2. Juni 2019

Ich habe mich mal wieder in Gedanken verloren. Und wenn ich mich nicht wiederfinde, werde ich wohl eine Suchanzeige aufgeben müssen.

© Willy Meurer

(1934 – 2018), deutsch-kanadischer Kaufmann, Aphoristiker und Publizist, M.H.R. (Member of the Human Race), Toronto

So ging es mir heute den ganzen Tag, Einfach bloß Radfahren, und Gedanken verlieren. Und wenn sie verloren sind, nicht suchen. Einzig, ich habe mit heute mein Ziel ausgesucht, nämlich die Stadt Civitavecchia. Anfangs lief es ohne Wind ganz gut, um 12 Uhr hatte ich trotz einiger Pausen 50 Kilometer zurückgelegt, und war schon am Überlegen, ob ich nicht weiterfahren sollte. Dann aber frischte der Wind auf, und es wurde richtig heiß. Also suchte ich mir über booking.com eine Bleibe.

Zu dieser Stadt gibt es nicht allzu viel zu sagen, außer dass es hier eine von Michelangelo mit gestaltete Burg. Nach ihm ist sie auch benannt.

Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen, weil Civitavecchia im Krieg durch die Alliierten in Schutt und Asche gelegt wurde, obwohl diese Stadt in der Hand des Widerstandes war. 4 schwimmende Städte haben hier angelegt, und machen mit Bussen ihre Exkursionen.

Heute ist in Italien Nationalfeiertag, und scheinbar ist jeder unterwegs beim Feiern.

Nachdem ich alle Gedanken verloren habe, fällt mir für den heutigen Tag nichts mehr ein, nicht einmal kontrollierter Blödsinn!

 

 

 

Die Burg Michelangelo, nur für Militär zugänglich!

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Mein heutiger Trip!

 

1. Juni 2019

Es ist ein interessanter Tag heute, denn mir wurde gestern Abend ein Flo ins Ohr gesetzt, und zwar von einem alten Wegbegleiter, der mit gestern einen Aphorismus von Seneca, einem römischen Philosophen gepostet hat.

De brevitate vitae

Nachdem ich meine Lateinkenntnisse ausschließlich aus den Comics von Asterix und Obelix kenne, musste ich diese Lebensweisheit erst einmal googeln.

Zusammenfassend geht es darum, dass das Leben nicht zu kurz sei, der schlechte Gebrauch mache es erst kurz.

Auszug aus Wikipedia:

Die Geschäftigen verlieren ihr Leben auf der Jagd nach der Befriedigung von sinnlichen Begierden oder in Gier und Ehrgeiz. Der Träge nimmt in seiner Tatenlosigkeit den Tod vorweg. Wer in Muße philosophiert, lebt. Dieses richtige Leben ist, was auch immer seine Zeitspanne sein mag, lang genug.

Seit dem 20.4. bin ich mit dem Rad unterwegs, und suche mir immer irgendwelche Aphorismen, die gerade zu meinem jeweiligen Tag zu passen scheinen. Ich habe über die Jahre ungefähr 1000 Aphorismen auf meinem PC gespeichert, hole mir aber jetzt die passenden aus Aphorismen.de

Den ganzen Tag war ich heute damit beschäftigt, wie ich zu Seneca passe. Nachdem ich jetzt gerade erst 60 Jahre alt geworden, und weitgehend aus dem Arbeitsleben ausgeschieden bin. weiß ich wohl wie wichtig es für mich ist, weiterhin umtriebig zu sein. Ansonsten laufe ich Gefahr auch im Geiste alt zu werden. So geht es wohl jedem der in meiner Situation steckt. Natürlich mache ich mir Gedanken zur Sinnhaftigkeit meiner Radtour, und im weiteren meines Lebens, logisch, sodass ich heute genug Futter hatte nachzudenken.

Ich lasse das jetzt offen stehen, ohne weiter auszuschweifen, denn ich kann es schlicht und ergreifend nicht.

Wie jeden Tag, war ich nicht nur mit mir beschäftigt, sondern auch mit der Landschaft, mit dem Strassenverkehr, dem starken Gegenwind und meinem wirklich lädierten Hinterteil. 91 Kilometer musste ich mich heute quälen.

