1. Mai 2019

Der Tag hatte eigentlich so gut angefangen, ich fühlte mich richtig fit, das Wetter war sehr gut, vielleicht etwas kühl, als er jäh zu Ende ging, als ich nämlich um 15 Uhr mit einem Motorrad einen Unfall baute. Das ist das erste Mal, dass ich mit dem Fahrrad überhaupt einen Crash mit einem anderen Verkehrsteilnehmer hatte. Und jetzt das. Der Schrecken sitz mir immer noch in den Knochen.

Als ich nämlich in einer Rechtskurve links in einen Parkplatz abbiegen wollte, kam von hinten ein Motorrad und fuhr mir, glücklicherweise reagierte ich noch richtig, direkt ins Vorderrad, welches natürlich jetzt total kaputt ist. Inklusive der Bremsscheibe.

Das Motorrad kam erst 20 Meter nach dem Crash zum stehen. Ich denke, dass er schon schnell unterwegs, und in dieser unübersichtlichen Kurve mit einem in der Mitte fahrenden Radfahrer nicht rechnete.

Knie und Ellbogen sind leicht lädiert, ansonsten fühle ich mich etwas zittrig, hätte diese Geschichte doch anders ausgehen können.

Jetzt sitze ich in diesem Ort mindestens bis Freitag fest, denn morgen ist auch noch dazu ein zweiter Feiertag hier in Slowenien.

Ich hoffe, dass ich hier ein Komplettrad mit der Bremsscheibe bekomme.

IMG_0367.jpg

Zum Schluß gab es noch ein Friedensfoto !

Als ich heute früh, Punkt 9 Uhr das Hotel verließ, hatte es gerade mal 10 Grad. Nach guten 3 Kilometern kam ich langsam aus Ljubljana raus, und der Stau begann. Mindestens 10 Kilometer konnte eich auf einem der wenigen Fahrradweg rechts vorbeifahren, unter der Belastung von slowenischem Autosmog. Die Luft war echt scheiße. Allerdings kam ich richtig gut voran, ich fühlte mich richtig fit. Ziemlich genau nach 20 Kilometer kam dann die erste Steigung, gute 200 Höhenmeter rechts an den stehenden Autos vorbei.

Mann o Mann war diese Luft schlecht.

Bildschirmfoto 2019-05-01 um 17.43.24.png

Der 2. Anstieg war dann wirklich. Rechts fuhr ich an den Autos vorbei, links die Motorräder, manchmal war ich auch links. Ala es dann bergab ging, überholte ich alles.

Und dann, eine Stunde später, passierte es, dieses blöde Ungeschick. Im übrigen lag alle Teile aus der Lenkertasche auf der Strasse, Fotoapparat, Handy und das wichtigste Werkzeug. Nichts ist kaputt, ausser mein Rad.

Bildschirmfoto 2019-05-01 um 16.43.02.png

Und doch kam ich 70 Kilometer weit. Heute wollte ich die 100 Kilometer radeln. Denkste!

_DSC1233.jpg

So sah es auf dem Pass aus!

Die schwersten Unfälle passieren beim Zusammenprall mit der Wirklichkeit.

© Harald Schmid

(*1946), Aphoristiker

Quelle: Schmid, Wer laut denkt, lebt gefährlich. Aphorismen und Notate, Stadthaus-Verlag 2016

Oder mit einem Motorrad!

 

Ich bin heilfroh, dass ich nicht mit gebrochenem Gebein im Krankenhaus liege, und meinem Allerwertesten tuen 2 Tage Abstinenz vom Fahrradsattel gut.

Von Mitleidsbekundungen muss nicht Abstand genommen werden.

 

30. April 2019

Gestern habe ich wahrlich eine lustige Unterkunft – über booking.com – gebucht. Der Eingang zu meinem Zimmer war ausschließlich über die dazugehörige Garage möglich. Das Garagentor konnte man von innen elektrisch schließen. Der Preis von 45 € war in keiner Weise für mich nachvollziehbar. Die beiden Eheleute und Inhaber des „Hotels“ waren aber wirklich super nett, und haben vieles ausgeglichen.

Um 8.15 Uhr saß ich dann heute früh auf dem Rad, weil der Wetterbericht super schlechtes Wetter voraussagte, und ich einfach nur nach Celje kommen wollte, um dort bei Regen entweder zu bleiben, oder mit dem Zug nach Ljubljana zu fahren.

