9.6.2017

Fjordbotn Camping – Tromsø


Der gestrige Tag war wie schon beschrieben in jeder Hinsicht traumhaft schön, aber auch genauso anstrengend. Das waren 80 km mit dem Rad und 40 km mit der Fähre. Heute strampelten wir wieder wie verrückt durch die Berge, an den immer noch tiefverschneiten Bergen entlang. Es ist deutlich zu erkennen, dass jetzt die Natur geradezu explodiert. Ist aber auch logisch, denn die Sonne scheint Tag und Nacht. Als wir um 08:15 Uhr starteten, hatten wir um die 16 Grad, das ist fast unglaublich, wenn man die letzten 3 Wochen betrachtet.

Es ist ein wahrhaftiges Erlebnis hier zu radeln, in einem Gebiet, das vornehmlich den Winter kennt. 

Mit den beiden Studenten hat es mir auch furchtbar Spaß gemacht, wenn ich mich auch mit den beiden nicht vergleichen darf. Unterwegs trafen wir ein paar Tourengeher, mit kurzer Hose und freiem Oberkörper. Sie meinten, dass jetzt die beste Zeit sei, um Skiouren zu gehen.

Als wir am Campingplatz ankamen, Pia war übrigens schon da, trafen wir ebenfalls das Ehepaar aus Fürstenfeldbruck, die ich vor eineinhalb Wochen in Namsos kennenlernte. Das war ja fast schon eine Familienzusammenführung.

Das Gelände, welches für die Zelter zugeteilt wurde, droht jetzt zu überfluten, und einen anderen Platz kann man uns nicht geben, meinte der junge Mann an der Rezeption. Circa 20 km entfernt sei auch ein schöner Campingplatz. Also haben wir in einem Hostel ein 4-Bett Zimmer gebucht. Und da sitze ich jetzt, schreibe meinen Blog, und warte darauf, dass sich alle geduscht haben um zum Essen zu gehen.

Schlafraum in der Jugenherberge

Sit in am Campingplatz von Tromsø

Muskelmann nach fast 7000 km auf dem Rad

Rit über die verschneiten Berge


Radfahren an den Fjorden


Rentier auf dem Fußgängerweg 

8.6.2017

Andenes – Fjordbotn Camping
Gestern Abend machten wir 4 noch einen kleinen Strandspaziergang, barfuß im Wasser, was man allerdings nicht lange aushalten kann. Bei gefühlten 4 Grad Wassertemperatur hat man das Gefühl, dass einem die Kälte direkt ins Hirn zieht.


Ich denke, man sollte nicht in Superlativen denken, aber heute warwirklich ein grandioser und auch sehr anstrengender Tag. Früh morgens um 6:45 Uhr war aufstehen angesagt, alles packen, und zwar in der richtigen Reihenfolge in die richtigen Taschen, dann eine schnellen Kaffee und auf ging es zur 4 Kilometer entfernten Fähre auf das Festland, auf die Halbinsel Senja. 

Oh Mann oh Mann, ist das schön hier, da stellt man sich die Frage, warum man das erleben darf. Auf der Fähre konnten wir nochmals einen Wal beobachten, bevor wir in einem Fjord anlegten, und zwar dem Gryllefjord. Dieses Panorama hier kann man nicht schöner malen – einmalig, bei Kaiserwetter und guten 20 Grad im Schatten. 

Wir, das sind die beiden Maschinenbaustudenten Christian und Jan-Lukas, genannt Luke und ich!

Auf dem Schiff trafen wir einen Schotten, der mit dem Motorrad unterwegs ist. Nach ein paar Kilometer auf dem Rad trafen  ihn auf einem Parkplatz wieder, und wir kamen ins Gespräch. Beruflich ist er Lokomotivführer, in diese Position hat sich hochgearbeitet. Geboren in Johannisburg in Südafrika, kämpften seine Eltern und auch er ums blanke Überleben. Seine Eltern und er bettelten in Südafrika. Er hat heute eine guten Job, und ist auf das Erreichte stolz – und auch zurecht! 

Von einem Fjord zum anderen, über die zum größten Teil noch tiefverschneiten Berge, war es heute richtig anstrengend. Wir sahen den größten Troll Norwegens und seinen Herrn, der ihn geschafffen hat.


