11. Mai 2019

Die erste Nacht im Zelt ist hinter mir, und es war wie immer cool. Zunächst konnte ich nicht einschlafen, doch irgendwann war ich scheinbar im Tiefschlaf. 20 Minuten dauerte es heute früh, die 7 Sachen zu packen, mich von meinen Nachbarn zu verabschieden und weiter zu fahren.

Ein traumhafter Tag mit wenig Wind kündigte sich schon um 7 Uhr an, denn es war richtig warm. Unterwegs, als ich gerade ein Foto schoß, hielten 2 Radfahrer hinter mir an und begrüßten mich mit einem freundlichen Lächeln, ein französisches Ehepaar aus Chambéry in den französischen Alpen. Sie fahren die gleiche Route wie ich, und wie sie mir erzählten sind sie die absoluten Profis für Fahrradfernreisen. Nach einem Kaffee haben wir uns wieder getrennt, denn sie wollten sich die Zeit nehmen diesen kleinen romantischen Ort namens Primosten anzusehen, während ich heute noch nach Split fahren wollte. Und ich kann sagen, diese Küste hier ist ein wahres Paradies.

Das Paradies ist kein Ort,
sondern der Zustand des Geistes…

© Elmar Kupke und Hans-Christoph Neuert

(1942 – 2018), (1958 – 2011), deutsche Aphoristiker und Lyriker

Muss ich noch weiter über meinen Geisteszustand schreiben?

Nachdem der Wetterbericht nun wieder mehr als beschissenes Wetter prognostiziert, morgen soll übrigens der schlechteste Tag werden, in Split Milliarden von Touristen rumlaufen, habe ich nun das Schiff genommen um auf die Insel Brac zu fahren. Dort bin ich jetzt in einem Top Hotel für 2 Tage, um dieses Wetter zu überbrücken.

Die Altstadt von Split ist mit dem Diokletianspalest sehenswert, und gehört seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe. Ich werde auf alle Fälle nochmals herkommen, um die Stadt richtig zu erkunden.

Die Osmanen waren hier, Napoleon und die K&K Monarchie, nach dem 1. Weltkrieg war es eine Monarchie, ab dem 2. Weltkrieg kam Tito.

Nach dem Jugoslawienkrieg kam die Unabhängigkeit und die europäische Union.

Ich bin begeistert von diesem Land, denn es geht sichtbar bergauf.

Wer kann da noch gegen die EU sein?

Einzig nur der unwissende Ignorant!

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Heute waren es 85 Kilometer mit 500 Höhenmeter, gestern 83 Kilometer 632 Höhenmeter.

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Impressionen des Tages

 

10. Mai 2019

Nachdem ich um 7:45 meine Wohnung verlassen habe, ging es zunächst in die Bar, in der ich gestern früh schon einen Cappuccino getrunken habe, um mich auf den Tag vorzubereiten, das Wetter zu checken, und die richtige Straße zu wählen.

Es gibt weniger gute Tage, gute Tage und Tage wie heute – Tage wie man sie sich normalerweise nicht besser ausmalen kann. Es passte einfach alles. Das Wetter, die Konstitution, mein Lust und meine heutige Einstellung liefen praktisch parallel. Die Küstenstraße, obwohl ich davor gewarnt wurde wegen des wahnsinnigen Verkehrs, war überhaupt kein Problem, lediglich fällt mir heute erst auf, dass ich auf diesen Straßen einem permanenten Lärmstress ausgeliefert bin. Und da erinnere ich mich an meinen Jakobsweg vor 4 Jahren, als mir in Spanien auf einem Feldweg plötzlich diese unglaubliche Ruhe auffiel. Ausser dem Gesang der Vögel und dem Rauschen des Windes war einfach nichts zu hören. Normalerweise sollte es ja umgekehrt sein.

Sollte uns nicht der Lärm auffallen?

Mir ist heute soviel durch den Kopf gegangen, und habs leider nicht notiert. Normalerweise halte ich immer an, und mache mir Notizen über meine Gedanken, um diese dann Abends zu Papier zu bringen. Wenn man das nicht tut, verfliegen sich diese Gedanken im Nirvana.

Unterwegs habe ich 2 Fernradler getroffen. Einen Asiaten mit seinem Klapprad, der mir auf seinem Smartphone übersetzen ließ, dass er sich auf einer Weltreise befindet. Und das alles ohne Englischkenntnisse. Ich hatte keine Chance herauszufinden, woher er kommt.