Ohnehin war die Fahrt nach Celje auf der Bundesstrasse bescheiden, eng und voller LKW. Der Spaßfaktor war hier eher nicht vorhanden. Celje ist eine nette Kleinstadt, die man aber schnell gesehen hat, wie Straubing beispielsweise.

Mit dem Zug bin ich dann um14:30 Uhr angekommen, Zimmer bezogen, und seitdem in der Altstadt unterwegs. Diese Stadt ist wirklich sehr schön, die K&K Zeit deutlich sichtbar, Geht man in die kleinen Gassen, fühlt man sich in die 60er Jahre Regensburgs zurückversetzt. Da ist noch viel zu tun. Ohne EU und deren Unterstützung würde dieses Unterfangen vielleicht gar nicht realisierbar sein.

Ist das nicht ein Segen?

Am Wichtigsten ist für mich heute, in dieser Zeit, der soziale Frieden, der durch die EU sicherlich garantiert wird. Es sei denn, die rechten Populisten nehmen überhand. Wie schön ist es, durch Europa zu reisen, ohne großen Passkontrollen ausgesetzt zu sein, mit ein und der selben Währung. Wie schön ist es, in all diesen Ländern herzlich empfangen zu werden, ohne diesen unsäglichen Ressentiments des 2. Weltkriegs ausgesetzt zu sein.

Im Jahre 1981 bin ich mit 2 Freunden auf dem ehemaligen Autoput durch Jugoslawien nach Griechenland gefahren, und wie beklemmend war es, wenn man an der Grenze stand, oder von der Polizei kontrolliert wurde. Der Zugschaffner hat mir heute geholfen, mein Fahrrad in den Zug zu heben, kontrollierte mein Ticket, und sagte, ich solle mich hierhin setzen. Das war die 1. Klasse, die ich aber gar nicht gebucht hatte.

Wir haben einfach nur die Pflicht, unseren Kindern das zu erhalten, was sich mit dem Sturz des Kommunismus entwickelt hat, die Freiheit!

Morgen werde ich Richtung Triest fahren, weiter geht es dann nach Istrien, nach Pula und Rovinj. Im Moment Regent es, morgen und übermorgen soll es wieder einigermaßen  sonnig und warm werden, bevor wieder ein Schlechtwettergebiet kommen soll.

Gerade war ich noch in der Touristeninformation, die ebenfalls kein Kartenmaterial für Fahrradfahrer liefern kann.

Bildschirmfoto 2019-04-29 um 18.36.09.png

Bildschirmfoto 2019-04-30 um 16.57.45.png

Meine Tagesetappe von lediglich 32 Kilometer

_DSC1200.jpg

Rechts, meine Garage

_DSC1201.jpg

das könnte auch in der Toscana sein

_DSC1219.jpg

Burg von Ljubliana

_DSC1228.jpg

Altstadt mit Blick zur Burg

29. April 2019

Als ich heute gegen 9 Uhr vom Hotel wegfuhr, hatte es vielleicht 10 Grad, doch die Sonne schien. Also kurze Hose, kurzärmliges Hemd und Softshell Jacke.

In Mureck entdeckte ich einen Fahrradladen, wo ich mir eine neue Radlhose kaufte, um meinem Allerwertesten etwas gutes zu tun. Es geht hier ungefähr 25 Kilometer an der Mur entlang, bis man nach Spielberg kommt. Einen Schwenk in Richtung Süden, und schon ist die Slowenische Grenze da. Schon von weitem kann man die Überbleibsel des Sozialismus erkennen, wie halt überall im ehemaligen Osten.

Kaum war ich in Slowenien, wurde es kalt, es begann ganz leicht zu regnen. Also holte ich meine lange Hose raus und zog mich um. Es war richtig kalt. Ein mir entgegenkommender Fernradler mit wahnsinnigem Gepäck war von oben bis unten eingemummelt, als würde er sich in Sibirien befinden. Was zieht dieser Mensch an, wenns mal richtig kalt wird?

Maribor, ehemals Marburg hat 160000 Einwohner, ist eine Universitätsstadt, und hat für mich nicht viel zu bieten. Eigentlich hatte ich mir schon überlegt, dort zu übernachten, das habe ich mir aber schnell aus dem Kopf geschlagen, weiter ging es Richtung Ljubliana.