So ungefähr 20 Kilometer vor unserem Ziel trafen wir dann auf einem Parkplatz ein spanisches Pärchen mit einem Wohnmobil aus Gran Canaria. Wir bekamen zu trinken und spanischen Schinken. Das ist doch eine Sache, nicht wahr?


Jetzt sind wir mit dem Essen fertig, das Zelt ist aufgebaut, und das Tagebuch geschrieben.

7.6.2017

Andenes

Der Campingplatz hat eine super schöne Lage, direkt am Meer. So könnte man sich die Karibik auch vorstellen. Die beiden Jungs, Christian und Jan-Lukas sowie Pia haben den Platz oben auf mit Blick zum Meer gewählt, ich im Tal, mit dem Vorteil weniger Wind zu bekommen. Die beiden Nachbarn zur Linken und zur Rechten haben mich freundlicherweise mit deutschem Bier und selbstgebranntem Birnenschnaps versorgt, was zu Folge hatte, dass mir um 1 Uhr nachts am Strand leicht schwindlig wurde. Ich bin es halt nicht mehr gewöhnt. 

Um 1 Uhr nachts standen Marco und ich am Strand und bestaunten die Mitternachtssonne in voller Größe. Dann kroch ich in meine Falle, und fiel in sofortigen Tiefschlaf. Um 8:45 Uhr nahmen mich Petra und Marco mit zur Wal Safari. Der Organisator garantiert, dass man Wale sehen kann, andernfalls bekommt man das Geld zurück. 

Zunächst wurden uns auf deutsch die verschiedenen Wale und ihre Lebensgewohnheiten erklärt, wir wurden aber auch mit den Folgen der Plastiktüten in den verschiedenen Weltmeeren konfrontiert. Die Tiere verenden ganz elend und verhungern qualvoll. Im Pazifik scheint es eine Fläche so groß wie Texas zu geben, die überquillt von Plastik.

Dann gingen wir auf das Schiff bei äußerst ruhiger See, denn der Wind war ablandig. 


Hoch oben im Korb sitzt der 92-jährige Vater des Kapitäns


Als wir den ersten Wal dann sahen, war die Aufregung bei den meist deutschen Teilnehmern groß. Ich möchte sagen, dass es schon eine emotionale Geschichte ist, wenn man den ersten Wal zu sehen bekommt. 



Diese Tiere blieben ganz ruhig als wir uns mit niedrigster Motordrehzahl näherten. Dieser Tag war für mich ein riesiges Erlebnis.


Nach der Safari habe ich mir noch eine komplette Kochausrüstung gekauft, sodass ich die nächsten Wochen in der Wildnis überstehen werde.

Morgen früh um 8:30 Uhr gehe ich auf die Fähre, um aufs Festland nach Grylleffjord zu kommen. Von dort aus habe ich noch ungefähr 150 km nach Tromsø. 

6.6.2017

Andøy Friluftssenter – Andenes

Rechts oben ist Hammerfest. 

Gestern habe ich 2 Maschinenbaustudenten mit dem Fahrrad begleitet, und hätten die beiden keine Rücksicht genommen, o hätte ich nicht mithalten können. Diese 40 Kilometer, die wir zu fahren hatten waren ein Klacks. Wir bauten unser Zelte auf, und Christian erbarmte sich meiner und meinem Fahrrad. Die Bremsbeläge waren am Ende. Alleine ohne die hilfsbereite Unterstützung hätte ich mich schon hart getan.


Dann kam auch noch Pia angereist, und wir waren zu viert. Sie trampt jetzt nach Tromsø in der gleichen Geschwindigkeit wie wir, und ist froh, glaube ich zumindest, immer wieder bekannte und vertraute Menschen zu treffen. 


Gegen 23 Uhr würde es unangenehm kalt, und ich kuschelte mich in meine Dackelgarage. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das meine bevorzugte Übernachtungsmöglichkeit ist. Nutzt aber nix. 

Heute früh um neun Uhr habe ich mir dann 2 Cappuccino gekauft, und dann ging es weiter nach Andenes, dem nördlichsten Ort auf den Inseln hier. Die 60 Kilometer hierher zum Campingplatz waren heute easy going, mit einem Rückenwind von 3 Windstärken macht das wirklich mal extrem Spaß. Es wurde heute immer wärmer, sodass ich schon am überlegen war, auf die kurze Hose zu wechseln. 

