4.10.2017

Mestre – San Donà di Piave


Die längste Fährfahrt meine Fahrradreise ist endlich zu Ende. Von Montag Nacht, 23:59 Uhr bis Mittwoch früh 8:00 Uhr ohne Bett, mit vielleicht 6 oder 7 Stunden Schlaf sind jetzt überstanden. Zu dem, dass sowohl die Kabinen als auch die Ruhesitze ausgebucht waren, musste man sich auf den wenigen Couchen früh einen Platz sichern, um nicht am Boden liegen zu müssen. Diese Fähre war wirklich unter aller Kanone, ein schwimmendes Beispiel für die wirtschaftliche Depression Griechenlands. 

Direkt über meinem Schlafplatz befand sich der Schacht der Klimaanlage, die mir permanent das Gefühl gab, ich würde gerade mit 70 Sachen die Pisten des Hintertuxer Gletschers hinunter rasen. Warm anziehen war hier die Devise. Neben mir lagen rechts ein perfekt deutsch sprechender Französisch sprechender Friseur, der seit Jahren auf der griechischen Insel Leros sein Handwerk betreibt. Links von mir, Falk ein Regensburger Student und dann noch Sebastian, ein kroatischer Geographie Student, der in früh aussah, als wäre er Catweazle Junior. Also zum Lachen hatte ich genug. Dann natürlich Hans aus Göppingen, der 80-jährige Bruder unseres ehemaligen Werkstattleiters mit seiner Frau und ein Ehepaar aus Burghausen, mit denen ich den ganzen Nachmittag interessante und kontroverse Gespräche geführt habe. Es ging hauptsächlich um die Postion der AfD und deren Auftreten und Ziele.

So verging der Tag trotzdem wie im Fluge, welch Glück, und ich traf nette und interessante Menschen.

Heute früh um kurz nach 5 Uhr war ich wieder wach, ich war jetzt aber wie gerädert. Leider sind wir nicht an Venedig vorbei gefahren, darauf hatte ich mich schon gefreut, sondern haben im 10 Kilometer entfernten Hafen angelegt. Es wäre super schön gewesen, diese beeindruckende Stadt beim Sonnenaufgang fotografieren zu können. Nachdem ich keine Internetverbindung zu Stande brachte, weil mein Handy jetzt scheinbar den Geist aufgegeben hat, beschloss ich, mit dem Rad nach Mestre zu fahren. Begleitet wurde ich nun von Sebastian, der auch mit dem Fahrrad unterwegs ist. Zum Glück war er dabei, als ich wieder einen Plattfuß fuhr. In Mestre lud ich ihn zum Abschied auf einen Cappuccino ein, wir tauschten noch Email Adressen aus, und machten noch ein gemeinsames Foto. 

Auf der Superstrada 14 startete ich dann in Richtung Udine. Nach 50 Kilometer suchte ich mir jetzt eine Pension, weil ich das Gefühl hatte, beim Radeln im Sattel einzuschlafen. 

Zum Glück hat mir Tobias sein altes IPhone geliehen, weil ja mein Router seine Funktion aufgegeben hat, sodass ich meine SIM-Karte nun im anderen Handy habe. Jetzt habe ich wieder mobiles Internet, und die Welt ist wieder in Ordnung. Jetzt ist es wirklich an der Zeit, denn langsam geht alles kaputt. 

Der Router, das IPhone und selbst mein Standardobjektiv haben kapituliert. Die Kamera kann ich seit 4 Wochen nur noch mit dem Teleobjektiv benutzen, die anderen Aufnahmen mache ich jetzt mit dem IPhone.

Ich habe mir einen neuen Rucksack kaufen müssen, denn der Alte ist überall auseinander gefallen. Meine Jeans ist weitgehend verfault, und viel zu groß, sodass ich sie auch schon entsorgen musste. 

Das Wetter soll die nächsten Tage umschwenken, es soll kalt werden, und auf meiner geplanten Strecke soll es sogar zu schneien beginnen. Das ist mir jetzt aber wirklich vollkommen schnurzegal. Morgen werde ich mir dann, wenn ich in Udine angekommen bin den weiteren Weg überlegen.

Wie schön war das heute, als ich mein Mountainbike wieder unter meinen lädierten Arschbacken spüren durfte, und mir der Fahrtwind meine durchgestylte Frisur durcheinander brachte.

Morgen muss ich um die 100 Kilometer radeln, abends soll es gewittrig werden, also muss ich frühzeitig aufbrechen.

2 müde Fahrradkrieger beim Abschiedstrunk!

Schlafplatz an Bord der Fähre – für 2 Nächte!