Die erste Etappe war wirklich wunderbar, von Sabaudia auf der Düne bis fast nach Nettuno, wo Kaiser Nero seinen Sommersitz hatte. Seneca war zur Zeit Neros einer der reichsten Männer Roms, und lebte sicherlich nicht entsprechend seiner Philosophie. Sicherlich hat ihn sein Wohlstand eher ein dekadentes Leben führen lassen.

Weier ging es dann an einem Küstenstreifen, der nicht von den reichen Römern frequentiert wird, viele Häuser stehen leer, Hotels sind verfallen.

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Büffelherde für die Mozzarella Produktion

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tolle Küste, im Hintergrund Ischia

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Kitesurfer bei Starkwind, nichts für michBildschirmfoto 2019-06-01 um 17.22.11.png

Tagesetappe

31. Mai 2019

Gestern habe ich wieder mal in einem Hotel übernachtet, nachdem die Campingplätze immer noch nicht offen sind, und ich irgendwie auch eher auf Bett eingestellt bin. Irgendwie hatte ich heute ein Motivationsloch, und suchte immer nach Möglichkeiten möglichst wenig zur radeln. Da gibt es natürlich viele Möglichkeiten, Fotografieren, in Google Maps recherchieren, Telefonieren, Google News lesen, nachdenken oder die Natur genießen.

Die beste Motivation ist das eigene Wollen.

© Olaf Dohmen

deutscher Hobby-Aphoristiker

Und irgendwie wollte ich heute partout nicht. So gesehen ist es natürlich nachvollziehbar, dass ich heute nur 70 Kilometer weit gekommen bin, obwohl ich nur ganz leichten Gegenwind hatte, und es weitgehend flach dahin ging. Das wird’s wohl gewesen sein, es war zu einfach, die Herausforderung hat gänzlich gefehlt.

Außerdem wird es immer freundlicher hier, wilde Müllhalden habe ich heute gar nicht mehr gesehen, allerdings scheint diese Küste touristisch bis auf den letzten Quadratmeter ausgebaut zu sein. Die Nähe zu Rom spricht da schon für sich.

Ich befinde mich weitgehend auf historischem Untergrund, denn diese Straße wurde bereits 312 v. Chr. erbaut, und ist unter dem Namen Via Appia bekannt. Bei uns in Regensburg, beziehungsweise im Landkreis Regensburg gibt es auch eine Römerstrasse. Sie heißt „Ochsstraß“, hochdeutsch Ochsenstrasse.

Los ging es heute in Formia, einem alten Seebad, circa 130 Kilometer von Rom entfernt, an der Via Appia gelegen. Weiter ging es auf der Via Appia nach Terracina, hier wird gerade gearbeitet was das Zeug hält um in die neue Badesaison starten zu können.

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Weitere 20 Kilometer weiter liegt ein alter von Römern gebauter Kanal.

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Nachdem ich heute eher weniger auf der Superstrada radelte, war der Verkehr erträglich, ich rechne aber damit, das es in Kürze hier voll wird. Überall werden die Campingplätze hergerichtet, die Strände mit speziellen Rechen entmüllt, es wird geweißelt und gepflastert, damit es die Touristen wieder schön haben. Und das natürlich in italienischer Manier, in aller letzter Minute. Ich könnte auch Italiener sein.

Als ich gegen 16 Uhr in dem Hotel ankam, welches ich mir in booking ausgesuchte hatte, aber nicht gebucht, und das zu einem Preis von 53 € inclusive Frühstücksbufett, fragte ich ganz schüchtern nach dem Preis. Ein Doppelzimmer mit Meerblick kostet 140 €, mit Hinterhofblick 110 €. Ich fragte dann, ob ich dann im Keller schlafen müsse, wenn ich jetzt über booking.com buchte.

Dann kam die Managerin und argumentierte diesen eklatanten Preisunterschied, oder sie versuchte es zumindest. Würde ich nicht einigermaßen cool sein, müsste ich gehen, weil man sich da wirklich veräppelt vorkommt.

Das Hotel liegt auf einer ewig langen Sanddüne zwischen Neapel und Rom, wunderschön gelegen, und absolut ruhig.