Der Campingplatz liegt direkt am Meer, man könnte meinen, man sei in der Karibik, einfach ein wunderbarer Ausblick.

Man sieht hier diese Parzellen, auf denen scheinbar Torf gewonnen wird, ich bin mir aber nicht sicher.

Als ich einen Landwirt bei der Bodenbearbeitung sah, blieb ich stehen, und fragte ich, was er hier den anbauen würde. Er sät sein Gras neu an, ansonsten wächst hier nichts mehr. Er ist Russe, sein Vater war deutscher Soldat, und er wurde von seinen Mitschülern immer als „deutscher Bandit“ bezeichnet. 


Landschaften, die mich einfach nur zum Staunen bringen

5.6.2017

Sortland – Andøy Friluftssenter

Ich habe heute mal grob meine Fahrstrecke zusammengerechnet, un bin auf ungefähr 6500 km und 33500 Höhenmeter gekommen. 
An Sonn- und Feiertagen sind hier auf den Inseln die Supermärkte zu, sodass man sich hier nichts zu essen kaufen kann. Also sind wir in den Ort gelatscht und haben uns eine Pizza in einem türkischen Lokal gekauft. Das Essen war gut, und auch günstig. Ich bekam endlich wieder mal ein Bier zu trinken, welch ein glücklicher Pfingstsonntag. Am Campingplatz lernten wir 2 Schweizer kennen, Agnes uns Jonny, es entwickelte sich eine nette Unterhaltung und dazu gab es Schweizer Bier aus Solothurn. Welch ein schöner Pfingstsonntag. Wir, das heißt Pia und ich hatten eine kleine Hütte gemietet, 10 Meter neben uns haben sich 2 Deutsche Maschinenbaustudenten mit ihren Zelten breit gemacht. Erst heute früh lernten wir sie kennen. Ich durfte mich Ihnen anschließen sodass ich heute beim Radfahren nicht alleine war. Mal wieder etwas Neues. Das Ziel, das Andøy Friluftssenter, ebenfalls ein Campingplatz mit aber leider exclusiven Hütten ist nur 40 km entfernt. Der nächste Campingplatz liegt von hier aus noch einmal 64 km im Norden in Richtung Andenes. 

Scheinbar soll es heute Nacht leicht regnen, ich hoffe, dass mir das erspart bleibt. Das ist unsere Zeltstadt. So verläuft jeder Tag anders, und diese einzigartige Reise bleibt cool und interessant. 


Ich werde heute mein Rad wieder auf Vordermann bringen, und die Bremsbeläge tauschen. 

Es ist natürlich ein Glück, wenn man 2 Maschinenbaustudenten kennenlernt, die da dem untalentierten Kaufmann zur Hand gehen. 

4.6.2017

Stokmarknes – Sortland


Als ich gestern an der Fähre stand, traf ich doch glatt Pia, eine junge Studentin aus Aachen, die ich Stansund in der Jugenherberge traf. Bis Andenes gibt es keine Jugenherbergen oder dergleichen, sodass wir vereinbarten miteinander eine Hütte zu mieten. Der Campingplatz öffnet am Dienstag offiziell seine Pforten. Der Bruder des Inhabers lud uns zum Essen ein. Nachdem er selbst aus Indien kommt, gab es indisches Essen vom Grill, mir hats gut geschmeckt, und der Typ und seine Familie waren sehr nett.

Um 11 Uhr waren wir müde und legten uns hin. Ich hab dann noch eine halbe Stunde gelesen. 

Heute früh startete ich erst gegen 11 Uhr, mit dem Ziel nach Sortland zu fahren. Das sind nur 30 km aber der nächste Campingplatz ist ewig weit entfernt. Ich möchte nicht das Risiko eingehen, heute hier in Norwegen wild zu campen, denn ich habe nichts zu Essen dabei. Auch hier sind heute und Morgen Feiertage, sodass alle Supermärkte geschlossen sind. 

Meine Planung hängt also ab, vom Wetter, den Windverhältnissen, den Unterkünften und natürlich auch von meiner Konstitution. Campen ist wirklich noch nicht ratsam, denn es ist in der Nacht – die es hier gar nicht gibt – schweinekalt. 