Hans Hopf, seine Frau und ich!

3.10.2017

Adria

Pünktlich um Mitternacht legte die Fähre in Patras ab. Jetzt habe ich 32 Stunden auf der Fähre vor mir, 2 Nächte ohne Bett und mit relativ wenig Schlaf. Ich genehmigte mir noch 4 Bier, ließ mich umfallen und fiel in den Tiefschlaf, der um 07:30 Uhr durch das Personal jäh beendet wurde. 

Noch befänden wir ins in Sichtweite des Festlandes, doch das sollte schnell zu Ende sein. Als ich dann an Deck ging, kam ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, und nachdem sie mich fragten, woher ich käme, erzählte mir der Herr, dass sein Bruder in Regensburg in einem FIAT Autohaus als Meister gearbeitet habe. Dieser Meister war in unserer Firma Werkstattleiter und verstarb früh im Alter von 51 Jahren. Albin Hopf, so hieß er, ist einer meiner Wegbegleiter, ich kenne ihn seit meiner Geburt.

Ja, so saß ich heute den ganzen Tag oben auf Deck, bei strahlendem Sonnenschein und absoluter Windstille. Morgen früh um 7 werde ich in Mestre/Venedig ankommen, dann geht’s weiter.

Sonnenaufgang

2.10.2017

Patras

Ich habe mir diesen Tag heute ganz anders vorgestellt, obwohl ich natürlich wusste, dass es eher langweilig werden würde. Alle kulturellen Stätten, alle Museen und Ausgrabungsorte sind montags hier geschlossen. Jetzt sitze ich hier in der Fußgängerzone, trinke bereits den 2. Cappuccino. Erst nachts um 12 Uhr startet die Fähre, die wahrscheinlich genauso langweilig sein wird. 2 Nächte kommen jetzt auf mich zu, in denen ich kein Bett sehen werde. Ich sollte das natürlich überstehen, keine Frage. So werde ich jetzt die Zeit nutzen, um ein kleines Resümee meiner Reise zu ziehen. 

Und diese Reise ging los, als ich vor 2 Jahren beschloss, mit meinem alten Mountainbike nach Santiago de Compostela zu radeln. Warum ich gerade dahin fahren wollte, warum ich eine Fahrradtour machen wollte, ganz allein, war die Frage meines Umfelds und meiner Freunde. 

Ich wollte allein sein, ich wollte mich wieder einigermaßen fit machen und vielleicht auch nachdenken. Die Gelegenheit nutzen mein Leben zu verändern? Ja, sicherlich auch ein Ansatz, den ich für mich allerdings nicht so definierte.

Noch in Deutschland, am Donauradweg traf ich einen Schweizer mit seinem Fahrrad. Er erzählte mir, dass es europäische Fernradwege gäbe, unter anderem den Atlantikküstenweg, Eurovelo 1, und den Iron Curtain Trail, den Weg der Geschichte der Trennung Europas, Eurovelo 13. 

Dieser sympathische Schweizer infizierte mich mit diesem Gedanken, den ich nicht mehr los wurde. Letztes Jahr machte ich wieder eine Reise mit dem Rad. Ich flog nach Faro an die Algarve, wo ich mich mit Michael Mengel traf, um von dort aus den portugiesischen Jakobsweg zu fahren. Sein Tod vor 2 Wochen hat mich sehr getroffen.

Von Santiago de Compostela aus, fuhr ich dann nach Hause, über den Camino frances, dem sagen wir klassischen Jakobsweg, und dann auf dem Eurovelo 6. Dieser Weg beginnt am Atlantik und endet am Schwarzen Meer. 

Wieder machte es mir furchtbaren Spaß mit dem Fahrrad zu verreisen, Land und Leute kennen zu lernen, einfach das Leben intensiv zu spüren. Als ich dann wieder zuhause war, war es vollkommen klar, dass ich jetzt weitermachen müsse, dass ich 2017 aufbrechen müsse, um Europa zu umrunden. Was für eine verrückte Idee, das ist mir schon klar, aber ich war mir sicher, dass ich das schaffen würde. Es geht ja nicht hauptsächlich um den körperlichen Aspekt, es geht mehr um das Durchhaltevermögen, um die Geduld, die man aufbringen muss, um die tägliche Überwindung des inneren Schweinehunds, den Gefahren zu trotzen, und natürlich nicht in der Einsamkeit zu verkümmern,  wie eine nicht gegossene Pflanze. 

