20.05.2017

Hamar – Lillehammer


Wenn mir noch vor 3 Jahren gesagt hätte, dass ich eine derartige Reise antreten würde, dann hätte ich ihm wohl die Frage gestellt, ob er noch ganz sauber ist. Meine Freund sagten alle, als ich vor 9 Wochen aufbrach, dass ich einen Vogel hätte, und ich will da nicht dagegen reden. Jetzt bin ich in Lillehammer, der Stadt, die 1994 eine der schönsten Olympiaden durchgeführt hat. Ich kann mich noch genau an diese Zeit erinnern, denn unser Wasi, Markus Wasmeier holte hier 2 Medaillen. Ich kann es gar nicht glauben, zumal ich mit dem Rad hier bin. 

Aber zunächst möchte ich nochmals den gestrigen Abend Revue passieren lassen. 

Als ich da im Pilgerzentrum in Hamar ankam, würde ich von der jungen Wanja Aasen Hamre zum Bleiben überredet. Das Konzert interessierte mich, und diese Pilgerherberge sieht einfach nur super aus. Und man muss einfach cool, locker und spontan sein. Das war die richtige Entscheidung. 


In diesem Glaspallast, die die alte Kathedrale überdeckt, sollte es ein Jubiläumskonzert geben, mit 2 Musikern aus Schweden, Gitarre, Querflöte und Gesang. 

Das ist der  Link zu einer Kostprobe von Sophia Sahlin aus Schweden:

YouTube: St Olavs Gånglåt

Das Konzert war super, die Akustik in dieser, sagen wir verglasten Kathedrale, sensationell. Danach gingen wir in die Pilgerherberge zurück. Und da begann die junge Mitarbeiterin der Pilgerherberge unter der Begleitung des schwedischen Gitarristen zu singen. Ja sie hat hat eine gute Stimme.

Sie fragte mich was ich gerne hören würde. Halleluja, von Leonard Cohen, einen der schönsten Songs, die ich kenne. 

​Da läuft es mir eiskalt den Buckel runter…

Es war einfach ein wunderbarer Abend!

Heute früh musste ich bis 10 Uhr warten, bis die beiden Damen der Herberge kamen. Dann packte ich meinen Drahtesel und zog von dannen. In Ringsaker traf ich dann alle wieder, die Chefin der Herberge, ihre Mitarbeiterin Wanja und die beiden schwedischen Musiker. Hier gab es einen kleinen Mittelalter Markt. Wir nahmen einen Kaffee zu uns und dann verabschiedete ich mich endgültig. 


Von da an ging es nur noch bergauf und bergab, immer parallel zum See, auf Feld- und Waldwegen. Unterwegs traf ich einen Landwirt, mit seinem John Deere 6430 Premium. Er erzählte mir, dass er 130 Milchkühe hat, aber hier auch Kartoffeln, Sommergerste und auch ab und zu Sommerweizen angebaut wird. Aber erst seit 15 Jahren, seit der massiven Klimaänderung. Man könnte diese Landschaft mit dem Bayerischen Wald verwechseln, wäre nicht der schönere Baustil hier. Außerdem steht in fast jedem Bauernhof ein Boot, was in unserer Region eher die Ausnahme ist. 

St. Olavsquelle – eine  heilige Quellen, an der sich die Menschen Heilung erhofften 

Trail am See

Nach ein paar Kilometern standen vor einer großen Halle 4 alte Autobusse aus den 50er Jahren. Mit den davor stehenden Norwegern kam ich schnell ins Gespräch. Die Busse sind top restauriert. 

Ich fragte sie, wo ich hier mein Ticket nach Lillehammer kaufen könnte, schon war das Eis gebrochen.


Lang habe ich heute gebraucht für die 69 km, ich hab den ganzen Tag vertrödelt. De Tag war super, morgen geht es weiter Richtung Ringebu…

Im Übrigen bekomme ich sämtliche Informationen von einem alten Freund, der Schönau dem Olavsweg war, seiner Aussage nach der erste Regensburger. Das ist der Faber Tom!

19.05.2017

Langset – Hamar


Das war heute nicht der große und lange Trip, obwohl ich mich heute wirklich fit fühlte, obwohl ich gestern Abend im Zelt, und das bei strömendem Regen aufstellen musste. Der Weg ist sehr gut markiert, allerdings bewege ich vornehmlich auf geteerten Strassen. Es geht moderat bergauf und bergab. Auf der anderen Seite des Sees ist zwar eine Jugendherberge, allerdings war diese voll. Im Supermarkt erzählte man mir, dass es hier sonst nichts gäbe. Im Imbiss neben dem Supermarkt kaufte ich mir etwas zu essen, im Supermarkt noch 2 Dosen Bier. 