Bis zum Scheitelpunkt ist Schieben angesagt, denn ich hab Angst weggeblasen zu werden

Windstärke 5 war angesagt, das ist richtig heftig, und zwar bei maximal 7 Grad Celsius. Auf solche Verhältnisse bin ich wahrlich nicht eingestellt, denn der Wind fühlt richtig eiskalt an. Die Natur, die scheinbar 3 Wochen zu spät den Winter verjagt, schiebt im Moment Knospen und Blätter, die Berge sind schneebedeckt. Man könnte meinen in den französischen Alpen zu sein. 

Unglaublich dieser Ausblick nach Süden


Der Blick über den Fjord


Was für ein Panorama 

Und wenn man sich überlegt, dass sich die Welt in Bezug auf die Klimaerwärmung dramatisch verändern wird, weil der Mensch die Umwelt ignoriert, dann muss man bei dem Anblick dieses Schwachsinngigen aus den Staaten, namens Trump doch das blanke Kotzen bekommen. Was ich überhaupt nicht ausstehen kann ist Ignoranz!

Das muss doch mal gesagt werden!

So sehen zufriedene Menschen aus


Hurtigrute vor einer Wahnsinns Kulisse

3.06.2017

Kabelvåg – Stokmarknes


Es ist genau 18 Uhr, und ich bin gerade in Stockmarknes am Trollfjord angekommen. Gleich am Ortsanfang geht’s links weg zum Campingplatz, auf dem ich mir wohl wieder eine Hütte mieten werde. 

Bevor ich aber auf den heutigen Tag eingehen werde, möchte ich kurz auf den gestrigen Abend zurückblicken, der allerdings ruhig und unspektakulär zu Ende ging. Um 23 Uhr lag ich im Bett. Erst um 9 Uhr ging ich zum Frühstück. Das war sensationell gut, ein Buffet, das sich „Sie“ schreibt, mit allem was das Herz begehrt. Um 10:30 Uhr konnte ich mich dann endlich zur Weiterfahrt bewegen, natürlich gegen den Wind. Ich muss das wohl extra nicht erwähnen.

Die Fahrt entlang der Fjorde, eingerahmt durch diese schneebedeckten Bergen bringt mich immer wieder zum Staunen. Leider muss man hier jeden Fjord komplett umfahren, sodass man teilweise für 2 Kilometer Luftlinie 20 Kilometer zu radeln hat. Ich hatte noch nicht einmal eineinhalb Stunden hinter mir, als mich das Ehepaar aus Fürstenfeldbruck, Andrea, Jupp und der Hund Ben mit ihrem Wohnmobil überholten. Ich traf sie vor 6 oder 7 Tagen in Namsos am Campingplatz. 


Selfie ohne Gewerkschaftshund Labrador Ben

Dann ging es wieder weiter, mit durchschnittlich 12 km/h, immer weiter nach Norden. Auf einem Parkplatz erklärten mir dann noch 2 Österrreicher, dass es keine Fähre gäbe, sondern nur einen Tunnel unter dem Meer, der aber für Radfahrer gesperrte sein soll. 

Glücklicherweise hat sich die Geschichte nicht bewahrheitet.

 Bilder die einfach nur staunen lassen:

2.6.2017

Stamsund – Kabelvåg


Der Aufenthalt in der Jugenherberge war genau richtig, es waren super nette Leute da und ich konnte endlich meine muffligen Klamotten waschen. Die beiden Vorträge waren interessant und haben meine Englischkenntnisse geschärft. Ich hatte einfach einen ruhigen Tag, den man auch als partiell langweilig bezeichnen könnte. Aber das ist auch wichtig. Jeden Tag aufs Fahrrad, jeden Tag sich von neuem motivieren und sich über die Berge quälen, jeden Tag Kälte und Regen ertragen fordert die eine oder andere Auszeit und vielleicht aus Reconvaleszenz. 

Nachdem ich meine berühmten Schinkennudeln gekocht hatte, gingen wir zum Leuchtturm und genossen den Ausblick auf den Fjord und aufs Festland, bei einer nicht untergehenden Sonne. 