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70 Kilometer reichen für heute

 

30. Mai 2019

Freunde sagen nicht „Lebe wohl“
sondern
„Auf ein Wiedersehen“

© Frank Dommenz

(*1961), Malermeister und Illustrator

Das letzte Mal, als ich Angelica traf, liegt fast 20 Jahre zurück, das ist eine unglaublich lange Zeit. Und sie hat sich nicht verändert, wir hatten sofort wieder einen Draht gefunden. Das ist nicht immer so. Oftmals tut man sich schwer das richtige Thema zu finden, das Wiedersehen wird langweilig. Das war nun gar nicht so, im Gegenteil, wir hatten einen wunderbaren und äußerst kurzweiligen Abend. Zu guter letzt wurde ich dann noch ins Hotel gefahren, nachdem wir noch einen Gute Nacht Trunk im berühmten Café Gambrinus zu uns nahmen.

Schön wars!

Heute früh startete ich die Maschine gegen halb neun. Für die ersten 5 Kilometer brauchte ich fast 40 Minuten um mich durch dieses Verkehrschaos zu kämpfen. Wichtig ist, dass man nahezu alle Regeln des Fahrens im Verkehr ignoriert, und sich dem Wahnsinn des neapolitanischen Verkehrs anpasst.

Zwischenzeitlich hat es wieder mal derartig geschüttet, dass ich mir die Frage gestellt habe, wer für dieses Scheiß Wetter verantwortlich ist, zumal mich ein leichter Gegenwind auch noch etwas eingeschränkt hat. Hauptsächlich war ich wieder auf der Superstrada unterwegs. Alle 2 Kilometer gibt es hier Haltebuchten, die komplett zugemüllt waren.

Dieses Italien ist für mich entsetzlich. Es ist ein Affront, wie man hier mit der Umwelt umgeht. Auf eine Strecke von vielleicht 20 Kilometern hat man die leerstehenden Häuser zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert, alle paar Meter stand ein Schwarzafrikanerin am Straßenrand, um ihre Dienste feil zu bieten. Ist das nicht ein Armutszeugnis? So ging Rom schon einmal unter.

Die letzten 20 Kilometer wurde  gestaltete sich die Gegend für mich wieder angenehm und ansehnlich. Die Campingplätze und viele Hotels sind gerade dabei, aus dem Winterschlaf zu erwachen, es sieht so aus, dass es die nächsten Tage erst richtig losgeht. Ich habe beschlossen nicht nach Rom zu fahren, weil ich mich nicht wieder in diesen Verkehrswahnsinn stürzen möchte.

Noch ein paar Fotos zum Abschluss:

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Blick über die Dächer von Neapel, im Hintergrund das Kloster San Martino

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Es gäbe natürlich viel anzuschauen hier in Neapel, allerdings fehlt mir dazu die Zeit. Die Gasse der Weihnachtskrippen ist ein absolutes Muss für den Touristen hier.

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Müllabladeplatz neben der 4-spurigen Superstrada Richtung Rom!Bildschirmfoto 2019-05-30 um 17.38.33.png

99 Kilometer mit Regen und Gegenwind.

 

 

 

29. Mai 2019

Gestern früh stieg ich um 9.30 Uhr in Salerno aufs Rad, obwohl es noch leicht regnete. Die Prognosen für die nächsten Tage sind für diese Region nicht die besten, es soll wohl immer wieder regnen. Also fuhr ich schnurstracks die 60 Kilometer nach Neapel. Man möchte glauben, Salerno und Neapel seien komplett zusammen gewachsen. Die Berge waren immer noch in tief hängenden Wolken verhüllt, die Strasse war patschnaß und der Verkehr ein Wahnsinn. Wenn man die Vespa Fahrer hier beobachtet, dann weiß man gleich, dass man sich nichts denken muss, einfach drauf los. Man sieht fast nichts von dieser grandiosen Landschaft, denn die Strasse ist auf eine Strecke von 60 Kilometer nahezu komplett eingesäumt durch Häuser. _DSC1662.jpg

Salerno um halb 10 Uhr

Ungefähr 20 Kilometer vor Neapel liegt Pompei, am Fuße des Vesuv.