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Vielleicht 10 Kilometer später traf ich dann einen deutschen Radfahrer, der unterwegs ist von Israel nach Berlin. Das ist auch eine Herausforderung – nicht wahr?

Nachdem das Wetter heute derartig schön ist, habe ich erstmals auf einem Top Campingplatz mein Zelt aufgebaut.

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Und wurde von den Nachbarn prompt auf eine Weißbier eingeladen – übrigens das erst Weizen seit meiner Abreise.

Ein Genuss!

Der Genuß der Früchte macht die Augen leuchtend.

Babylonischer Talmud

Quelle: Sanhedrin 17

 

9. Mai 2019

Zadar

Die Entscheidung, hier in Zadar zu bleiben war vollkommen richtig, denn der Regen kam heute waagrecht aus dem Süden. Erstens will ich nicht unbedingt im stürmischen Regen Fahrrad fahren, und zweitens kommt man gegen 5 – 7 Windstärken ohnehin nicht vorwärts. Und morgen soll sich die Sonne wieder voll zeigen bei Temperatur von rund 20 Grad, genug jedenfalls um ins Schwitzen zu kommen.

Ich habe es mir bei weitem einfacher vorgestellt hier durch Kroatien zu kommen. Aber man ist permanent sportlich gefordert, denn es geht immer bergauf und bergab. Ich war noch niemals südlich von Istrien, sodass das alles für mich absolutes Neuland ist. Allerdings bin ich in den 80er Jahren zwei mal über den berüchtigten Autoput nach Griechenland gefahren.

Zadar ist jedenfalls eine besuchenswerte alte Römerstadt. Leider ist das nicht nur mir klar, sondern auch vielen anderen Touristen aus aller Welt. Zadar ist Bischofssitz. Wie uns allen bekannt ist, ließ sich die katholische Kirche immer da nieder, wo es schön ist. Und das ist hier wieder der Fall. Warum sich die Öffentlichkeit über Tebartz van Elst so aufgeregt hat, ist mir unverständlich, er hat doch nichts anderes gemacht, als die jahrtausendealte Praxis der Kirche prunkvoll weiterzuführen.

Diese schöne alte römische in Dalmatien, war ab dem 11. Jahrhundert im Wechsel im unter der Führung Italiens, Ungarns oder Österreichs. Als 1991 Jugoslawien am Zerbrechen war, kamen die jugoslawischen Truppen, bombardierten Zadar, und verursachten auch an Kulturgütern große Schäden.

Heute belagern nicht die jugoslawischen Kampftruppen diese Stadt, nein, das sind ganze Armaden von Touristen, die mitten ins Zentrum einfallen.

Ruhe und Einsamkeit sind die besten Freunde der Seele.

Henry Wadsworth Longfellow

(1807 – 1882), US-amerikanischer Dichter von Verserzählungen und Übersetzer

Über diesen Aphorismus gibt es nicht viel zu sagen. Ich bin jetzt schon wieder fast 3 Wochen mit dem Fahrrad unterwegs, immer alleine, aber nicht einsam. Das Alleinsein kann man erst ertragen, wenn man es gelernt hat. Das hätte ich mir früher nie vorstellen können, heute tut es mir einfach nur gut.

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Impressionen aus Zadar

 

8. Mai 2019

Gestern Abend fragte ich in einer Pension welchen Preis sie aufrufen würden für ein Zimmer mit Frühstück. Booking.com verlangte 56 €, die Lady wollte 40 € von mir. So ein Preisunterschied gefällt mir nun gar nicht, also sagte ich ab und fragte in dem gegenüberliegenden 4 Sterne Hotel, was sie von haben möchten. Das waren 42 €, und das Hotel war ausgezeichnet. Das Internet ist schon gut, aber reden ist deutlich einfacher, flexibler und besser.

Ich konnte mich erst gegen 9:45 Uhr aufraffen, denn meine Etappe sollte ja recht kurz sein bis Zadar, denn diese Stadt wollte ich mir unbedingt ansehen. Vielleicht bleibe ich auch noch einen Tag länger, denn es soll am Donnerstag wieder regnen und stürmen, wieder mit Böen bis zu 8 Beaufort.

Heiterkeit überwindet Sorgen im Sturm.

© Alfred Selacher

(*1945), Schweizer Lebenskünstler

Meine Sorge im Moment sind lediglich Wind und Wetter, also bin ich halt heiter – aber das bin ich sowieso.