Man muss sich diesen Herausforderungen stellen, und auf die Menschen, die man trifft, zugehen, man muss sich öffnen. Das ist für mich aber sicherlich kein Problem, weil ich offenherzig auf die Menschen, gleich welcher Couleur, Herkunft oder Schulbildung zugehe. Das ist aber nicht immer einfach, wenn ich an Serbien denke, oder gar Bulgarien denke, in diesen furchtbar armen Ländern. Das ist für mich auch nicht einfach. Mit einem Lächeln auf den Lippen hat man aber die Chance, andere Menschen für sich zu gewinnen. So gesehen, wurde ich überall mit offenen Händen empfangen und verspürte eine unglaubliche Sympathie, die mir entgegen gebracht wurde, und zwar überall. 

Als ich am 17. März in Sevilla am Flughafen ankam, nahm ich erstmals wahr, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Auf einmal realisierte ich, welche gewaltige Strecke nun vor mir liegen würde. Das ist doch irre, was ich mir da in den Kopf gesetzt habe, waren meine Gedanken. Jeden Tag musste ich mich aufs Neue motivieren und einfach weiterfahren, Interesse an der Landschaft, der Architektur, der Geschichte aber ganz besonders Interesse an den Menschen zeigen, die mir über den Weg gelaufen sind. 

In Spanien auf der Via de la Plata und dem Camino frances, durch Frankreich an der Atlantikküste hoch bis in die Bretagne, Südengland, Wales und dann mit der Fähre nach Irland. Ich kannte weder England noch Wales, geschweige denn Irland, und war in der Lage mich für diese Länder zu begeistern. Die Highlands in Schottland, ein landschaftlicher Genuss waren dann allerdings ein Abklatsch gegen Norwegen, obwohl es dort anfangs nur regnete. Hier galt es, den Kampf gegen Wind und Wetter aufzunehmen, gegen Regen und Schnee. Verzweiflung oder Gedanken zum Abbruch der Reise kamen allerdings nie auf. Als das Wetter mal richtig schlecht wurde, habe ich mich für die Hurtigrute entschieden. Das waren sicherlich 500 Kilometer mit dem ältesten Postschiff auf der Hurtigrute, der MS Lofoten. Ab Stamsund auf den Lofoten war das Wetter genial, ab da stieg ich auf das Zelt um. Denn Norwegen ist für uns Deutsche richtig teuer, Schnäppchen sehen anders aus. Dennoch ein wahnsinniges Erlebnis. 

Dann kam Finnland, ein Wettersturz, Regen und Schneeregen und das um den 20.Juni, circa 1500 Kilometer durch die finnischen Wälder und Seen, und je südlicher ich kam, würde es nicht nur wärmer, sondern die Moskitos fielen geradezu über mich her. Einsamkeit ist ein finnisches Substantiv. 

Das Baltikum ist einfach auch nur sehenswert, sowohl landschaftlich als auch kulturell und geschichtlich. Diese Länder mit dem Fahrrad langsam zu „erfahren“ kann ich nur jedem empfehlen. Polen, die Masuren, Danzig und die Ostsee, das muss man gesehen haben, und der Ruf der Polen ist weit schlechter als es tatsächlich der Fall ist. 

MEntlang der deutsch-polnischen Grenze ging es nach Görlitz und Zittau, dann kam Dresden, Prag und Regensburg, tolle Radwege, wunderbare Landschaften und hervorragendes Essen. Unser deutsches Brot, eine deutsche Wurst, was gibt’s denn Besseres?

Je weiter es in den Süden ging, umso ärmer sind die Menschen. Städte wie Belgrad oder Sofia waren für mich ein Grauen. Die Roma wohnen, vielmehr hausen sie in Slums ohne Kanalisation – und das mitten in Europa. Wenn man da den Menschen in die Augen sieht, dann sieht man das Spiegelbild von Chancenlosigkeit in unserer Gesellschaft. Generationen wird es wohl dauern, bis diese Menschen den Anschluss gefunden haben, denn sie gehörten immer schon zur untersten Kaste. 

Griechenland kämpft immer noch mit der Pleite, sie hassen eher Schäuble als Merkel, wissen aber um die Ursache ihre wirtschaftlichen und finanziellen Probleme. 

Und wir Bayern sind die Freund der Griechen! 

Ende nächster Woche werde ich wieder zuhause sein, schon jetzt mache ich mir Gedanken, was ich nach diesem Trip noch anstellen werde. 