Das Zelt war schnell aufgestellt, ich konnte mich überdacht hinsetzen, und vertiefte mich in ein Buch, während ich die eine Dose Bier trank. Gegen 10 Uhr legte ich mich hin, und fiel sofort in den Tiefschlaf. 

Heute Früh um 9 Uhr saß ich schon auf dem Bike, fühlte mich fit und halbwegs ausgeschlafen, und auf ging’s weiter in den Norden. Nebelschwaden hingen über dem See!


Es war heute früh schon warm, sodass ich mit kurzer Hose und kurzem Hemd radeln konnte. Irgendwo kaufte ich mir in einem Supermarkt etwas zu essen, bis kurz vor Hamar gab es aber tatsächlich kein einziges Café, keine Bar, kein gar nichts. 40 Kilometer ohne Kaffee. In einem „Türkischen Lokal“ gab es dann endlich den gewünschten Kaffee. Mit dem Inhaber kam ich schnell ins Gespräch, denn er lebte über 20 Jahre in Deutschland. Als ich dann zahlen wollte, lud er mich überraschenderweise ein. 

Nachmittags wurde das Wetter immer besser, und das bei lauen Temperaturen!

Noch 12 oder 13 Kilometer nach Hamar ins Pilegrimssenter, wo ich herzlich empfangen wurde. Heute Abend ist hier in der der alten Domkirchen Ruine, die im Jahre 1567 vom schwedischen König Erik zerstört und niedergebrannt. Die Schweden waren damals schon harte Jungs.

Über diese Ruine wurde eine Glaskuppel gezogen – ein einmaliges Bauwerk. Und da ist heute das Jubiläumskonzert der Pilgerherberge.

Daneben ist das Hedmark Museum. Es war zwar geschlossen, aber die Mitarbeiter ließen mich freundlicherweise durchgehen.

Darin wurde der Schnaps gebrannt! Wenn diese Brennerei nich im Museum stehen würde, dann wäre der Alkohol vielleicht günstiger!


Die Normannen brannten hier diese alte Burg nieder!

Glashaube von außen


Ansicht der alten Kathedrale 


Pilgerherberge

18.05.2017

Oslo – Langset


Am Sonntag Abend kam ich mit Flieger und dann Zug in Oslo an. Die Familie Röhrl nahm mich in ihrem Zuhause auf. Es war wirklich eine unglaublich gute Zeit, und ich freue mich, wenn wir uns dann das nächste Mal in Regensburg treffen werden. Ein bisschen Wehmütig darf man da schon werden!

Ich besuchte auch Gerald Hofmaier mit seiner zukünftigen Frau Fiona, der irischen Antwort auf den „Würstl Toni“ in Regensburg. Die beiden leben in Kenmare, im Südwesten Irlands. Dort pausierte ich ebenfalls 3 Tage, und der Abschied fiel mir nicht leicht.

Genauso erging es mir in St.-Seurin als ich Vroni und Jochen besuchte, und zwei Tage meinen Hintern schonte. 

Sie sind für mich wahrscheinlich ein Stück Regensburg.

Mit dem morgigen Tag bin ich neun Wochen unterwegs. Ich war auf den spanischen Jakobswegen, der Via de la Plata, dem Camino Frances, und jetzt bin ich auf dem Olavsweg, der etwa den gleichen Stellenwert bei den Pilgern hat, wie der Jakobsweg. Als ich heute gegen 10:30 Uhr aufbrach, fuhr ich im Pilgerbüro von Oslo vorbei, und besorgte mir einen Pilgerausweis sowie einen Outdoor Reiseführer. 

Der norwegische Pilgerpfarrer, Dr. Roger Jensen, sprach fließend deutsch, denn er war 2 Jahre in Deutschland um zu promovieren. Er gab mir den Pilgersegen.

Das ist der Wortlaut des Gebetes:

Möge die Straße uns zusammenführen

Und der Wind in deinem Rücken sein

Sanft falle Regen auf deine Felder

Und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein

Und bis wir uns wiedersehen 

Halte Gott dich fest in seiner Hand!

Und jetzt bin ich wieder Pilger!

Am Bahnhof kaufte ich noch eine SIM-Karte für meinen WLAN Router, und fuhr dann zum Flughafen von Oslo. Von da aus ging es weiter in Richtung Lillehammer. Den ganzen Tag nieselte ganz leicht, was mich nicht störte, bis es gegen 17 Uhr richtig zu regnen begann. Hier in Langset gibt es scheinbar keine Übernachtungsmöglichkeit, sodass ich wohl oder übel mein Zelt aufschlagen werde. Im Wetterradar ist zu sehen, dass die Regenfront bald vorüber ist, und so lange warte ich jetzt, bis ich zum Campingplatz aufbrechen werde.