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An der Kasse standen 100 Leute um sich ein Ticket kaufen zu können. Der ganz normale Touristenwahnsinn.

Die letzten 20 Kilometer hatte ich fast komplett auf Kopfsteinpflaster zu fahren, zum Teil durch Wohngebiete, die für keine sind.

Ich bin froh in der heilen Welt Bayerns geboren und aufgewachsen zu sein. Ich habe mir ein Hotel Mitten im Centro storico, in der historischen Altstadt gebucht, um dann zu Fuß die Stadt zu erkunden. Weder Mafia noch Camorra interessierten sich für mich. Um 17 Uhr war ich bei der besten Freundin meiner Schwiegermutter eingeladen. Sie lebt sicherlich seit mindestens 30 Jahren hier in Neapel, und ist gebürtige Regensburgerin. Leute, das war eine Begrüßung, und ein schöner Abend.

Noch ein paar Bilder aus Neapel.

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Handgefertigte Regenschirme

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28. Mai 2019

Es ist gar nicht so einfach, Fahrradtourist zu sein. Immer wieder kommen äußere Störungen, die einem das Fahrradfahren leidig machen.

Ein Mann soll nicht im Leid verzagen, in Freuden nicht zu hoch sich wagen.

Johann Fischart

(um 1546 – 1591), Johann Baptist Friedrich Fischart, genannt Mentzer d. h. Mainzer, deutscher Jurist, Zeitkritiker und Satiriker

Quelle: Fischart, Flöh Hatz, Weiber Tratz, 1577

Das soll heißen, man soll versuchen, die Ausschläge in beide Richtungen abzuflachen. Klingt doch vernünftig.

Heute früh bin bereits um 9 Uhr durch Matera geschlichen, diese Stadt ist grandios. Es wurden die Häuser, samt Stallungen in den Berg gebaut. Selbst der Klerus hat 4 Kirchen in den Berg geschlagen. Diese Stadt sollte am Ende des 2. Weltkrieges durch deutsche Fallschirmspringer zerstört werden. Die Bevölkerung konnte das zwar verhindern, doch wurden von den Deutschen 12 Geiseln erschossen. In den 50er und 60er Jahren wurde die Höhlenstadt wegen der katastrophalen hygienischen Verhältnissen geräumt, die Menschen in neue Wohnungen umgesiedelt. Heute sind die „Sassi di Matera“, die Höhlensiedlungen eine Museumsstadt. Blick man von oben auf die Sassi, könnte men meinen, man betrachte ein Weihnachtskrippe, oder man sei irgendwo in Disneyland.

Ich hatte bis um 12.30 Uhr Zeit, die Stadt zu erkunden, denn dann sollte mein Bus nach Potenza gehen. Als ich dort dann ankam, regnete es in Strömen, sodass ich kurzerhand beschloss, mit dem Zug weiter nach Salerno zu fahren. Einerseits baut sich bei mir direkt ein schlechtes Gewissen auf, weil ich mir den leichteren Weg zugestehe, andererseits bin ich ja nur mir selbst verantwortlich. Und ich möchte eben Spaß haben, und mich nicht durch diesen Regen quälen müssen.

Die Basilikata ist landschaftlich traumhaft schön, soweit ich das eben aus dem Bus gesehen habe.

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Maßstabsgerechte Miniatur eines Künstlers der Sassi

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Patrizierhaus mitten in der Alstadt

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Blick auf die Sassi und die Gravina Schlucht

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Die Kirchenhöhle „San Pietro Barisano“

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Kunstausstellung in der Kirche

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Matera’s Patenstadt ist übrigens unter anderem die Stadt Petra in Jordanien, ebenfalls eine Höhlenstadt. Viele bekannte Filme sind hier gedreht worden, wie zum Beispiel „Das Omen“ von John Moore und „Die Passion Christi“ von Mel Gibson, und viele mehr.

 

27. Mai 2019

Heute habe ich das gefunden, was mir auf dieser Reise nun mal wirklich fehlte. Einfach mal eine schöne, alte und kulturträchtige Stadt, eben wie Regensburg, Burgos in Nordspanien, Sevilla oder Lissabon. Ich bin heute vom Meer 77 Kilometer in die Berge nach Matura in der Region Basilika gefahren, dabei musste ich 836 Höhenmeter überwinden.