Die Straßen hier sind grottenschlecht, die Radwege eher eine Katastrophe. Glücklicherweise habe ich mir zuhause schon einen Rückspiegel montiert, denn ich fühle jetzt mich wesentlich sicherer auf diesen bescheidenen Straßen.

Über booking.com habe ich irgendwo in der Pampa ein „Hotel“ gebucht. Leider musste ich feststellen, dass das Restaurant heute geschlossen ist. Freundlicherweise bekomme ich doch noch etwas Warmes zu essen.

Insgesamt waren das heute 80,5  Kilometer, mit 452 Höhenmetern. Ganz zum Schluß kam ein Anstieg von 18%, mit diesem Gepäck für mich ein Hammer.

Für morgen ist der Wetterbericht schlecht, eigentlich für die ganze Woche.

Bildschirmfoto 2019-04-29 um 18.36.09.png

Bildschirmfoto 2019-04-29 um 18.36.45.png

Tagesetappe

_DSC1189.jpg

alter Bauernhof

_DSC1193.jpg

Theater von Maribor

_DSC1195.jpg

Blick auf die Altstadt von Maribor

28. April 2019

Frisch geduscht und glücklich sitze ich jetzt im Gastgarten meines heutigen Hotels. Ein Radler hilft mir mein Flüssigkeitsdefizit auszugleichen. Das waren heute 76 Kilometer  und 580 Höhenmeter. Der Eurovelo 9 ist in Österreich nach wie vor, also seit Wien als Thermenweg bekannt. Insbesondere in der Steiermark fährt man von einem Thermalbad zum nächsten. Wunderbare Ausflugsgaststätten säumen den Radweg. Es geht permanent bergauf und bergab, ganz anders als ich das die letzten Tage gewöhnt war.

Dazwischen gibts überall Heurigen und Kürbiskernöl, das muss im Herbst traumhaft schön sein hier. Ich jedenfalls bin das erste Mal in der südlichen Steiermark, und sicherlich nicht das letzte Mal.

Während es zuhause scheinbar eiskalt und regnerisch ist, bin ich heute ab Mittag kurzärmlig geradelt, lediglich bei den Abfahrten wurde es dann frisch. Meine maximale Geschwindigkeit lag heute bei 68,7 km/h.

Unterwegs, mitten im Wald streifte ich eine Straußenfarm, und kam mit den Eigentümer ins Gespräch. Der Eigentümer machte dann von mir und einem Strauß ein Foto, und tatsächlich nannte er ihn Alois.

_DSC1182.jpg

Er schrie, Alois schau her, und ich meinte, das mache ich doch schon die ganze Zeit.

Der Tag ist wie im Flug vergangen, denn ich war den ganzen Tag körperlich gefordert.

Nach Maribor sind es gerade mal noch ungefähr 50 Kilometer, ich werde die österreichische Gastlichkeit und Kochkunst wahrscheinlich vermissen. Ich lasse mich da mal überraschen.

Wie ich dann weiterfahren werde, kann ich nicht sagen, ich denke, die nächste Station wird dann Ljubliana sein, dann soll es weitergehen nach Rijeka.

_DSC1186.jpg

Burg Neuhaus am Stubenberg

Bildschirmfoto 2019-04-28 um 16.51.37.png

Bildschirmfoto 2019-04-28 um 16.52.15.png

Tagesetappe und Höhenprofil

 

27. April 2019

Wie schon gesagt, hatte ich gestern wirklich Glück mit der Unterkunftssuche, denn in Unteraspang gibt es ausser diesem Gasthof kein andere Location. Die Leute waren sehr nett, und das Essen ausgezeichnet. Um 22 Uhr war für mich dann der Ofen aus, Schlafen war angesagt, und das zu einer Zeit, in der ich normalerweise in Hochform gerate.

Heute früh konnte ich erst gegen 10 Uhr starten, da es regnete, und dazu habe ich keine gesteigerte Lust.

Dann endlich, nach der Regenpause, startete ich, heute 2 Stunden nur bergauf auf eine Höhe von 992 Meter über dem Meer. Gefühlt war ich auf der Zugspitze. 500 Höhenmeter am Stück mit dem Rad und Gepäck sind für mich wahrlich eine Herausforderung.