Wie ist denn die Radlfahrerei in Kroatien, wird sich jeder fragen. Weder die LKW, noch die Busse, und schon gar nicht die Autofahrer nehmen auf die Fahrradfahrer Rücksicht. Man muss immer aufmerksam sein, denn sie fahren zum Teil knapp an mir vorbei. Fahrradwege, so wie wir sie kennen, scheint es hier nicht zu geben, und der europäische Fernradweg Eurovelo 8 ist tatsächlich noch ein Projekt. Allerdings muss ich sagen, dass die Inselhopperei jetzt wirklich Spaß gemacht hat, wenig Verkehr und super Landschaft.

Doch plötzlich tauchte dieser Wegweiser auf, der Eurovelo 8. Scheinbar ist zumindest ein Teilabschnitt dieses Radwegs fertig. Ich bin aber direkt nach Zadar gefahren, denn das waren nur noch 13 Kilometer.

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Morgen werde ich meine Wäsche waschen, und Zadar besichtigen, am Freitag früh um 8 Uhr gehts dann weiter.

Für heute und morgen habe ich mir ein Apartment gebucht, und werde die Ruhe genießen.

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Hier habe ich nette Österreicher getroffen.

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Wunderschöner 3-Master

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65 Kilometer und 450 Höhenmeter

 

7. Mai 2019

Ich möchte einfach und deutlich sagen, das war heute der schönste Tag meiner bisherigen Reise! Einfach nur geil!

Aber fangen wir mal von vorne an. Um 7.30 Uhr mußte ich an der Fähre von Krk nach Rad sein, denn es gibt nur eine Fähre morgens um 7.45 Uhr und eine Fähre abends, welche mich aber in keiner Weise interessiert. Die Fährfahrt dauert ungefähr eineinhalb Stunden, von Krk kommend sieht man die immer noch schneebedeckten Berge des Festlands, auf der anderen Seite die Insel Cres, und vor uns liegend Rab. Ich komme mir fast schon vor, als wäre ich irgendwo an den norwegischen Fjorden. Naja, da ist es noch schöner. Ein Bus voller hessischen Rentner begleitete mich auf der Fähre, und ich konnte mich gut unterhalten.

In Nord-Süd Richtung durchquerte ich dann die ganze Insel, und nahm die nächste Fähre  zum Festland, wo es dann richtig bergauf ging, in ein unglaublich schöne Landschaft.

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Und da oben tauchte er plötzlich auf mit seinem Pferd, nahm sein Gewehr und hielt es mit ausgestrecktem Arm senkrecht nach oben, als wollte er sagen, „servus Alois, ich bin da, dein Freund Winnetou“!

Dann wurde ich wach, denn es überholte mich ein großer LKW mit lautem Getöse. Ich habe übrigens alle Karl May gelesen.

Nach 20 vielleicht 25 Kilometern ging es mit der 3. Fähre auf die Insel Pag. _DSC1307.jpg

Durch diese Steinwüste gehts nochmals richtig bergauf, man könnte glauben, man sei in der Wüste von Ägypten mit dem Fahrrad unterwegs.

Auf der Fähre traf ich 2 Motorradfahrer aus der Nähe von Würzburg. Sie erzählten mir, sie wollten gestern von Rijeka nach Krk fahren, doch die Küstenstraße wurde für Motorräder und Autos mit Anhänger wegen des Sturms gesperrt. Ich bin ja über die Berge gefahren und nicht die Küstenstraße, hatte also Glück.

In der Stadt Tag auf der gleichnamigen Insel plante ich dann zu übernachten als ich an eine Abzweigung kam, bei der ich laut APP links abbiegen sollte. Mir sollten noch 13 Kilometer bleiben. Doch stand hier ein Schild, dass diese Straße wegen einer Baustelle gesperrt sei. Das war mir immer schon egal, also fuhr ich los. Die Umleitung wäre 10 Kilometer länger gewesen.

Zunächst ging es steil bergab, dann circa 2 Kilometer am Meer entlang, bis die Strasse nun endgültig zu Ende war. Ich musste das Fahrrad nun 15 Minuten durch die Pampa steil bergauf schieben, dann kam ich auf einen schmalen Pfad, der wieder in der offiziellen Strasse, einem Schotterweg endete.

Schließlich kam ich in Tag an, und fand nach 10 Minuten ein gutes Hotel. Gerade sitze ich auf der Terrasse, trinke ein Radler, und geniesse den Sonnenuntergang. Nach Zadar werde ich noch ungefähr 60 Kilometer zu fahren haben, die ich morgen locker auf der linker Arschbacke herunterreißen werde. Im Übrigen waren das heute genau 1100 Höhenmeter die ich geradelt bin. Ein toller Tag!