Die Stadt Matura, einst der Schandfleck Italiens, ist Kulturhauptstadt Europas 2019, und absolut sehenswert. Bekannt ist die Stadt durch ihre Höhlensiedlungen und ihre wunderbare Altstadt, die seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde.

Eigentlich wollte ich spätestens um 14 Uhr hier sein, doch mein gestriger Plan wurde durch Regen, Gewitter und Sturm zunächst zerstört. Darüber hinaus habe ich mir eine. vollkommen bescheuerte Strecke ausgesucht. Sicherlich habe ich mir einen Umweg von 20 Kilometern in Kauf genommen, um nicht auf die Superstrada zu geraten. Die letzten 10 Kilometer war mir das dann egal.

Als ich dann um 16 Uhr hier ankam, das Hotel hatte ich heute früh schon gebucht, fragte ich den Rezeptionisten, ob ich einen Tag verlängern könnte. Morgen sind sie doch tatsächlich ausgebucht.

Ich werde aber trotzdem hier bleiben, und mit dem Bus dann um 17:15 Uhr nach Potenza fahren. So habe ich genug Zeit für die Stadt, um komme doch ein paar Kilometer weiter.

Ich möchte kurz nochmals auf den gestrigen Abend zurückkommen. Ich habe irgendwo am Meer in einer Pension übernachtet. Das Hotel war eher nicht der „Reißer“, doch das Essen war einmalig.

Als ich dann heute ungefähr 15 Kilometer an der Autobahn entlang fuhr, war meine Straße plötzlich zu Ende, und ich mußte unter der Autobahnbrücke durchkriechen.

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Das war mein Ausgang – abenteuerlich!

Wieder wurde ich von 2 Hunden attackiert, langsam bekomme ich eine Phobie.

Noch ein paar Bilder von Matura. Morgen werde ich genug Zeit haben, die Stadt richtig zu erkunden.

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26. Mai 2019

Der gestrige Tag hat nichts Erwähnenswertes gebracht, ausser dass ich mittags mit der Fähre von Igoumenitsa in Griechenland nach Brindisi in Italien gefahren bin. In diesen 7 Stunden kam ich glücklicherweise mit 3 Pärchen aus Rosenheim ins Gespräch. Sie sind mit ihren Harley’s ungefähr die gleiche Route gefahren wie ich. An Bord dieser großen Fähre waren nicht mehr als vielleicht 80 Leute. Gähnende Leere auf allen Decks.

Allerdings konnte ich die Passstraße in Albanien aus der Ferne entdecken, die hat mir bei der Abfahrt ja große Freude bereitet._DSC1597.jpg

Der Hotelchef hat mir dann in Brindisi ein Lokal empfohlen, wo ich die Rosenheimer wieder traf. Das hat mir doch den Abend gerettet, denn das Pokalfinale konnte ich nicht empfangen.

Heute früh, als ich dann Richtung Tarent startete, begann es leicht zu regnen, Mittags wurde es dann besser. Die Strasse Richtung Tarent war, wie in Albanien flankiert von wilden Müllablagerungen, und die Stadt Tarent würde ich schlichtweg als „Loch“ bezeichnen. Das kann man übrigens wunderbar in Wikipedia nachlesen. In Tarent habe ich drei ältere Damen aus Salzburg, übrigens noch älter als ich. getroffen. Sie empfahlen mir die Stadt so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Cool, nicht wahr?

Es geht weiter. Das ist das einzige, was weiter geht.

Karl Kraus

(1874 – 1936), österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker

und Dramatiker

Dadurch dass ich im Moment keine Mobile Daten empfangen kann, und mir die Offline Karte nur bis Tarent runter geladen habe, musste ich nach Himmelsrichtung weiter fahren. Ich dachte mir, an der Küste werde ich wohl irgendwo eine Übernachtungsmöglichkeit finden, Jetzt fing es wieder zu regnen an, darüberhinaus wurde ich tatsächlich von einem Schäferhund attackiert. Jetzt half nur noch mein Pfefferspray, was bei dem Hund zur Kapitulation führte. Patschnass erreichte ich nun ein Hotel, naja, eine Gaststätte mitten am Meer, in der 200 Italiener irgendein privates Fest feierten.