Es ist unvorstellbar, aber der Gott des Windes zeigte heute für mich Verständnis, ich fuhr praktisch „mit ohne“ Wind. Vielleicht sogar mit einen kleinen Brise von hinten. Insgesamt war es heute den ganzen Tag bedeckt, und als ich dann kurz vor Bad Waltersdorf meine weiter Route checken wollte, zogen dunkle bis schwarze Wolken auf, und zwangen mich eine Unterkunft zu suchen. Just zu dem Zeitpunkt, als ich mein Zimmer bezog, begann es wieder zu regnen. Glück gehabt!

Morgen werde ich dann weiterziehen in Richtung Slowenien, und wenn es einerseits meine Kondition und andererseits das Wetter mitmacht, werde ich die erste Nacht in Slowenien übernachten. Wo? Ich lasse mich da mal überraschen.

Bildschirmfoto 2019-04-27 um 16.12.40.pngBildschirmfoto 2019-04-27 um 16.13.13.png

62 Kilometer und 750 Höhenmeter war heute meine Tagesleistung, um 15 Uhr war regenbedingt Schluß.

Bis morgen

Alois

 

26. April 2019

Es ist wieder einmal vollbracht, ein Woche, das heißt 7 Tage saß ich nun auf meinem neuen Tourenrad. Und es macht mir wieder richtig Spaß. In diesen 7 Tagen habe ich knappe 590 Kilometer zurückgelegt, davon runde 70 Kilometer mit dem Zug.

Das ist aber nur Statistik, die mich lediglich peripher interessiert, denn ich fahre so weit ich kann, und auch Lust habe.

Es war sehr schade, dass der Hotelbesitzer vor 6 Wochen verstorben ist, bin ich doch extra wieder vorbei gefahren. Das ist halt das Leben!

Das Essen war wie immer ausgezeichnet, ein Radler und ein Gläschen Wein waren jedenfalls ausreichend um müde ins Bett zu fallen.

Gegen 9 Uhr ging dann wieder weiter. Und man kann es kaum glauben, der Gott des Windes mag mich nicht. Nachdem ich nun in den Süden fahre, kommt nun dieser satte Wind glatt aus dem Süden. Was soll das denn? Naja, ich bin ja gewöhnt, gegen Widerstände zu kämpfen, warum soll es jetzt anders sein.

Der Eurovelo 9 führte mich heute ewig lang an einem Kanal entlang, der heute scheinbar zur Stromerzeugung dient. Früher wurde er natürlich als Transportmittel genutzt. Meistens sind diese Kanalradwege eher unspektakulär bis langweilig, und so war es heute auch. Gegen Mittag bin ich dann kurz nach Wiener Neustadt abgebogen, um einen Kaffee zu trinken und einzukaufen. Glücklicherweise war der Himmel heute bedeckt, ich habe mir gestern nämlich einen netten Sonnenbrand geholt, der sich heute im Laufe des Tages dann nicht weiter verschlimmerte.

Nicht nur der Gegenwind hat mich heute zermürbt, es ging  den ganzen Tag leicht bergauf. Nach einer intensiven Suche im Internet, konnte ich ein Wirtshaus ausfindig machen, und bekam das letzte freie Zimmer. Ansonsten hätte ich 15 Kilometer weiterfahren müssen, mit einem Anstieg von 500 Höhenmeter, was mir für den heutigen Tag erspart blieb. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben!

Langsam komme ich wieder in den Modus, den man weitläufig als Gelassenheit bezeichnen würde. Nach Maribor sind es noch ungefähr 170, vielleicht 180 Kilometer. Das Mittelgebirge nennt man die bucklige Welt. Nicht weit von hier durfte ich im Jahr 2001 ein sogenanntes „Motivationsseminar“ halten, bei dem ich 28 Verkäufer über glühende Kohlen laufen ließ. Ich selbst bin drüber gelaufen, bei Temperaturen von 800 – 1000 Grad Celsius.

Bildschirmfoto 2019-04-26 um 18.04.20.png

Bildschirmfoto 2019-04-26 um 18.08.52.png

Meine Tagesetappe mit dem Höhenprofil!

_DSC1166.jpg

Dom von Wiener Neustadt

_DSC1170.jpg

Garten des Pfarrhauses von Stankt Martin in Pitten

Bis morgen!

Alois

25. April 2019

Tag 6

Bevor ich über den gestrigen Abend, beziehungsweise über den heutigen Tag schreibe möchte ich nochmals auf Richard Löwenherz eingehen, ist er doch ein berühmter Mensch gewesen. Zumindest glaube ich mich an ein Englisch Lektion erinnern zu können, in der er höchstpersönlich die Hauptrolle spielte.