1.10.2017

Selianitika – Patras


Das hilft nichts, ich muss mich mit dem Gedanken vertraut machen, dass diese Reise bald zu Ende ist. Damit endet nicht nur diese Fahrradtour, es endet wohl auch die Freiheit, und der Sommer. Denn am Mittwoch früh werde ich im herbstlichen Venedig ankommen, und dann über die Alpen nach Hause treten. Die Planung der letzten Tage war vielleicht nicht gerade optimal, denn optimal wäre es gewesen, wenn ich morgen pünktlich zur Abreise in Patras angekommen wäre. Doch die letzten Tage war ich flott unterwegs, heute sogar mit einem flotten Rückenwind, den ich mir oftmals herbeigesehnt hatte. Das waren heute 36 Kilometer, also nicht der Rede wert. 

Das gestrige Hotel war hervorragend, genauso gut wie der frische Fisch, den ich direkt vom Grill serviert bekam. Heute früh konnte ich mir richtig Zeit lassen, das ist natürlich absoluter Blödsinn, denn ich könnte mir immer Zeit lassen. Das Wetter, das sich die letzten Tage eher kühl und regnerisch präsentierte, zeigte sich heute von seiner sympathischten Seite, und das ist weiß-blau! Die Bars, Cafés und Restaurants waren heute proppenvoll, die Griechen und die wenigen Touristen konnten richtig abchillen. 

Kurz vor der den Peleponnes und das Festland verbindenden 2,7 Kilometer langen Brücke wurde noch ein Volkslauf veranstaltet, bis ich in dieser alten Klosterruine ankam. Dort traf ich ein weißrussisches Ehepaar, und bat sie, von mir ein Foto zu machen. 

Weiter ging es die letzten 8 oder 9 Kilometer nach Patras. Dort fand ich sofort mein schon gestern gebuchtes Hotel. 

Ja, jetzt sitze ich in der Fußgängerzone bei einem griechischen Radler, schreibe das Tagebuch, und werde mir gleich ein Restaurant zum Essen suchen. Morgen heißt es mal richtig ausschlafen, wenns geht, die Stadz erkunden und dann am Hafen einchecken. Die Fähre habe ich schon gebucht.

Orthodoxe Kindstaufe mit weltlichen Gaben vor der Kirche 

Brücke vom Peleponnes zum Festland 


Bayerisch-weißrussische Begegnung vor dem alten Kloster

30.09.2017

Korinth – Selianitika


Nachdem ich gestern in Korinth geschlafen habe, und mir deshalb die Geschichte Korinths in Wikipedia durchgelesen habe, was ich immer mache, bin ich per Zufall auf den Ausdruck Korinthenkacker gekommen. Ich möchte das nun mal klarstellen, dass die sogenannten Korinthenkacker nicht die Menschen sind, die am Isthmus von Korinth versuchen, in den 75 Meter tiefer liegenden Kanal…den Rest kann man sich ja mal denken. Nein, natürlich nicht, sondern die Korinthenkacker sind ganz besonders pedantische Menschen, Erbsenzählen oder „Dipferlscheisser“. Die Korinthen sind tatsächlich die kleinste Rosinenart. Jetzt sollte diese Begrifflichkeit geklärt sein!

Gestern Abend habe ich noch einen kleinen Spaziergang in Korinth gemacht. Die Fußgängerzone in der Innenstadt von Korinth ist tatsächlich schön anzusehen, und hier spielt sich das Leben ab. Schönen Läden und auch moderne Bars und Restaurants laden förmlich zum Besuch ein. 

Nachdem mein Schiff am Montag Nachts in Patras erst ablegt, habe ich für diese noch verbleibenden restlichen 150 Kilometer alle Zeit der Welt. Leider habe ich mir aber ein frühes Bettgehen aber auch Aufstehen angewöhnt, sodass ich kurz nach 6 Uhr schon hellwach war. Trotzdem bin ich erst um 9 Uhr losgefahren. Dummerweise fing es kurz danach zu regnen an, sodass ich mir in einer Bar einen Cappuccino zu Überbrückung genehmigte. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei. Dann ging’s weiter, und jetzt wurde ich erst richtig nass. Es begann nämlich wieder leicht zu regnen. Das Spritzwasser des Hinterrades weichte dann selbst den Rest meines Haupthaars ein, mangels Schutzblech natürlich. Den ganzen Tag ging es an der Küste entlang, von einem Fischerdorf ins andere. Die Gegend scheint nahezu ausgestorben zu sein, der Rest der hier verbleibenden Menschen ist dabei alles einzuwintern. Ich möchte sagen, das sieht zum Teil trostlos aus. Unterwegs traf ich dann ein Pärchen, Mario aus Argentinien und Fanny aus Frankreich mit ihrer 2 Jahre alten Tochter. Beide fahren mit Anhänger, Mario mit der Tochter und Fanny mit dem Gepäck. Seit Juli sind sie schon unterwegs um die Welt kennen zu lernen. Er fragte mich, was ich davon halten würde, wenn sie mit den Fahrrädern durch Tunesien, Algerien dann nach Marokko fahren würden, ob das gefährlich sei. Nun, ich kann das natürlich nicht beantworten, ich jedenfalls, ja ich kann mir vorstellen, das zu riskieren. Ohne Selbstvertrauen scheitert man doch mit absoluter Sicherheit, mit zuviel allerdings auch, dann eher menschlich. 