Jetzt habe ich es geschafft, nach 98 Kilometer, und einem unglaublichen Lärmpegel in diesem Lokal, dass endlich Ruhe einkehrt, und ich etwas zu Essen bekomme.

4 mal bin ich heute auf die Superstrada (deutsch: Kraftfahrstrasse) ausgewichen, was in Italien scheinbar verboten ist, mir aber letztendlich egal war, um einfach weiter zu kommen.

Das war jedenfalls einer der Tage, die man als Fernreisender mit dem Rad nicht braucht.

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Die verlassenen Häuser in der Altstadt von Tarent!

Morgen wird das Wetter wohl auch nicht besser sein, ich lasse mich da mal überraschen.Bildschirmfoto 2019-05-26 um 16.28.46.png

24. Mai 2019

Natürlich war der gestrige Tag für mich unglaublich anstrengend, waren es doch gute 1700 Höhenmeter, die ich zu überwinden hatte. Doch gibt die Leistung mir ein gutes Gefühl. Glücklicherweise hat mich der Wirt der Bar mit dem Auto nach Saranda gefahren, denn das hätte mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit gebracht. So konnte ich im Hotel gut ausspannen, sehr gut essen und trinken, um für den heutigen Tag wieder gerüstet zu sein. Ich hatte 66 Kilometer und knappe 500 Höhenmeter vor mir, auf einer fast nicht benutzten Strasse durch eine wunderbare albanische Landschaft. Leichter Rückenwind half mir, die gestrigen Anstrengungen zu vergessen, denn die Muskulatur hat mir heute früh schon zu schaffen gemacht. _DSC1585.jpg

Hier konnte ich mich noch von der Skyline Sarandas verabschieden. Ein irrsinniger Bauboom ist dabei, die Stadt zu verschandeln. Noch sind der Großteil der Touristen aus Albanien und dem Kosovo, doch was passiert, wenn die deutschen Touristen hieraus einen neuerlichen Ballermann machen?

36 Kilometer hatte ich vor mir, bis an die griechische Grenze zu kommen, weitere 30 Kilometer dann nach Igoumenitsa. Es öffnete sich eine traumhaft schöne Landschaft, die man nicht beschreiben kann. Nachdem fast keine Autos unterwegs waren konnte ich heute die Ruhe der Natur genießen.

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Vorbei an einem Bauernhof, und zurückversetzt in eine Zeit, die mir fremd ist, konnte ich Albanien nochmals genießen, bevor es hinauf ging zum Grenzübergang. Dort wurde ich vom Grenzer durchgewunken, doch als ich wieder losfahren wollte, stoppte mich der Obergrenzer, und durchsuchte meine Satteltaschen, wahrscheinlich aus Langeweile. So ein Vollpfosten, was will der von mir? Glaubt der ich würde schmuggeln, oder Drogen ausser Landes bringen? Nachdem ich dann laut wurde, sagte er ich solle weiterfahren. Dieser Typ glaubt wohl immer noch, der Sozialismus wäre allgegenwärtig.

So ein Drottel!_DSC1595.jpg

Jetzt noch 30 Kilometer, dann bin ich in Igoumenitsa, und kann morgen nach Italien, besser gesagt nach Brindisi schippern.

Goethe schrieb:

Dieses Italien ist ein so abgedroschnes Land, daß, wenn ich mich darin nicht selbst als in einem verjüngenden Spiegel sähe, so möchte ich gar nichts davon wissen.

Diesen Spiegel brauche ich auch. Ich freue mich auf Italien, und werde dann am Sonntag durch Apulien Richtung Neapel fahren. Nachdem ich die Berg- und Talfahrten schon kenne, wird das für mich nicht die große Herausforderung sein. Wie es dann weitergeht, kann ich noch nicht genau sagen, vielleicht nach Rom?

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Mein heutiger Tag!

23. Mai 2019

Dieser Tag war sicherlich der bisher anstrengendste auf dieser Reise, überhaupt einer der anstrengendsten meiner Radlerkarriere. Und jetzt hat sich Albanien von seiner landschaftlich schönsten Seite gezeigt.