Angeblich war Löwenherz der Erzfeind von Herzog Leopold 5. von Österreich. Als er sich auf der Rückreise eines Kreuzzuges durch Österreich befand, soll er sich angeblich verkleidet durch Österreich geschlichen haben. Er wurde schließlich erkannt und eingekerkert.

Für mich ist das absolut absurd, denn wahrscheinlich haben sie sich um eine Frau gestritten, was sich der österreichische Herzog nicht gefallen ließ.

Na gut, Schluss mit dem Blödsinn, wegen mir werden die Geschichtsbücher ohnehin nicht umgeschrieben, obwohl es mir mehr als logisch erschiene.

Nachdem ich schon öfter in der Wachau verweilte, um die schöne und pittoreske Landschaft und den einmaligen Wein zu genießen, zog es mich wieder mal dahin, wo ich mich halt auskenne, nach Weissenkirchen. Er liegt mitten in der Wachau, und zwar da, wohl es eben die besten Weinlagen gibt. In der Touristeninformation erkundigte ich mich nach einer Unterkunft in der Nähe einer Buschenschänke, die ich dann mir Leib, Leben, Hunger und Durst frequentierte. Als dieser dann gestillt war, mein Blog zu Publikation reif, war zog ich mich in mein Gemach zurück, um den Sieg der Bayern im Fernsehen zu verfolgen.

Nach einem eher dürftigen Frühstück startete ich gegen 8.30 Uhr in den neuen Tag, Donau abwärts in Richtung Wien. Mein Weg führte mich eben als erstes nach Dürnstein, wo ungefähr gefühlte 2000 Amerikaner und Asiaten durch den Ort getrieben wurden. In Krems an der Donau kaufte ich mir schließlich eine neue Brille, nachdem ich meine gestern früh unterwegs verlor. Ein Umstand, der mir sicherlich 2 mal im Jahr passiert.

Der Unterschied zwischen Dummheit und Intelligenz:

Der Dumme macht immer den gleichen Fehler, der Intelligente immer neue!

Zwischen Krems und Tüll geht es circa 40 Kilometer auf dem Donaudamm dahin, begleitet von einer leichten Brise – natürlich Gegenwind!

Auch wenn man nur auf dem Fahrrad sitzt, ist man doch immer gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Ich spreche natürlich nicht von großen und lebenswichtigen Entscheidungen, dennoch beschäftigte mich heute, wo ich abends bleiben möchte. Fahre ich weiter mit dem Rad nach Klosterneuburg, oder nächtige ich in Wien? Wenn man in Wien eine ordentliche Unterkunft möchte, zahlt man locker 100 oder 150 € für die Nacht.   Nachdem ich die Stadt ganz gut kenne, ich habe 2 Jahre dort gearbeitet, habe ich mich eben kurzerhand entschieden in das Hotel zu fahren, in dem ich diese 2 Jahre verbrachte. Es liegt 20 Kilometer ausserhalb, mitten in der Thermenregion, ebenfalls ein wunderbares Weinanbaugebiet. Also habe ich mich in Tulln in den Zug gesetzt, und bin kurz entschlossen nach gefahren. Nach eineinhalb Stunden in der Stadt hat mir dann gereicht. Ich meide solche Städte, denn mit dem Fahrrad sind sie für mich ein Moloch. Jetzt sitze ich in diesem wunderbaren Gastgarten – so sagt man in Österreich, und genieße die Ruhe.

Als ich das erste Mal in diesem Hotel an der Bar saß, fragte ich den Hotelier, ob er mir einen guten Rotwein empfehlen könne. Schon beim ersten Wein konnte ich die Trauben erahnen, beim 2. Wein ist es mir wieder gelungen. Kenna ein sie oos, fragte mich der Chef, und von diesem Zeitpunkt an, durfte ich an jeder Weindegustation partizipieren. Als ich mich an der Rezeption bei seiner Gattin erkundigte, wann er denn heute Abend kommen würde, teilte sie mir mit, und sie erkannte mich sofort wieder, dass er vor 6 Wochen vollkommen überraschend verstorben sei…..

Schade!

Die Wiedersehensfeier bei einem guten Tröpfchen Wein bleibt lediglich ein Wunsch!

