeinsam beim Essen und werden dann noch ein Bier miteinander trinken.

Ein guter Tag, eine lange Strecke und kein Regen, was will man mehr?

22.6.2017

TMI Riiko Reino Fofonoff – Ivalo River Camping


Die Strecke ist etwas falsch, weil die ersten 20 Kilometer fehlen, ich habe vergessen die Uhr einzuschalten 

Wie schon berichtet, war ich gestern richtig durchnässt und unterkühlt. Ist ja auch logisch, wenn man 4 bis 5 Stunden bei Dauerregen auf dem Fahrrad sitzt. Schlimm war die Kälte besonders an den Händen und den Füßen. Sowohl die Handschuhe als auch die Schuhe konnten der Nässe nicht trotzen. Die Hütte, in der ich dann Asyl bekam war ok, wenngleich keine Sauna vorhanden war, denn die hätte mir gut getan. Samt Klamotten habe ich mich dann in meinem Schlafsack verkrochen, sodass ich sogar ein bisschen schlafen konnte. Abends machte ich mir Nudeln, dann legte ich mich wieder in die Kiste, während draußen der eiskalte Nordwind durch die Bäume blies.


Leicht verschnupft stand ich heute früh auf, um auf den Bus zu warten, denn ich werde die nächsten 60 km Busfahren. Das Wetter soll ab Mittag besser werden. Dann wird es Schluss sein mit dem Regen.

Im Internet habe ich schon gelesen, dass das finnische Lappland eine gottverlassene Gegend sein soll. Damit habe ich aber wirklich nicht gerechnet. Der nächste Supermarkt ist 50 km entfernt, der nächste Bankautomat 80 oder 90 Kilometer. 

1000 Kilometer durch einsame Wälder und Wildnis, darauf muss ich mich gefasst machen.

Es wechseln hier reine Nadelwälder mit Birkenwälder und gemischten Wäldern ab. Dazwischen sieht man viel viel Wasser, Seen und Felsen.

Das Land ist hügelig, eher wellig fast flach. Ich wüsste jetzt nicht was ich hier fotografieren könnte. Alles sieht gleich aus.

Der Busfahrer meinte, jetzt machen wir eine kurze Kaffeepause, was ich nur bedürfen konnte. In dieser Kaffeehaus-Restaurant-Supermarkt-Tankstellenkombination kaufte ich mir eine Tasse Kaffee, während der bis jetzt schweigende Finne ein Bier in sich hineinschüttete. Es war wohl 10 Uhr vormittags, das war sicher sein Frühstück, nach dem Motto, „hast du heute schon gefrühstückt?“ 

„Nein, keinen Tropfen!“

Als erstes suchte ich den Bankomaten, der allerdings „Ort of Order“ war. Also gab es wieder keine Kohle. Die gibt es erst im nächsten Ort. Allerdings kaufte ich mir einen Kaffee und ein Brötchen. Während eines Telefonates kam ein Radfahrer aus Zwickau in das Restaurant und wir kamen sofort ins Gespräch. 

Er, Horst, ist am 19. April gestartet, fast 60 Jahre alt, und auf dem Fahrrad ein „Viech“ wie der Bayer zu sagen pflegt. Jedes Jahr legt er mit dem Fahrrad ungefähr 17.000 Kilometer zurück. Ich habe da nicht im Ansatz eine Chance. 

Horst und ich, von den beiden Campern aus Eschwege auf einen Kaffee eingeladen!


So sehen Sieger aus

Der Nachmittag verlief dann regenfrei, wir wurden noch zum Kaffee eingeladen, und kauften dann gemeinsam zum Abendessen. 

Wir haben uns nun gemeinsam eine Hütte gemietet, die Skandinavier sagen dazu „Cabine“. Das ist jetzt wirklich eine Cabine, ein Stockbett, Kühlschrank und Mikrowelle und ein WLAN Router. 

Kleiner geht es fast nicht mehr.

Jetzt habe ich Rentierfilet mit Nudeln gekocht – ich möchte sagen eine geschmackliche Explosion im Gaumen. Dazu eine Flasche Rotwein aus dem Veneto, einen Campofiorin von der Kellerei Masi, ein geschmackliches Highlight für den auf das Überleben reduzierten Survivalradler!

Morgen geht es wieder weiter in den Süden, das sind noch ungefähr 1200 – 1300 Kilometer nach Helsinki.

21.6.2017

Finnland in der eiskalten Wildnis

Gestern Abend bekam ich wieder diesen Eintopf mit Rentierfleisch, was einmalig gut schmeckt. Zu diesem Hüttendorf gehört scheinbar eine Rentierzucht, zumindest habe ich das so verstanden. 3 Bier mit 0,33 l dazu und ich ging zufrieden ins Bett. Den ganzen Abend habe ich hin und her überlegt, was ich heute machen werde, bleiben, mit dem Rad fahren, oder den Bus nehmen. Der Wetterbericht sagte wirklich schlechtes Wetter voraus, Regen und Kälte, vielleicht sogar Schnee. Wie so immer vertagte ich das ganze auf den heutigen Vormittag. Um 7 Uhr packte ich meine 7 Sachen, denn ich wollte dann auf alle Fälle weiterfahren, ob mit dem Bus oder ohne.