So habe ich heute in der Tat 100 Kilometer zurück gelegt, mit einem Schnitt von 19 km/h. Morgen verbleiben noch knappe 40 Kilometer bis Patras. Der Montag wird wohl eher langweilig werden. Wenn es geht werde ich mich einer Sightseeing Tour anschließen, eventuell nach Olympia oder Sparta. Das werde ich morgen abchecken. Mittwoch früh werde ich in Venedig ankommen. Dann geht’s langsam nach Hause!

Läufer am Spartathlon Lauf über eine Strecke von 250 Kilometer 

Frühmorgens vom Hotelzimmer aus

Küstenregion am nördlichen Peloponnes 

Der Fels in der Brandung

29.09.2017

Athen – Korinth


So, es ist wieder einmal vollbracht, das Tagwerk des Fahrradaktivisten Alois Weger, und die Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Athen liegt nun mehr als 80 Kilometer hinter mir, und ich bin froh, dass ich diesen Moloch von Stadt unbeschadet verlassen konnte. Der Großraum Athen mit seinen Vororten beherbergt insgesamt 3,7 Mio Menschen. Schon und den 70er Jahren wurden Maßnahmen zur Verringerung der Schadstoffbelastung der Luft beschlossen, was aber relativ wenig gebracht hat. Ich habe gestern nur einen einzigen Fahrradfahrer in Athen gesehen. Die Luft ist derartig schlecht, dass ich gestern wahrscheinlich mehr Schadstoffe eingeatmet habe, als in meiner gesamten bisherigen Reise. Das ist schade, denn die Stadt hat ja kulturell sehr sehr viel zu bieten. 

Nach dem Frühstück packte ich heute um 9 Uhr mein Radl, und rockte die Stadt, vom Zentrum nach Piräus und weiter auf die Insel von Salamis. Und ich möchte mal sagen, das war der richtige Weg. Es gibt keine Fahrradwege hier in Griechenland, zumindest habe ich keinen einzigen gesehen. Man muss verdammt aufpassen, nicht vom Fahrrad geholt zu werden. Teilweise hupen die Griechen um den Überholvorgang anzukündigen, allerdings erschrickt man da schon das eine oder andere Mal. Nicht nur die Autos oder die LKW’s sind eine Gefahr, sondern natürlich die Schlaglöcher, die Bordsteine oder auch defekte Kanaldeckel sind für den Fahrradfahrer eine latente Gefahr. Ganz zu schweigen von diesen streuenden Hunden. 

Ich glaube, dass man als Radfahrer aus der Sicht der Griechen gleichzusetzen ist mit Astronauten…oder so…

Die erste Fähre kostete mich heute einen Euro, die zweite Fähre dann 70 Cent. Jedenfalls musste ich dann, wie schon die letzten Tage entlang der Autobahn, auf der „alten“ Nationalstraße radeln bis ich dann über den „Isthmus von Korinth“ fahren, einem Kanal, der den Peleponnes mit dem griechischen Festland verbindet. Ich war zwar schon mal hier, doch vom Fahrrad aus, hat man eine andere Sichtweise. 75 Meter über dem Kanal ist die Brücke. Dieser Kanal ist ein wahrhaftes Meisterwerk der Ingenieurskunst.

Vor vielen Jahren haben mir die Griechen erklärt, dass sie ein ganz besonderes Verhältnis zu uns Bayern hätten, weil wir unseren Prinz Otto von Bayern, den Sohn von König Ludwig I. nach Griechenland schickten, um sich dort zu verehelichen. Er brachte den Griechen nicht nur frisches Blut, sondern auch die weiß-blauen Farben und das Reinheitsgebot. Er war der erste König von Griechenland. Der 2. König von Griechenland, übrigens kein Bayer war Otto von Rehhagel, nachdem er mit der griechischen Nationalmannschaft Europameister wurde.

Ich werde wohl übermorgen in Patras ankommen, allerdings geht die Fähre erst am Montag nachts kurz vor 12 Uhr. 

Hafenkräne von Piräus


Sturm an der Fähre – man betrachte die Fahne!

Der Isthmus von Korinth!



Einer von zwei großen und aggressiven Hunden in der Wartestellung!