Um den heutigen Tag überhaupt schaffen zu können, bin ich tatsächlich um 5.30 Uhr aufgestanden, und schwang mich dann um Viertel nach 6 auf meinen Drahtesel. Denn zunächst sollte ich mich über den Llogora Pass kämpfen, von Meereshöhe auf 1034 Meter über dem Meer. Zunächst ging es relativ moderat bergauf, doch nach ungefähr 12 Kilometer ging es immer steiler bergauf. Mit 20 Kilogramm Gepäck und immer noch zu dicken Bauch, sind Steigungen von über 8 % auf Dauer eine Herausforderung,  und das waren heute im Durchschnitt mehr als 10%.

Als ich unterwegs ein Schild entdeckte, dass ich jetzt in diesem Nationalpark sei, verschwanden auch die wilden Müllhalden, und das Land machte mir trotz der körperlichen Herausforderung  jetzt richtig Spaß. Nach genau 5 Stunden und 26,4 Kilometern erreicht ich dann die Passhöhe, machte aber unterwegs in einem Berggasthof die verdiente Frühstückspause.

Kurz vor der Passhöhe musste ich immer wieder warten, weil 2 Schäfer ihre 1000 Ziegen über die Strasse nach oben trieben. _DSC1561.jpg

Der höchste Berg, der unweit der Passhöhe liegt, scheinbar über 2000 Meter hoch, hatte immer noch Schneefelder, ein Zeichen, dass es hier die letzten Wochen auch sehr kalt war.

Auf der Nordseite des Passes regnet es jährlich ungefähr 1250 Liter, während es auf der Südseite jährlich doppelt soviel Niederschlag hat. Oben auf der Passhöhe unterhielt ich mich mit 2 deutschen Wohnmobilrentnern aus dem Freiburger Raum. Auf der Abfahrt, überholte ich sie 3 Mal mit einem Affenzahn , da ich immer wieder zum Fotografieren kurz anhalten musste.

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Eine Wahnsinns Abfahrt, Maximalgeschwindigkeit 67 km/h

Nach einer knappen Stunde wurde ich von den beiden nun überholt, und vielleicht 300 Meter entfernt warteten sie auf mich, um mich ein paar Kilometer mitzunehmen. Das waren dann 15 Kilometer, die mir wirklich gut taten. Dann verabschiedeten sie sich zum nächsten Campingplatz, und ich musste weiterstrampelnd, und mein Ziel, morgen Abend nach Igoumenitsa zu kommen wurde immer erreichbarer.

Wer ein Ziel vor Augen hat, vergißt die Strapazen des noch vor ihm liegenden Weges.

© Helmut Glaßl

(*1950), Dipl.-Ing., Aphoristiker

Ist das nicht wahr? Haben wir das nicht schon oft erlebt?

Mit dem Blick auf die Blumeninsel Korfu suchte ich mir gegen 15 Uhr nun ein Lokal, um mir im Internet ein Hotel zu suchen. Das waren jetzt nur noch 14 Kilometer, aber knapp 500 Höhenmeter. Dieses Hotel war schlichtweg ein kastrophaler Laden, sodass ich weiter radelte, in der Hoffnung noch ein ordentliches Hotel zu finden. In einer Bar bekam ich wieder einen Zugang ins Internet. Die nächsten Hotels sind 24 Kilometer entfernt in der Stadt Saranda. Nochmals 450 Höhenmeter, nein danke, ich bin jetzt platt. Als ich den Wirt fragte, ob es einen Bus gäbe, meinte er, komm her alter Knabe ich fahre dich hin.

Jetzt bin ich in einem Hotel in Saranda, gerade mal 66 Kilometer von Igoumenitsa entfernt, und kann morgen ganz locker dorthin fahren. Samstag Mittag geht meine Fähre nach Brindisi.

Man muss einfach ruhig bleiben, und auf ein bisschen Glück hoffen.

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Das ist mein heutiger Track.

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Die letzten 20 Kilometer sind nicht auf dem Höhenprofil, da sich der Akku meiner Uhr verabschiedetete. Da saß ich eh im uralten Passat des Wirtes.