Beim Frühstück beschloss ich also, dass ich weiter radeln werde, obwohl der Wetterbericht für den heutigen Tag noch schlechter war, als gestern Abend prognostiziert. Als ich dann startete war es noch trocken, 10 Minuten später begann es leicht zu nieseln, sodass ich sogar überlegte umzukehren. 

Egal, fahr doch weiter, so schlimm ist das nun wirklich nicht, sagte ich zu mir. Und ich fuhr weiter. Nach einer weiteren halben Stunde begann es dann richtig zu regnen, und in Null-Komma-Nichts war ich durchnässt. Und zwar an den Händen und ebenfalls an den Füßen. Nachdem ich meinen Poncho über den Anorak zog, blieb der Rest einigermaßen trocken. Irgendwann war ich dann derart unterkühlt, dass ich beschloss, die nächste Hütte anzusteuern. 51,8 Kilometer hielt ich den Regen durch, dann war es aus. Die Hütte ist gut, allerdings eiskalt. Die Vermieter gaben mir noch zu Essen, und zu trinken, Kaffee und Bier, weil ich auch nicht viel dabei habe. Ich wollte im nächsten Supermarkt einkaufen, und am nächsten Bankautomaten Geld abheben. Der ist in der nächsten Stadt, und das sind rund 60 Kilometer nochmals von hier.

Jetzt habe ich meine Klamotten zum trocken aufgehängt und habe mir einen Kaffee gemacht, während es draußen zum Graupeln anfing. Wa soll man da noch sagen?

Das ist heute der schlimmste Tag auf meiner Reise, das kann ich wirklich sagen. Es hat geschneit in der Extremadura, in Ringbu in Norwegen, und während meiner Fahrt auf der Hurtigrute. Und jetzt geht der Mist von vorne los, und noch dazu am kalendarischen Sommeranfang, der gleichzeitig auch mein Namenstag ist. Der „heilige“ Aloisius ist der Schutzpatron der Studierenden und Intellektuellen.

Aktuell haben wir hier 2 Grad über Null, es gefriert nicht, ich muss also keine Angst haben, dass meine Wasserflaschen einfrieren. Ist doch unglaublich, oder?

Morgen soll das Wetter ab dem Nachmittag langsam besser werden, mit sinkenden Niederschlägen und leicht steigenden Temperaturen. Das hoffe ich, denn das halte ich nicht aus., und außerdem habe ich keine Lust krank zu werden.

20.6.2017

Porotila Toini Sanila (Finnland)


Restaurant und Hüttendorf mitten in der Prärie 

Meine Hütte

Als ich heute früh wach wurde, bestätigte das Wetter die Porognosen von gestern Abend. Es ist eiskalt, und regnet vor sich hin. Das Wetterradar verheißt für den heutigen Tag keine Besserung. Erst morgen soll es bei gleichen Temperaturen weniger regnen, sodass ich morgen früh dann weiterfahren werde. Aber Spaß macht das sicher keinen. 

Wald und Wasser – Jagd und Fischen


Hinter meiner Hütte….

Die Route führt durch 20 verschiedene Länder, unter anderem 14 Mitglieder der EU. Sie führt auch durch viele Nationalparks mit interessanter Fauna und FLora und verbindet einzigartige Landschaften die – da Sie Teil der Grenzgebiete waren – Jahrzente lang vom Menschen unberührt blieben. Die Strecke verbindet auch verschiedene Gebäude, Monumente, Museen und Attraktionen, die uns an die Geschichte der Spaltung Europas und sein friedliches Ende mit der samtenen Revolution in Osteuropa erinnern.Gestern ging es über die Grenze nach Finnland auf den gut markierten Eurovelo 13, einem der vielen europäischen Fernradwege. 

Das ist der Iron Curtain Trail, der Weg der Geschichte des eisernen Vorhangs.

Er ist 10.400 Kilometer lang und führt durch 20 Länder, inklusive Russland, was ich allerdings weglasssen werde, geht durch 14 UNESCO Städte. 3 europäische Meere werden bereist, die Baringsee, die Ostsee und das Schwarze Meer.

Auszug aus der Eurovelo Homepage:

Fast ein halbes Jahrhundert lang war Europa gezwungenermaßen zwischen Ost und West vom ‚Eisernen Vorhang‘ getrennt, einer Grenze die vom Barentssee bis zum Schwarzen Meer reichte. EuroVelo 13 – Iron Curtain Trail lädt die Radfahrer dazu ein diesen wichtigen Teil der Geschichte des Kontinents selber zu be- und erfahren.