Wenn man das nicht gesehen hat, dann kann man sich nicht vorstellen, dass es 24 Stunden lang Tag ist. Im Winter allerdings ist 24 Stunden lang Nacht, das würde ich definitiv nicht aushalten. 


Als ich geraten dann vom Leuchtturm zurückkam tranken Robert, eine Brite, Sarah, eine Hübsche Amerikanerin und ich Tee, um dann um 24 Uhr auf den kleinen Berg zu gehen, von wo man tatsächlich die Sonne scheinen sieht. 

Heute früh kaufte ich mir ein Frühstück, trank 2 Tassen löslichen Kaffee, und verabschiedete mich von den noch Verbliebenen. Wieder ging es weiter bei strahlendem Sonnenschein nach Norden, dem Nordkap immer näher kommend. Unterwegs traf ich Landsleute aus Frankfurt an der Oder, die mir erzählten, dass sie von dieser Reise schon 25 Jahre träumen, und jetzt realisiert haben. Das ist die Freiheit, die diese Menschen in der DDR nicht hatten.

Kurzzeitig kam ein kurzer und auch leichter Eisregen, der mich nicht im entferntesten tangiert hat. Um 17 Uhr erreichte ich dann die Jugendherberge hier in Kabelvåg. 

Die nächsten Tage soll das Wetter einigermaßen gut bleiben, doch will ich es nicht verschreien. Ich bin nur noch 540 km Luftlinie vom Nordkap entfernt, das heißt wahrscheinlich 1000 km Straßen.

Angeblich ist das Wetter für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalt und nass, was mich natürlich unglaublich beruhigt.

Die Kirche Vågan in Kabelvåg aus dem 12. Jahrhundert vor einer imposanten tiefverschneiten Bergkulisse


Sandstrand am Fjord- kristallklares Wasser

1.6.2017

Stamsund auf den westlichen Lofoten


Seit ich in Norwegen bin, habe ich mit dem Wetter zu kämpfen, oder wie man das auch sagen mag. Ich habe mich schon darauf eingestellt, dass es sehr nass werden wird, allerdings hatte ich gemeint, dass sich das Wetter stündlich ändert. Soll auch so sein, aber halt nicht die letzten zweieinhalb Wochen. Wenn ich aber zurückdenke, dann habe ich in der Summe seit dem 17.März, seitdem ich in Sevilla gestartet bin, wirklich großes Glück gehabt, ich darf mich also nicht aufregen. Vorgestern war es unmöglich eine Unterkunft zu finden, die Jugendherberge war voll, die Hütten auf dem Campingplatz belegt, denn es ist hier die Fischsaison gestartet. Also entschied ich mich für die Hurtigrute. Das alte und äußerst stilvolle Postschiff hat mir Spaß gemacht, und wie schon gestern beschrieben, hat es nicht lange gedauert, dass ich in vieler Munde war. Es ist auch außergewöhnlich einen derartig Wahnsinnigen zu finden, der mit dem Rad durch Europa fährt.

In Bodø, gab es keine Interkunft unter 100€, sodass ich mich entschied, gleich mit dem Schiff auf die Lofoten, und zwar nach Stamsund zu fahren, wo ich in der Jugendherberge ein Bett fand. Dass hier das alljährliche Theater Festival stattfindet, wurde mir dann beim Essen erzählt. Also beschloss ich, hier zu bleiben, meine Wäsche zu waschen, und die eine oder andere Veranstaltung zu besuchen. In der Jugendherberge, dem „Stamsund Wandrerhjem“ übernachten wieder Menschen aus allen Herren Ländern, ob jung oder alt, damit meine ich nicht nur mich. 

In der örtlichen Bar gab es heute einen philosophischen Vortrag über Franz Kafka. Danach sprach Sandy Goldbeck-Wood über die Verbindung von Körper, Geist und Seele im Zusammenhang mit Poesie und Literatur. Ich musste mich da stark konzentrieren um den Worten folgen zu können, den beide Vorträge fanden in Englisch statt. 

Wer hätte das geglaubt, dass ich auf den Lofoten ein Theater Festival besuchen würde, und noch dazu Gefallen daran finden würde. Ich jedenfalls nicht. 

Jetzt gerade sitze ich in der Küche, schreibe den ersten Teil des Tagebuchs, und warte darauf, dass die Waschmaschine fertig wird. 