Fischerboot im Hafen von Korinth

28.09.2017

Thiva – Athen


Der gestrige Tag endete mit einem ordentlichen Gewitter, das so stark war, dass in Thiva für 2 Stunden der Strom ausfiel. Im Hotel gab es nur schummriges Kerzenlicht, in meinem Zimmer hatte ich ja meine Stirnlampe. Internetverbindung bekam ich übers Handy, sodass ich diese üble Niederlage der Bayern auf Bayern 5 mitverfolgen konnte. Heute früh, als ich zahlen wollte, verabschiedete sich das Kreditkarten Lesegerät, sodass ich meine letzten Barschaften abgeben musste. Dann packte ich meinen Drahtesel, und machte mich auf nach Athen. Es sollten ja nur noch 71 Kilometer sein. Nach 12 Kilometern kam ich in einen relativ großen Ort, und wollte am Bankomaten Geld ziehen. Der war defekt, man erklärte mir, dass es ein Kommunikationsproblem gäbe, bedingt durch dieses starke Gewitter.

Dann begann es leicht zu regnen, und diese schwarzen Gewitterwolken kamen bedrohlich näher. Ich brauchte nicht lange nachzudenken, ich kehrte nun einfach um, fuhr zurück nach Thiva, wurde komplett abgeschifft, kaufte mir ein Bahnticket, und fuhr mit dem Zug nach Athen. 

1981 war das erste Mal dass ich in Griechenland war. Mit 2 Freunden bin ich mit dem Auto von Regensburg über den sagenhaften Autoput durch Jugoslawien nach Griechenland gefahren. Seitdem war ich dann noch einmal hier, ich meine es wird wohl 1985 gewesen sein. Ich habe den Eindruck, dass sich nichts geändert habe. Natürlich hat sich was geändert, keine Frage, Athen selbst ist aber ein Moloch geblieben. Als ich das 2. Mal mit dem Rucksack durch die Altstadt von Athen stiefelte, waren die Luft derartig versmogt und auch heiß, dass ich mich damals in eine kleine orthodoxe Kirche flüchtete, um mich hinsetzen zu können. Die Luft ist nicht besser geworden, da bin ich hundertprozentig sicher. 

Ich bin jetzt seit 13 Uhr in Athen unterwegs, zuerst natürlich mit dem Fahrrad und jetzt zu Fuß. Ich bin froh, wenn ich morgen die Stadt verlassen habe, denn das ist mir einfach Zuviel. Übrigens habe ich nur einen Radfahrer gesehen – in 4 Stunden……

Als erstes bin ich mit dem Fahrrad auf die Akropolis geradelt. Dort habe ich mich mit den Damen am Eingang unterhalten, ihnen natürlich von meinem Trip erzählt, sodass ich kostenlosen Eintritt bekam. Leider durfte ich nicht mit dem Fahrrad hoch zum Parthenon, dem Tempel der Göttin Pallas Athen, das hätte mir noch gefallen, von dort ein paar Aufnahmen mit nach Hause nehmen zu können. 

Und jetzt sitze ich im Hardrock Café von Athen und genieße den Tag, denn hier scheint die Sonne. 

Es ist mir gelungen, allerdings inklusive der Zuhilfenahme von Bahn und Bus, von Sevilla in Spanien, über Südengland, Irland, Schottland zum Nordkap zu radeln und ich mag es selber gar nicht glauben von dort über Finnland nach Athen gekommen zu sein.

Schlicht und ergreifend ist das ein Wahnsinn!

Jetzt werde ich mich langsam auf die Rückreise einstellen. Morgen soll das Wetter wieder mitspielen, dann geht’s weiter Richtung Korinth und Patras. 

Verkehrschaos in Athen

Geschafft…

Touristen beim Rasten

Am Eingang…


Alois vor dem Parthenon – das Jungfrauengemach

27.09.2017

Agiokampos – Thiva


Gerade noch 70 Kilometer sind es noch nach Athen. Denn heute bin ich wieder gute 100 Kilometer geradelt, gestern waren es ja ungefähr 120 Kilometer. Und das bei diesem wechselhaften Wind und den schwülwarmen Temperaturen.

Gestern habe ich mit dem Besitzer der Pension vereinbart, dass ich 7:30 Uhr zum Frühstücken kommen wolle. Ok, meinte er, dachte sich, der kann mich mal, kassierte, und kam dann heute nicht. Die Saison ist beendet, was soll’s? Nach 15 Minuten des Wartens, bin ich dann einfach los gezogen, und dachte mir, der kann sein Frühstück jetzt selber essen..