Ich muss mir nur noch etwas zu trinken kaufen, und vielleicht eine Kleinigkeit zu essen, denn ich habe mir schon vor einer Stunde den Magen vollgeschlagen.

Der Radweg nach Trondheim ist mit der Nummer 7 ausgeschildert. Es ist der Fahrradweg für die Olavswegpilger.


Von Norwegen habe ich noch nicht viel gesehen, außer den Regen, und das seit Montag. Das ist mir aber vollkommen egal, denn die letzten Tage ging es mir mehr als gut!


Kleiner Staudamm,  bei einer kurzen Regenpause kurz vor Eidsvoll


Die norwegisches „Röhrls“ in Landestrachten!

Norwegisch und Bayerisch!

So soll es sein!

Schee war’s bei euch!

17.05.2017

Oslo – Nationalfeiertag

Seit Sonntag bin ich jetzt in Oslo, der Stadt, die den europäischen Metropolen wie Paris oder London Konkurrenz machen will und wird. Oslo ist eine tolle Stadt, auch bei Regenwetter. Selten habe ich eine derartige Gastfreundschaft erlebt wie hier bei den „Röhrls“. Ich habe nicht nur ein gutes Bett, nein, ich kann meine mufflige Wäsche waschen, und Kari kocht einmalig gut. Wahrscheinlich hab ich die letzten Tage wieder 2 Kilo zugenommen. Macht aber nix, das wird wieder weggeradelt. 

„Der Gast, und sei er noch so schlecht, er wird geehrt, das ist sein Recht“, hat mein Vater immer gesagt!

Heute früh sind wir zum „Königlichen Schloss“ gefahren, um die an der königlichen Familie vorbeiziehenden Schulen zu sehen. Es ziehen nur Kinder an der königlichen Familie vorbei, denn sie symbolisieren die Zukunft des Landes. Jede Schule hat ihr eigenes Wappen. Heute ist der Tag, an dem ganz Norwegen ihre Unabhängigkeit von Schweden feiert!

Die 2 Jungs, Alexander und Maximilan waren in der 66. Abordnung mit ihrer Schule, der deutschen Gesamtschule in Oslo. Es ist ein wunderbares Fest, denn tatsächlich sind die Kinder die Protagonisten des Nationalfeiertages. Man begrüßt die Leute mit „alles gute zu diesem besonderen Tag – Gratulerer med dagen!

Nach diesem gigantischen Umzug von insgesamt 6000 Schülerin in rund 120 Schulen ging es dann zu einer Feier in die Schule. Und da traf ich die gesamte Regensburger Gemeinde von Oslo.

Dr. Florian Krumbacher, Chef Justitiar in einer weltweiten Firma! 

Dr. Markus Wiedmann, Neurochirurg und Kollege von Stepahn an der Uniklinik in Oslo! 

Benedikt Wiedmann, 1. Geiger an Oper in Oslo!

Prof. Dr. Med. K. H. Wiedmann, Vater von Markus und Benedikt, ehem. Chefarzt bei den Barmherzigen Brüdern

Uwe Spangler, Dipl. Pädagoge und Personalberater in Oslo

Dr. Stephan Röhrl


Stefan stellte mich überall allen vor, und erzählte meine Geschichte. Als Stephan dem Prof. Wiedmann von einem Regensburger erzählte, der da mit dem Radl unterwegs, meinte er, das habe er in der MZ gelesen, sah mich an, und sagte, das ist er ja. Genau das ist er!

Ein super Abschluss hier in Oslo!

Ich bin jetzt schon wehmütig bei dem Gedanken, dass ich morgen weiterfahren muss. 

Noch ein paar Fotos aus Oslo!


Kari und Stephan 

 

16.05.2017

Oslo 2. Tag

Dr. Stephan Röhrl
Er ist der erste Röhrl in Norwegen erzählte er mir, Dr. Stephan Röhrl, und seine beiden Jungs, Alexander und Maximilian werden diesen Namen in Norwegen vermehren, wenn sie denn hier bleiben sollten. 2 super nette Burschen, sportlich, intelligent und höflich, so habe ich kennengelernt. Sie fragten mich ob ich „Watten“ könnte. Natürlich, ich bin ja fast ein Profi, zwinkerte ich Ihnen zu. Gestern habe ich Ihnen die erste Lehrstunde gegeben. Wenn das so weitergeht mit den Röhrls, wird „Watten“ In 200 oder 300 Jahren Volkskartenspiel in Norwegen, vielleicht sogar ganz Skandinavien werden. Das Schafkopfen möchten die beiden auch lernen, der Papa kann es nicht. Aber der Cousin Peter, der Möbelspediteur spielt regelmäßig, ob er es allerdings beherrscht, durfte ich noch nicht testen. 