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6. Mai 2019

Heute Nacht habe ich super gut geschlafen, erst durch den Wecker wurde ich wach. Draußen stürmte es immer noch mit Böen bis zu 10 Beaufort, eine Situation die das Fahrradfahren einfach nur gefährlich macht. Auch egal, ich lade mir die Mittelbayerische Zeitung, wie jeden Tag auf mein MacBook, und gehe zum Frühstück. Ein üppiges Frühstück hilft mir immer über den Tag, sodass ich tagsüber nichts zu Essen kaufen muss.

Ich konnte mir heute richtig Zeit lassen, denn bei diesen Windverhältnissen, wäre es sträflich, sich aufs Fahrrad zu setzten, zumal es hier in Kroatien keinerlei Fahrradwege gibt, und ich permanent mit dem laufenden Verkehr zu kämpfen habe, mit Autos und LKWs, die einfach nur einen halben Meter an mir vorbeidüsen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn mn von einem LKW überholt wird, wird man regelrecht angesaugt, ist der Überholvorgang dann vorbei, wieder in Richtung Bankett ausgespuckt.

Laut Wetterbericht sollte sich dieser Sturm im Laufe des Vormittags dann aber normalisieren. Nachdem ich mich ja eigentlich auf dem Eurovelo 8 befinde, dachte ich mir es gäbe wenigstens einigermaßen brauchbares Kartenmaterial, um auf weniger befahrten Straßen vorwärts zu kommen. Denkste, ich war in der Touristen Information bevor ich wieder lostigern wollte, um mich zu erkundigen. Es gibt einfach nichts. Als ich dieser rothaarigen und mindestens 190 cm großen Lady erzählte, ich wolle zu den Plitvizer Seen, schaute sie mich mehr als fragend an. Mit dem Fahrrad? Ist das dein Ernst? Da ist es eiskalt, es liegt Schnee, und die nächsten Tage soll sich das Wetter eher wieder verschlechtern.

Aha.

Also habe ich mich entschieden, zunächst auf die Insel Krk zu fahren, von da aus weiter auf die Insel Rab, und weiter über die Insel Pag nach Zadar zu reisen, wo ich voraussichtlich übermorgen ankommen werde.

Zur Navigation benutze ich immer Google Maps und Bikemap, welches mir ordentliche Straßen vorschlägt. Allerdings muss man permanent am Ball bleiben, und die Position überprüfen, um sich nicht zu verfahren, was mir heute das eine oder andere Mal passiert ist, als ich Rijeka verlassen habe. Diese Stadt ist einfach nur furchtbar – für mich.

Jetzt sitze ich in einem ordentlichen Wirtshaus, Zimmer mit Frühstück kostet 35 €, und trinke ein Radler. Die Fähre geht morgen früh um 7:45 Uhr, sodass ich um 7:15 das Haus verlassen muss.

heute war ein Tag, an dem ich mir das erste Mal die Frage gestellt habe, ob es nicht besser sei, umzudrehen. Diesen Gedanken habe ich aber sofort verworfen.

Das Leben wagen heißt Unsicherheit ertragen

© Anke Maggauer-Kirsche

(*1948), deutsche Lyrikerin, Aphoristikerin und ehemalige Betagtenbetreuerin in der Schweiz

Also fahre ich weiter in die Unsicherheit des Fahrradnomaden, freue mich auf die nächsten Wagnisse meiner Reise. Kein Mensch braucht glauben, ich wäre immer auf der total selbstsicheren Seite, nein, die Sicherheit über meine Entscheidungen muss ich mir immer erarbeiten. Und das ist gut so.

Grenzenloses Selbstvertrauen liegt meines Erachtens im Übergang zur Überheblichkeit!

Seit zweieinhalb Wochen schleppe ich nun schon meine Campingausrüstung mit. Momentan ist es mir einfach nur zu kalt, weil ich für die jetzigen Nachtemperaturen nicht gewappnet bin. Ich freue mich aber schon auf die erste Nacht im Zelt.

Wie ich morgen dann weiterkomme, kann ich noch nicht sagen, ich lasse mich einfach überraschen!

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Track und Höhenprofil

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So kann man auch wohnen_DSC1281.jpgZuversicht!

 

5. Mai 2019

Um 4 Uhr morgens wurde ich von einem netten Gewitter geweckt.