That’s live!

Übrigens saß ich an eben dieser Bar, als die Twin Tower in New York zusammen stürzten.

Ja, morgen wird mich der Weg in Richtung Steiermark führen, auf dem Eurovelo 9, einem europäischen Fernradweg von Danzig nach Pula in Kroatien.

Bildschirmfoto 2019-04-25 um 19.06.54.png

Die Tagesroute inklusive der Eisenbahnfahrt

_DSC1149.jpg

Weissenkirchen in der Wachau

_DSC1157.jpg

Die Donau und der Radweg

_DSC1151.jpgIm Hintergrund Dürnstein mit der Burgruine

 

 

24. April 2019

heute ist der 5. Tag, an dem ich mich mit meinem Fahrrad durch die Lande quäle. Als ich  heute früh das Bett verlassen wollte, spürte ich alle Muskeln, das Kreuz tut weh, und der „Hintern“ verweigert die Zusammenarbeit.

Dennoch soll dies der letzte Anfall von Jammern sein, denn die Freude an meiner Reise überwiegt natürlich ganz deutlich.

Den gestrigen Abend habe ich mit Gabriel aus Lüneburg vor dem Fernseher verbracht. Ich musste mir die HSV Niederlage gegen die Red Bull gesponserten Leipziger ansehen. Ich hätte den Hamburgern definitiv den Sieg gegönnt.

Nach einem üppigen Frühstück packte ich dann mein neues Radl, und kämpfte mich aufs Neue gegen den himmlischen Wind Richtung Wien. Nein eher Richtung Wachau. Gemeinsam mit den Lüneburgern ging es bei strahlendem Sonnenschein an der Donau entlang. Ich kann nur sagen, der heutige Tag war wieder einmal wunderbar.

Jetzt sitze ich beim Heurigen in einer Buschenschänke und genieße Essen, Trinken und den lauen Vorsommerabend, mit einer Zigarre im Mundwinkel, die ich mir weiß Gott verdient habe. Natürlich darf das Gläschen Riesling Smaragd nicht fehlen, das sollte doch selbstverständlich sein.

Übrigens wurde er hier in der Wachau, genauer gesagt in Dürnstein Richard Löwenherz gefangen genommen, und nach 2 Monaten Gefangenschaft gegen eine generöse Lösegeldzahlung aus England in die Freiheit entlassen. Er ist nur 42 Jahre alt geworden. Schon damals haben wir des „Gschieß“ mit den Engländern gehabt. Man könnte jetzt über den Zusammenhang der Freilassung Richard Löwenherz und dem Brexit diskutieren, dazu würde dieser wunderbare Riesling sicherlich den einen oder anderen Gedanken freisetzen.

Sollte jemand „Gschieß“ nicht verstehen, der Monaco Franze hatte es immer mit der Elli!

Bildschirmfoto 2019-04-24 um 16.29.54.png

Der heutige Tag, 74 km

_DSC1125.jpg

Deutsch-deutsche Völkerverständigung

_DSC1135.jpg

_DSC1136.jpg

Ein junger Rehbock beim Baden, ein einmaliges Erlebnis!

_DSC1144.jpg

Hotel Mariandl auf den Spuren von Gunther Philipp und Hans Moser

Und jetzt höre ich im Ohr die Reblaus bei einem Achterl Wein:

Schönen Abend

23.April 2019

Als ich mich heute früh, nach dem Frühstück aufs Radl setzte, meldete sich unverzüglich mein Hinterteil, und teilte mir sein Unbehagen mit. Es geht mir also wie jedes Jahr – der Arsch ist der begrenzende Faktor, und nicht der Bauch.

Genau 64,6 Kilometer habe ich heute unter Qualen zurückgelegt, gegen die Schmerzen einerseits und gegen den Sturm, der mir mit 50 Kilometer pro Stunde, in Böen mit 80 Kilometern pro Stunde ins Gesicht blies.

2 mal hätte mich dieser scheußliche Wind fast vom Rad geblasen, nur unter Einsatz meiner Feinmotorik konnte ich Schlimmeres verhindern.

Bei derartigen Verhältnissen ist Geduld und Demut gefragt.

Demut ist die Bescheidenheit der Seele.

Voltaire

Es ist vollkommen egal, wie schnell man vorwärts, wichtig ist man tritt in die Pedale. Es gäbe lediglich 2 Auswege, im nächsten Hotel einchecken und Warten bis sich der Sturm legt, oder den nächsten Zug nehmen, in beiden Fällen hätte ich aber mein Ziel verfehlt.