Kary, die Ehefrau hat immer ein strahlendes Lächeln auf Lager. Mit einem sympathischen Lächeln wird man immer die Welt gewinnen.

Genauso Stephan, der forschende Mediziner in Oslo. Das ist seine 2. Heimat, was ich auch verstehen kann, so wie er mir die Stadt uns das Leben hier beschreibt. Ich hätte 2 mal die Chance gehabt ins Ausland zu gehen. Ich habe gekniffen, denn wahrscheinlich war ich der Stinkstiefel zu groß. Ich bereue es nicht, aber meinen Horizont hätten Auslandsaufenthalte deutlich vergrößert.

Der Stephan ist nicht nur ein anerkannter Mediziner, er ist Gitarrist und ehemaliger Hochleistungssportler – deutscher Mannschaftsmeister mit Abensberg als Judoka!

Wie bringt man das alles unter einen Hut, stelle ich mir die Frage, nur mit Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und Fleiß. 

Der kürzeste Weg zwischen A und B ist die direkte Gerade, so interpretiere ich ihn.

Jeder Umweg kostet Zeit, Geld und Energie.

Sein Judoverein in Oslo ist letztes Jahr als bester Verein ausgezeichnet worden.

Als ich gestern im Training dabei sein durfte – er ist der Cheftrainer, Lizenz für Bundesliga – habe ich ihn genau beobachtet. Er steht nicht nur authentisch auf der Matte, nein er versucht die Menschen zu begeistern, für seinen Sport zu motivieren. Er macht voll mit, ist eh klar, und steht im Gleichgewicht auf der Matte. Den legt man nicht so schnell aufs Kreuz, denke ich mir. Und so scheint es in seinem Leben auch zu sein, das Gleichgewicht erkennt man beim Sport, in der Familie und sicherlich genauso im Beruf. 

Der 22. Juli 2011 war der schwärzeste Tag in seinem Leben, der Tag des Anschlags auf die Jugendlichen. Tag und Nacht war er in der Klinik und operierte. Die Trauerfeier mit den Angehörigen wird er wohl nie vergessen. Da läuft es mir, obwohl ich das nicht erlebt habe, eiskalt den Buckel runter. 

Gestern hatte ich Geburtstag, ich wurde geherzt, und bekam ein „Survivalset“ für die Norwegische Einsamkeit. Die Kinder sangen mir ein Ständchen.

Da stockte mir der Atem!

Habe ich diese Gastfreundschaft verdient?

15.05.2017

Oslo


Als ich gestern am Bahnhof in Oslo ankam, würde ich mehr als herzlich von Stephan Röhrl begrüßt. Ein Lächeln gewinnt halt immer. Er ist der Cousin vom Möbelspediteur Peter Röhrl, der ein alter Freund ist von mir. Über ihn gab es auch einen netten und interessanten Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung“, in der ihn kein geringerer als Helmut Wanner als einen „Beau“ beschreibt. Für sein Alter schaut er nicht schlecht aus, das möchte ich schon zugeben, aber gleich „Beau“…..

Ich bin aber nicht beim Röhrl Peter, ich bin beim Röhrl Stefan in Oslo, der mich zuerst am Bahnhof und dann in seinem Haus herzlichst willkommen hieß, als wären wir die ältesten Freunde. Das ist nicht selbstverständlich, das weiß ich und das schätze ich. 

Als erstes fuhren wir auf den Fußballplatz, um einem der Jungs beim Fußballspiel zuzuschauen. Danach holten wir den Zweiten bei einem Freund ab, und dann ging es nach Hause. Stephan heizte schon am Samstag seinen Badezuber im Garten ein, damit er am Sonntag heiß ist. 2500 Liter Wasser wollen schon geheitzt werden. Das macht er ab und zu, wenn Gäste kommen, und die Zeit vorhanden ist.  Wir saßen sicher 2 Stunden im Bad, und unterhielten uns über Gott und die Welt, was ihn dazu bewegt hat, nach einer Station in Schweden nach Oslo zu gehen, und das wohl für immer. 


Er ist ein Bayer aus Regensburg, betont er ganz deutlich. Wir sind uns einig, dass wir in Bayern, speziell in Regensburg in der heilen Welt leben. Wir sollten mehr über den Tellerrand hinausschauen, und die Vielseitigkeit der Welt versuchen kennenzulernen.

Es geht uns einfach unglaublich gut!

Stephan ist genauso wie der Physiker Prof. Alex Lenz aus meiner Sicht ein total durchstrukturierter Mensch, der mit Disziplin nicht nur sein Studium durchgezogen hat, sondern auch noch mit den Judokas aus Abensberg „deutscher Meister“ wurde. Abgesehen davon, sind sie ganz gute und langjährige  Freunde. Zu diesem Freundeskreis gehören natürlich auch Martin Wunike, Geschäftsführer der MZ und „Ehemaliger des Original Fliegenden Zirkus“, und auch Dr. Stefan Oster, Bischof in Passau, ebenfalls ein super Sportler, und ein „blitzgescheiter“ Mensch. So schließen sich die Kreise zwischen der Physik, der Medizin dem Buisiness und der Philosophie. 