Griechenland ist ein bergiges Land, und das bekam ich auch wieder zu spüren. Und auf Fahrradfahrer sind die Griechen definitiv nicht programmiert. Rechts und links der hiesigen Autobahnen, verlaufen eben parallel die Nationalstraßen, auf denen ich mich bewege. Hier ist praktisch kein Verkehr, allerdings nervt halt die Lautstärke der Autobahn. Ich fahre jetzt übrigens mehr in der Mitte, um die Dörner, die meine Reifen zerschneiden, zu vermeiden. Mittags, als ich mir einen Kaffee und ein Cola gönnen wollte, würde ich dann von ein paar Griechen angesprochen, dass ich ein typisch deutsches Aussehen hätte. Die waren nicht nur total nett, sondern auch lustig. Die beiden leben nun schon seit 1961 in Deutschland, sind aber jetzt in der Rente meistens in der Heimat. 

Alle Griechen in der Taverne sagten mir, ich solle links der Autobahn fahren, das wäre der beste Weg. „Ja, mi leckst am Arsch“, die sind wahrscheinlich noch nie mit einem Fahrrad unterwegs gewesen. 400 Meter musste ich auf einem Pfad der nur einen Meter breit war schieben, wobei es links 50 Meter fast senkrecht bergab ging. Ich musste jetzt vorsichtig werden.


Immer cool bleiben, redete ich mir ein, ohne zu wissen wie es dann weiter gehen wird. Und es wurde nun richtig lustig, denn die alte Straße endete vor einem nieder gedrücktem Zaun. Jenseits dieses Zauns ist die Autobahn.  Durch diese Lücke schob ich nun mein Rad. Dann ging es weiter auf einem 500 Meter langem Pfad, der final vor einem Zaun endete. Soll ich jetzt die 15 Kilometer zurück schieben und radeln? Nein, ich warf der Reihe nach zuerst das Fahrrad, dann meine beiden Satteltaschen und meinen Rucksack über den Zaun, und dann mich! 


Über diesen Zaun musste ich nun drüber!

So hatte ich heute wieder einen spannenden Tag, abgesehen von den Hunden, die mich wieder attackierten. Jeder Tag birgt ein neues Abenteuer, aber immer die gleiche Realität. Nach genau 100,5 Kilometern bin ich nun in Thiva angekommen. Wieder habe ich über Booking.com buchen müssen, denn hier im Landesinneren ist die Zimmersuche doch relativ schwierig, und deshalb auch relativ teuer. Als ich heute früh auf die Fähre wartete, sah ich 2 Radfahrer mit Gepäck an mir vorbeifahren, das waren die ersten, die ich sah. Griechenland hat jedenfalls das Fahrradfahren noch nicht entdeckt. Das merkt man auch daran, dass ich bis jetzt noch keinen einzigen Fahrradweg gesehen habe.

Die Landschaft ist grandios, und die Menschen ebenfalls, obwohl man sicherlich aufpassen muss nicht über den Tisch gezogen zu werden. Noch ein paar Bilder, um einen kleinen Eindruck zu vermitteln – ohne weiteren Kommentar!

26.09.2017

Larisa – Agiokampos auf der Insel Euböa

Wieder ein wunderbarer Artikel von „Helmut Emmeram Wanner“ in der Mittelbayerischen Zeitung!

Wie schon berichtet, war der gestrige Tag, aufgrund meines neuerlichen Plattfußes eher suboptimal, allerdings muss man schlicht und ergreifend immer damit rechnen, dass irgendetwas zu Bruch gehen wird. Ja, so bin ich halt in Larisa geblieben, hab mir abends noch 3 Bier gekauft. Schon um 10 Uhr bin ich ins Bett, denn heute wollte ich dann frühzeitig starten, was mir auch gelungen ist. 

Um 8 Uhr saß ich dann wieder auf meinem Bock, weiterhin in Richtung Athen, in den Süden. Es war relativ frisch, aber warm genug, kurzärmlig und mit einer Softshell Weste zu radeln. Um 13 Uhr waren dann 60 Kilometer hinter mir, ich war also voll im Plan. Oft ging es direkt an der Autobahn entlang, bergauf und bergab, bis ich plötzlich feststellen musste, dass jetzt die Teerstrasse zu Ende ist. Als ich dann noch 6 oder 7 große Köter in 50 Meter Entfernung auf der Straße stehen sah, wurde mir ganz anders. Ich kam mir jetzt vor, wie in dem Klassiker „High Noon“. Langsam drehte ich mich mit meinem Fahrrad um, und fing an die Flucht zu ergreifen, was diese Hunde auf die Idee brachte nun bellend zu attackieren. Das Adrenalin begann jetzt zu wirken, ich fuhr wie ein Wahnsinniger den kurzen Berg hoch und war da dann endlich in Sicherheit. Was geht denn hier ab? Ao etwas habe ich noch nicht erlebt. 