Die Wäsche ist zwar jetzt fertig, doch hat der Trockner vor mir oder meiner Wäsche kapituliert. Hoffentlich wird der Mist trocken. Stefan, ein junger Münchner und ich haben nun für das Abenddiner gemeinsam eingekauft. Er ist mit einem Gericht aus Nudeln auf gebratenem Schinken und glasierten Zweibeln einverstanden. 

Der Ort ist wunderbar gelegen, am Fuße eines Skigebietes und direkt am Meer. Die Menschen hier leben ausschließlich vom Fischfang und Tourismus. In meiner Jugendherberge bleiben die meisten hier länger, denn da kann man es schon aushalten. Es hatte heute tatsächlich nicht mehr als 4 – 5 Grad, das aber bei strahlendem Sonnenschein. Es scheint hier wirklich für diese Jahreszeit außerordentlich kalt zu sein. 

Wir werden jetzt dannauf das Festival gehen, denn da gibt es ab 10 Uhr Livemusik. Das ist der Wetterbericht für heute Nacht:


Man sollte die Uhrzeit beachten!

Noch ein paar Fotos von Stamsund:

Blick in Richtung Norden

Startphase einer Möve von hinten. „Jonathan Livingston Seagull“


Skigebiet auf den Lofoten – hatte dieses Jahr Probleme weil es scheinbar zu warm war!

Das zum Thema Erderwärmung Mr. Donald Trump.

31.5.2017

Hurtigrute – Sørvågen auf den Lofoten

Nach diesen gestrigen Irrwegen, Umwegen und Gegendenindwegen, einer Mahlzeit und einem Bier bei kurdischen Italiener in Rørvik kam um 21 Uhr endlich mein Schiff. Das Schiff ist die MS Lofoten, das älteste noch im Einsatz befindliche Hurtigrutenschiff. Die Passagiere, die ich hier kennengelernt habe, wollten nur mit diesem Schiff fahren, weil man hier noch das Gefühl hat, mit einem Postschiff unterwegs zu sein, und nicht mit einem Luxusdampfer. Und so ist. Ich buchte also nur die Fahrt, und verzichtete auf eine Kabine. Ich schlief auf einer der Sitzgarnituren in der Lounch – maximal 3 Stunden. Die Dame mit dem Staubsauger reduzierte ihren Arbeitseinsatz auf ein Minimum. 

Als ich das Fahrrad auf das Schiff schob, sprach mich sofort ein Fahrradfahrer aus Nürnberg an, der jetzt mit der Hurtigrute zum Nordkap fährt. Von dort aus geht es über die Atlantikrute nach Hause. Es spricht sich auf einem so kleinen Schiff schnell rum, dass ein vollkommen durchgeknallter Bayer – damit meine ich mich, wenn das irgendjemand nicht verstehen sollte – mit dem Fahrrad von Sevilla zum Nordkap fährt. 

Wie immer lernte ich eine Menge netter Menschen kennen. Um 2 Uhr früh gingen dann alle ins Bett, und ich machte es mir eben auf der Couch gemütlich. Um 7:32 Uhr stand ich Achtern auf dem Deck und fotographierte die Weltkugel als wir den Polarkreis querten. 


Immer wieder schneite es, die Berge waren oft in diesen Schneestürmen fast nicht mehr zu sehen. Da bin ich doch froh, meinem Gefühl gefolgt zu haben. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden dann die Willigen anlässlich der Überfahrt über den Polarkreis mit Eiswürfeln getauft. Darauf habe ich gerne verzichtet, das habe ich nun doch schon einige Male hinter mir, und wahrscheinlich auch vor mir.

In Bodø angekommen, bin ich sofort zur Touristeninformation um mich über ein Zimmer zu erkundigen. Alles unter 120 € pro Nacht war schon gebucht. Also habe ich beschlossen mit dem Schiff weiterzufahren, um dann auf den Lofoten zu bleiben. Scheinbar sieht es hier besser aus. In der Touristeninformation sagte man mir, dass es ungewöhnlich sei, wie ausgebucht momentan die Gegend ist.

Jetzt bin ich auf den Lofoten angekommen und es ist hier wie gemalen, oder wie es fast nicht schöner zu malen geht.