Dazwischen der „Weger Alois“, der Verkäufer….

Wenn mir ein Freund in meiner Stammkneipe  Oma Plüsch die Frage gestellt hat, trinken wir noch ein Bier, dann sagte ich, geht nicht, weil ich kurz vor meinen Klausuren stehe und lernen muss. Komm, eines trinken wir noch, und der Damm war gebrochen. Ich war einfach leicht zu überreden.

Das sind die Unterschiede!

Ich fühle mich sehr wohl hier in Oslo, denn die Stadt sieht sehr gut aus, obwohl es heute eher regnerisch ist. 

Eine Stadt kann man erst kennenlernen, wenn man sie versteht, und das geht nur wenn man auch in ihr lebt. 

Ich kann mir vorstellen, dass das hier schon lebenswert ist. Das Meer ist vor der Tür, und der Holmenkolm liegt am Stadtrand. 

 

14.05.2017

Aberdeen – Oslo

Eigentlich war die Reise etwas anders geplant oder gedacht, als ich sie bis zum heutigen Tag durchgezogen habe. Wie kam ich auf die Idee beziehungsweise auf den verrückten Gedanken, 15.000 oder 20.000 Kilometer mit dem Mountainbike zu fahren um dabei Europa fast zu umrunden. 1987 oder 1988 habe ich mir mein erstes Mountainbike gekauft und alle Wanderwege rund um Regensburg erkundet. Ich war niemals ein Rennradfahrer, weil mich der Straßenverkehr immer aufgeregt hat. Mit dem Mountainbike ist man in der Natur unterwegs, und kann die Ruhe und die gute Luft genießen. Über Stock und Stein zu fahren macht riesigen Spaß, man muss sich konzentrieren und schauen nicht das Gleichgewicht zu verlieren. 

Immer wieder habe ich kleinere Radtouren gemacht, 2 mal nach Wien, einmal nach Prag, einmal ins Lungau auf die Mehrlhütte. 

Vor 2 Jahren beschloss ich kurzer Hand mit meinem 10 Jahre alten MTB und völlig untrainiert nach Santiago de Compostela zu radeln. Meine physische Situation war eher beängstigend schlecht. Schlechte Ernährung und jeden Tag 50 Zigaretten sowie meine persönliche Unzufriedenheit hätten mich wahrscheinlich zum körperlichen Kollabs geführt. 

Am Ostermontag war es dann soweit, Start in Regensburg gegen 11 Uhr Richtung Donaueschingen am Donauradweg. In Kapfelberg kam ich in einen Schneesturm und fragte mich ob es nicht besser wäre, in eine Psychotherapie zu gehen, oder diesen Irrsinn durchzuziehen.

4 Wochen vorher hatte ich übrigens zu das Rauchen final beendet. 

Das war eine traumhaft schöne, lehr- und erfahrungsreiche Reise. Für diese 2800 km benötigte ich genau 35 Tage. Ich genoss das Alleinsein, die Ruhe und die Natur, aber auch die alten geschichtsträchtigen Städte und Orte in Deutschland, Frankreich aber auch in Spanien. 

Ich genoss aber auch jede Minute, in der ich mich mit mir und meinen Gedanken und Gefühlen auseinander setzen konnte. Ich genoss es, meine Gedanken endlich einmal zu Ende denken zu können.

Welch eine Erfahrung!

Der Jakobsweg packte mich genau so, wie es vielen Anderen ebenfalls ergeht.

Das Wesentliche ist wohl die Freiheit die man plötzlich erlebt, und das damit verbundene Glücksgefühl. Sich auf irgend einen Felsen zu setzen, einen Apfel zu essen und in die Natur zu blicken, das sind banale Erlebnisse aber elementar. Das Leben zu fühlen, die Sinne, die uns die Evolution gegeben hat in Anspruch zu nehmen, muss man erst einmal neu erlernen und zulassen.

Letztes Jahr flog ich mit einem Freund nach Faro an die Algarve. Von dort aus führte uns unser Weg zum Capo do Vince, dem südwestlichsten Zipfel des europäischen Festlandes. Auf dem und portugiesischen Jakobsweg gelangt man über Lissabon, Porto, Coimbra nach Santiago de Compostela. Michael musste wieder nach Hause während ich mit dem Fahrrad nach Hause zurückkehrte.

Wieder eine super Reise mit insgesamt 4.200 km.