Die Route führt durch 20 verschiedene Länder, unter anderem 14 Mitglieder der EU. Sie führt auch durch viele Nationalparks mit interessanter Fauna und FLora und verbindet einzigartige Landschaften die – da Sie Teil der Grenzgebiete waren – Jahrzente lang vom Menschen unberührt blieben. Die Strecke verbindet auch verschiedene Gebäude, Monumente, Museen und Attraktionen, die uns an die Geschichte der Spaltung Europas und sein friedliches Ende mit der samtenen Revolution in Osteuropa erinnern.

Der Radweg entlang des Eisernen Vorhangs hat im Laufe der vergangenen Jahre eine bedeutende Unterstützung von Seiten der Europäischen Institutionen erhalten. Im Jahr 2005 erkannte das Europäische Parlament den „Iron Curtain Trail“ als Vorzeigeprojekt für den nachhaltigen Tourismus an und forderte die Mitgliedsstaaten zur Unterstützung auf. Dies war eine Initiative von Michael Cramer, Mitglied der Grünen im Europäischen Parlaments, der zuvor bereits den Berliner Mauerweg in der deutschen Hauptstadt gegründet hatte. Michael Cramer is weiterhin aktiv an der Entwicklung der EuroVelo 13 – der Route des Eisernen Vorhangs beteiligt. Für weitere Informationen, einschließlich einer Datenbank mit neuen Nachrichten rund um die Route, können Sie gerne seine Webseite besuchen: http://www.michael-cramer.eu

Die Teilung Europas und insbesondere Deutschland ist ein Teil unserer Geschichte und insbesondere auch meiner Geschichte. 

Im Jahre 1988, also genau 1 Jahr vor dem Mauerfall organisierte mein alter Freund Heiner im Rahmen der JU Nabburg eine einwöchige Reise in die DDR nach Weimar. Diese Fahrten wurden bezuschusst zum Austausch junger Menschen in beiden Ländern, und kostete ungefähr 180 DM mit Vollpension und Busfahrt. Jeden Abend gab es sogenannte Begegnungen mit jungen Menschen der DDR, mit „freien“ Diskussionen. Wir waren ungefähr 20 Leute, vorne saßen in der Regel 3 Referenten, und hinter uns immer 10 Beobachter – Mitglieder des Staatssicherheitsdienstes, der Stasi.

Am ersten Tag, ich kann mich noch genau erinnern, waren wir in Eisenach, danach übrigens 6 Tage in Weimar. In Eisenach referierte der in Mitte sitzende DDR-ler über die Wartburgwerke. 

„Das Wartburgwerk in Eisenach ist eines der modernsten Automobilwerke. Mit X Mitarbeiter produzieren wir täglich 30 Autos.“ Die Zahlen, dies dieser Mann machte, weiß ich nicht mehr, allerdings kann ich mich an meine Worte erinnern.

„Darf ich einen kleinen Einwand bringen? Wollen wir doch einmal über die Begrifflichkeit des Autos diskutieren. Ihr habt doch alle Westfernsehen hier, nicht wahr? Ihr kennt doch alle unsere Autos, oder? BMW, Mercedes, VW..usw. das sind richtige Autos.  Dementsprechend dürfte man den Wartburg maximal als Fahrzeug bezeichnen, ein Zeug zum Fahren!“

Aus unserer Gruppe kam allgemeines Gelächter, während die hinter uns sitzenden Landsleute aus dem Osten mit bitterer Miene mitschrieben. 

Mein Freund Heiner bekam mit einem DDR kritischen Einwand nochmals einen Lacher, und die ohnehin dunklen Mienen der hinter uns sitzenden, verdunkelnden sich mitschreibend noch mehr.

Als die Veranstaltung beendet war, steckt mir der Referent beim Handschlag noch einen Zettel mit seiner Adresse zu. Dahin sollten wir kommen. Wir kamen uns vor, als wären wir die Kollegen auf Augenhöhe mit James Bond.

Solche Geschichten wiederholten sich täglich, für uns damals ein klares Signal, dass dieser Staat am Ende ist, und es nicht mehr lange gut gehen könne. Was sich auch bestätigte.

Als Heiner dann für das Frühjahr 89 nochmals einen Antrag auf eine Reise nach Dresden einreichte, kam die unglaubliche Antwort:

Heiner und ich bekamen es sogar schriftlich:

Einreiseverbot in die DDR!

Berlin wäre für uns dann nur noch mit dem Flieger erreichbar gewesen.

Eine Woche nach dem Mauerfall sind wir dann mit einem 9-sitzigen Bus nach Berlin um mit den „Ossis“ zu feiern. Die friedliche Wende, der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung waren für mich einmalige Erlebnisse, und Teil meiner Geschichte. Jedes Mal, wenn ich im Fernsehen Genscher auf Empore der Prager Botschaft sehe und sprechen höre, durchfährt mich ein Schauer, und die Stimme stockt. 

Der Eurovelo 13 verspricht eingehend, die Besucher auf diese Zeit zu sensibilisieren, sie zum Nachdenken anzuregen!

Das möchte ich erleben, sehen und spüren!