Schließlich habe ich nach genau 115 Kilometer mein Ziel, den Fischerort Glifa, erreicht. Von dort wollte ich dann, eben morgen auf die Insel fahren. Nachdem die Fähre abfahrtbereit da stand, habe ich mich entschlossen, jetzt schon rüber zu fahren, sodass ich mich morgen früh nach keinem Zeitplan richten muss. Jetzt sitze ich in einem schönen kleinen verschlafenen Fischerort, hier sind keine Touristen, und die Kommunikation ist jetzt etwas schwieriger. Die Saison ist jetzt einfach zu Ende. 

Ich traute heute meinen Augen nicht, als ich vermeindliche Baumwollpflücker fahren sah, und dann auch diese Baumwollfelder entdeckte. Für den einen oder anderen mag das ja nichts besonderes sein, ich hab das noch nie gesehen, und dadurch nicht gewusst, dass in Griechenland Baumwolle angepflanzt wird. 

In einer kleinen Pension fand ich ein preiswertes Zimmer. 

Am Freitag Mittag möchte ich in Athen ankommen, das ist mein Ziel.

Fähre auf die 2. größte Insel Griechenlands, auf Euböä

Idylle

Durch die Berge

Stoppelbehandlung durch Feuerbrunst – wie bei uns in den 70er Jahren


Baumwolle


Könnte wilder Hopfen sein? 

25.09.2017

Platamonas – Larisa

Nach einem ausgiebigen Frühstück startete ich wieder mit meinem MTB mit dem Ziel mittags in Larisa anzukommen. Das sollten ungefähr gute 50 Kilometer werden. Alles lief gut, das Wetter passte auch, und dann ging mir vorne wieder mal die Luft aus. Ich hatte ja vorgehabt, in Larisa eines der Fahrradgeschäft aufzusuchen, um mir 2 neue Fahrradschläuche zu kaufen, und ein Reparturset. Der Plan ging natürlich nicht auf, denn 13 Kilometer vor Larisa musste ich an einer Raststelle stoppen.

Plattfuß!

Den Junior fragte ich ob sie ein Reparaturset hätten. Nein, natürlich nicht. Ja, was soll ich jetzt tun? Ich fand dann in meinem Reifen einen Dorn, und zog ihn heraus, was mir für den Moment nichts brachte. Der junge Grieche meinte, ich solle zuerst mal einen Kaffee trinken, und er würde nachdenken. Nach einer Stunde brachte mich sein Vater in die nächste Reifenwerkstatt, wo mir dann der nächste Grieche half. Er sagte gleich, ich müsse das selber machen, den er habe mit Fahrrädern keine Erfahrung. Ja, nach getaner Arbeit war ich wieder startklar. In Larisa fuhr ich dann ins Fahrradgeschäft und kaufte mir nochmals 2 Schläuche und ein Reparaturset. 

Allerdings wollte ich noch weiterfahren, doch auf den nächsten 67 Kilometern gibt es wieder mal keine Übernachtungsmöglickeit. Das bedeutete, dass ich hier bleiben musste, denn das hätte ich heute nicht mehr geschafft.

Es ist jetzt 17 Uhr, ich schreibe mein Tagebuch, und stelle mir gleichzeitig die Frage, welche Auswirkungen die gestrige Wahl auf unsere Zukunft haben wird – innenpolitisch und außenpolitisch! Und ich erschrecke bei dem Gedanken, dass Leute wie dieser Gauland ab jetzt im Bundestag sitzen wird. Die Politik in Deutschland und der EU benötigt dringend eine drastische Erneuerung. Als ich mir heute an einer Tankstelle ein Cola kaufte, kam ich mit einem französischen Ehepaar ins Gespräch. Sie schoben alle Probleme der Franzosen und er EU auf Angela Merkel, die aus ihrer Sicht, nur für Deutschland arbeiten würde. Deshalb meinten sie, dass die EU bald zerbrechen wird. Ganz egal, von welcher Seite man das alles betrachtet, das Problem ist die mangelnde Transparenz der europäischen Politik, und die unglaubliche Bürokratie. Es ist höchste Eisenbahn für die Erneuerung!

In der Politik fehlt es heute an Charakteren, wie Wehner und Strauss, um nur 2 zu nennen. Die Politik besteht heut aus professionellen Nichtssagern und und studierten Stimmensuchern. 

Cappuccino und Bier in einem Café in Larisa!

Der thessalische Talkessel


Bergziegen beim Steine sammeln…oder so!