Im Herbst ging mir die jetzige Radtour nicht mehr aus dem Kopf, also beschloss ich im März zu starten. Zunächst auf den Eurovelo 1, dem Atlantikküstenweg, von Sevilla zum Nordkap. Allerdings wollte ich in Spanien auf der Via de la Plata fahren, dann auf dem Camino frances, zwei geschichtsträchtige Jakobsweg die man einfach gesehen haben muss.

Ob ich wenigstens dieses Mal vorbereitet war? Ein ganz klares Nein, kann ich da nur antworten. 

Gut, „Bikezeit“ in Neutraubling hat mich super unterstützt. Sie haben mein Fahrrad komplett überholt, mir die entsprechenden Erstzteile gegeben, bis hin zu Ersatzspeichen.

„Mein Ausrüster“ in Wörth hat mir geholfen, was den gesamten Outdoor Bereich wie Zelt, Isomatte etc. betrifft. 

Das war’s mit meiner Vorbereitung!

Jetzt wird sich jeder fragen, wie ich auf die Idee komme, Regensburger auf meiner Reise zu besuchen und zu „interviewen“.

Das ist natürlich nicht mir eingefallen, sondern Mänk Wunnike, dem Geschäftsführer der „Mittelbayerischen Zeitung“ in Regensburg. Ich fand diesen Gedanken klasse, zumal Helmut Wanner von der MZ meine Erfahrungsberichte in eine journalistisch einwandfreie Form bringt. 

Gerade sitze ich im Flieger von Aberdeen, unserer Patenstadt nach Oslo. Dort werde ich Dr. Stephan Röhrl treffen, der hier mit seiner Familie nicht nur lebt und arbeitet, sondern immer noch als Sportler und ehemaliger Judoka aus Abensberg in Norwegen schwer aktiv ist. 

Ich habe jetzt gerade noch 5 Wochen um mein erstes großes Ziel, das Nordkap am 21. Juni zu erreichen. Ich denke, dass ich schon noch das eine oder andere Mal auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen muss. Ich befürchte the, dass es jetzt richtig anstrengend wird. Die Einfahrzeit ist vorbei. 

Am Nordkap beginnt der Eurovelo 13, der sogenannte „Iron Curtain Trail“, der Weg des eisernen Vorhangs. Das Ende liegt am Schwarzen Meer. Soweit werde ich wahrscheinlich nicht kommen.

Das heißt, 8 Monate Freiheit, Glück und Natur. Aber auch 8 Monate in denen man sich jeden Tag neu motivieren muss, auch wenn es richtig weh tut.

„Des schod ned“, hätte meine Oma gesagt, „des hod noch nie oan gschod“!

Und jetzt sitze ich bereits in Oslo am Bahnhof und harre der Dinge die da kommen werden. Stephan Röhrl holt mich ab, denn mein Asylantrag in seiner Familie ist durchgegangen. Ich freue mich so, als wären wir schon lange gute Freunde. So ist das, wenn man seit 2 Monaten nicht mehr zu Hause war.

13.05.2017

Portsoy – Aberdeen Flughafen

Das war ja noch ein lustiger Abend mit den 8 Schottischen Golfspielern. Gerade als ich an dieser kleinen Hotelbar meinen Cider bekam, stellten sie sich daneben um ein Bier zu trinken. Ich erzählte ihnen, dass ich mit dem Rad am Golfplatz vorbeifuhr, als einer sagte, er hätte mich gesehen. 

Ich schloss mit mich der Gruppe an, um im einzigen Lokal in diesem Ort zu essen. Als es um die Rechnung ging, würde ich von den 8 Jungs eingeladen. Welch eine Ehre!

Als ich heute früh wach wurde, regnete es gerade. Und der Wetterbericht im Fernsehen prognostizierte auch nichts Gutes. In Wetter.com waren die Voraussagen genauso bescheiden. Ich darf mich nun wirklich nicht aufregen, denn die Woche hier in Schottland war grandios, landschaftlich wie auch seitens des Wetters. Egal, dachte ich mir, morgen werde am Flughafen von Aberdeen einen Flug nach Oslo buchen. Ich freue mich schon auf Norwegen, denn die beiden Regensburger, genauer Beratzhausener, Luise und Peter, erklärten mir, dass Norwegen aus ihrer Sicht das absolute Highlght sei. 

Die Strecke von der Portsoy an der Nordküste Richtung Aberdeen quer durch die Pampa  ist wahrlich nicht der Reisser. Das ist ein Gebiet intensivster Landwirtschaft mit Ackerbau und auch Viehzucht. Ansonsten meint man hier am Arsch der Welt zu sein.

Dieser 12 Kilometer Küstenabschnitt war um so schöner und interessanter. Ich kam zu einem langen Sandstrand, direkt vor einem Campingplatz. Man hörte lediglich  das Rauschen der See, und das Gekrächze der Möven. Auf die Bank setzen und in Gischt der Wellen schauen, das reicht vollkommen und wirkt beruhigend auf Körper, Geist und Seele!