In der Nacht wurde ich wach, als hier in Pula ein nettes Gewitter niederging. Als ich um 7 Uhr früh wach wurde, regnete es in Strömen, sodass ich als erstes meinen Laptop einschaltete um das Regenradar anzusehen.

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Zum Regen sollte noch ein Sturm hinzukommen, mit Böen bis zu 10 Beaufort. Das lasse ich bleiben, also fragte ich an der Rezeption dieses uralten Hotelschuppens, Hotel Riviera , ob es eine Möglichkeit gäbe, entweder per Zug, Bus oder Fähre nach Rijeka zu kommen, denn Pula kenne ich schon. Ich bin heute das 3. Mal hier, allerdings das erste Mal mit Fahrrad.

Eine Fähre gäbe es nicht, der Zug sei eine Katastrophe, es bleibe also nur der Bus. Und der geht um 11 Uhr.

Gesagt getan, ab in den Bus nach Rijeka. Das Busticket mußte ich am Schalter lösen, das Fahrrad dann beim Buschauffeur, der zusätzlich noch Kohle für die beiden Satteltaschen kassierte – im Bus.

Das Wetter in Rijeka ist ja kein Lot besser als in Pula, doch habe ich die Möglichkeit mir diese Stadt anzusehen, dachte ich mir.

Diese Situation hatte ich auf meinen 7-monatigen Tour des Öfteren, sodass ich immer mal wieder auf Alternativen angewiesen war. Einmal blieb ich 2 Tage in einer Hütte im Norden Finnlands, denn es schneite und regnete aus vollen Kübeln, und das im Hochsommer.

Soll man da cool bleiben?

Wir brauchen keine coole – wir brauchen entflammte, brennende Herzen.

© David Kiser

(*1988), Freischaffender Künstler; Rat – und Ideengeber.

Ab morgen wird das Wetter wieder besser, und ich brenne schon, weiter in den Süden zu kommen, zuerst aber zu den Plitwitzer Seen, die ich erstens noch nie gesehen habe, und die zweitens Pflicht sind für jeden Winnetou Fan! So wie es aussieht sind da etwa 160 Kilometer und 2500 Höhenmeter zu überwinden. Dafür gebe ich mir 3 Tage.

Rijeka überzeugt mich übrigens ganz und gar nicht, da gibts wohl ein paar wenige Sehenswürdigkeiten, ab im Großen und Ganzen, lohnt sich der Aufenthalt hier nicht. Bei 11 Grad Nachmittagstemperatur kann man aber auch nicht mehr erwarten.

In Plitvice sind übrigens für die nächsten Tage Temperaturen um die 0 Grad prognostiziert, Regen und Schnee.

Da heißt es einfach nur „Abwarten und Bier trinken“.

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Die heutige Busfahrt

 

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Eindrücke aus Rijeka

4. Mai 2019

Mit der Wahl meines gestrigen Hotels hatte ich großes Glück, denn das Essen war ausgezeichnet und noch bezahlbar. Im Moment ist ja hier nichts los, die Saison beginnt erst im Juni. Gerade in Novigrad und nördlich davon, praktisch Richtung Triest wird noch häufig italienisch gesprochen, was ich nicht wußte, denn diese Gegend war lange Zeit zu Italien zugehörig. Sogar nach dem 2. Weltkrieg wurde dieser nordwestliche Teil Istrien zum Territorium des  „Freien Territoriums Triest“  zugeordnet, und erst im Jahre 1954 in die Republik Jugoslawien eingegliedert. Heute, im Zeitalter der EU spielt das an und für sich keine große Rolle mehr. Was für ein Gewinn!

Heute früh kurz nach 9 Uhr war ich wieder startbereit. Zwar regnete es, aber mir war des mehr oder minder egal. Kurze Hose und Regenjacke reichte aus, und voller Mut und Lust trat ich in die Pedale mit dem Ziel Rovinj oder Pula. Nach einer Stunde wurde das Wetter besser, und die Sonne spitze durch die schwarzen Wolken. Ich fand einen ordentlichen Weg auf verkehrsberuhigten Straßen eher im Hinterland Istriens. Immer bergauf und bergab.

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Brückenüberfahrt bei Novigrad

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Istrische Hochzeitsgesellschaft

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Teil meines Radwegs

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Amphitheater in Pula

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Track und Höhenprofil

3. Mai 2019

Es ist geschafft, ich sitze wieder auf meinem Rad, und entwickle geradezu eine fast schon diebische Freude, dass ich endlich wieder weiterkomme.

Aber fangen wir mal ganz von vorne an.