Diesen Ehrgeiz jedenfalls habe ich, mir solche Tage zu erkämpfen.

Neben Wind und Sturm kam dann Nachmittag auch noch ein leichter Regen, der mich aber in keinster aus der Fassung bringen konnte.

In Grein an der Donau, vielleicht 60 Kilometer vor der Wachau, habe ich eine nette und bezahlbare Pension gefunden.

Bildschirmfoto 2019-04-23 um 16.34.41.png

Mein Tagesetappe

_DSC1113.jpg

Linz im Osten

_DSC1118.jpg

1000 Häuser wurden aus diesem Überschwemmungsgebiet abgerissen, die Menschen umgesiedelt.

Schönen Abend noch!

Alois

22.April 2019

Ich sitze jetzt in einem Hotel in Linz, vor mir steht ein Weißbier, und ich warte aufs Essen. Den ganzen Tag habe ich nichts gegessen, nur Wasser getrunken und mich quasi in die Askese begeben. Ich möchte nicht behaupten, dass mir das liegt! Es muss aber nun mal sein – oder? Diese Frage stelle ich mir den ganzen Tag, und meine mir sehr vertraute Seite sagt permanent, wenn ich an den wunderschönen Lokalen an der Donau vorbeiradle, genehmige dir doch ein Eis, es müssen ja nicht 4 Kugeln sein.

Der Asket sagt dann trocken: NEIN

Trotz starkem Gegenwind, und der fehlenden Nahrungsaufnahme habe ich einen wunderschönen Radltag hinten mir. Zwischen Passau und Linz liegt wohl der schönste Abschnitts des Donauradwegs. 76 Kilometer bin ich heute gegen diesen starken Ostwind geradelt, die letzten 20 Kilometer war ich wieder platt wie eine Flunder, die Kraft verschwand so schnell wie der Gedanke an ein schönes Eis, oder nicht?

Mit der Fähre ging es auf das Nordufer denn ich versprach mir auf dem Nordufer bessere Verhältnisse was den Gegenwind betraf. In Obermühl, also vielleicht 10 Kilometer weiter musste ich wieder mit der Fähre zurück, denn es ging an diesem Ufer nicht weiter. Allerdings bremste mich der Fährmann aus, und ließ mich ein knappe Stunde warten. Er hatte jetzt Mittag. Also blieb mir nichts anderes übrig als selbst zu pausieren – mit Wasser. 2 nette Damen, zu denen ich mich setzte, haben mich in dieser Zeit nett unterhalten. Sie fragten mich weher ich käme, und stellten sofort fest, dass unser emeritierter Papst ebenfalls Regensburger sei. Kennst du den Ratzinger? Ich kenne ihn, aber er kennt mich natürlich nicht, war meine Antwort.

Der spinnt doch, meinten die beiden Damen, was ich nur unterstreichen konnte. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass die 68er Generation schuld sei, dass die Geistlichkeit pädophil wurde. Wer sonst sagte ich zu den Damen. Es können nur die Trittins, die Joschkas, die Oswald Kolles und die Dutschkes dafür verantwortlich gemacht werden,  dass die Geistlichkeit teilweise pädophil wurde, also sich an Kindern vergriff.

Die Hexen waren ja auch selber Schuld, hätten sie doch besser ihren Mund gehalten, nicht wahr?

Jedenfalls war das das Thema unserer Unterhaltung, bis dann der Fährmann wieder bereit war. Die beiden Mädels hatten auf alle Fälle Humor.

So kämpfte ich mich schließlich nach Linz, ein wunderbarer Tag geht zu Ende!

Bildschirmfoto 2019-04-22 um 16.42.36.png

Meine Strecke!

_DSC1092.jpg

Die Schlögener Schlinge

_DSC1100.jpg

Untermühl an der Donau – ein Idylle

_DSC1103.jpg

Mahnmal!

_DSC1106.jpg

Fähre Ottenheim!

Noch ein kleiner Aphorismus meinem lädierten „Arsch“ gewidmet:

Glück tut gut, aber Leid läßt die Seele wachsen.

Ludwig Uhland (1787 – 1862), deutscher Lyriker und Germanist,
Mitglied des Paulsparlaments

 

Bis morgen!