Der Anblick des Protagonisten von Vorne, zeigt nicht was er an Gewicht auf der Reise bisher verloren hat. Ich gehe vo ungefähr 10 kg aus. Das bedeutet, dass ich immer noch mindestens 15 kg Zuviel auf den Rippen habe. Aber ich bin zuversichtlich, auch diesen Rest zu verlieren. Allerdings ging es mir hier, sowohl in England, als auch in Wales, Irland und Schottland fast zu gut. Das Essen hier war wirklich sehr gut, und mit dem was ich vor 45 Jahren erlebt habe nicht mehr vergleichbar. 


Einsamer Strandspaziergang

Mittag hab ich mir ein Lachssandwich gekauft, einen Kaffee getrunken, dann ging es wieder weiter, lustlos dem Wind entgegen. Als ich die auf mich zukommende Regenfront sah, kehrte ich schnurstracks um, ins gleiche Lokal in dem ich vorher schon saß. Ich bestellte mir einen Cappuccino, während es draußen zu regnen begann. Der Inhaber des Restaurants erklärte mir wo der Bus abfahren würde, und ich folgte seinem gut gemeinten Rat. Ich nahm den Bus nach Dyce zum Flughafen Aberdeen. 

Trockenen Hauptes erreichte ich den Flughafen, buchte den Flug nach Oslo und suchte mir ein Hotel. Für das Mariott bezahle ich hier weniger als für das eine oder andere „Loch“. Ich werde um 16 Uhr in Oslo ankommen, und ein bis zwei Tage hierbleiben. Ich benötige noch Kartenmaterial für den „Olavsweg“, dem bekanntesten Pilgerweg Skandinaviens benannt nach König Olav. Dieser Weg muss traumhaft schön sein, ähnlich wie die spanischen Jakobswege. Ich bin gespannt. 

Eigentlich wollte ich ja mit der Fähre nach Bergen schippern, da es diese aber nicht mehr gibt, hätte ich fliegen müssen. Außerdem lebt in Oslo ein Regensburger, den ich wieder besuchen werde. Er ist Arzt und lebt mit seiner Familie schon ewig hier. Ich freue mich schon auf diese interessante Begegnung.

Sollte ich am Dienstag dann weiter fahren, werde ich wohl 3 – 4 Tage brauchen, um nach Lillehammer zu kommen. Ich benötige also noch das entsprechende Kartenmaterial. Das sind von Oslo nach Trondheim ungefähr 650 km, eher Trails, und dann sicherlich nochmals 2000 km zum Nordkap.

Gestern vor 8 Wochen bin ich auf Reisen gegangen, ich habe wirklich viel gesehen, interessante Menschen kennengelernt, und freue mich auf die nächsten Wochen und Monate, wenn auch mit einer gewissen Spannung. Es macht Spaß mit dem Fahrrad zu reisen, und ich genieße jeden Tag. Fast möchte ich sagen, dass ich das schon in jungen Jahren hätte machen müssen. Alleine um die Sprachen zu lernen, und um den eigenen Horizont zu vergrößern. 

Zusammengefasst habe ich mit dem gestrigen Tag genau 8 Wochen, 56 Tage bis hierher gebraucht. Das waren mit 5 Tagen Pause, 51 Tage auf dem Bike 4932 km, was einem Durchschnitt von 96 km bedeutet, allerdings sind alle zurückgelegten Strecken, inklusive Bus, Zug, Auto und Fähre dabei. Es waren insgesamt lediglich 25000 hm.

Bisher waren die Wege eher Spaß, ab jetzt wird es wohl ernst.

12.05.2017

Elgin – Portsoy


Gestern Abend war ich wieder mal total alleine. Als ich mein Zimmer bezogen habe, und mit dem Tagebuch fertig war, ging es zu Fuß ins Zentrum von Elgin, um ein Lokal zum Essen zu finden. Also auf zum Türken. Das Essen war sehr gut und gerade noch bezahlbar, wenn auch nur im Vergleich zu den Lokalen hier in Schottland.

Danach war ich ziemlich kaputt. Knappe 60 km mit dem Rad wieder gegen noch erträglichen Wind, sowie 2 Whisky Tastings zollten ihren Tribut.

Um 10 Uhr sind mir Augen zugefallen! 

Nach dem Frühstück heute ging es wieder nach Osten an der Küste entlang, und zwar gegen wirklich starkem Wind. Der Wind war so stark, dass ich fast vom Rad geblasen wurde.


In der Ebene fahre ich mit 10 vielleicht 12 km/h, das macht nicht den großen Spaß. Aber die Landschaft ist einmalig. 