Heute früh um 8 Uhr stand ich an der Rezeption meines Hotels, mit der Bitte den Transport meines Fahrrads und meine Abholung zu organisieren. Das Wetter war super gut. Nachdem ich dann gefrühstückt hatte, holte mich der Taxifahrer mit meinem Rad um kurz vor neun Uhr ab, und wir fuhren direkt in die Fahrradwerkstatt. Ein kurzer und  sachverständiger Blick des Chefs reichte aus, in einer Stunde ist dein Fahrrad wieder fahrbereit!

Den Taxifahrer lud ich zwischenzeitig zum Kaffee ein. So skeptisch wie ich vorgestern war, so viel mehr hat er mir dann heute früh geholfen. Als wir dann in den Fahrradladen  zurück kamen, war der Meister gerade damit beschäftigt die Scheibenbremse zu tauschen. Noch kurze Einstellungen, dann war alles fertig. Ich bezahlte 120 €, was wirklich in Ordnung ist, und mein persönlicher Taxifahrer chauffierte mich zurück ins Hotel, als es richtig zu schütten begann, die Engländer würden da sagen, “ it’s raining cats and dogs“. Der Blick aufs Wetterradar sagte mir, dass die Situation wirklich Kacke ist.

Schließlich packte ich meine 7 Sachen, und wir, das heißt mein Taxidriver und ich fuhren nach Koper, einen netten Hafenstadt Sloweniens. Das waren nun insgesamt 60 Kilometer mit dem Taxi ins besser Wetter. Alles richtig gemacht. Dieser Schaden hat mich insgesamt 220 € gekostet. Es hätte schlimmer kommen können.

Es ist ja interessant, wie der Mensch reagiert, wenn ihm solches „Unheil“ passiert. Sagt er doch glatt, da habe ich aber eigentlich noch Glück gehabt, anstatt zu sagen, da hatte ich aber richtig Pech. Wir versuchen doch tatsächlich immer das möglichst Positive aus derartigen Situationen zu ziehen.

Und was ist schon ein Schaden, den man mit Geld regulieren kann?

Gerade sitze ich in einem netten Hotel in Novigrad an der Adria, und der im Rollstuhl sitzende Hotelinhaber erzählte mir, dass er vor 20 Jahren einen Fahrradunfall hatte…..

Zwischenzeitlich begann es wieder richtig zu regnen. Das war mir wirklich einerlei, der Bayer würde sagen, das ist „Wurscht“.

Die Odyssee ist jedenfalls beendet, ich habe keine Schmerzen, der „Arsch“ fühlt sich wohl, und der Geist frohlockt.

Insgesamt waren es heute 53 Kilometer und 400 Höhenmeter, die ich ab 12:30 Uhr noch zurücklegen konnte.

In Novigrad angekommen, bin ich zunächst ins Zentrum geradelt, um mir am Automaten  kroatisches Geld abzuheben, als ich noch 3 nette Jungs aus der Steiermark kennenlernte, und zusätzlich auf ein Bier eingeladen wurde. Schade, dass ich mein Hotel schon gebucht hatte, denn ansonsten wären ich mit den 3 Jungs mitgefahren.

Nachdem der Wetterbericht im Moment richtig schlecht aussieht, weiß ich nicht wie weit ich morgen kommen werde, aber mein Ziel morgen ist mindestens Rovinj oder Pula.

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Track und Höhenprofil des heutigen Nchmittags

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Das kaputte Vorderrad

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Koper

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Der Hafen von Koper

Bis morgen!

2. Mai 2019

Ich sitze jetzt gerade im Hotel, und hoffe, dass ich morgen die nötigen Teile für eine Weiterfahrt bekomme. Morgen früh wird die Hotelrezeption den Taxifahrer anrufen, um mit ihm den Transport des Fahrrads in das nächste Fahrradgeschäft zu vereinbaren. Dann soll er mich abholen. Sollten die Teile nicht vorrätig sein, nehme ich mir wahrscheinlich einen Leihwagen, und fahre mit dem Rad nach Triest, um es dort reparieren zu lassen.

Die Reparatur sollte nicht allzu schwer sein, das kann sogar ich, es würde halt wesentlich länger dauern.

Schade ist nur, dass morgen ein Adria Tief mein Weiterreise einschränken kann. Wenn es regnet, macht es halt keinen Spaß.

So hänge ich hier fest, kann lesen, fernsehen und den Hintern schonen.

Morgen werde ich hoffentlich wieder mehr zu berichten haben.

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Das war übrigens die bisherige Route