Vorbei an vielen Golfplätzen, die es hier zuhauf gibt, hätte ich sofort mit meinen Golfschlägern gegen mein Mountainbike getauscht. Besonders als ich den Golfplatz „Cullen Links Golf Club“ vorbei fuhr! Dieser Platz ist einmalig.


Ziemlich entnervt trampelte ich weiter auf das Bike ein, um wenigstens nach Portsoy zu kommen. Dort am Ortsanfang sah ich an einer Tankstelle ein Wohnmobil mit Regensburger Kennzeichen. 

Die beiden kommen aus Beratzhausen, und sind auf Schottland Tour. Im Wohnmobil gab es dann Kaffee, und wir unterhielten uns 2 Stunden, sodass ich tatsächlich nicht mehr weiterfahren brauchte.


Jetzt sitze ich in der Bar im Hotel, ich schreibe das Erlebte auf, während die Schotten, die mich heute sahen, als ich mit dem Rad am Golfplatz vorbeifuhr auf mich einreden. Mit dieser Truppe werde ich zum Essen gehen.

Morgen soll der Wind in Böen bis zu Windstärke 6-7 erreichen, aus der für mich schlechtesten Richtung!

11.05.2017

Nairn – Elgin


Ich weiß tatsächlich nicht mehr wer mir das erzählt hat, oder wo derjenige mir es erzählt hat, aber es ist wahr! Je weiter du in den Norden kommst, umso teuer wird das Übernachten. 

Es stimmt. Außerdem findet man auch keinen Campingplatz der offen ist. Plätze für Wohnmobile und Wohnwägen gibt es wohl genug, aber für ein Zelt ist das gar nicht so einfach. 

Gestern Abend saß ich also beim Italiener, das Essen war gut, ein Bier und ein Glas Wein, das war’s. Heute früh nach dem Frühstück wieder auf dieses blöde Rad, ich hatte nämlich keinen Bock, und ab geht die Post Richtung Aberdeen, der Patenstadt von Regensburg. Natürlich gegen auffrischenden Gegenwind. Laut Google Maps sind es 190 km, also stelle ich mich auf mindestens 220 km ein. Ich folge ja nicht dem Routenvorschlag von Google, sondern dem schottischen Radweg. Top ausgezeichnet, aber er geht halt Kreuz und Quer.

Nach ungefähr 25 km fuhr ich in einen Ort namens Forres. Gleich am Ortsanfang entdeckte ich eine Destillerie.


Sofort fuhr ich zum Besucherzentrum. Dort würde ich von einem Schotten in meinem Alter empfangen, und wir kamen schnell ins Gespräch. Er erklärte mir nun ganz genau, wo die besten Whisky Destillerien zu finden sind, und wie ich die eine oder andere auf dem Weg nach Aberdeen zu finden ist. Jetzt bin ich wirklich zufrieden. 

Dass ich während des Gespräches einen guten Whisky zum probieren bekam, ist nicht erwähnenswert! 

Er erklärte mir ferner, wo meine nächste Station sein könnte. Nämlich in Elgin. Die Führung begann um 15:30 Uhr, ich war der einzige Gast. Der junge Mann erklärte mir alles bis ins kleinste Detail, er machte das super. 

Mit Leidenschaft erklärt!

Mit Leidenschaft getrunken! Alle vier!


Der Whisky reift in den verschiedensten und schon benutzten Holzfässern aus aller Welt. In amerikanischen Whisky Fässern, in französischen oder spanischen Barrique Fässern aber auch in alten Jerry Fässern. So nimmt der Whisky etwas Geschmack an. Diese verschiedenen „Tastings“ kann man dann an den unterschiedlichen Holzfässern erriechen!

Ich habe ein Fass von Château Yquem entdeckt, bekannt für den wohl teuersten Dessertwein der Welt. Und jetzt reift hier der Whisky. Der Junge Führer erklärte mir, dass die Sherry Fässer bis zu 800 Pfund kosten würden, und die Kellereien von diesen Einnahmen leben würden, und nicht von der Produktion des Sherrys.

Eine genaue Beschreibung bekomme ich noch zugeschickt.

Der Tag nahm also doch noch ein gutes Ende!

Landschaftlich ist dieses Land geprägt durch intensivem Ackerbau. Sommergerste zum Whisky brennen, aber auch ewig große Felder mit Kartoffeln. Fast jedes Feld ist mit GPS, und zwar mit einem Top Signal gesät und bearbeitet worden. Wie auch bei uns.

Ab und zu sieht man noch Rinder und Schafe. Diese Muttersauenhaltung im Freien habe ich so noch nie gesehen. Sieht interessant aus.

Schnurgerade Kartoffeldämme


Ungefähr 200 Mutterschweine sind hier auf diesem Feld